Die Didaktik (von ) ist die „Kunst“ und die „Wissenschaft“ des Lernens und Lehrens. Sie ist eine zentrale Einzelwissenschaft im Bildungswesen und gehört neben der Ausbildung in bestimmten Schulfächern zur Qualifizierung der Lehrkräfte in der wissenschaftlichen Lehrerbildung. Die Tätigkeit und Ergiebigkeit des Lehrens und ihre Lehre wird hingegen als Didaxe bezeichnet.

Begriffsbestimmungen, Einordnung und Abgrenzung Der Didaktikbegriff – erste Begriffsbestimmungen Didaktik im engeren Sinn beschäftigt sich mit der Theorie des Unterrichts, im weiteren Sinne mit der Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens. Nach Johann Amos Comenius (1592–1670) ist Didaktik „Lehrkunst“, während die „Lernkunst“ Mathetik ist.Johann Amos Comenius: Didactica magna in Opera didactica omnia (1657).Hartmut Mitzlaff: Johann Amos Comenius (1592–1670) pansophischer Sachen-Unterricht. In: Kaiser & Pech (Hrsg.): Basiswissen Sachunterricht. Band 1: Geschichte und historische Konzeptionen des Sachunterrichts. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2004, S. 41–46. Wolfgang Klafki unterscheidet die Didaktik als theoretische Wissenschaft strikt von der Methodik, die sich mit den praktischen Verfahren des Lehrens und Lernens (dem Wie) befasst. Ein weiterer fundamentaler Gegenbegriff zur Didaktik als „Lehre durch Unterweisung“ ist die Mäeutik, der didaktische Aspekt der sokratischen Methode, als „Lehre durch Gespräch“ oder „Lehre über Selbsterkenntnis“.

Die Didaktik arbeitet mit den durch die ausgewählte Bildungstheorie selektierten Inhalten, Zielen und deren Begründungen (dem Was, Wozu und Warum).Siegbert Warwitz, Anita Rudolf: Projektunterricht. Didaktische Grundlagen und Modelle. Verlag Hofmann, Schorndorf 1977. Sie ist jedoch unabhängig davon auf mehrere Bildungstheorien anwendbar. Im Gegensatz dazu ist sie abhängig von der gewählten Lerntheorie, d. h., je nachdem, welche Ansicht man über den Prozess des Lernens vertritt, wird man die Wissenselemente derart auswählen, reduzieren und reihen, dass der Prozess optimal unterstützt wird.

Im engeren Sinne versteht man unter Didaktik die Wissenschaft vom Lehren, in Abgrenzung von der Mathetik, die sich als Wissenschaft vom Lernen versteht.

Didaktikarten In Gestalt der „Allgemeinen Didaktik“ beschäftigt sich die Didaktik unabhängig von spezifischen Lerninhalten vorrangig mit den Prinzipien, Lehr- und Lernmodellen sowie Begründungsfragen von Bildungsprozessen. Mit dem Lehren und Lernen fachbezogener Lehr-Inhalte sowie dem Erwerb fachlicher Kompetenzen beschäftigen sich die „Fachdidaktiken“. Überlegungen zu einer „Allgemeinen Fachdidaktik“ (Bayrhuber u. a. 2016) arbeiten das Gemeinsame und die fachbezogenen Unterschiede in den Lehr-/Lernkonzepten der einzelnen Didaktiken heraus.

Das Lernen in bestimmten Schulstufen wird in „Stufendidaktiken“ thematisiert. Das Lernen mit mediengestützten Lernangeboten wird in der Mediendidaktik bearbeitet. Fächerübergreifende Themenbereiche sind Gegenstand der „Interdisziplinären Didaktik“, etwa des Projektunterrichts oder des Projektorientierten Unterrichts.

Allmähliche Herausbildung einer kontextübergreifenden Disziplin Lange Zeit bezog sich Didaktik allein auf schulischen Unterricht und galt als Bezugsdisziplin für das Handeln von Lehrern vor allem der Primar- und Sekundarstufe. Andere Lernkontexte, wie Erwachsenen- und Weiterbildung, Lernen in beruflichen Kontexten oder der Hochschule wurden ausgeblendet oder vernachlässigt. Die Fixierung auf das Handeln der Lehrenden ist in den 1990er Jahren durch die Diskussion über den Konstruktivismus relativiert worden. Didaktik ist nicht mehr (allein) Handlungswissenschaft für Lehrkräfte, sondern beschäftigt sich ganz allgemein mit allen lernförderlichen Arrangements, wie es vor allem die Konstruktivistische Didaktik betont. So hat in den 1990er Jahren etwa die Mediendidaktik ganz wesentliche Impulse für die Didaktik-Diskussion gebracht. Mit der zunehmenden Bedeutung verschiedener Lernkontexte außerhalb von Schule konstituiert sich Didaktik als kontextübergreifende Disziplin, die sich mit der Gestaltung von Lernangeboten beschäftigt.

Verortungen, elementare Fragestellungen Nach Werner Janks und Hilbert Meyers Didaktische Modelle befasst sich Didaktik mit der Frage: „Wer was von wem wann mit wem wo, wie, womit und wozu lernen soll?“.Werner Jank und Hilbert Meyer: Didaktische Modelle. 3. Auflage. Cornelsen, Berlin 1994. S. 16 u. 17. Nach Siegbert Warwitz und Anita Rudolf stellt außerdem die Frage des „Warum“, die „Begründung“ der Lernstoffe, Lernziele und Formen des Lehrens und Lernens, eine unverzichtbare Komponente erfolgversprechender Didaktik dar. Ihre Klärung dient der Akzeptanz der Bildungsprozesse, die nicht einfach verordnet werden dürfen, sondern jeweils kritisch zu hinterfragen und nachvollziehbar zu begründen sind.Siegbert Warwitz, Anita Rudolf: Projektunterricht. Didaktische Grundlagen und Modelle. Verlag Hofmann, Schorndorf 1977.

Das Verständnis von Didaktik als „Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens“ vermeidet die verbreitete vereinfachende „Vulgärdefinition“, der zufolge sich Didaktik mit dem Was und Methodik mit dem Wie des Unterrichtens befasse. Sachgerechter erscheint es nach Klafki, Methodik als eine Teildisziplin der Didaktik zu verstehen.

Vor diesem Hintergrund lässt sich Didaktik insgesamt verstehen als „Lehre und Wissenschaft vom Lernen und Lehren in ihren Wechselbeziehungen sowie mit ihren Voraussetzungen und Bedingungen“ (Tulodziecki/Herzig/Blömeke 2017, S. 270).

Geschichte der Didaktik

Jan Amos Komenský (Comenius) entwickelte die erste Didaktik der Neuzeit. Frühe didaktische Modelle sind die Anschauungspädagogik des 19. Jahrhunderts und die Arbeitspädagogik des 20. Jahrhunderts als Teil der Reformpädagogik.

Die Gesamtentwicklung ist durch unterschiedliche Auffassungen von Didaktik gekennzeichnet, die bis heute in der didaktischen Diskussion eine Rolle spielen: Didaktik als Kunst des Lehrens, als Lehre vom erziehenden Unterricht, als Bildungslehre, als Programm zur Veränderung von Schule, als Theorie der Bildungsinhalte und des Lehrplans und schließlich als Wissenschaft vom Lernen und Lehren.

Die „Allgemeine Didaktik“ beschäftigt sich mit der Begründung von Unterricht, Unterrichtszielen und -inhalten, den didaktischen Methoden und der Gestaltung von Unterricht – unabhängig von dem institutionellen Kontext, der Stufe oder des Unterrichtsfachs. Zusätzlich haben sich Fachdidaktiken entwickelt, die sich mit der Vermittlung der unterschiedlichen fachlichen Inhalte beschäftigen. Die Deutschdidaktik beispielsweise hatte bereits erste Ansätze im 15. Jahrhundert. In den 1960er Jahren formulierte Wolfgang Klafki erste Ziele und Inhalte der Deutschdidaktik. Kreft schuf 1982 ein „Prototypisches Verstehensmodell“, welches den Verstehensprozess im Literaturunterricht untersuchte. Dieses wurde in den 80er Jahren von Kaspar Spinner verfeinert. Seit Anfang der 1980er Jahre befürwortete Wolfgang Isers rezeptionsästhetische Theorien und schlug das Inszenieren von Standbildern im Literaturunterricht vor. Seit den 1990er Jahren gibt es Konzepte zum medienintegrativen Unterricht, welche audiovisuelle Medien und neue Medien einschließen.Anja Saupe (Hrsg.): Literaturdidaktik. Studienbuch Literaturwissenschaft. 2., aktualisierte Auflage. Akademie Verlag, 2012, S. 15 ff.

Nach der Allgemeinen Didaktik und den Fachdidaktiken haben sich ebenfalls die Mediendidaktik etabliert, die sich mit dem mediengestützten Lernen und dem Arrangement von mediengestützten Lernangeboten beschäftigt, sowie Didaktiken, die sich mit dem Lehren und Lernen in bestimmten institutionellen Kontexten und Schulstufen beschäftigen, wie z. B. die Berufsdidaktik, die das Lernen und Lehren in der Berufsschule bzw. Berufskolleg thematisiert, oder die Grundschuldidaktik oder der Erwachsenen- und Weiterbildung.

Prinzipien, an denen Lehren und Lernen ausgerichtet werden können

Als „Wissenschaft vom Lehren und Lernen“ beschreibt die Didaktik allgemeine Prinzipien und Regeln, die für jegliches Unterrichten und sämtliche Fachwissenschaften Geltung beanspruchen. Es handelt sich nicht um inhaltliche, gar ideologische, sondern um formale Vorgaben wissenschaftsgerechten Lehrens und Lernens. Ein Missverständnis von Didaktik ist die sogenannte „Abbilddidaktik“, nach der es nur darum gehe, die Ergebnisse der Fachwissenschaften in die Schülerköpfe zu transportieren. Die Fachwissenschaften sind nur ein Bezugspunkt der Didaktik, andere sind die Gesellschaft, die Bedürfnisse der Schüler oder die Ausrichtung der Lehrkraft, wie sie sich im sogenannten Didaktischen Dreieck darstellen.

Modelle der Allgemeinen Didaktik Als ein allgemeindidaktisches Modell bezeichnen Jank/Meyer nach Blankertz (1969) ein „auf Vollständigkeit zielendes Theoriegebäude zur Analyse und Planung didaktischen Handelns in schulischen und anderen Lehr- und Lernsituationen“ (siehe auch Modell). Zunehmend an Bedeutung gewinnen didaktische „Konzepte“ (geringerer Reichweite), die sich auf die empirische Lehr-Lern-Forschung und die Forschung auf Didaktisches Design beziehen.

Die folgenden „didaktischen Modelle“ wurden lange in Deutschland diskutiert: bildungstheoretische Didaktik, erneuert als kritisch-konstruktive Didaktik, lerntheoretische Didaktik, informationstheoretisch-kybernetische Didaktik, Entwicklungslogische Didaktik sowie die kommunikative Didaktik.

Diese zwischen 1930 und 1990 im deutschsprachigen Raum entstandenen Ansätze verstanden sich jeweils als konkurrierende Richtungen, die vor dem Hintergrund der Lehrerausbildung entstanden und jeweils die Bildung einer eigenen „Schule“ zu etablieren versuchten. Mit der Fokussierung auf diese „didaktischen Modelle“ und „Schulen“ blieb die Diskussion in Deutschland bis in die 90er Jahre von der internationalen Forschung weitgehend abgeschnitten. Erst Ende des 20. Jahrhunderts fand die Forschung Anschluss an die internationale Diskussion und die Forschung zum Vermittlungsdesign. Statt der „Schulenbildung“, die die deutsche Diskussion lange Zeit geprägt hat, entwickelt sich Didaktik zunehmend zu einer interdisziplinären Wissenschaft mit einem hohen empirisch fundierten Anteil. Theoretischen Grundlagen werden z. B. aus der Lehr-Lernforschung, Gesellschaftstheorien, Erkenntnistheorien (wie z. B. Konstruktivismus) oder Kommunikationstheorien gewonnen.

Vor diesem Hintergrund sind verschiedene Didaktiken entstanden. Dazu zählen u. a. die konstruktivistische Didaktik (Kersten Reich), die evolutionäre Didaktik (Annette Scheunpflug), die subjektive Didaktik (Edmund Kösel), die handlungs- und entwicklungsorientierte Didaktik (Gerhard Tulodziecki / Bardo Herzig / Sigrid Blömeke) und die Bildungsgangdidaktik (Meinert A. Meyer).

Bildungstheoretische Didaktik Vertreter der Bildungstheoretischen Didaktik sind: Wolfgang Klafki, Wolfgang Kramp, Eduard Spranger, Herman Nohl, Wilhelm Flitner, Erich Weniger, Theodor Litt, Claus Gnutzmann.

Die Bildungstheoretische Didaktik versteht Unterricht als „Prozess einer ‚Begegnung‘ zwischen ausgewählten geeigneten Bildungsgütern und der nachwachsenden Generation“ (Ewald Terhart: Didaktik (2009)). Für den Lehrer steht die Auswahl, Anordnung und Explikation der Inhalte im Zentrum, Methoden- und Medienfragen sind nachgeordnet. Seit 1958 wurde sie von Wolfgang Klafki weiter entwickelt. Auf ihn geht die These vom „Primat der Didaktik“ zurück, dem die Methodik nachgeordnet sei. Aufgrund der folgenden Diskussionen und wissenschaftstheoretischen Neuorientierungen hat Wolfgang Klafki sein System zur kritisch-konstruktiven Didaktik weiterentwickelt. So hat er weniger den traditionellen Bildungslehrplan als eine Reihe epochaltypischer „Schlüsselprobleme“ zur Grundlage inhaltlicher Entscheidungen gemacht. Diese veränderten sich allerdings im Laufe der Jahrzehnte seit ihrer ersten Benennung in den 1980er Jahren durch Klafki.