mini|230px|Türme der Klosterkirche St. Vitus, Prüll

Das Kloster Prüll, auch Karthaus Prüll genannt, wurde 997 als ein dem heiligen Vitus geweihtes Benediktinerkloster gegründet und 1484 dem Kartäuserorden überlassen. Heute liegt das Kloster im Regensburger Stadtbezirk 13 (Kumpfmühl-Ziegetsdorf-Neuprüll). Die um 1100 entstandene Klosterkirche, die eine ältere Vorgängerkirche aus ottonischer Zeit hatte, wird als Klosterkirche St. Vitus bezeichnet. Nach der Säkularisation kam das gesamte Gelände 1803 mit allen Klostergebäuden an das Königreich Bayern und wurde 1835 an den bayerischen Bezirk Oberpfalz verkauft. In den Gebäuden entstand eine Verwahranstalt für geisteskranke Personen, die bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges betrieben wurde, zuletzt unter dem Einfluss der Nationalsozialisten auch als systematische Tötungsanstalt. Nach 1945 entwickelte sich die Einrichtung zu einem Krankenhaus für psychiatrische Krankheiten und Behandlungen, die als Bezirksklinikum Regensburg bezeichnet wurde. Im Zusammenwirken von Bezirk Oberpfalz, Freistaat Bayern und Universität Regensburg entstanden daraus nach 1996 die heutigen Universitätskliniken für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie.

Vorgeschichte als Benediktiner-Kloster mini|Die Kartause Prüll auf einer Ansicht von 1742 Kloster Prüll wurde 997 von Bischof Gebhard I. (Regensburg) als Benediktinerkloster gegründet. Die Gründung hatte den Charakter einer Ersatzvornahme, denn nachdem sich das Benediktinerkloster St. Emmeram von Gebhard I. als Bischof und Vorsteher des Klosters gelöst und sich verselbständigt hatte, wurde südlich außerhalb der Stadtmauern, in unmittelbarer Nähe der Landstraße nach Augsburg ein neues bischöfliches Kloster benötigt, das die bisher vom Kloster St. Emmeram geleisteten Aufgaben der Betreuung von Reisenden übernehmen konnte.

Das Kloster ist nach der ursprünglich feuchten Ortslage (nach dem keltischen Begriff für „Wasserwiese“, „sumpfiges, mit Buschwerk bewachsenes Gelände“ zunächst „Pruoil“ und „Brühl“, zuletzt „Prüll“) benannt. Wahrscheinlich hatten bereits die agilolfingischen Bayernherzöge hier nahe ihrer Residenz in der Stadt Regensburg, in der Nähe benachbarter Waldgebiete einen Wildpark angelegt. Nach der Verbannung der Agilolfinger durch Karl den Großen um 800 n. Chr. war das gesamte Gebiet südlich der Stadt durch eine Schenkung an das Kloster Sankt Emmeram gekommen. Auf dem Gelände des Wildparks gründeten Bischof Gebhard I. und sein Bruder Rapoto 997 ein Doppelkloster für Benediktiner und Benediktinerinnen. Mönche und Nonnen lebten hier am selben Ort, wobei die Teilkonvente aber streng getrennt waren. Schon im späten 11. Jahrhundert erlebte das Kloster einen Niedergang und musste um 1100 unter Bischof Hartwig I. wiederhergestellt werden, der auch das Patrozinium St. Vitus einführte. Das nun dem heiligen Vitus geweihte Kloster außerhalb von Regensburg an der Landstraße nach Augsburg entwickelte sich zu einer 1130 bezeugten großen Pilgerherberge und zu einem Krankenhaus für Arme. Neu errichtet wurden ein Armenhaus und ein Xenodochium. 1143 hatte Graf Gerhard I. von Grögling die Vogtei der Güter des Klosters. In Anwesenheit von König Konrad III. wurde der Schutz für Neuerwerbungen auf Bitten von Abt Wernher (von Prüll) auf den Burggrafen Heinrich (III.) von Regensburg übertragen, ohne die Gerichtsbarkeit.Urkundendruck: Monumenta Boica 15, S. 162f., Nr. 5, 1143; Regest: Philipp Jedelhauser, Regesten der Grafen von Hirschberg (-Ottenburg, -Grögling, -Dollnstein), Kempten 2024., Nr. 49, S. 36f., 1143 [Mai/Juni], Regensburg. Um 1200 erneuerte Bischof Konrad III. (von Regensburg) die vorausgehenden Festlegungen in Anwesenheit von Herzog Ludwig I. von Bayern. Zu dieser Zeit war Ritter Heinrich von Randeck (bei Essing, Altmühltal) unter unklaren Umständen, mit der Behauptung diese als Afterlehen von Graf Gebhard (III.) von Grögling erhalten zu haben, zur Vogtei über Güter des Klosters gekommen und bedrängte dieses damit auf unangemessene Weise. Abt Heinrich (I.) von Prüll konnte den Randecker mit einer Abfindung von 50 Mark Silber zur Aufgabe seiner umstrittenen Vogtei bringen.Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Kloster Prüll Urkunden 5, als Insert in Kloster Prüll Urkunden 484, 1414 Nov. 14; Übersetzung und Regest mit Kommentierung: Philipp Jedelhauser, Regesten der Grafen von Hirschberg..., wie oben, Nr. 121, S. 63--65, [(1195)--1204 April], oder [1204 Juni--August], kein Ort.

Mitte des 15. Jahrhunderts war die Klosterherberge erneut hoch verschuldet, weil der damals amtierende letzte Benediktinerabt Christoph Welser viele teure Neubauten veranlasst hatte. In seiner Zeit waren auch die beiden schlanken achteckigen Türme entstanden. Sie sind noch heute weithin sichtbare Wahrzeichen der ehemaligen Klosterkirche. Eine Visitation im Jahre 1451 hatte zur Folge, dass der Herbergsbetrieb des Klosters aufgegeben werden musste.

Geschichte als Kartäuser-Kloster 1484 wurde das Kloster mit Zustimmung Herzog Albrechts in ein Kloster der Kartäuser umgewidmet. Seitdem heißt es daher „Karthaus Prüll“. Die von den Benediktinern hinterlassenen Gebäude waren für das eremitische Leben der Kartäusermönche nicht geeignet, sogar die beiden großen Kirchtürme sollten nach Vorstellungen des neuen Priors Michel Schreppler abgebrochen werden, weil auf Kartäusergebäuden nur Dachreiter erlaubt waren. Zwar konnte dieses Vorhaben von Herzog Albrecht verhindert werden, jedoch wurden viele andere nicht benötigte Gebäude abgebrochen. Ab 1489 neu erbaut wurde der spätgotische Chor der Kirche. In das Chorgestühl von 1605 wurden um 1670 zwei zweisäulige Lektorien zur Lesung von Epistel und Evangelium eingebaut, die kunstgeschichtlich bemerkenswert sind.

Der Kreuzgang 1587 vollendet und erstreckte sich rechtwinklig um die Klosterkirche herum. An den Nordflügel des Kreuzgangs angeschlossen waren 14 vom Kreuzgang aus zugängliche Häuschen mit kleinen Gärtchen. Sie waren als Kartausen für entsprechend viele Kartäuserpatres vom Kreuzgang aus zugänglich. Einige dieser Häuschen haben sich bis heute nur teilweise verändert erhalten und verleihen dort, von außen betrachtet, dem heutigen Straßenbild ein malerisches Aussehen. Die Ordensmitglieder trennten ihre jeweiligen Klausen mit bis zu drei Meter hohen Mauern voneinander ab. Jeder Mönch bewirtschaftete seinen eigenen Garten. Alle Ordensmitglieder kamen nur zu den Gebetszeiten in der Klosterkirche zusammen.

In dieser Abgeschiedenheit lebte zum Ende des 16. Jahrhunderts für ein Jahr auch Herzog Wilhelm von Bayern, genannt Der Fromme, in einer Kartause im Kloster, als er versuchte, im protestantisch gewordenen Regensburg, mit der Gründung eines Jesuitengymnasiums die Gegenreformation zu unterstützen.

Der ab 1506 als Prior wirkende Heinrich Moiston verfasste auch ein Paracelsus bekanntes Arzneibuch mit dem Titel Liber medicinalis.Wolfgang Wegner: Moiston (Musel), Heinrich (auch genannt Heinrich von Prüll/Brühl). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1001.

Spezielle Lage des Klosters Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 lag das Kloster gemäß dem Verlauf des Burgfriedens auf einem nach Norden hin sich stark verengendem Gebiet des Kurfürstentums Bayern und war nur gut 1 km von den südlichen Stadtmauern der Reichsstadt Regensburg entfernt. Die Klostergebäude und besonders die hohen Türme waren deshalb im Dreißigjährigen Krieg während der Kämpfe um Regensburg ein wichtiger Ausguck für die Kommandeure von Belagerungsheeren, die von den Türmen des Klosters einen guten Blick auf die Stadt und die den Stadtmauern vorgelagerten Vorwerke hatten. Heute gehören die ehemaligen Klostergebäude zum Ortsteil Kumpfmühl-Ziegetsdorf-Neuprüll im Stadtgebiet der Stadt Regensburg in Bayern in der Diözese Regensburg und liegen auf dem Areal des Bezirksklinikums, westlich anschließend an die Universität Regensburg.

Geschichte nach 1600

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde Franciscus Jeremias Grienewald (* 29. Juli 1581, † 1626) in das Kloster aufgenommen. Als ein Sohn evangelischer Eltern hatte er das protestantische Gymnasium poeticum besucht, war konvertiert und hatte 1602 seine Ordensgelübde abgelegt. Danach entwickelte er sich zu einem eifrigen Geschichtsforscher, besonders nachdem er im Kloster St. Mang den Nachlass des Geschichtsschreibers Andreas von Regensburg entdeckt und ausgewertet hatte. Nach Studium der Schriften weiterer Geschichtsschreiber wie Johannes Aventinus und Konrad von Megenberg und durchdrungen von einem stark katholischen Geist und von der Bedeutung Regensburgs vor Einführung der Reformation, verfasste er selbst zwei historische Arbeiten Ratisbona und Chronik. Diese Werke fanden große Anerkennung und wurden als Quellen zur Lokalgeschichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch vom Historiker Hugo von Walderdorff genutzt. 1630 erwarben die Mönche des Klosters Prüll das mittelalterliche Schloss Haus im Dorf Neueglofsheim zur Nutzung als Sommerfrische, das aber im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges stark beschädigt wurde. Nach dem Wiederaufbau wurde das Schloss ab 1681 auch als Sommeraufenthalt für die Mönche genutzt. In dieser Zeit wurde auch die Schlosskapelle als zentrales Gebäude für die Kartäusermönche erbaut.

Im November 1633, nach der Eroberung von Regensburg im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden unter Feldmarschall Bernhard von Sachsen-Weimar, mussten die Mönche das Kloster verlassen. Im Verlauf der Rückeroberung von Regensburg durch ein kaiserlich-bayerisches Heer im Sommer 1634 wurde das Kloster vom militärischen Oberbefehlshaber, dem späteren Kaiser Ferdinand III. und dessen Beratern und Offizieren als Quartier benutzt.

Nach Beendigung der Kämpfe kehrten die Mönche in das von den Schweden teilweise ausgeraubte Kloster zurück. In der Klosterkirche wurde noch im gleichen Jahr der im bayerischen Dienst stehende General Johann von Aldringen mit einem Epitaph als Denkmal bestattet. Er war Ende Juli 1634 bei Landshut ums Leben gekommen.

Auch 1653, während des ersten Reichstags nach Kriegsende, wählten Kaiser Ferdinand III. und seine Gemahlin das Kloster als Herberge. Noch 200 Jahre später präsentierte man Besuchern ihren Arbeitsplatz, wo sie zum Zeitvertreib Rosenkränze gedrechselt hatten. Nach dem Krieg erwies sich der Prior Arnold Münzthaler als Neugründer des teilzerstörten Klosters. Mit umsichtiger Planung und sparsamer Wirtschaftsführung gelang ihm die Wiederinbetriebnahme des Klosters noch vor seinem Tod 1677. Sein Nachfolger als Prior wurde Sigismund Diez (1637–1719), der dank seiner vielen guten Beziehungen zu wohlhabenden Geldspendern nicht nur die Pfarrkirche St. Vitus erbauen ließ, sondern auch die Bibliothek, das Refektorium und einige weitere Zellen. Außerdem ließ Diez nach 1679 das angekaufte und im Krieg stark zerstörte Schloss Haus sanieren. Diez musste 1713 auch die große Pestepidemie bewältigen. 15 Mönche starben und wurden auf dem klostereigenen Friedhof neben der Begräbniskirche St. Nikolaus, westlich des Klosters begraben. Diese Kirche wurde 1804 versteigert und dann abgebrochen.