mini|hochkant=1.5|Schlangenwürgender Herakles, Iphikles und Alkmene, Athena mit Lanze, rechts Amphitryon; Stamnos des Berliner Malers, um 480/70 v. Chr. (Paris, Louvre G 192)

Alkmene () war in der griechischen Mythologie die Mutter des Herakles, des größten Helden des antiken Griechenlands.

Hesiod beschreibt Alkmene als hochgewachsene unübertreffliche Schönheit, die zudem klug war wie keine andere sterbliche Person.Hesiod, aspis 4–6

Mythos Alkmene wird zumeist als Tochter des Perseussohnes Elektryon angesehen,Hesiod, catalogus feminarum und aspis 1–56; Bibliotheke des Apollodor 2,4,5; Tzetzes, ad Lycophronem 932; Scholion zu Homer, Ilias 14,323 während der Name ihrer Mutter in den verschiedenen Fassungen des Stoffes schwankt. Mal ist es Anaxo, die Tochter ihres „Onkels“ Alkaios,Bibliotheke des Apollodor 2,4,5 mal eine der Töchter des Pelops, LysidikePlutarch, Theseus 7; Scholion zu Pindar, Olympische Oden 7,49; Scholion zu Homer, Ilias 19,116 oder EurydikeDiodor 4,9. Laut Asios von Samos, einem Dichter wohl des frühen 7. Jahrhunderts v. Chr., waren Amphiaraos und Eriphyle Alkmenes Eltern.Asios bei Pausanias 5,17,4 Euripides spricht sie in seiner Tragödie Alkestis als Tiryntherin an,Euripides, Alkestis 838 während Elektryon eigentlich über MykeneBibliotheke des Apollodor 4,6,1 oder MideiaPausanias 2,25,9 herrschte. Auch bei Ovid trägt sie den Beinamen Tirynthia „Frau aus Tiryns“.Ovid, Metamorphosen 6,112

In der tirynthischen Sagenform war Alektrona der Name Alkmenes, der dann zu Elektryone gewandelt wurde. – eine Verschmelzung mit der rhodischen Göttin Alektrona, der Tochter des Helios mit der Rhodos und Gemahlin unter anderem des Amphiaraos und der Zeusverkörperung in Form des Goldenen Regens, Elektryon. = , siehe .

Amphitryon Als die Söhne des Pterelaos nach Mykene kamen und als Nachkommen von Elektryons Bruder Mestor Ansprüche stellten, wurden im folgenden Streit alle zwölf Brüder Alkmenes, aber bis auf einen auch die Söhne Pterelaos’ getötet. Der überlebende Eueres stahl die Rinder des Elektryon und übergab sie Polyxenos, dem König von Elis. Von diesem kaufte sie Amphitryon, der Sohn des Alkaios, und gab sie Elektryon zurück. Um seine Söhne zu rächen, rüstete sich Elektryon zum Kampf und übertrug die Herrschaft über sein Reich für die Zeit seiner Abwesenheit an Amphitryon, dem er auch Alkmene anvertraute und das Versprechen abnahm, Alkmene bis zu seiner Rückkehr nicht anzurühren.Bibliotheke des Apollodor 2,4,6 Noch vor der Abreise tötete Amphitryon jedoch entweder aus VersehenBibliotheke des Apollodor 2,4,6 oder im StreitHesiod, aspis 11 seinen zukünftigen Schwiegervater.

Daraufhin nutzte Sthenelos, der Bruder des Getöteten, die Gelegenheit, die Herrschaft zu übernehmen, und wies den mit Blutschuld beladenen Amphitryon aus Mykene. Aus Liebe schloss sich Alkmene dem Verstoßenen an,Hesiod, aspis 12–14 begleitet von ihrem Halbbruder Likymnios. Sie zogen nach Theben zu König Kreon, der Amphitryon von seiner Schuld reinigte.Bibliotheke des Apollodor 2,4,6 Nach Hesiod waren Alkmene und Amphitryon zu dieser Zeit bereits verheiratet, die Ehe aber noch nicht vollzogen, da Alkmene dies von der Rache für ihre gefallenen Brüder abhängig machte.Hesiod, aspis 15–19; Scholion zu Pindar, Nemëische Oden 10,15; Scholion zu Homer, Ilias 14,323; Scholion zu Homer, Odyssee 11,265 Nach der Bibliotheke des Apollodor machte Alkmene die Hochzeit selbst von dieser Bedingung abhängig.Bibliotheke des Apollodor 2,4,6

Geliebte des Zeus Amphitryon schwört, Alkmene nicht eher zur Frau zu nehmen, als er ihre Brüder gerächt habe, und zieht gegen die Taphier und Teleboer.Hesiod, aspis 20; Pherekydes im Scholion zu Homer, Odyssee 11,266; Bibliotheke des Apollodor 2,4,6–7; bei Hygin, Fabulae 29 sind es die Oichalier, gegen die Amphitryon auszieht. Kurz vor seiner Rückkehr nähert sich Zeus des Nachts der Alkmene, um einen Helden zu zeugen,Hesiod, aspis 29; Homer, Odyssee 266–268; Pindar, Nemëische Oden 10,15 nimmt hierfür die Gestalt des Amphitryon anPherekydes im Scholion zu Homer, Odyssee 11,266; Bibliotheke des Apollodor 2,4,8; Diodor 4,9,3; Pausanias 5,18,3; Hygin, fabulae 29 und berichtet von seinen Taten.Pherekydes im Scholion zu Homer, Odyssee 11,266; Bibliotheke des Apollodor 2,4,8; Hygin, fabulae 29 Als Beweis schenkt er ihr den Becher des PterelaosAthenaios, Deipnosophistai 781 C und D; Pausanias 5,18,3 und ein Halsband.Pausanias 5,18,3 Bei Pindar kommt er in Form goldenen Regens zu Alkmene.Pindar, Isthmische Oden 6(7),5

Um genügend Zeit mit Alkmene zu haben, bittet Zeus den Helios in jüngeren Versionen des Mythos – bei Hesiod und Pherekydes ist das Element noch unbekannt –, einen Tag nicht aufzugehen.Bibliotheke des Apollodor 2,4,8; Diodor 4,9,2; Ovid, Amores 1,13,45 und Tristia 2,402; Hygin, fabulae 29 Aus der dreifach langen Nacht, über die sich Alkmene wundert,Hygin, fabulae 29 werden in der folgenden Überlieferung drei Nächte,Servius, commentarius in Vergilii Aeneida 8,103; Tzetzes, ad Lycophronem 33 dann drei Tage.Lukian, dialogi deorum 10; Scholion zu Homer, Ilias 14,324 Noch in derselbenHesiod, aspis 29; Pherekydes im Scholion zu Homer, Odyssee 11,266 oder in der darauffolgenden NachtBibliotheke des Apollodor 2,4,8 kehrt Amphitryon zurück, wird aber nur kühl von Alkmene empfangen, die ja glaubte, er habe ihr seine Taten schon berichtet, seine Geschenke schon überreicht und die Nacht mit ihr verbracht.Bibliotheke des Apollodor 2,4,8; Hygin, fabulae 29 Verwirrt, wird er von dem Seher Teiresias über die Geschehnisse der letzten Nacht aufgeklärt und meidet in der Folge das gemeinsame Lager.Hygin, fabulae 29 In der nicht erhaltenen Alkmene des Dichters Euripides wollte anscheinend Amphitryon die vermeintliche Untreue der Alkmene mit dem Scheiterhaufen bestrafen. Doch überzeugte ihn das Eingreifen des Zeus in Form von Regen von ihrer Unschuld und er erkannte das Walten eines Gottes.

Mutter des Herakles Als Herakles’ Geburt bevorsteht und Zeus sich dessen in der Götterversammlung rühmt und meint, aus seinem Blut werde heute einer geboren, der alle Menschen, namentlich die Argiver, beherrschen werde, sorgt Hera dafür, dass Sthenelos’ Sohn Eurystheus, über seinen Großvater Perseus ebenfalls aus dem Blute des Zeus, als Siebenmonatskind noch vor Herakles auf die Welt kommt, indem sie die Niederkunft der Alkmene verzögert.Homer, Ilias 19,95–125 Diese ursprüngliche Fassung, der auch Diodor folgt,Diodor 4,9,4–7 kennt noch keinen Zwillingsbruder des Herakles, den von Amphitryon gezeugten Iphikles, der erst mit Hesiod und Pindar als gleichzeitig geborener Zwillingsbruder dem Mythos integriert wird,Hesiod, aspis 49; Pindar, Pythische Oden 9,148–150; Pherekydes im Scholion zu Homer, Odyssee 11,266 in der noch jüngeren Überlieferung dann einen Tag später zur Welt kommt.Theokritos, Herakliskos (24) 2; Bibliotheke des Apollodor 2,4,8

Im Leben des jungen Herakles spielt Alkmene keine ausgezeichnete Rolle mehr. Es wird aus den Kindheitstagen des Helden berichtet, dass Alkmene die Kinder in einem Schild wiegtTheokritos, Herakliskos (24) 2 oder über den die Schlangen würgenden Herakles erschrickt.Pindar, Nemëische Oden 1,50 Nach dem Tod des Amphitryon heiratet sie den aus Kreta stammenden Zeussohn Rhadamanthys, der nach Böotien geflohen war.Aristoteles Fragment 518 (ed. Rose); Bibliotheke des Apollodor 3,1,2; Plutarch, Lysander 28,8; Tzetzes, ad Lycophronem 50 und 458

Vertreibung und Ende Nachdem Herakles seinen Dienst bei Eurystheus beendet hat, wird sie mit ihren Söhnen und Enkeln, den Herakleiden, aus Tiryns ausgewiesen,Pherekydes bei Antoninus Liberalis 33 flieht zunächst nach Pheneos,Diodor 4,33 nach dem Tod des Herakles unter der Verfolgung durch Eurystheus weiter nach Trachis zu König Këyx.Bibliotheke des Apollodor 2,8,1; Diodor 4,57 Dort abgewiesen, landen sie und die Herakliden in Athen bei König Demophon, wo sie endgültig Aufnahme finden.Euripides, Herakliden; Bibliotheke des Apollodor 2,8,1; Diodor 4,57; Strabon, Geographie 8,377; Pausanias 1,32,5 Den in der Folge gefangenen Eurystheus tötet sieEuripides, Herakliden Schluss oder sticht dem getöteten Eurystheus die Augen aus.Bibliotheke des Apollodor 2,8,1

Nach dem Tod des Eurystheus ziehen sie und die Herakleiden nach Theben, wo Alkmene in hohem Alter stirbt.Pherekydes bei Antoninus Liberalis 33; Diodor 4,58 Auf Befehl des Zeus wird sie von Hermes auf die Insel der Seligen entrückt, um mit Rhadamanthys im Jenseits vereinigt zu werden. An ihrer Stelle finden die Herakleiden, die den schon vorbereiteten Sarg nicht bewegen konnten, einen Stein, den sie im Hain des ihr geweihten Heiligtums aufstellten. Ein Grab der Alkmene, die in Theben göttergleich verehrt wurde,Diodor 4,58 gab es in Theben nicht.Pausanias 9,16,7

In Haliartos jedoch, wo sie als Gattin des Rhadamanthys galt, zeigte man Alkmenes Grab, während ihre Gebeine von Agesilaos nach Sparta gebracht worden sein sollen.Plutarch, Lysander 28 und de genio Socratis 5–7 Auch in Megara zeigte man laut Pausanias ihr Grab. Denn einer anderen Version des Mythos zufolge starb Alkmene auf dem Weg von Argos nach Theben auf dem Gebiet von Megara und das Orakel von Delphi schlichtete den Streit unter den Herakleiden, wo sie bestattet werden solle, indem es verkündete, man bestatte sie am besten in Megara.Pausanias 1,41,1

Rezeption in der antiken Kunst Bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. und somit in archaischer Zeit, taucht Alkmene in der bildenden Kunst der Griechen auf. Ältestes Zeugnis ist die Darstellung auf der Lade des Kypselos, die von den Nachfahren des korinthischen Tyrannen als Weihgeschenk in den Tempel der Hera von Olympia gestiftet wurde. Der aus Zedernholz mit Schnitzereien und Einlegearbeiten aus Gold und Elfenbein verzierte Kasten vereinte zahlreiche mythische Szenen, unter anderem auch den Besuch des Zeus bei Alkmene in Gestalt des Amphitryon, wie er Alkmene den Becher des Pterelaos und das Halsband übergibt. Das Behältnis wird von Pausanias, der es bei seinem Besuch in Olympia im 2. Jahrhundert n. Chr. noch sah, ausführlich beschrieben.Pausanias 5,18,3 Dass es sich bei dem Halsband um das der Harmonia handelt, geht hervor aus der von Pausanias zuvor betonten Bemerkung, Alkmene sei nach der Genealogie bei Asios eine Tochter des Amphiaraos und der Eriphyle, die zunächst im Besitz des Halsbandes war und ebenso auf der Lade dargestellt war.Pausanias 5,18,3 Das Motiv der Halsbandübergabe durch Zeus glaubt man auch auf dem Relief einer spartanischen Basis aus dem 2. Viertel des 6. Jahrhunderts v. Chr. erkennen zu können.John Boardman: Griechische Plastik. Die archaische Zeit. Ein Handbuch (= Kulturgeschichte der Antiken Welt. Band 5). Philipp von Zabern, Mainz 1981, ISBN 3-8053-0346-7, Abb. 123; Karl Schefold, Luca Giuliani: Gods and Heroes in Late Archaic Greek Art. Cambridge University Press, Cambridge 1992, S. 24.

Aus der Kindheit des Herakles und des Iphikles erzählt die Darstellung des schlangenwürgenden Herakles und des in die Arme seiner Mutter fliehenden Iphikles auf einem um 480/470 v. Chr. gefertigten Stamnos des Berliner Malers.Louvre G 192, Stamnos des Berliner Malers. Auf einer spätarchaischen Hydria des Alkmene-Malers vom Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. ist Alkmene mit dem auf einer Kline gelagerten Herakles in Begleitung von Athena und Hermes zu sehen. Alle Figuren sind durch Namensbeischriften identifiziert. Alkmene trägt auch in dieser Szene das Halsband. Sie steht, im Redegestus die Linke erhoben, zu Füßen ihres Sohnes.British Museum Inv. 1843,1103.73; CVA British Museum 6 III H e Pl. 74, 2.