Vintl ([]; mundartlich die Vintl; italienisch Vandoies) ist eine italienische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im unteren Pustertal in Südtirol. Ihr Hauptort Niedervintl liegt an der Mündung des Pfunderer Bachs in die das Pustertal von Ost nach West durchfließende Rienz.

Die Fraktion Obervintl befindet sich etwa drei Kilometer weiter östlich im Pustertal. Weitere Ortschaften der Gemeinde sind Weitental und Pfunders im etwa 20 km langen Pfunderer Tal. Daneben gibt es zahlreiche Weiler, Streusiedlungen und Einzelhöfe, die oft weitab der Ortskerne im Talgrund und an den zumeist sehr steilen Seitenhängen liegen.

Nächster größerer Ort ist das etwa 10 km südsüdwestlich gelegene Brixen.

Geographie

Lage mini|Die Gemeinde Vintl im westlichen Pustertal Das Gebiet der Gemeinde Vintl liegt im westlichen Pustertal und umfasst eine Fläche von 110,51 km². Damit liegt sie flächenmäßig an 21. Stelle unter den 116 Südtiroler Gemeinden. Zwei Talsysteme geben dem Gemeindegebiet das Gepräge:

Das von der Rienz durchflossene Pustertal zwischen der Mühlbacher Klause und Obervintl liegt in einer Meereshöhe von etwa . Es weist eine bis zu 600 m breite flache Talsohle auf, die an einigen Stellen durch Schwemmfächer gegliedert ist. An diese schließen sich seitlich sehr steile Talhänge an.

Das vom Norden her einmündende, von den Pfunderer Bergen der Zillertaler Alpen umschlossene Pfunderer Tal weitet sich an mehreren Stellen und macht dort Platz für vergleichsweise bescheidene landwirtschaftlich nutzbare Kulturräume. Einige Talabschnitte sind sehr eng und schluchtartig. In seinem Verlauf vom hoch liegenden Mündungsgebiet über Weitental () und Pfunders () bis zur nahe an den Zillertaler Hauptkamm heranreichende Hochgebirgswelt durchsticht das Tal mehrere geologisch interessante Gesteinsformationen. Seine höchste Erhebung findet das Gemeindegebiete am hohen Niederen Weißzint.

Territoriale Gliederung der Siedlungen mini|Vintl – das Gemeindegebiet Das Gemeindegebiet umfasst vier Fraktionen: Niedervintl, Obervintl, Weitental und Pfunders. Der Ortskern von Niedervintl liegt im Mündungsbereich des Pfunderer Tales ins Pustertal auf einer niedrigen Erhebung, die vom Pfunderer Bach erst nach einem Rechtsschwung überwunden wird. Am Fuß der gegenüberliegenden Talseite nützen die Höfe von Priel den knappen Kulturgrund zwischen Rienzbett und dem bewaldeten Steilhang der hier abfallenden Lüsner Berge (einer Untergruppe der Dolomiten). Am südexponierten Hang des Pustertales, der sich westlich an das Pfunderer Tal anschließt, liegt die zu Niedervintl gehörende, ausgedehnte Streusiedlung von Sergs, die an die östlichen Höfe von Meransen angrenzt. Im Talgrund des Pustertales ist die Ortschaft von Obervintl () heute über den schmalen Siedlungskorridor der Gewerbezone an der orografisch rechten Seite mit Niedervintl verbunden. Am nordexponierten Hang des Pustertales weist der Getzenberg bei Obervintl an manchen Stellen ein flacheres Hangrelief auf, sodass sich verstreut liegende Bauernhöfe ansiedeln konnten.

Im etwa 3 km langen Eingangsbereich ins Pfunderer Tal befinden sich bis zur Ortschaft Weitental nur wenige Höfe. Die Ortsteile Außerdrittel, Dorf, Huntsdorf und Hinterdrittel sind in der Talsohle oder an den daran angrenzenden talnahen Hängen angesiedelt. Kegelberg, am Steilhang des Gitschberges gelegen, kann auch über eine von Meransen über den Stolbergsattel führende Straße erreicht werden. Auf der gegenüberliegenden Talseite grenzen die Höfe des Honigberges an die zu Terenten gehörenden Ortsteile Talson und Margen. Weiter im Talinnern liegen auf dem Schwemmkegel des Schmansenbaches die Streusiedlung von Schaldern und auf einem steilen Mittelgebirgsplateau die Höfe von Kammerschien.

mini|Pfunders mit den Ortsteilen Schattseite, Sonnseite und Riegl, Eggerseite Der Talkessel von Pfunders weitet sich erst nach einer Talenge, verursacht von einem vom Gitschberg herunterstreichenden Felsriegel aus widerstandsfähigem Biotitplagioklasgneis, bei dem die imposante Schalderwand besonders ins Auge sticht. Die Benennung der Ortsteile von Pfunders hat zum Teil mit deren geografischer Lage zu tun: So wird der am Westhang liegende und am Abend schattige Ortsbereich Schattseite, der gegenüberliegende Sonnseite genannt. Mit der Sonnseite über eine Straße verbunden ist die Höfegruppe von Riegl. Die Eggerseite wird durch den besiedelbaren Stirnbereich einer mächtigen Talsperre gebildet, die dort aus querverlaufenden harten, quarzlinsenreichen Tonschiefern besteht, und nach deren Überwindung man in den Weiler Dun gelangt, verstreut und steil liegende Höfe auf der orografisch linken Talseite. Der höchste dauerhaft besiedelte Hof ist der Walderhof auf . In Dun gabelt sich das Tal. Der Hauptast, der sich hier zur Schlucht verengt, führt in ausgedehnte Almgebiete, von denen das größte der Weitenberg auf Meereshöhe ist, und auf das Pfunderer Joch (), über das Pfitsch erreicht werden kann. Der Nebenast führt zur Boden-Alm und nach einer mächtigen Talstufe in die Eisbrugg-Alm mit dem Eisbruggsee und zum Eisbruggjoch mit der Edelrauthütte.

Nachbargemeinden Nachbarin im Westen ist die Gemeinde Mühlbach, im Norden ist es Pfitsch, im Osten sind es Mühlwald, Terenten und Kiens und im Süden Rodeneck. Keine direkten Straßenverbindungen gibt es nach Pfitsch, Mühlwald und Rodeneck. Von Niedervintl führt eine gut ausgebaute Straße auf das auf einem Mittelgebirgsplateau liegende Terenten hinauf. Das Pfunderer Tal ist verkehrstechnisch gesehen eine Sackgasse, sieht man von der Kegelbergstraße ab, die Weitental mit Meransen über den Stolbergsattel verbindet.

Flächennutzung mini|Die Zirmalm: Typisches Beispiel einer kleinen Privatalm in der Nähe des Pfunderer Höhenweges Der hohe Gebirgsanteil bedingt, dass sich 7,85 % des Gemeindegebietes für landwirtschaftliche Nutzflächen in Form von Äckern und Wiesen eignen. Diese Flächen finden sich vor allem in der Talsohle des Pustertales und des Pfunderer Tales. Früher nahmen die Äcker, selbst im Hochtal von Pfunders, eine größere Fläche ein als die Wiesen. Heute überwiegt die Grünlandwirtschaft. 16,8 % sind Ödland, Gewässer nehmen 0,4 % der Fläche ein, bebaut sind 1,45 %. Mit 73,1 % ist die Vegetationsbewuchs in Form von Wäldern oder Almweiden aufweisende Fläche relativ hoch.provinz.bz.it Flächenstatistik der Realnutzungskarte auf Gemeinde- und Bezirksebene Die meisten und ausgedehntesten Almgebiete liegen in Pfunders, wo sie eine Fläche von 4600 ha einnehmen, womit sie 75 % der gesamten land- und forstwirtschaftlich nutzbaren Fläche ausmachen. Um die 900 Rinder wurden früher auf den Pfunderer Almen gesömmert. Die größte Alm ist die Weitenberger Alm, eine mit 370 Weiderechten genutzte Gemeinschaftsalm.Paul Gruber: Vintl: Geschichte und Gegenwart einer Gemeinde. Beitrag zur Wirtschaftsgeographie von Paul Lang, S. 437 Bei der Landwirtschaftszählung 2000 wurden 275 landwirtschaftliche Betriebe gezählt, wovon 16 „Urlaub auf dem Bauernhof“ anbieten.provincia.bz.it 5. Landwirtschaftszählung 2000

Flüsse und Gewässer Seen sind nur auf dem nördlichen Rand des Gemeindegebietes anzutreffen. Sie sind fast alle in Felsbecken entstanden, die in den Eiszeiten von den Gletschermassen ausgeschürft wurden, so der Weitenbergersee, das „Pollackl“, der Grindlberger See und das „Korseabl“ östlich der Eisbruggalm. Der größte See hingegen, der Eisbruggsee oberhalb der Eisbruggalm, hat sich hinter einer Stirnmoräne gebildet, wobei eine vorhergehende Vertiefung des Geländes durch Gletschereinwirkung aber nicht ausgeschlossen werden kann. Das größte Fließgewässer ist die Rienz, der Fluss, der das Pustertal entwässert. Sie nimmt bei Obervintl den Terner Bach und bei Niedervintl den Pfunderer Bach auf. Der Pfunderer Bach bekommt aus den weitläufigen Almgebieten des hinteren Pfunderer Tales den üppigsten Nachschub, wobei der Eisbruggbach eine wichtige Rolle spielt. Ein großer Anteil dieses Wassers wird in Dun beim „Sandl“ in ein Stollensystem abgeleitet, das ein Elektrizitätswerk in Mühlbach beschickt. Für den Betrieb eines gemeindeeigenen E-Werkes reicht die über das Jahr ziemlich gleichmäßige Wasserführung des Schmansnerbaches aus, der bei Schaldern in den Pfunderer Bach mündet.

Die Pfunderer Berge mini|Edelrauthütte mit dem Niederen Weißzint am Pfunderer Höhenweg Die südwestlich dem Zillertaler Hauptkamm vorgelagerten Gebirgszüge werden Pfunderer Berge genannt und nehmen eine Fläche von etwa 300 km² ein. Das Pfunderer Tal ist in sie eingebettet. Sie umschließen zudem im Westen das Valler Tal, bilden die Bergkette zum Pfitscher Tal hin und greifen im Osten auf die Gemeindegebiete von Mühlwald und Terenten über. Zu den markantesten Gipfeln auf Vintler Gemeindegebiet zählen neben dem Niederen Weißzint () die Grabspitze () in der Nähe des Pfunderer Jochs als höchste Erhebung des Bergkammes zwischen Pfitscher Tal und Weitenberger Kar, die Wurmaulspitze () als höchste Erhebung westlich der Weitenberger Alm, die Napfspitze () südlich des Eisbruggjochs, die Hochgrubbachspitze () als eine der höchsten Erhebungen der östlichen Pfunderer Berge und ihr vorgelagert die Eidechsspitze (), der Vintler Hausberg. Ein bekannter Wanderweg ist der Pfunderer Höhenweg, der von Sterzing ausgeht und durch die Pfunderer Berge bis in die Gegend von Bruneck führt.

Klima Die klimatischen Bedingungen lassen in Vintl und Weitental den Anbau von Weizen zumindest an den sonnenbeschienenen Hängen zu. In Pfunders mussten die Bauern mit den widerstandsfähigeren Getreidesorten Roggen, Hafer und Gerste vorliebnehmen, als der Ackerbau noch in einem größeren Maßstab betrieben wurde. Die Niederschlagsmengen, die im langjährigen Durchschnitt in Vintl 779 mm, in Weitental 733 mm und in Pfunders 944 mmPaul Gruber: Vintl: Geschichte und Gegenwart einer Gemeinde. (Siehe Literatur), S. 430 betragen, sind für eine ertragsreiche Grünlandwirtschaft normalerweise ausreichend. Am ehesten unter Trockenheit leiden Bauern an südexponierten Hängen wie in Sergs.

Flora Westlich von Niedervintl sind die südexponierten Hänge des Rienztales von Resten eines Bergmischwaldes mit Laubbäumen bewachsen. Sonst überwiegen auf diesen Hängen mit Granituntergrund Föhrenwälder. Der schattigere Getzenberg südlich der Rienz ist von Fichtenwäldern bedeckt, in denen einzelne Tannenbestände vorkommen. Die Hänge des Pfunderer Tales weisen die typischen alpinen Fichten-Lärchen-Mischwälder auf, wobei gegen die Waldgrenze hin, die hier bis auf bis maximal hinaufreicht, schüttere Lärchenbestände überwiegen. Was auffällt, ist das Fehlen der Zirbe. In der Tat ist die ganze Südflanke des Zillertaler Hauptkammes ein Zirbenfehlgebiet. Im Talgrund werden Bäche und Feuchtgebiete von Grauerlen begleitet, weiter oben überwuchern Grünerlen („Lutterstauden“) Bachränder, schattige Hänge und heute vermehrt vernachlässigte Weidegebiete. Große Flächen werden von Zwergstrauchheiden eingenommen: von der rostroten Alpenrose („Zetten“) im Verein mit der Schwarzbeere, der Preiselbeere („Granten“) und der Moosbeere („Moosefacken“), weiters vom Heidekraut („Hoadra“) und von der Gemsheide („Jochhoadra“).Paul Gruber: Vintl: Geschichte und Gegenwart einer Gemeinde: Beitrag zur alpinen Vegetation des Pfunderertales von Dr. Gaudenz Lechner, S. 39 ff

Fauna In der Gemeinde Vintl kommen zahlreiche der charakteristischen Wildtiere der Alpen wie Gämsen, Murmeltiere, Rothirsche, Rehe, Füchse, Marder und Schneehasen vor. 1987 wurde eine Steinbockkolonie mit 4 Böcken und 4 Geißen aus Pontresina im Engadin im Eggerseiterberg im hinteren Pfunderer Tal ausgewildert. Daraus ist eine Steinwildpopulation von ca. 30 bis 40 Köpfen entstandenSteinwild in Pfunders. In: Gemeindebote Nr 40. 16. Jahrgang, S. 40 ff.. Ebenfalls vorhanden sind Auerhuhn, Birkhuhn und Schneehuhn. Die Hege des Wildes obliegt den Jägern aus den zwei Jagdrevieren Pfunders und Vintl mit Weitental und Obervintl.

Geologie mini|Die Periadriatische Naht