Anguilla ist ein Überseegebiet des Vereinigten Königreichs (British Overseas Territory Anguilla). Es liegt in den Kleinen Antillen in der Karibik. Das Gebiet besteht aus der gleichnamigen Hauptinsel Anguilla und mehreren kleinen, unbewohnten Koralleninseln.

Anguilla hatte 2011 rund 13.600 Einwohner. Der Fortschreibung des Bevölkerungsstandes durch die Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Vereinten Nationen waren es 2024 rund 15.000 Einwohner.UN Department of Economic and Social Affairs, Population Division: World Population Prospects 2024. Summary of Results, S. 57, abgerufen am 20. Mai 2026.

Die größte Ansiedlung ist South Hill mit fast 1700 Einwohnern.

Name Der Name wurde vom italienischen Wort anguilla für „Aal“ abgeleitet und bezieht sich auf die langgestreckte Form der Hauptinsel. Als Alternativname war auch Snake Island (Schlangeninsel) gebräuchlich. Die Arawak bezeichneten die Insel als Malliouhana, die „pfeilförmige Seeschlange“.

Geographie Das Überseegebiet hat eine Fläche von etwa 96 km².Höhere Werte als 96 km² für die Gesamtfläche resultieren meist aus der fehlerhaften Berücksichtigung der Nebeninseln, so nennt das Jahrbuch des Commonwealth (PDF) für Sombrero eine Fläche von 5 km² anstelle der korrekten 0,38 km².

Die Hauptinsel Anguilla ist eine relativ flache, aus Korallen und Kalkstein aufgebaute Insel. Der höchste Punkt mit ist Crocus Hill. Die Insel erstreckt sich in Südwest-Nordost-Richtung über eine Länge von etwa 25 km, die maximale Breite beträgt lediglich etwa 5 km. Ihre Fläche beträgt knapp 91 km². Dort ist die Fläche Anguillas mit „35 Quadratmeilen“ angegeben, ohne dass erläutert wird, ob die Insel Anguilla gemeint ist oder das British Overseas Territory Anguilla (also einschließlich der kleinen Nebeninseln).

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Zugehörige Inseln

Unvollständige Liste der Inseln von Anguilla:

Inselname Aliasname Koordinaten Fläche (km²) Einwohner AnmerkungAnguilla 91 13.600HauptinselAnguillita 0,03 –Blowing Rock … –Deadman's Cay … –Dog Island 2,07 –East Cay … –Little Scrub Island … –Mid Cay … –Prickly Pear CaysPrickley Pear Cays … –Inselgruppe, drei SandinselnSandy Island … –Scilly Cay … –Scrub Island3,48 –Seal IslandSail Island … –Sombrero 0,38 –West Cay … –

Die größten Nebeninseln sind Scrub Island im Nordosten mit 3,48 km² sowie Dog Island mit 2,07 km² nordwestlich von Anguilla. Hinzu kommen noch über 20 kleine Inselchen und Cays und die 55 km nordwestlich gelegene Insel Sombrero.

Nachbarinseln Außerhalb des Überseegebiets sind die nächsten Nachbarn nach Süden die Insel St. Martin, nach Westen die fast 200 km entfernten Jungferninseln und ungefähr 300 km entfernt Puerto Rico.

Klima Das Klima ist tropisch, gemäßigt durch östliche Winde.

Mit Hurrikanen und Tropenstürmen ist von Juli bis Oktober zu rechnen. Anguilla wurde mehrfach von Hurrikanen getroffen, unter anderem von den Hurrikanen Luis im Jahr 1995, Lenny im Jahr 1999 und Irma im Jahr 2017. Der Hurrikan Irma beschädigte 90 % der Infrastruktur auf Anguilla. Nach ersten Schätzungen verursachte er Schäden in Höhe von rund 290 Millionen USD.Karlsruher Institut für Technologie, Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM), Forensic Disaster Analysis Group (FDA): Hurricane Irma – Report No. 1, Focus on Caribbean up until 8th September 2017, S. 1–2, 8. September 2017, abgerufen am 20. Mai 2026.

Religion Nominelle Mitglieder von Religionsgemeinschaften (2011, geschätzt):, abgerufen am 24. November 2017. 73,2 % Protestanten, darunter 22,7 % Anglikaner 19,4 % Methodisten 10,5 % Pfingstbewegung 8,3 % Siebenten-Tags-Adventisten 7,1 % Baptisten 4,9 % Gemeinde Gottes 6,8 % Katholiken 1,1 % Zeugen Jehovas 10,9 % sonstige Christen 3,2 % sonstige Religionen 4,5 % keine Religion.

Geschichte

Frühgeschichte und Kolonialzeit Höhlenzeichnungen und archäologische Funde belegen eine mehrere Jahrtausende lange Anwesenheit der Arawak auf der Insel.

In der Kolonialzeit wurde die Insel auf Kolumbus’ zweiter Reise zwar gesichtet, tatsächlich kolonisiert wurde sie aber erst ab 1650 durch von St. Christopher (St. Kitts) kommende Briten – insbesondere Iren siedelten sich hier an. Kurzzeitig versuchten die Franzosen zwar, Anguilla in Besitz zu nehmen; dies gelang aber nicht. Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Insel als britische Kolonie von Großbritannien direkt verwaltet, bis 1825 in einer Umstrukturierung Anguilla mit St. Christopher und Nevis zu St. Christopher-Nevis-Anguilla zusammengeschlossen wurde. Diese Einheit wurde von St. Christopher aus verwaltet.

Lösung aus der Einheit St. Christopher-Nevis-Anguilla Da die Einwohner Anguillas die Bedürfnisse ihrer Insel benachteiligt sahen, erbaten sie 1872 und erneut 1958 in erfolglosen Petitionen die Loslösung aus der Einheit mit St. Christopher und Nevis.

Im selben Jahr (1958) wurde St. Christopher-Nevis-Anguilla eine der Provinzen der kurzlebigen Westindischen Föderation. Als diese 1962 wieder aufgelöst wurde, wurde St. Christopher-Nevis-Anguilla ein Associated State, ein mit Großbritannien assoziierter Staat. Im Frühjahr 1967 machte sich die Unzufriedenheit der Bewohner von Anguilla mit dieser Situation Luft: Die auf Anguilla diensthabenden Polizeibeamten, von St. Christopher aus eingesetzt, wurden der Insel verwiesen und ein Referendum durchgeführt, bei dem der Austritt aus dem Verbund beschlossen wurde. Als dies nicht zu dem gewünschten Erfolg – eine Unterstellung Anguillas unter direkte britische Verwaltung – führte, erklärte es sich 1969 durch Initiative des österreichischen Ökonomen Leopold Kohr und einer Gruppe von Unterstützern auch von Großbritannien unabhängig. Dies wurde von Großbritannien nicht anerkannt; stattdessen sandte es Truppen nach Anguilla – die freudig begrüßt wurden.

In den folgenden Verhandlungen wurde Anguilla schließlich im Anguilla Act von 1971 eine künftige Abtrennung zugesagt. Es dauerte jedoch bis zum 19. Dezember 1980, bis das Anguilla Act von 1980 diese formell vollzog. Anguilla erhielt den Status eines British Dependent Territory, eines Britischen Überseegebiets, dessen internationale Beziehungen das Vereinigte Königreich wahrnimmt. Die Verfassung von 1982 schrieb die aktuelle politische Struktur fest. Seit 1946 steht das Territorium auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung.

Brexit Seit dem Brexit werden die Stimmen für einen Austritt aus dem Vereinigten Königreich lauter. Anguilla wickelt bisher viele Geschäfte über das benachbarte Saint-Martin ab, das in der EU verblieb, da es zu Frankreich gehört, währenddessen Anguilla mit dem Vereinigten Königreich die EU verließ und den neu vereinbarten Handelsbeschränkungen mit der Union unterliegt. Abstimmen durften die Einwohner von Anguilla beim Brexit-Referendum nicht, was für Unmut sorgte.

COVID-19-Pandemie Folgende Grafiken geben die an die WHO gemeldeten Infektionszahlen während der COVID-19-Pandemie wieder:

mini|center|800px|Bestätigte Infizierte in Anguilla nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte mini|center|800px|Bestätigte Todesfälle in Anguilla nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte. Am 22. September 2021 wurde der WHO der erste Todesfall gemeldet

Politik Anguilla ist ein nicht-souveränes britisches Überseegebiet mit innerer Autonomie. Außerdem ist Anguilla assoziiertes Mitglied der Karibischen Gemeinschaft und Mitglied der Organisation Ostkaribischer Staaten. Es gehört zu den Trägern der Universität der Westindischen Inseln.

Exekutive Die Zuständigkeit des Gouverneurs als Vertreter der britischen Krone erstreckt sich vor allem auf Fragen der Verteidigung, der Außen- und internationalen Finanzpolitik sowie der inneren Sicherheit (inklusive der Polizei). Der Gouverneur wird vom britischen Monarchen, derzeit Charles III., eingesetzt.

Anguillas autonome Regierung ist der Executive Council, bestehend aus dem Regierungschef (Premier), maximal drei weiteren Ministern sowie, qua Amt, dem stellvertretenden Gouverneur und dem Generalstaatsanwalt (Attorney General).

Anguilla gliedert sich in 14 Distrikte.

Legislative Mindestens alle fünf Jahre wählt die wahlberechtigte Bevölkerung Anguillas ein Parlament (House of Assembly), dem neben sieben Wahlkreis-Direktmandaten, vier landesweit gewählte Direktmandate sowie, qua Amt, der stellvertretende Gouverneur (Deputy Governor) und der Generalstaatsanwalt (Attorney General) angehören.

Wirtschaft mini|Südküste von Anguilla Anguilla hat nur wenige natürliche Rohstoffe. Auch die Landwirtschaft spielt keine nennenswerte Rolle. Nur 13 % der Gesamtfläche Anguillas sind überhaupt landwirtschaftlich nutzbar, davon ist nur ein Drittel für den Ackerbau geeignet.Deborah Cichon: British Dependencies: British Virgin Islands, Anguilla, and Montserrat. In: Sandra W. Meditz, Dennis M. Hanratty (Hrsg.): Islands of the Commonwealth Caribbean – a regional study. Federal Research Division, Library of Congress, Washington, D.C. 1989, S. 503–508, hier: S. 505 (Digitalisat, abgerufen am 20. Mai 2026).

Die Wirtschaft stützt sich hauptsächlich auf den Tourismus, auf Finanzdienstleistungen und auf die Vergabe der begehrten Top-Level-Domain „.ai“. Dazu kommen die Rücküberweisungen der zahlreichen Auswanderer in ihre einstige Heimat.

Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2019 bei umgerechnet 334 Millionen Euro. Infolge der Zusammenbruchs des Tourismus fiel es im Corona-Jahr 2020 auf umgerechnet 230 Millionen Euro.Anguilla Statistics Department: National Accounts Statistics 2021. The Valley 2024, S. 30. 2025 stieg das BIP auf umgerechnet 460 Millionen Euro.Eastern Caribbean Central Bank: Annual Economic and Financial Review 2025 – Anguilla. Basseterre, St Kitts and Nevis, Dezember 2025, S. 12, abgerufen am 20. Mai 2026. Die Außenhandelsbilanz ist stark negativ; im Jahr 2025 betrug das Sollsaldo umgerechnet 192 Millionen Euro.

Tourismus Die wirtschaftliche Entwicklung beruhte seit den 1980er Jahren hauptsächlich auf dem Ausbau des Tourismus insbesondere im Luxussegment. Auch mittelfristig setzt die Inselregierung auf eine nachhaltige Weiterentwicklung des Tourismus. Im Jahr 2016 lag der direkte Beitrag des Tourismussektors zum BIP Anguillas bei 19,2 %. Rechnet man die Wirtschaftszweige hinzu, die indirekt mit dem Tourismussektor verknüpft sind, ergab sich im selben Jahr ein Anteil von 56,6 % an der gesamten Wirtschaftsleistung der Insel.

Die einseitige Ausrichtung auf den Tourismus bedingte eine starke Abhängigkeit der Wirtschaftsentwicklung von der Konjunktur in Europa und den USA. Von 2003 bis 2007 erlebte Anguillas Wirtschaft, angefacht von dem durch ausländische Direktinvestitionen im Tourismusbereich stimulierten Bausektor, einen beispiellosen Aufschwung mit jährlichen realen Wachstumsraten von bis zu 17,3 %. Infolge der weltweiten Finanzkrise geriet die Bauindustrie in eine scharfe Rezession, was wiederum ein Hauptfaktor für den Rückgang des BIP um 16,5 % im Jahr 2009 war.

Offshore-Finanzplatz Um die Abhängigkeit vom Tourismus zu mildern, hat sich Anguilla ähnlich wie zahlreiche andere Karibikstaaten als Offshore-Finanzplatz etabliert, insbesondere als Standort für Eigenversicherer (Captive Insurance Companies). Der Finanzsektor erbrachte 2016 rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung der Insel.

Vergabe der Top-Level-Domain „.ai“