mini|Galileo-Logo mini|Sitz der Galileo-Agentur in Prag Galileo ist ein weltweit nutzbares Navigationssatelliten- und Zeitgebungssystem (GNSS), das von der Europäischen Union betrieben und finanziert wird. Zuständig für den Galileo-Betrieb ist die Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm (EUSPA), die ihren Sitz seit 2014 in der tschechischen Hauptstadt Prag hat.Art. 2 Kooperationsabkommen über ein globales ziviles Satellitennavigationssystem (GNSS) zwischen der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitgliedstaaten und der Ukraine vom 1. Dezember 2005, Bekanntmachung vom 20. Januar 2014 (BGBl. II S. 128).

Stand Juli 2026 befinden sich 32 Satelliten des Systems im Betriebsorbit, wovon 24 im Einsatz sind und 4 als Reserve bereitstehen. Geplant ist eine Konstellation aus 24 aktiven und mindestens 6 Reservesatelliten.

Galileo ist frei nutzbar und kann von Chipsets empfangen werden, wie sie z. B. in Smartphones verbaut werden. Der ursprünglich kostenpflichtige und verschlüsselte Dienst (Commercial Service – CS) wurde zum öffentlichen High Accuracy Service (HAS – Hochgenauer Dienst) umgewidmet. Seit Januar 2023 stehen allen Nutzern drei Frequenzbänder kostenlos und unverschlüsselt zur Verfügung, womit eine weltweite Genauigkeit von wenigen Zentimetern erreicht werden kann. Galileo ermöglicht damit allen Nutzern eine Genauigkeit, die die der konkurrierenden Systeme NAVSTAR, GLONASS und Beidou um mehr als den Faktor 10 übertrifft.

Beteiligte Staaten mini|Brief von Paul Wolfowitz an die Verteidigungsminister der EU-Mitgliedsstaaten vom Dezember 2001, in dem auf mögliche Kompatibilitätsprobleme hingewiesen wird. Galileo ist das erste von der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) gemeinsam durchgeführte Projekt und Teil des TEN-Verkehrsprojektes. Die Finanzierung der Entwicklung übernahmen beide Organisationen zu gleichen Teilen. Am 26. Mai 2003 einigten sich die Mitgliedsstaaten der ESA über die Finanzierung.Am 26. Mai 2003 erfolgte in Paris die Einigung auf Delegiertenebene, am 27. Mai, ebenfalls in Paris, schließlich der formelle Ministerratsbeschluss.

Folgende Staaten außerhalb der Europäischen Union beteiligten sich ebenfalls: Die ist mit 280 Mio. Euro am Projekt beteiligt; ein gemeinsames Trainingszentrum für Satellitennavigation wurde an der Universität Peking eröffnet.China joins EU's satellite network. In: BBC.co.uk, 19. September 2003 vereinbarte im September 2005 eine Zusammenarbeit.GALILEO-Gemeinde weitet sich aus: EU und Indien unterzeichnen Übereinkommen. In: europa.eu, 7. September 2005 Im Oktober 2006 stellte Indien die Zusammenarbeit und die Mitfinanzierung von 300 Mio. EuroIndia puts its money on Galileo. In: Times of India, 31. Oktober 2003 aufgrund sicherheitsrelevanter Aspekte wieder in Frage.India may quit EU-led GPS project. In: Times of India, 16. Oktober 2006 (Siehe auch IRNSS) EU und Israel besiegeln Vereinbarung zu GALILEO. In: europa.eu, 14. Juli 2004 (PDF) EU und Marokko besiegeln Vereinbarung zu GALILEO. In: europa.eu, 12. Dezember 2006 FAZ: Die Testphase für Galileo beginnt. 28. Dezember 2005 (Mitglied der ESA), beteiligt mit ursprünglich 30 Mio. Euro, lieferte (über das bis 2006 existierende Unternehmen Temex, heute (2019) Orolia) für die vier IOV- und die 22 FOC1-Satelliten die extrem genauen Rubidium- (Abweichung von einer Sekunde in 760.000 Jahren) und Wasserstoff-Maser-Atomuhren (Abweichung von einer Sekunde in drei Millionen Jahren)swissinfo.org: 28. Dezember 2005 (Mitglied der ESA) Südkorea beteiligt sich am europäischen Satellitennavigationssystem Galileo. In: Heise online, 13. Januar 2006 EU und Ukraine unterzeichnen Abkommen über GALILEO. In: europa.eu, 14. Juli 2004 (PDF)

Russland brachte zwischen Oktober 2011 und Juni 2016 in sieben Raketenstarts einer Sojus-2-1b Fregat-MT vom europäischen Weltraumzentrum in Französisch-Guayana aus die ersten 14 Galileo-Satelliten ins All.

Mit dem Austritt des Landes aus der EU verlor das Vereinigte Königreich auch die Rechte an der Nutzung des Galileo-Systems. Beim G20-Gipfel 2018 erklärte die britische Regierung unter Theresa May, sie wolle ein eigenes Satellitennavigationssystem für rund 5 Mrd. Pfund aufbauen. Bis dahin waren bereits 1,2 Mrd. Pfund in das Gemeinschaftsprojekt investiert. Großbritannien wurde vom Galileo-Projekt ausgeschlossen, da die EU keine sensiblen Daten mit Staaten teilt, die nicht der EU angehörten. Dies umfasst insbesondere die Nutzung des nicht-öffentlichen Public Regulated Service (PRS) und die Beteiligung britischer Firmen bei Entwicklung und Integration der Satelliten. Stattdessen wurden die Aufträge an ESA ESTEC in den Niederlanden und OHB in Bremen neu vergeben.

Die Vereinigten Staaten standen Galileo zunächst skeptisch gegenüber, vor allem im Hinblick auf die Gefahren einer unkontrollierten militärischen Nutzung. Nachdem Bedenken bezüglich einer technischen Beeinflussung des NAVSTAR-GPS-Systems ausgeräumt wurden, sind oder waren die USA bestrebt, Zugang zum militärischen Dienst von Galileo (PRS) zu erhalten.

Grundlagen

Galileo basiert auf einer Grundkonstellation von 30 Satelliten (27 plus drei laufend betriebsbereite Zusatzsatelliten, zuzüglich des fortlaufenden Ersatzes von Satelliten), die die Erde in einer Höhe von etwa 23.260 km mit 3,6 km/s umkreisen, und einem Netz von Bodenstationen, die die Satelliten kontrollieren. Empfänger in der Größe mobiler Handgeräte wie Smartphones oder Navigationssysteme können aus den Funksignalen der Satelliten die eigene Position mit einer Genauigkeit von ungefähr vier Metern bestimmen. Bei Verwendung von Zusatzinformationen oder -diensten lässt sich ähnlich wie bei anderen satellitengestützten Navigationssystemen (GNSS) die Positionsgenauigkeit in den Zentimeterbereich steigern (DGPS).

Galileo wurde ursprünglich nur für zivile Zwecke konzipiert, wird aber – durch die vom Europäischen Parlament im Juli 2008 verabschiedete Entschließung zu den Themen Weltraum und Sicherheit – auch für Operationen im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) „zur Verfügung stehen“.pmz/c’t: EU-Parlament segnet militärische Nutzung von Galileo ab. In: Heise online, 10. Juli 2008

Satellitenkonstellation

mini|Konstellation der Galileo-Satelliten ohne Reserve-Satelliten (Klicken für Animation) Es sind 30 Satelliten geplant. Die aktuelle Konstellation ist in der Liste der Galileo-Satelliten zu ersehen. Die aktiven Satelliten sollen eine Walker-Konstellation (56°:24/3/1) bilden. Auf drei Bahnebenen mit einer mittleren Inklination von 56° sind jeweils acht Satelliten vorgesehen. Hinzu kommen Reservesatelliten. Der Abstand zwischen den Satelliten beträgt 45° mit einer Abweichung von maximal 2°. Bei einer Höhe von 23.222 km über der Erdoberfläche benötigen die Satelliten etwa 14 Stunden für einen Umlauf.

Nach 17 Umläufen oder 10 Tagen wiederholt sich das Muster der Bodenspur.

Bodensegment Im Vergleich zu anderen Satellitensystemen benötigt ein Satellitennavigationssystem eine große Anzahl von Infrastrukturelementen am Boden. Diese sind im Folgenden aufgezählt:

Zwei gleichberechtigte Galileo Control Centres (GCC) in Oberpfaffenhofen (Deutschland) und Fucino (Italien). Nominal überwacht und kontrolliert Oberpfaffenhofen die Satellitenkonstellation, während Fucino für die Bereitstellung der Navigationsdaten sowie die hochgenaue Bahnbestimmung und Zeitsynchronisation zuständig ist. Im Falle eines gravierenden Ausfalls können die beiden Kontrollzentren sich gegenseitig ersetzen. Das GCC stellt sicher, dass die Satelliten spätestens alle 100 Minuten neue Navigationsdaten erhalten. Sechs weltweit verteilte Bodenstationen (TT&C) für die Satellitenkommunikation mit 13-Meter-Antennen im S-Band (2 GHz) 30 weltweit verteilte Referenz-Empfangsstationen (GSS) zur Erfassung der Galileo-Signale im L-Band. Aus diesen Signalen berechnet das Kontrollzentrum alle zehn Minuten die Navigationsdaten (Bahnen und Zeitdifferenzen) Zehn weltweit verteilte Up-link-Stationen (ULS) zur Übertragung der von den Satelliten ausgestrahlten Galileo-Navigationssignale, Kommunikation mit 3-Meter-Antennen im C-Band (5 GHz) Das Sicherheitszentrum (GSMC) in Frankreich (St. Germain-en-Laye) mit einem Backup in Madrid. Diese sind für den behördlichen Dienst (PRS) sowie die Systemsicherheit zuständig. Galileo Reference Centre (GRC) in Noordwijk, Niederlande. Dieses Zentrum arbeitet autonom ohne Verbindung zu den Gallileo-Einrichtungen und misst unabhängig die Leistungen des Galileo Satellitensystems. Des Weiteren zusätzliche Servicezentren zur Zeitreferenzierung, geodätische Dienste, Koordinierungszentren für den SAR Service...

Die weltweit verteilten Elemente sind zum großen Teil auf europäischem Territorium installiert, es werden in großem Umfang die Französischen Überseegebiete genutzt, aber auch Stationen auf norwegischem Hoheitsgebiet (obwohl Norwegen kein EU-Mitglied ist). Stationen, die ursprünglich auf UK-Territorium aufgebaut wurden (Ascension, Falklandinseln) wurden inzwischen im Zuge des Brexit entfernt.

Finanzierung und Kosten Anfangs war geplant, das Projekt über eine öffentlich-private Partnerschaft (PPP) zu finanzieren. Im Jahr 2007 zerbrach die PPP. Die Finanzierung von Galileo wurde am 24. November 2007 geklärt. Das Geld soll hauptsächlich aus den Einsparungen im EU-Agrarsektor kommen.

Bis 2007 wurden 1,5 Mrd. Euro in die Entwicklung investiert. Für den Endausbau bis 2013 waren ursprünglich 3,4 Mrd. Euro aus dem EU-Haushalt geplant.EU setzt sich im Streit um Galileo durch. In: tagesschau.de-Archiv, 24. November 2007 Laut der Halbzeitüberprüfung der EU-Kommission im Januar 2011 werden die Kosten mit vermutlich 5,3 Mrd. Euro bis 2020 deutlich höher sein.

Für den Zeitraum 2014–2020 stellte die Europäische Union Mittel in Höhe von insgesamt 7,072 Mrd. Euro für die Programme Galileo und EGNOS bereit. Dieser Finanzrahmen deckte die Programmverwaltung, die Errichtung und den Betrieb von Galileo, den Betrieb von EGNOS und die mit diesen Tätigkeiten verbundenen Risiken ab. Bis Ende 2016 waren die Programme Galileo und EGNOS auf dem besten Weg, die durch die GNSS-Verordnung für den Zeitraum 2014–2020 gesteckten Budgetgrenzen einzuhalten.

Projektphasen Erste und zweite Phase: Planung Die erste Projektphase zur Definition der Aufgaben finanzierte die ESA mit circa 100 Mio. Euro. Die Planungs- und Definitionsphase schloss mit dem Start und der Inbetriebnahme zweier Testsatelliten und der zugehörigen Bodenstationen im Januar 2006 ab. Der Test der Sendefrequenzen musste vor dem 10. Juni 2006 erfolgen, weil sonst die Reservierung für die Galileo-Frequenzbänder bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) verfallen wäre. Mit der Entwicklung, dem Start und Test von vier Galileo-Satelliten (In Orbit Validation, IOV) endete die zweite Phase 2011. Anfang 2003 vereinbarten die Raumfahrtagenturen Europas und Russlands, die GLONASS-Satelliten zum Test ausgewählter Teile des Galileo-Systems zu nutzen. Hierbei soll auch die Kompatibilität beider Systeme geprüft werden. Die Kosten der zweiten Phase (Entwicklungsphase) von voraussichtlich 1,5 Mrd. Euro tragen die Europäische Union und ESA gemeinsam.

Innerhalb der ESA übernahmen Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien jeweils 17,5 %. Spanien trägt 10 % der Kosten. Belgien zahlte 26,5 Mio. Euro, der Rest wird unter den übrigen 15 ESA-Mitgliedsstaaten aufgeteilt. Die übrigen 750 Mio. Euro kommen aus dem Haushalt für transeuropäische Netze der Europäischen Union (TEN). An TEN ist Deutschland über seine EU-Beitragszahlungen mit zirka 25 % beteiligt und ist damit der größte Geldgeber für das Projekt. Die Phase C/D umfasst den Betrieb von drei bis vier funktionstüchtigen Satelliten, dem Raumsegment, und der Boden-Betriebseinrichtungen, dem Bodensegment. Das Bodensegment besteht aus untereinander vernetzten Empfangs- und Sendestationen.