mini|350px|Kloster Reichenbach (2013)mini|350px|Blick auf das Kloster Reichenbach Das Kloster Reichenbach am Regen ist ein Kloster der Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott in der Gemeinde Reichenbach im Landkreis Cham in Bayern in der Diözese Regensburg.
Im Jahr 1118 gründeten Benediktiner hier ein Kloster, das 1803 säkularisiert und 1890 durch die Barmherzigen Brüder erworben und bezogen wurde. Sie richteten Ende des 19. Jahrhunderts eine Heil- und Pflegeanstalt für geistig und körperlich Behinderte ein – heute ergänzt durch die Fachschulen für Heilerziehungspflege Reichenbach und Tegernheim.
Geschichte der ehemaligen Benediktinerabtei Klostergründung Das Mariä Himmelfahrt geweihte Kloster der Benediktiner wurde 1118 von Markgraf Diepold III. von Vohburg und seiner Mutter Liutgard, Tochter des Herzogs Berthold I. von Zähringen, der Gemahlin von Diepold II. von Vohburg gegründet. Liutgard sorgte für die Besiedlung mit Benediktinermönchen aus dem Kloster Kastl bei Amberg. Reichenbach erlebte in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens eine frühe Blüte. Schon 1135 konnte die Kirche durch Bischof Heinrich I. von Regensburg geweiht werden. 1146 starb der Stifter Markgraf Diepold und wurde in der Klosterkirche bestattet. Ein Jahr nach seinem Tod heiratete seine Tochter Adela den späteren Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Der Brand des Klosters 1181 brachte einen Rückschlag, doch der Wiederaufbau gelang sehr rasch. Die Bestätigungen der Schutzbriefe durch Papst Lucius III. und Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahre 1182 bestärkten die Rechtsstellung des Klosters von neuem.
13. und 14. Jahrhundert Nachdem die Wittelsbacher 1204 die Vogtei übernommen hatten, verlor Reichenbach seine regionale Bedeutung. Es sank zu einem Landkloster herab. Im 14. Jahrhundert vollzog sich eine Wende zum Besseren. Unter Abt Friedrich II. Heinrichsreutter (1320–1346) herrschte wieder eine ausgezeichnete Klosterdisziplin. Dieser Abt war Beichtvater von Kaiser Ludwig IV. und wurde von diesem mit der Gründung des Klosters Ettal betraut.
Gotische Bauphase und Kastler Reform 1394 wurde Johannes Strolenfelser, ein Mitglied des Kastler Konvents, als Reformabt eingesetzt und Reichenbach in der Folgezeit ein Reformzentrum. Nach Einführung der Kastler Reform leisteten die Äbte auf baulichem und wissenschaftlichem Gebiet Bedeutendes. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster weitgehend neu im gotischen Stil erbaut und es wurden Befestigungsanlagen errichtet. Diese verhinderten 1428 und 1433 die Eroberung durch die Hussiten. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Wissenschaften, vor allem Mathematik und Astronomie besonders gefördert. Der astronomische Turm nordöstlich der Klosterkirche ist ein sichtbarer Überrest dieser Bestrebungen. Es wurden auch Theologie und die Geisteswissenschaften gepflegt; die Bibliothek umfasste damals über 1000 Bände.
Klosteraufhebung und Wiederentstehung 1556 erfolgte die erste Aufhebung des Klosters, nachdem Kurfürst Ottheinrich in der gesamten Kurpfalz die Reformation eingeführt hatte. Der letzte Abt Michael Katzberg verblieb als Administrator des Klosterbesitzes in Reichenbach, trat zum lutherischen Glauben über und heiratete.Katja Putzer: Die Bibliothek des Klosters Reichenbach. In: Tobias Appl, Manfred Knedlik (Hrsg.): Oberpfälzer Klosterlandschaft. Die Klöster, Stifte und Kollegien der Oberen Pfalz. Friedrich Pustet, Regensburg 2016, S. 48. ISBN 978-3-7917-2759-2. Die Bilderstürmer vernichteten um 1570 viele Kunstwerke.
Nachdem Maximilian von Bayern 1621 die Oberpfalz im Auftrag des katholischen Kaisers erobert hatte, erfolgte in Reichenbach die Rekatholisierung. 1632 hatten dort Jesuiten eine Seelsorgestation eingerichtet; sie erhielten zwei Drittel der Einnahmen aus dem Klosterbesitz, das restliche Drittel teilte sich die Bischöfe von Regensburg, Eichstätt und Amberg. 1633 und 1641 besetzen Schweden das Kloster und mit ihnen kehrte kurzfristig der Protestantismus zurück. 1661 zogen die Benediktiner wieder ein, allerdings noch unter kurfürstlich-bayerischer Administration und ab 1669 unter der Verwaltung von Kloster Sankt Emmeram in Regensburg. mini|300px|rechts|Stich des Klosters aus dem „Churbaierischen Atlas“ des Anton Wilhelm Ertl 1687
Barocke Bauphase Ab 1695 war das Kloster wieder eine selbständige Abtei. Das Kloster St. Emmeram musste eine Ablösesumme von 8.000 Gulden an die drei Bistümer leisten, damit diese auf ihre Einkommen verzichteten. In dieser zweiten benediktinischen Epoche wurden die Klostergebäude anstelle des mittelalterlichen Konventbaus von Grund auf neu erbaut und die Kirche im spätbarocken Stil umgestaltet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entfalteten die Reichenbacher Benediktiner eine rege wissenschaftliche und literarische Tätigkeit.
Säkularisation und versuchter benediktinischer Neuanfang Diese Tätigkeiten endeten mit der zweiten Auflösung des Klosters, die 1803 im Zuge der Säkularisation in Bayern erfolgte. Die Kirche ist seitdem eine Filialkirche der Pfarrei Walderbach. Das Klostergut wurde Staatseigentum. 1820 wurden die Gebäude versteigert. Die Klostergebäude fanden unterschiedliche Verwendungen, unter anderem gründete Heinrich Waffler 1841 eine Steingutfabrik, die er bis 1863 betrieb.
Am Ende des 19. Jahrhunderts kehrte nochmals für wenige Jahre benediktinisches Leben ins Kloster Reichenbach zurück: 1883 erwarb der Kunstreferent des Bistums Regensburg Domvikar Georg Dengler das Kloster und überließ es Pater Andreas Amrhein aus der Benediktinerabtei Beuron, der mit dem Aufbau einer benediktinischen Missionsgemeinschaft begann (die spätere Benediktinerkongregation von St. Ottilien); doch bereits 1887 verließ die Gemeinschaft Kloster Reichenbach und gründete bei Emming nahe dem Ammersee das Kloster Sankt Ottilien. 1888 fiel das Kloster wieder an Georg Dengler und 1890 kam es an die Barmherzigen Brüder, die 1891 eine Pflegeanstalt für Menschen mit Behinderungen gründeten.
Liste der Benediktineräbte von Reichenbach Von der Gründung bis zur Reformation Witigo, 1118–1119, kam mit den ersten Mönchen aus dem Kloster Kastl Erchenger, 1119–1176, Weihe der ersten Klosterkirche 1135 Reginboto, 1176–1183 Heinrich I., 1183 Heinrich II., 1183–1211 Albert I., 1212–1224 Waltmann, 1224–1228 Heinrich III., 1228–1236 Konrad I., 1236–1239 Albero II, 1239–1252 Friedrich I., 1252, aus Kloster Prüfening Heinrich IV., 1252 Konrad II., Schoenhaintz, 1252 Dietrich von Runding, 1252/53–1264 Heinrich V. Katzl, 1264–1267 Eberhard, 1267–1270 Wernher I., 1270–1271 Wernher II., 1271–1293 Gerung von Burchersdorf, 1293–1295 Heinrich VI., 1295–1301 Hermann, 1301–1303 Otto I. Bertholdshofer, 1303–1319 Friedrich II. Heinrichsreuther, 1320–1346, zum Visitator aller Klöster im Bistum Regensburg bestellt; angeblich von Kaiser Ludwig dem Bayern mit der Besiedlung des neu gegründeten Kloster Ettal betraut Heinrich VII. Hoheimer, 1348–1356 Konrad III. Perchtholtzhofer, 1356–1388 Konrad IV. Ratzenhofer, 1388–1394 Johannes I. Strelnvelser, 1394–1417, aus dem Kloster Kastl; machte Kloster Reichenbach zu einem Zentrum der Kastler Reform; Neugestaltung der Klosterkirche (Teile des gotischen Chorgestühls von 1416 im Mönchschor erhalten) Lazarus Krazel, 1417–1418 Thyemo von Stein, 1418–1431, gotischer Neubau und Befestigung des Klosters gegen die Hussiten Engelhard von Murach, 1431–1436 Johannes II. von Falkenstein, 1436–1461 Georg Dorner, 1461–1473 Konrad V. Huber, 1473–1480 Petrus I. Münzer, 1480–1509 Leonhard, 1509–1514 (abgesetzt) Friedrich IV. Brentel, 1514–1517 (resigniert) Otto II. Schwarz, 1517–1536 Stephan Treutlinger, 1536–1543; als der Abt, den man der Unterschlagung verdächtigte, das Kloster fluchtartig verließ, führte der Prior Simon Cholner die Amtsgeschäfte weiter; 1547 resignierte Abt Stephan freiwillig; er starb im Kloster Prüfening Michael Kazbeck, 1548–1556, letzter Abt vor der Aufhebung infolge der Reformation; heiratete und wurde erster Verwalter des Klosterbesitzes; befreundet mit den Humanisten Caspar Bruschius und Matthias Flacius
Von der Wiedergründung bis zur Säkularisation Odilo Mayrhofer, 1695–1698, aus Kloster Sankt Emmeram, erster Abt nach der Wiedererrichtung des Klosters, Beginn der barocken Erneuerung der Kirche und der Klosterbauten Bonaventura Oberhuber, 1698–1735, aus Kloster Tegernsee; seit 1695 Abt des Klosters Ensdorf, dem er nach der Wahl zum Abt von Reichenbach bis 1715 als Administrator weiter vorstand; 1691–1702 Generalprokurator der Bayerischen Benediktinerkongregation in Rom; konnte deshalb erst nach seiner Rückkehr aus Rom offiziell Besitz von der Abtei ergreifen Johannes Evangelist III. Miller, 1735 Petrus II. Besel (Pesl), 1735–1738 Placidus Goeschl, 1738–1745, Beginn der Neugestaltung der Klosterkirche im Stil des Rokoko 1742 Jakob Deimer, 1745–1752, Fertigstellung der Neugestaltung der Klosterkirche 1747 Gregor Haimerl, 1752–1773, außerordentlicher Visitator der Bayerischen Benediktinerkongregation 1759, 1761 und 1768 Augustin Meindl, 1773–1801 Marian Neumiller, 1801–1803, letzter Abt von Reichenbach; blieb zunächst mit einigen Konventualen im Kloster zurück; zog dann nach Amberg, wo er 1832 starb
Benediktinerabteikirche Mariä Himmelfahrt mini|Klosterkirche Die romanische Basilika, die aus einem Langhaus, zwei Seitenschiffen und zwei Türmen besteht, verweist auf die Hirsauer Bauschule. Die ursprünglichen drei Apsiden im Osten wurden 1300 durch einen gotischen Chor ersetzt.Hermann Bauer, Anna Bauer: Klöster in Bayern: eine Kunst- und Kulturgeschichte der Klöster in Oberbayern, Niederbayern und der Oberpfalz. Beck Verlag, München 1993, ISBN 3-406-37754-8, S. 250 ff. Dem romanischen Westwerk wurde 1716 eine barocke Fassade vorgebaut. Der Chor (um 1300), die eingewölbten Seitenschiffe (15. Jahrhundert) und die erhöhten Kirchtürme sind in die Gotik einzuordnen.
Ausstattung Aus der Romanik ist außer den beiden Türklopfern am Außenportal nichts mehr erhalten. Gotisch sind das Stiftergrabmal (1304) des Markgrafen Diepold III., die Grabmäler seiner Mutter Luitgard und weiterer Familienmitglieder. Am ersten Pfeiler des südlichen Landhauses befindet sich eine gotische Madonna mit Kind (ca. 1420), ein Werk des Weichen Stils.Josef Klose: Ehemalige Benediktinerabteikirche Reichenbach. Schnell & Steiner, Regensburg 2002, ISBN 3-7954-4115-3. Der berühmte Thronende Christus, ein bedeutendes romanisches Bildwerk Bayerns, befindet sich im Bayerischen Nationalmuseum in München.
Fresken Die Deckenfresken reichen jeweils über zwei Jochen und sind von vier Medaillons in den Stichkappen umgeben. Alle Arbeiten sind in die Zeit zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert einzuordnen und werden teilweise Johann und Otto Gebhard zugeschrieben. Gezeigt werden König David, die Anbetung der Hirten und die Anbetung der Könige. Zwei Kuriositäten befinden sich im mittleren Deckengemälde. Ein Vorderbein eines Pferdes ist im Stuck plastisch herausgearbeitet und einem Hund kann man von allen Seiten in die Augen schauen.
Stuck mini|Kloster Reichenbach Empore Der Reichenbacher Stuck beeindruckt durch Formenreichtum und fein abgestimmte Farbigkeit. Er besteht aus Bandelwerk mit C-Bögen, Ranken mit grünen Blattwerk, Muschelwerk, Blütengirlanden und Gitterstuck. Die Kreuzgratgewölbe der Seitenschiffe sind gleichwertig dekoriert wie die Vorhalle. Die Stuckarbeiten werden Jakob Appiania (1687–1742) zugeschrieben.
Hochaltar Der barocke Hochaltar Mariä Himmelfahrt wird Otto Gebhard zugeschrieben. Links vom Tabernakel steht der heilige Benedikt und rechts die heilige Scholastika. mini|hochkant|Epitaph für Prinz Johann von Pfalz-Mosbach in der Grabkapelle, davor liegend die Grabplatte des Klosterstifters Diepold III. von Vohburg
Seitenaltäre