mini|hochkant=1.2|Westfale in der Dressur, Olympische Spiele 2024 in Versailles mini|hochkant=1.2|Dressurviereck 20 Meter × 60 Meter

Dressurreiten ist eine Disziplin des Pferdesports, bei der die natürlichen Veranlagungen des Pferdes durch gymnastische Übungen gefördert und verfeinert werden. Das Dressurreiten hat das rittige Pferd zum Ziel, das auf minimale Signale (Hilfen) hin zum exakten Ausführen einer gewünschten Aufgabe („Lektion“) veranlasst werden kann. Die dressurmäßige Ausbildung des Pferdes stellt die Grundlage jeder reiterlichen Betätigung dar und findet ihre Vollendung in der Hohen Schule. Maßgeblich für die Ausbildung aller Pferde in der Dressur ist die sogenannte Skala der Ausbildung.

Zielsetzung Gutes Dressurreiten fördert und verfeinert die natürlichen Bewegungen des Pferdes und ermöglicht ihm, das Gewicht des Reiters optimal zu tragen und trägt dadurch zur Gesunderhaltung des Pferdes bei. Dressur bedeutet in diesem Zusammenhang weniger das Konditionieren des Pferdes auf Kommandos im Sinne einer Freiheitsdressur als vielmehr die Gymnastizierung und Sensibilisierung des Pferdes zur Erhöhung von Kraft, Beweglichkeit und Durchlässigkeit:

Die Ausbildung eines Dressurpferdes erfolgt klassischerweise anhand der Ausbildungsskala.

Dressurreiten als Turniersport Geschichte mini|Dressurreiten vor rund 100 Jahren: Ein Major der Schweizer Armee reitet eine Dressurprüfung auf Kandare Das Dressurreiten als Sport entstand Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Vergleich zwischen Offizieren und war, wie die meisten reitsportlichen Disziplinen, anfangs überwiegend diesen vorbehalten. Während in den höfischen Kreisen lange Zeit die sogenannten „Caroussels“ bzw. „Horse-Ballets“ (vergleichbar heutiger Quadrillen) die üblichen Reitvorführungen waren, wurde 1873 von der „Gesellschaft zur Prämierung gut dressierter Campagne-Pferde“ in Pressburg erstmals ein Preisreiten als Einzelreitwettbewerb durchgeführt. Diese Prüfungen verbreiteten sich in den folgenden Jahren in Europa. Sie enthielten neben den in heutigen Dressurprüfungen üblichen Lektionen auch noch Hindernisse.Die Anfänge der Dressur, Max E. Ammann in der Pferdewoche, 6. Oktober 2015 Als Nachfolger dieser Hindernisse fand sich bis in die 70er Jahre, am Ende von Dressurprüfungen ein Gehorsamssprung.

Das Reglement der seit 1912 olympischen Disziplin geht auf die militärischen Anforderungen der europäischen Kavallerien zurück. Heute sind weltweit Frauen im Dressursport führend. Seit 2009 werden Männer und Frauen bei den Deutschen Meisterschaften im Dressurreiten gemeinsam gewertet. Deutschland ist seit Jahrzehnten auch aufgrund seiner Erfolge in der Pferdezucht dominierend im Dressursport; es ist mit die erfolgreichste Sportdisziplin, in der deutsche Sportler international antreten.

Turniersport Auf Turnieren werden Reiter und Pferde in Dressuraufgaben mittels einer Wertnote von 0 (nicht gezeigt) bis 10 (ausgezeichnet) bewertet. Es wird entweder eine Note für die gesamte Aufgabe vergeben oder eine Gesamtnote, die sich aus separaten Noten für jede einzelne Lektion der Aufgabe ergibt. Die Prüfungen werden auf einem genormten Dressurviereck einzeln oder in kleinen Gruppen durchgeführt und von bis zu fünf Richtern gemeinsam oder einzeln bewertet.

Die Dressuraufgaben bestehen aus einer bestimmten Anzahl von Lektionen, die in einer bestimmten Reihenfolge oder, in einer Kür, auch mit Musikuntermalung in frei gewählter Abfolge gezeigt werden. Das Pferd bewegt sich dabei in den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp auf geraden und gebogenen Linien (Bahnfiguren), vorwärts, seitwärts oder auch rückwärts. In den höheren Disziplinen der Dressur werden kompliziertere Bewegungsabläufe gezeigt (Traversale, Passage, Piaffe, Galopppirouette etc.).

Bewertet werden der Sitz und die Hilfengebung des Reiters, die Bewegung und die Rittigkeit des Pferdes sowie die Korrektheit der Ausführung der verlangten Lektionen.

Immer wieder stehen Dressurreiter wegen möglicherweise tierquälerischer Trainings- und Sport-Methoden, insbesondere der Anwendung der „Rollkur“, auch Hyperflexion genannt, unter Kritik. Hierbei wirkt der Reiter derart stark auf die Zügel ein, dass er sein Pferd zum Senken des Kopfes und Einrollen des Halses zwingt.Andreas Bellinger, Tierquälerei im Reitsport - "Unser Sport ist ernsthaft in Gefahr", ndr.de vom 21. Februar 2024Vorwürfe der Tierquälerei: Steht Dressurreiten vor dem Olympia-Aus?, zdf.de vom 29. Februar 2024

Das Dressurreiten, trotz seiner olympischen Erfolge wenig von den deutschsprachigen Medien beachtet, erlebte ab Ende 2010 zeitweilig eine erhöhte Medienpräsenz. Grund hierfür war die Vermarktung des teilweise als „Wunderpferd“ bezeichneten Hengstes Totilas (verendet 2020), die sich auch in der Boulevardpresse niederschlug.zum Beispiel der Artikel "Das Wunderpferd: Totilas im Sex-Stress" der Bild

Olympische Geschichte

Olympisch ist die Dressur seit Stockholm 1912 (Einzel) und Amsterdam 1928 (Mannschaft). Frauen sind seit 1952 in die Teams integriert.

mini|Einzelgoldmedaillengewinner 2012: Charlotte Dujardin und Valegro mini|Die deutsche Dressurequipe bei der Siegerehrung des Mannschaftswettbewerbs in Hongkong + OlympiasiegerJahr Einzelsieger Mannschaftssieger Land Athlet Pferd 1912 Schweden Carl Bonde Emperor – 1920 Schweden Janne Lundblad Uno – 1924 Schweden Ernst Linder Piccolomini – 1928 Deutsches Reich Carl-Friedrich von Langen Draufgänger Deutsches Reich 1932 Frankreich Xavier Lesage Taine Frankreich 1936 Deutsches Reich Heinz Pollay Kronos Deutsches Reich 1948 Schweiz Hans Moser Hummer Frankreich 1952 Schweden Henri Saint Cyr Master Rufus Schweden 1956 Schweden Henri Saint Cyr Juli Schweden 1960 UdSSR Sergei Iwanowitsch Filatow Absent – 1964 Schweiz Henri Chammartin Woermann Deutschland 1968 UdSSR Iwan Michailowitsch Kisimow Ichor BR Deutschland 1972 BR Deutschland Liselott Linsenhoff Piaff UdSSR 1976 Schweiz Christine Stückelberger Granat BR Deutschland 1980 Österreich Elisabeth Theurer Mon Chérie UdSSR 1984 BR Deutschland Reiner Klimke Ahlerich BR Deutschland 1988 BR Deutschland Nicole Uphoff Rembrandt BR Deutschland 1992 Deutschland Nicole Uphoff Rembrandt Deutschland 1996 Deutschland Isabell Werth Gigolo Deutschland 2000 Niederlande Anky van Grunsven Bonfire Deutschland 2004 Niederlande Anky van Grunsven Salinero Deutschland 2008 Niederlande Anky van Grunsven Salinero Deutschland 2012 Großbritannien Charlotte Dujardin Valegro Großbritannien 2016 Großbritannien Charlotte Dujardin Valegro Deutschland 2020/21 Deutschland Jessica von Bredow-Werndl TSF Dalera BB Deutschland 2024 Deutschland Jessica von Bredow-Werndl TSF Dalera BB Deutschland

Seit Atlanta 1996 ist das Dressurreiten ebenfalls eine Disziplin bei den Paralympics, den Olympischen Spielen der Sportler mit einer Körperbehinderung.

Rekorde Die Weltrekorde in den drei schwersten Dressurprüfungen – Grand Prix de Dressage, Grand Prix Spécial und Grand Prix Kür – liegen jeweils über 80 Prozent, in der Kür sogar über 90 Prozent. Die nachfolgenden Listen enthalten die aktuellen Rekorde sowie auch vorangegangene Weltrekorde. + Grand Prix de DressageErgebnisReiterPferdDatumOrt 87,460 % Valegro 16. Dezember 2014 CDI-W LondonCDI-W London 2014: Ergebnis Grand Prix de Dressage 87,129 % Charlotte Dujardin Valegro 19. April 2014 Weltcupfinale in LyonWeltcupfinale 2014: Ergebnis Grand Prix de Dressage 85,942 % Charlotte Dujardin Valegro 22. August 2013 Europameisterschaften in HerningEuropameisterschaften 2013: Ergebnis Grand Prix de Dressage 84,447 % Charlotte Dujardin Valegro 17. Dezember 2012 CDI-W LondonCDI-W London 2012: Ergebnis Grand Prix de Dressage84,379 %Jessica von Bredow-WerndlTSF Dalera BB24. Juli 2021Olympische Spiele in Tokyo 84,085 % Totilas 26. August 2009 Europameisterschaften in WindsorEuropameisterschaften Dressur 2009, Ergebnis Grand Prix de Dressage 81,333 % Salinero 22. Juni 2006 CHIO Rotterdam

+ Grand Prix SpécialErgebnisReiterPferdDatumOrt 88,022 % Valegro 29. April 2012 CDI 4* Hagen am Teutoburger Wald 86,458 % Totilas 17. Juli 2010 CHIO Aachen85,593 %Jessica von Bredow-WerndlTSF Dalera BB8. September 2023Europameisterschaften in Riesenbeck 84,042 % Parzival 27. August 2009 Europameisterschaften in WindsorEuropameisterschaften Dressur 2009, Ergebnis Grand Prix Spécial

+ Grand Prix KürErgebnisReiterPferdDatumOrt 94,300 % Valegro 17. Dezember 2014 CDI-W LondonCDI-W London 2014: Ergebnis Grand Prix Kür (PDF; 1,6 MB) 93,975 % Charlotte Dujardin Valegro 17. Dezember 2013 CDI-W LondonCDI-W London 2013: Ergebnis Grand Prix Kür (PDF)92,818 %Jessica von Bredow-WerndlTSF Dalera BB10. September 2024Europameisterschaften in Riesenbeck 92,300 % Totilas 16. Dezember 2009 CDI-W LondonCDI-W London 2009: Ergebnis Grand Prix Kür (PDF; 49 kB) 90,750 % Edward Gal Totilas 29. August 2009 Europameisterschaften in WindsorEuropameisterschaften Dressur 2009, Ergebnis Grand Prix Kür (PDF; 20 kB) 87,925 % Salinero 25. März 2006 CDI-W ’s-Hertogenbosch

Kritik In der Dressur werden Lektionen wie Piaffe und Passage gezeigt. Manche sind der Auffassung, dass diese Lektionen nur von Barockpferden verlangt werden sollten.Ulrike Ortrere, Die Geschichte des Reitens (ArtEquestre Geschichte des Reitens, Band 1), ISBN 979-8-33378682-1

Siehe auch Reitkunst Weltreiterspiele Behindertenreitsport Pferdeleistungsschau

Literatur

Weblinks

Xenophon e. V., mit Klaus Balkenhol gegründeter Verein zur Förderung des klassischen, in Bezug auf Artgerechtigkeit überlegenen Dressurreiten Dressurreiten bei der Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)

Einzelnachweise

Kategorie:Pferdesportart