mini|Blick auf den Winterwald von Bad Liebenstein
Bad Liebenstein – bis 1907 Liebenstein (Sachsen-Meiningen) – ist der namensgebende und einwohnerstärkste Ortsteil der Stadt Bad Liebenstein im Wartburgkreis in Thüringen. Der Ortsteil hat eine Tradition als Kur-, Bäder- und Tourismusstadt. Überregional bekannt wurde er als Sommerresidenz der Meininger Herzogsfamilie, als Thüringens ältestes Heilbad und als größter Herzkurort der DDR im Naturpark Thüringer Wald.
Zum 31. Dezember 2012 fusionierte die Stadt Bad Liebenstein mit den Nachbargemeinden Schweina und Steinbach zu einer neuen Stadt Bad Liebenstein mit etwa 8000 Einwohnern.
Geographie mini|Stadtplan von 1907
Geographische Lage Bad Liebenstein befindet sich im nordwestlichen Thüringer Wald, der durch Berge (beispielsweise Inselsberg und Gerberstein) und Mischwälder geprägt ist. Die Stadt ist vom Burgberg, dem Aschenberg und dem Antoniusberg eingerahmt. Nach Südwesten bietet sich ein Blick in das Werratal mit den Bergen der Vorderrhön, wobei der Pleß am nächsten ist. Größere Städte der Umgebung sind Eisenach, etwa 30 Kilometer nördlich, Meiningen etwa 30 Kilometer südlich, Bad Salzungen, Kreisstadt des Wartburgkreises, etwa 15 Kilometer westlich und Schmalkalden etwa 15 Kilometer südöstlich von Bad Liebenstein gelegen.
Die Höhe Bad Liebensteins wird mit 344 m über Normalnull angegeben. Dabei handelt es sich um die Höhe des ehemaligen Bahnhofes, während der tiefste Punkt bei Meimers mit 267 m ü. NN liegt, befindet sich der höchste Punkt mit ca. 540 m ü. NN unterhalb des Frauenberges.
Geologie Der Thüringer Wald besteht aus einer Scholle paläozoischer Gesteine des ehemaligen Variszischen Gebirges (Ruhlaer Kristallin). In der Zechsteinzeit überflutete ein Meer das Restgebirge. Die Bruchtektonik führte zu Entstehung des Thüringer Waldes. In diesem Zusammenhang entstanden parallele Verwerfungsspalten, die sich auch durch den Ort ziehen. Der Liebensteiner Störung ist die Entstehung der Heilquellen zu verdanken. Am ehemaligen Steinbruch Korällchen wird das Eindringen von Magma bei einer abweichenden Gesteinsart, hier Liebensteiner Gneis, deutlich. Unterschiede gibt es auch in der näheren Umgebung: Während am Aschenberg Sandstein ansteht, ist am Altenstein ein Teil eines Zechsteinriffes erhalten geblieben. In Richtung Rennsteig trifft man aus dem Rotliegenden Porphyre und Granite (z. B. Katzenstein-Granit) sowie Erzgänge an.Text von Udo Rommel aus Bad Liebenstein, Ein Reise(ver)führer. siehe Literatur
Klima
Geschichte
Mittelalter bis 19. Jahrhundert mini|Blick auf Bad Liebenstein, Mitte des 19. Jh. mini|Panorama 1857 Das Gebiet von Bad Liebenstein gehörte einst zum Thüringer Westergau. Im 13. und beginnenden 14. Jahrhundert zählte es zum Einflussbereich der Herren von Frankenstein. Diese mussten aufgrund zahlreicher Fehden und Verschuldung einen Großteil ihrer Besitzungen im Jahr 1330 an die mit ihnen verwandten gefürsteten Grafen von Henneberg verkaufen.
Den Namen Liebenstein (aus dem Mittelhochdeutschen lie, liewe, altnordisch hlie, das heißt das Dickicht, das schattige Laubdach) trug einst nur die Burg, deren Ruine den Burgberg krönt. 1353 gelangte das Gebiet über eine hennebergische Erbteilung an die Wettiner, welche es 1360 an die Herren von Stein verlehnten. Deren Geschlecht war bis zum Aussterben der Liebensteiner Linie Besitzer der Burg. Die Burg Liebenstein wurde erstmals im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Im ausgehenden 16. Jahrhundert entstanden dann Häuser in der Talmulde zwischen dem Schlossberg (auch Burgberg genannt) und dem Aschenberg, dort, wo die Quelle entsprang. Diese war den Anwohnern als Suerborn, das heißt Sauerbrunnen, bekannt und gab der Siedlung ihren Namen. Nach der Erfurter Teilung des ernestinisch-wettinischen Herzogtums Sachsen im Jahr 1572 regierten die Herzöge von Sachsen-Coburg-Eisenach.
Im Jahre 1610 erschien von Andreas Libavius, dem damaligen Direktor des Coburger Gymnasiums, die Brunnenschrift Tractatus Medicus Physicus und Historia des fürtrefflichen Casimirianischen SawerBrunnen / unter Libenstein / nicht fern von Schmalkalden gelegen. Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg, dem die Heilquelle empfohlen wurde, wandte zehn Sommer lang die Kur in dem neu gegründeten Brunnenort an. Damals handelte es sich noch um eine sehr kleine Siedlung: Im Jahr 1648 wurden nur einhundertsiebzig Einwohner gezählt. Nach dem Tode von Ernst dem Frommen fiel die Herrschaft, Gericht Liebenstein genannt, im Jahr 1677 an dessen Sohn, Herzog Bernhard I. von Sachsen-Meiningen. Er ließ Wohnungen für Kurgäste erbauen und den neugefassten Brunnen überdachen, so dass er vor Witterungseinflüssen geschützt war. 1680 fiel Schloss Altenstein an Sachsen-Meiningen, und es gab erste Planungen zum Bau einer Sommerresidenz. Eine weitere Brunnenschrift folgte: Kurzer Bericht von dem Liebensteiner Sauerbrunnen von Dr. Waldmann, Fürstlich Hessen-Casselischer Leib-Medicus, Schmalkalden 1718. Drei Jahre vorher erhielt der Ort Grumbach die Marktrechte.
Der Meininger Hofarzt Friedrich Jahn machte 1791 seinen Dienstherrn, Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen, auf die Heilkraft der Liebensteiner Quellen aufmerksam; sein Gutachten schloss mit den Worten: „Kein Wiesbaden, Schwalbach und Ems war der Kultur so viel wert als Liebenstein“. 1801 wurden die beiden Dörfer Sauerbrunnen und Grumbach zu einer Gemeinde vereinigt, und man errichtete auf halbem Weg eine Kirche, die später wegen Baufälligkeit wieder abgerissen werden musste. Der neue Ort, der auch zuvor schon oft so genannt wurde, erhielt nun auch offiziell den Namen der Burg: Liebenstein. Friedrich Mosengeil veröffentlichte 1815 seinen Reiseführer Das Bad Liebenstein und seine Umgebungen, ergänzt um die Beylage. Chemische Untersuchung der eisenhaltigen Sauerquelle in Liebenstein. An der Quelle angestellt im Monat August 1812 von D. Joh. Bartholomä TrommsdorffFriedrich Mosengeil: Das Bad Liebenstein und seine Umgebungen bei (Chemische Untersuchung ). sowie 1826 das Buch Liebenstein und die neuen Arkadier. Naturgemälde und Erzählung.
Im Jahre 1840 entstand die Kaltwasserheilanstalt,Beschreibung der Kaltwasserheilanstalt auf den Seiten der Natur- und Heimatfreunde Bad Liebenstein. aus der das Sanatorium und später Haus I des Krankenhauses hervorging (siehe Medizinische Einrichtungen). Richtige Herzkuren wurden ab 1861 verabreicht. Zahlreiche weitere Gebäude, die bis heute stadtbildprägend sind, entstanden im Laufe des 19. Jahrhunderts, so das Comödienhaus, das Palais Weimar, der Umbau des Fischernen Schlosses zum Kurhaus (heute Kulturhotel Kaiserhof), das Hotel und spätere Kurheim Charlotte (heute leerstehend) sowie zahlreiche weitere Hotels und Pensionen und private und herzogliche Villen.
Im Jahr 1849 ließ sich der Pädagoge Friedrich Fröbel, der Gründer der Kindergärten, in Liebenstein nieder. Er wohnte zuerst in der alten Post gegenüber dem Badehaus, danach im Gut am Aschenberg, heute Hotel Fröbelhof, ehe er das Marienthaler Schlösschen erhielt und dort die erste Schule für Kindergärtnerinnen eröffnete, die eine der ersten Berufsausbildungseinrichtungen für Frauen in Deutschland war.
1873 fand in der Villa Feodora in aller Heimlichkeit die Trauung von Herzog Georg II. mit der Schauspielerin Ellen Franz (dann Freifrau von Heldburg) statt. In dieser Zeit überschritt der Ort die 1000-Einwohner-Grenze.Jahreszahlen aus: Walter Börner: Kleine Chronik des Bades. Deutscher Kulturbund, 1956.
Viele Künstler und Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts statteten Bad Liebenstein und Schloss Altenstein einen Besuch ab oder wirkten hier für einige Zeit, darunter Charlotte von Stein, Christian August Vulpius, August von Kotzebue, Carl Wagner, die englische Königin Adelheid (eine Tochter Georgs I. von Sachsen-Meiningen), der schon genannte Friedrich Fröbel, Franz Liszt, Anton Rubinstein, Richard Wagner, Otto von Bismarck, Henrik Ibsen, Josef Kainz oder auch Johannes Brahms. Diese Epoche – begonnen mit der Übernahme des Kurbetriebs durch Herzog Georg I. im Jahr 1800 bis zum Tod Herzog Georgs II. im Jahr 1914 – war für die Entwicklung Bad Liebensteins maßgeblich.
1887 veröffentlichte die Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde eine genaue chemische Analyse der Heilwässer (Eisenwässer) von alter und neuer Quelle. Die beiden erbohrten Quellen wurden zum Trinken und zum Baden benützt.Albert Eulenburg (Hrsg.): Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde. Verlag Urban & Schwarzenberg, 2. Auflage, Band 12, Wien / Leipzig 1887, S. 90 f. Noch 1866 beschrieb der Brockhaus die alte Liebensteiner „Mineralquelle, deren Wasser (7 °R) zu den stärksten erdig-salinischen Eisenwässern gehört, klar und farblos ist und einen angenehmen zusammenziehenden Geschmack hat. Man braucht die Quelle besonders zu Bädern.“Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände – Conversations-Lexikon. 11. Auflage, Band 9, F. A. Brockhaus-Verlag, Leipzig 1866, S. 447. 1990 nannte der Brockhaus dagegen kohlensaure Mangan-Eisen-Arsen-Quellen.Brockhaus Enzyklopädie. 19. Auflage, Band 13, F. A. Brockhaus-Verlag, Mannheim 1990, ISBN 3-7653-1113-8, S. 380. Der Deutsche Bäderkalender beschrieb im August 2003 einen kohlensäurehaltigen Natrium-Calcium-Chlorid-Säuerling.Deutscher Heilbäderverband (Hrsg.): Deutscher Bäderkalender. Flöttmann Verlag, Gütersloh 2003, ISBN 3-87231-007-0, S. 336.
20. Jahrhundert mini|links|Aktie der Bad Liebenstein AG mini|Notgeld 1921
Kaiser Wilhelm II. verlieh Liebenstein 1907 den Zusatz Bad, und Maximilian Graf von Wiser wurde Leiter der neuen Augenheilanstalt. 1917 wandelten die Besitzer den Badebetrieb in eine Aktiengesellschaft um und firmierten fortan unter dem Namen Herzogliches Bad Liebenstein Thüringer Wald Aktiengesellschaft, aber erst acht Jahre später kam die Aktiengesellschaft in ruhiges Fahrwasser. Die Aktienmajorität ging an Fritz Lauterbach, der das Bad bis zu seiner Enteignung im Jahr 1947 führte. Im Jahr 1923 gab es den ersten Gemeindeverbund, bestehend aus den Ortsteilen Bad Liebenstein, Schweina und Steinbach, welcher schon nach kurzer Zeit scheiterte. In den 1930er Jahren entstand das Stadtviertel Siedlung.
Ein in den 1920er Jahren häufig gesehener Gast war der Schriftsteller Gerhart Hauptmann, er begleitete seine an einem Augenleiden erkrankte Gemahlin Magarethe zu einem jeweils mehrwöchigen Therapieaufenthalt zum sogenannten „Liebensteiner Wunderdoktor“, Maximilian Graf von Wiser. Hauptmann nutzte diese jährlichen Aufenthalte im Thüringer Wald auch für Vorlesungen und die Niederschrift oder Überarbeitung von Werken. Sein Aufenthalt wurde stets zum kulturellen Ereignis für die jeweils anwesenden Kurgäste aus dem Hoch- und Geldadel der damaligen Epoche.