mini|270px|Panorama von Burgellern mini|270px|Mühle in der Ortsmitte mini|270px|Katholische Kirche Sankt Magdalena und Katharina
Burgellern ist ein Gemeindeteil der Stadt Scheßlitz im oberfränkischen Landkreis Bamberg in Bayern. Zum Gemeindeteil zählt die Einöde Schiefermühle. Die Gemarkung Burgellern hat eine Fläche von 5,195 km². Sie ist in 850 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 6111 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Schlappenreuth.
Geografie Das Kirchdorf liegt am Ellernbach und ist von Acker- und Grünland umgeben. Die Staatsstraße 2210 führt nach Stübig (3,1 km nordöstlich) bzw. zu einer Anschlussstelle der Bundesautobahn 70 bei Scheßlitz (0,7 km südlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Pausdorf (2,4 km nördlich) und nach Schlappenreuth (1,1 km östlich). Dort erhebt sich der Schlappenreuther Berg (), der zu den Ausläufern der Fränkischen Alb zählt. Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.
Geschichte Eine ehemalige Burg neben der heutigen Kirche und der Ellernbach, der ca. 100 Meter nach Roßdach entspringt, prägten den Namen des Ortes. Das Schloss Burgellern, das im Besitz der Brüder Karl Theodor und Friedrich Karl von Buseck war, ist seit Juni 2006 ein Hotel. Der Ort gehörte einst der Familie von Giech, später dem Domkapitel Bamberg.
Im Mai 1699 tauchte im Bamberger Land das Gerücht auf, ein kaiserlicher und kurfürstlicher Befehl verlange, die Juden auszuplündern und innerhalb von drei Tagen aus dem Land zu jagen. Die vermeintliche Anordnung fand im ganzen Hochstift Bamberg ein gläubiges Ohr und ein dankbares Publikum. In Burgellern stand der Bürgermeister Andreas Fiernlein an der Spitze der Agitation; er organisierte Banden, die die jüdischen Familien vertrieben und ihre Häuser plünderten. Die geflohenen Juden aus Burgellern wurden vom protestantischen Herrscher von Aufseß aufgenommen.Die Judenplünderungen in Franken vom Jahr 1699 bei lexikus.de, abgerufen am 18. Dezember 2023
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Burgellern aus 42 Anwesen (1 Schloss mit Schlossgarten, Stallungen, Remise, Scheune und Eisgrube, 1 Vogtei- und Amtshaus mit Stallungen, Waschhaus und Scheune, 1 Amtsknechtwohnung mit Kellerhaus, 1 Kirch- und Schulhaus, 1 Judenschule mit Synagoge, 2 Höfe, 26 Sölden, 1 Sölde mit Schmiedefeuerrecht, 1 Sölde mit Schlosserfeuerrecht, 1 Wirts- und Schenkhaus mit Brauhaus, 2 Hofhäuser mit Stadel, 2 Mahl- und Schneidmühlen, 1 Badstube, 1 Tropfhaus) und 1 Gemeindehirtenhaus mit Backofen. Das Hochgericht übte das Dompropsteiamt Burgellern des Domkapitels Bamberg im begrenzten Umfang aus, es hatte ggf. an das bambergische Centamt Scheßlitz auszuliefern. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über sämtliche Anwesen hatte das Dompropsteiamt Burgellern.W. Weiß: Bamberg, S. 113. Der Ort hatte guten Feldbau an Weizen, Korn, Gerste, Hafer und Schrotgetreide, außerdem wurde Hanf und Flachs angebaut und Rinder- und Schweinezucht betrieben. In dem zum Amt gehörigen Wäldern gab es „schöne Jagden“.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 1, Sp. 496.
Im Jahre 1802 kam Burgellern an das Kurfürstentum Bayern. Im Zuge des Gemeindeedikts wurde 1811 das Steuerdistrikt Burgellern gebildet, zu dem Ehrl und Schlappenreuth gehörten. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt 1818 entstand die Ruralgemeinde Burgellern mit Schlappenreuth. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Scheßlitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Scheßlitz (1919 in Finanzamt Scheßlitz umbenannt, ab 1928 Finanzamt Bamberg-Land). Ab 1862 war das neu gebildete Bezirksamt Bamberg I für die Verwaltung zuständig, mit dessen Auflösung im Jahr 1929 ist es das Bezirksamt Bamberg (1939 in Landkreis Bamberg umbenannt). Die Gerichtsbarkeit lag weiterhin beim Landgericht Scheßlitz (1880 in Amtsgericht Scheßlitz umbenannt, seit 1932 Amtsgericht Bamberg).W. Weiß: Bamberg, S. 237. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 5,204 km².
Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Burgellern im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Scheßlitz eingegliedert.
Baudenkmäler In Burgellern gibt es 26 Baudenkmäler: Am Ellenbach 5, 7; Mühlbach 7, 9, 11: Bauernhäuser Am Ellenbach 3, 11: Wohnstallbauten Am Ellenbach 36: Schiefermühle mit Remise, Fachwerkstadel, Stallungs- und Nebengebäude, Hofeinfahrt Kirchplatz 1: Schloss Burgellern Columba-Schonath-Straße 2: Ehemaliges Gasthaus Columba-Schonath-Straße 23: Kellerhaus Kirchplatz 2: Wohnhaus mit Stallstadel Kirchplatz 4: katholische Filialkirche St. Magdalena und Katharina Kirchplatz 6: Ehemalige Schule Kirchplatz 7: Wohnstallhaus Kirchplatz 11: Kleinbauernhaus Mühlbach 5: Ehemalige Doppenmühle Seilersgasse 1, 3: Doppelkleinhaus Ehemaliges Amtshaus mit Pumpstation zwei Bildstöcke, Wegkreuz, Marter, Sandsteinfigur des Heiligen Johann Nepomuk Zweijochige Sandsteinbrücke Fachwerkstadel Brunnen mit Sandsteinpfeiler
Bodendenkmäler In der Gemarkung Burgellern gibt es acht Bodendenkmäler.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Burgellern Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970Einwohner 265 344 364 362 359 355 348 354 374 342 316 322 305 311 308 306 322 291 293 493 464 438 352 356HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 und von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 65 64 65 65 63 61 61 65 Quelle
Ort Burgellern Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2025Einwohner 201 283 276 269 242 244 371 279 283 347 425Häuser 49 49 48 47 46 50 80 Quelle
Religion Burgellern ist römisch-katholisch geprägt und bis heute nach St. Kilian (Scheßlitz) gepfarrt.
An der Stelle der heutigen Magdalena-Katharina-Kirche stand ursprünglich eine Burgkapelle. Diese gehörte zu der ehemaligen Burg, die dem Ort am Ellerbach seinen Namen gab. 1716 erbauten die Brüder Gregor und Dionysius Finsterwalder die jetzige Barockkirche im Auftrag des Bamberger Domkapitels auf einem Grundstück, das dem Grafen Giech abgekauft worden war.
Vereine Die örtliche Freiwillige Feuerwehr Burgellern-Schlappenreuth besitzt zwei Jugendfeuerwehr-Gruppen.
Der Ortskulturverein Burgelleren e. V. (OKV) ist der größte Verein im Ort und bemüht sich mit mannigfaltigen Veranstaltungen um ein kulturelles Dorfleben. Der alljährliche Weihnachtsmarkt des OKV ist in der oberfränkischen Region eine der beliebtesten Veranstaltungen in der Vorweihnachtszeit. In 2008 feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen, bei dem einer der Höhepunkte der Besuch des bayerischen Umweltministers Markus Söder war.
Der Soldaten-Kameradschafts-Verein pflegt das Gedenken an gefallene und vermisste Kameraden beider Weltkriege aus Burgellern und Schlappenreuth.
Söhne und Töchter des Ortes Maria Anna, Ordensname: M. Columba Schonath (* 20. Januar 1730 in Burgellern; † 3. März 1787 in Bamberg), Müllerstochter, Eintritt in das Dominikanerinnenkloster Heilig Grab zu Bamberg, Mystikerin Dieter Morgenroth (1945–2010), Politiker (CSU) Norbert Kleinlein (* 1945), Maler und Bildhauer
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bamberg Kategorie:Ortsteil von Scheßlitz Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Bamberg) Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bamberg