mini|Das Amt Gifhorn im Ämteratlas des Fürstentums Lüneburg, um 1600 mini|Das Schloss in Gifhorn, Sitz der Amtsverwaltung, auf einem Merian-Stich (vor 1653) Das Amt Gifhorn war ein historisches Verwaltungsgebiet des Fürstentums Lüneburg, später des Königreichs Hannover bzw. der preußischen Provinz Hannover. Sitz der Verwaltung war Schloss Gifhorn.
Geschichte Gifhorn ist alter welfischer Besitz und entwickelte sich seit dem 13. Jahrhundert zum Herrschaftszentrum für den Bereich an der oberen Aller. Die Burg Gifhorn war die stärkste Festung zwischen den Machtzentren in Celle und Braunschweig. 1265 ist für sie erstmals ein herzoglicher Vogt belegt, der den Landesherrn in den umliegenden Gogerichten zu Rötgesbüttel (Papenteich), Hankensbüttel (Heidemark) und Gifhorn vertrat. Seit 1409 gehörte das Amt Gifhorn dauerhaft zum Fürstentum Lüneburg, war aber bis 1520 häufig verpfändet und diente zeitweilig als Witwensitz. Unter Herzog Franz war es von 1529 bis 1549 Residenz einer welfischen Nebenlinie.
1799 wurden die Gografschaft Hankensbüttel und die Vogtei Steinhorst abgetrennt und dem Amt Isenhagen zugeschlagen. Im Jahr 1824 zeigte das Statistische Handbuch des Königreichs Hannover die folgende Aufteilung des Amtes Gifhorn:
1) der Heidmark-District auf der Nordseite der Aller mit 674 Feuerstellen (davon 220 städtische): das Städtlein Gifhorn einschließlich des Schlosses, des Vorwerks Exberg, einer Windmühle, der ehemaligen Walkemühle und einiger Vorbürger die Hausvogtei Gifhorn mit den Dörfern Bevermühle, Bockelberge, Dannenbüttel, Ettenbüttel, Gamsen, Gilde, Kästorf, Krümme, Neubockel, Neudorf, Platendorf, Stüde, Westerbeck und Wilsche; der Fabrik Triangel oder Gifhorner Glashütte; dem Zollhaus Betgenrode oder Breneckenbrück; dem Forsthaus Dragen, dem Vorwerk Dagebrück und dem einzelnen Haus Neuehaus die Vogtei Wahrenholz mit dem Pfarrdorf Wahrenholz; den Dörfern Betzhorn, Wesendorf und Westerholz und der Mühle Weisenberg das Boldeckerland mit dem Pfarrdorf Jeimke; den Dörfern Barwedel, Bockenstorf, Grussendorf, Osloss, Tappenbeck und Weyhausen mit Vogelmühle 2) der Pappenteich auf der Südseite der Aller mit 748 Feuerstellen: die Obergohgräfschaft Röttgesbüttel mit den Pfarrdörfern Didderse, Leiferde, Ribbesbüttel und Groß Schwülper; den Dörfern Adenbüttel, Dalldorf, Eickhorst, Harxbüttel, Hillerse, Lagesbüttel, Rethen, Rolfsbüttel, Rothemühle, Klein Schwülper, Volkse, Vollbüttel, Vordorf, Walle, Warmbüttel und Winkel; dem Landgut Warxbüttel, den Forsthäusern Drüffelbeck und Hundsholz; den Wirtshäusern Hülperode oder Neuekrug und Sandkrug bei Didderse; der Abdeckerei Teichhaus und der Mühle Eilersmühle, auch Frickenmühle genannt die Untergohgräfschaft Röttgesbüttel mit den Pfarrdörfern Essenrode, Isenbüttel und Meine mit Zellberg; den Dörfern Abbesbüttel, Allenbüttel, Allerbüttel, Ausbüttel, Bechtsbüttel, Brunsbüttel, Calberlah, Edesbüttel, Grassel, Gravenhorst, Jelpke, Ohnhorst, Röttgesbüttel mit Schierenbalken, Wasbüttel, Wedelheine, Wedesbüttel, Wettmershagen und Wendebrück; dem Adeligen Gut Martinsbüttel; dem Forsthaus Bullerhaus; dem einzelnen Hause Meinersand und der Rischmühle und Wendemühle
1841 kam die Vogtei Wahrenholz an das Amt Knesebeck (1852 ebenfalls an Isenhagen). Im Zuge der Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit wurde 1848 das Boldeckerland in das Amt Fallersleben eingegliedert. Das übrige Amt wurde 1852 bei der Trennung von Justiz und allgemeiner Verwaltung (1852) in die Ämter Gifhorn und Papenteich (mit Sitz in Gifhorn) aufgeteilt, 1859 jedoch wieder vereinigt. Seit 1852 war die Stadt Gifhorn amtsfrei.
Unter preußischer Herrschaft übernahm das Amt Gifhorn wie alle hannoverschen Ämter ab 1867 die meisten Aufgaben eines preußischen Kreises. Auf seinen nunmehr als Amtshauptmann betitelten leitenden Beamten fanden die Vorschriften für Landräte entsprechend Anwendung. Für Militär- und Steuerangelegenheiten bildete die preußische Regierung einen größeren Kreis, bestehend aus den Ämtern Gifhorn, Fallersleben, Isenhagen und Meinersen sowie der amtsfreien Stadt Gifhorn, den der Amtshauptmann des Amtes Gifhorn als Kreishauptmann in der Stellung eines Landrates leitete.
1885 wurde das Amt Gifhorn mit der Stadt Gifhorn, dem Amt Fallersleben und Teilen des Amtes Meinersen zusammengelegt und in die im Vorjahr für die gesamte Provinz Hannover erlassene neue Kreisverfassung überführt.
Umfang Bei seiner Aufhebung (1885) umfasste das Amt folgende Gemeinden: Abbesbüttel (*) Adenbüttel (*) Allenbüttel (*) Allerbüttel (*) Ausbüttel (*) Bechtsbüttel (*) Bokel Brunsbüttel (*) Calberlah (*) Dalldorf Dannenbüttel Didderse (*) Edesbüttel (*) Eickhorst (*) Essenrode (*) Ettenbüttel Gamsen Grassel (*) Gravenhorst (*) Groß Schwülper (*) Harxbüttel (*) Hillerse Isenbüttel (*) Jelpke (*) Kästorf Klein Schwülper (*) Lagesbüttel (*) Leiferde Martinsbüttel (*) Meine (*) Neudorf-Platendorf Ohnhorst (*) Rethen (*) Ribbesbüttel Rötgesbüttel (*) Rolfsbüttel (*) Stüde Triangel Volkse Vollbüttel Vordorf (*) Walle (*) Warmbüttel Warxbüttel (*) Wasbüttel (*) Wedelheine (*) Wedesbüttel (*) Westerbeck Wettmershagen (*) Wilsche Winkel (*) 1852–1859 zum Amt Papenteich
Amtmänner und Amtshauptleute 1564: Herman Holland 1582: Florian Dies der Ältere 1599: Florian Dies der Jüngere 1613: Dietrich von Freitag 1624: Ludolf Poppelbaum 1631: Nicolaus Gackenholtz 1635: Rudolf Schrader 1648: Wullbrand von Dassel (1589–1648), Amtmann 1668: Martin Breyer 1673: Christoph Müller 1683: Hinrich Barthold Graevemeyer 1683–1692: Michael Ernst Mattenberg 1692–1711: Daniel Christoph Grote 1712–1740: Bernhard Friedrich Goedecke 1741–1760: Johann Philipp Tiling 1760–1766: Friedrich David Pohlmann 1766–1797: Joachim Plate, Oberamtmann (1. Beamter) 1784–1788: Georg Johann Christian von Ramdohr (1745–1805), Amtsschreiber (2. Beamter) später Johann Georg Magnus (1765–1802), Amtsschreiber 1797–1801: Friedrich von der Decken 1801–1804: Georg von Weyhe 1804–1806: Gustav Friedrich Wynecken 1810–1813: Amt aufgelöst während der Franzosenzeit 1818–1833: Friedrich von Uslar, Amtmann, ab 1828 Oberamtmann 1834: vakant 1835–1858: Johann Conrad Eggers, Amtmann, ab 1853 Oberamtmann 1859–1866: Wilhelm Otto Adolf Schneider, Amtmann (1867) 1868–1872: Carl von Arnim, Amtshauptmann und Kreishauptmann 1873–1880: Theodor Eilers, Amtshauptmann und Kreishauptmann (1880) 1882–1884, Ernst Mejer, Amtshauptmann und Kreishauptmann
Literatur Theo Bosse: Das Erbregister des Ambtes Gifhorn von 1669. Gifhorn 1983 Iselin Gundermann, Walther Hubatsch: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A: Preußen, Band 10: Hannover. Marburg (Lahn) 1981 Manfred Hamann: Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover. Dritter Band: Mittel- und Unterbehörden in den Landdrostei- bzw. Regierungsbezirken Hannover, Hildesheim und Lüneburg bis 1945. Göttingen 1983, S. 266–271. Heinrich Eggeling: Das Amt Gifhorn im Dreißigjährigen Kriege und in der Nachkriegszeit, Georg-August-Universität Göttingen 1930, Dissertation Herman Schulze: Geschichtliches aus dem Lüneburgischen - Geschichte der Ämter und Dörfer Fallersleben, Gifhorn, Isenhagen und Meinersen, des Schlosses zu Gifhorn, des Westerbecker Moores, der Sassenburg u.v.m. , Gifhorn 1854 (Google Books)
Einzelnachweise
Gifhorn Gifhorn Kategorie:Gifhorn Kategorie:Aufgelöst 1885 Gifhorn