Der Busverkehr in Madrid wird weitgehend von der Empresa Municipal de Transportes de Madrid (Städtische Verkehrsbetriebe Madrid) mit der Kurzbezeichnung EMT Madrid betrieben. Die großen Nahverkehrsknoten der Stadt werden auch von Bussen der umliegenden Regionalbusgesellschaften angefahren. Auf dem größten Stadtbusnetz der Iberischen Halbinsel mit rund 2000 Bussen der EMT Madrid sind nur Niederflurbusse mit Einstiegsrampe für Rollstuhlfahrer unterwegs. Die Busse legen jährlich fast 1 Million km zurück und befördern 425 Millionen Fahrgäste. Das gesamte Liniennetz hat eine Länge von ca. 3600 km mit rund 10.000 Haltestellen.Hauptseite der EMT Madrid (englisch) abgerufen am 11. November 2015
Der Name des Unternehmens Empresa Municipal de Transportes de Madrid, Kurzbezeichnung EMT Madrid, kann mit Verkehrsbetriebe der Stadt Madrid übersetzt werden. Das 1947 gegründete Unternehmen ist eine Aktiengesellschaft, deren Kapital vollständig von der Stadt Madrid gehalten wird.
Geschichte mini|Aktie der S.G. de Autobuses de Madrid vom 14. September 1922 mit einem Bus der englischen Firma Tilling-Stevens in der Vignette 1920–1933: Die Sociedad Madrileña de Tranvías betreibt das Straßenbahnnetz der spanischen Hauptstadt. 1924–1927: Die La Sociedad General de Autobuses betreibt die ersten Buslinien in Madrid. Die ersten Versuche ein Busnetz einzurichten reichen in das Jahr 1922 zurück, als die Sociedad General de Autobuses gegründet wurde, welche dann 50 Busse englischer Produktion erwarb. 1927 stellte die Sociedad den Betrieb ein, denn die Auslastung der Busse war wegen hoher Tarife nur unzureichend. Trotzdem gab es 1929 bereits 63 Radiallinien. Das Busnetz entwickelte sich insbesondere in Gebieten, die keinen Bahnanschluss hatten und wo eine starke Nachfrage bestand.clubdeamigos.crtm.es: (spanisch) 1933–1947: Eine Empresa Mixta de Transportes Urbanos betreibt den oberirdischen ÖPNV in Madrid. 21. März 1947: Die Empresa Mixta de Transportes wird aufgelöst und per Dekret festgelegt, dass der oberirdische Madrider ÖPNV in städtischer Regie durchgeführt werden soll. 12. November 1947: Die neugegründete Empresa Municipal de Transportes, kurz EMT genannt, nimmt den Betrieb auf. 1950: Die EMT nimmt die erste Trolleybuslinie in Betrieb. 1955: Die EMT befördert erstmals mehr als eine Million Fahrgäste innerhalb eines Kalenderjahres. 1959: Die Linie 27 (Plaza Castilla – Embajadores) wird eingerichtet. Sie entwickelt sich später zur verkehrsreichsten Linie der Stadt. 1963: Die offenen Straßenbahnwagen werden abgeschafft. 30. April 1966: Die Oberleitungsbusse werden abgeschafft. 1966: In Madrid werden erstmals Gelenkbusse eingesetzt. 1966: Erstmals werden Busspuren eingerichtet. 1969: Die EMT richtet Buslinien zum Universitätscampus (Ciudad Universitaria) und zum Freizeitpark Parque de Atracciones ein. 1970: Die Ringlinie (Línea Circular) der EMT (Cuatro Caminos – Embajadores) wird in Betrieb genommen. 1. Juni 1972: Die letzten Straßenbahnen Madrids werden stillgelegt. 1973: Es erfolgt ein Farbwechsel bei den Fahrzeugen: rot statt blau. 1973: Die ersten Busse ohne Fahrkartenverkäufer bzw. Kontrolleur werden eingesetzt. Januar 1974: Die Flughafenlinie ‘Colón-Aeropuerto’ wird eingerichtet. Oktober 1974: Nachtbuslinien werden eingerichtet. Sie werden vom Volksmund als ‘búhos’ (= Uhus) bezeichnet. 1975: Die Mikrobuslinien werden in städtische Regie überführt. 1976: Die ersten Schnellbuslinien entstehen. 1979: Die ‘Bono-bus’-Karte, eine 10-Fahrten-Karte wird eingeführt. 1980: Die in die Peripherie der Stadt führenden Linien, welche bisher von privaten Konzessionären betrieben wurden, werden von der EMT übernommen. 1983: Eröffnung der Linie 88. Sie führt zum Mercamadrid, einem der weltweit bedeutendsten Nahrungsmittelgroßmärkte im Südwesten der Stadt. 1985: Die Stadt Madrid und folglich auch die EMT treten dem neugegründeten Verband Consorcio Regional de Transportes bei. 1990: Die Mikrobuslinien werden abgeschafft. 1994: Probeweise sind die ersten Erdgasbusse unterwegs. 1994: Die EMT setzt erstmals Niederflurbusse ein. 1996: Ein Sistema de Ayuda a la Explotación (SAE) wird eingerichtet. Computergestützte Kontrolle des Busverkehrs mit Hilfe von GPS mini|Tarjeta de transporte público de la Comunidad de Madrid 1998: Die neue 10er-Karte ‘Metrobús’ ersetzt endgültig die ‘Bono-bus’-Karte. Diese Fahrkarte ist in den EMT-Bussen und auch in der Metro gültig. 2001: EMT beteiligt sich an verschiedenen Projekten zum Thema Wasserstoffantrieb. mini|Hauptsitz der EMT Madrid 2003: In der Calle Cerro de la Plata wird die neue Hauptverwaltung der EMT fertiggestellt. 2003 Im Depot Fuencarral geht die erste Erdgastankstelle Europas in Betrieb 2004: Die EMT nimmt einen Fahrsimulator für die Fahrerausbildung in Betrieb. 2005: Beim neuartigen SIM-System (Sistema de Información Móvil) können mittels SMS die Wartezeiten für Linienbusse abgerufen werden. 2006: Das neue Busdepot (Centro de Operaciones) de Carabanchel wird eingeweiht. 2006: Erneuter Farbwechsel: Fahrzeuge in Blau statt Rot. 2007: Berührungslose Tickets gibt es nun auch in Madrid. Sie tragen die Bezeichnung BIT (Billete Inteligente de Transporte), 2008: EMT erwirbt 20 batteriebetriebene Kleinbusse für den Einsatz in den engen Gassen der Innenstadt. 2009: Erster Probeeinsatz von Hybridbussen. 2010: Ein weiteres großes Busdepot wird eröffnet: Centro de Operaciones de Sanchinarro. 2012: EMT ist im Internet in den sozialen Netzwerken vertreten.
Personal EMT Madrid beschäftigt 8055 Arbeitnehmer (Stand 2015), 5760 haben eine Busfahrerlizenz und knapp 1000 Personen sind für die Wartung der Busse und sonstigen technischen Einrichtungen zuständig.emtmadrid.es: (spanisch)
Linien EMT Madrid betreibt 203 Buslinien, 170 davon sind Tageslinien. Weiter gibt es 26 Nachtlinien.
Tageslinien Diese Linien tragen eine Liniennummer, welche im Bereich von 1 bis 310 liegen, wobei natürlich nicht alle Nummern vergeben sind. Nicht in das Nummernschema passen die beiden Ringlinien: Sie haben die Bezeichnungen C1 bzw. C2.
Nachtlinien mini|Drei Nachtbusse warten auf der Plaza de Cibeles auf ihren Einsatz.
Sie tragen die Nummern N1, N2.... Startpunkt fast aller Linien ist die Plaza de Cibeles. Nur zwei Linien starten an der Plaza de Alonso Martínez. Früher gab es noch zwei Nachtbus-Ringlinien mit den Bezeichnungen NC1 und NC2; sie wurden nur an den Wochenenden und an Feiertagen betrieben und wurden Ende September 2013 ganz eingestellt.
Zwischen Mai 2006 und Ende September 2013 existierten die sog. Metro Búho- oder Búho-Metro-Linien. Die Busse fuhren in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag sowie in den Nächten vor Feiertagen. Sie verkehrten auf Linien L1 bis L11, welche den Metrolinien folgten. Jede Búho-Metro-Linie folgte dabei der Metrolinie mit gleicher Nummer. Die Haltestellen der Busse lagen an regulären Bushaltestellen in Nähe der Metrostationen – wobei nicht alle Stationen bedient wurden. Allerdings wurden die nach Einführung dieser Buslinien neueröffneten Metrostrecken nicht mehr in die Buslinien eingezogen. Die Busse verkehrten jeweils von 0:45 Uhr bis 5:45 Uhr in einem 15- bis 20-Minuten-Takt.
Daneben gibt es weitere Sonderlinien, die nur zu bestimmten Zeiten bedient werden und jeweils an den Bezeichnungen erkenntlich sind:
Universitätslinien Es sind sechs Linien zu den verschiedenen Universitäten. Sie werden nur wochentags von Montag bis Freitag bzw. bis Samstag bedient. In vorlesungsfreien Zeiten fahren keine Busse. Diese Linien tragen die Bezeichnungen A. E, F, G, H, U.
Servicio especial Die drei Linien haben die Nummern SE702, SE704 und SE799. Zwei davon fahren zwei außerhalb der Stadt gelegene Friedhöfe an.
Transporte al Centro de Trabajo Die Linien verbinden Gewerbegebiete mit einer hohen Anzahl von Beschäftigen mit einem der Umsteigeknoten des Madrider ÖPNV. Die dieser Linien fahren nicht im Rhythmus der Regellinien, sondern sind an die Arbeitszeiten der Zielgebiete angepasst. Die erste Linie dieser Art wurde 2007 eingerichtet. Der Liniennummer wird ein T (wie Trabajo = Arbeit) vorangestellt. 2015 gab es folgende Linien: T11, T23, T31, T32, T41, T61 und T62. Die Linie T32 z. B. verkehrt zwischen der U-Bahn-Station Plaza de Legazpi mit dem Lebensmittelgroßmarkt Mercamadrid. Busse fahren hier rund um die Uhr, ausgenommen Samstagsnacht und in den Nächten vor Feiertagen.
Schnellbus Línea Exprés Aeropuerto Diese Schnellbuslinie verkehrt seit November 2010. Sie wird unter Nummer 203 geführt und verbindet den Flughafen Madrid-Barajas mit dem Bahnhof Atocha. Die Busse halten auf dem Flughafen an den Terminals T1, T2 und T4. In Madrid halten sie auf der Calle O’Donnell und der Plaza de Cibeles und enden am Busbahnhof am Bahnhof Atocha. Die Busse fahren täglich: tagsüber im 15- bis 20-Minuten-Abstand. Nachts alle 35 Minuten. Zwischen 23.30 Uhr und 6:00 Uhr wird die Haltestelle Atocha nicht angefahren. Die Linie endet in dieser Zeit an der Plaza de Cibeles – dort gibt es Anschlüsse zu den Nachtbussen. Es gelten besondere Fahrscheine, die nur beim Busfahrer erhältlich sind.
Fuhrpark Gegenwärtiger Fahrzeugbestand (2015) mini|Schnellbus zum Flughafen am Bahnhof Atocha mini|Elektrobus der Linie M1
EMT Madrid hat 1.907 Busse (Stand Frühjahr 2015) für den Verkehr auf ihren 203 Linien in Betrieb. 1094 davon haben Dieselmotoren, die alle mit Biodiesel B 20 fahren (d. h. der Biodieselanteil am Kraftstoff beträgt 20 %). Rund die Hälfte dieser Busse erfüllen die Euro-Abgasnormen V oder besser und vier Busse sind Hybridbusse. Weiter gehören zur Flotte knapp 800 Erdgasbusse, darunter 23 Hybridbusse. 20 Kleinbusse werden elektrisch als Batteriebusse betrieben.
1730 Busse sind Solobusse mit 12 Meter Länge, daneben gibt es 85 Gelenkbusse (18 Meter Länge), 30 Midibusse (8 Meter Länge) mit Erdgasantrieb für einige Linien mit geringerem Fahrgastaufkommen. Die 20 Elektrobusse sind Kleinbusse von 5,5 Meter Länge. Sie werden auf zwei Linien in der historischen Altstadt mit ihren engen Gassen eingesetzt.
EMT hatte für einige Jahre auch fünf Ethanol-Busse im Fuhrpark. Diese wurden Ende 2006 stillgelegt und Bestellungen für weitere Busse storniert, denn in Spanien wird Ethanol auch bei Verwendung als Ethanol-Kraftstoff wie Alkohol besteuert.
Den größten Fahrzeugbestand hatte die EMT im Jahr 2010 mit fast 2100 Bussen. Die spanische Finanzkrise machten bei den Ausgaben der öffentlichen Hand Einsparungen notwendig, was sich auch der EMT bemerkbar machte.
Die zukünftige Busflotte soll ohne Dieselmotoren auskommen Aufgrund der bis 2010 erzielten positiven Ergebnisse beim Einsatz von Erdgasbussen wurde beschlossen, in Zukunft keine Dieselfahrzeuge mehr anzuschaffen. Das Ende des Dieselantriebs war zunächst für 2021 geplant. Inzwischen wird nun 2023 angepeilt, wobei das Schwergewicht vermehrt auf Erdgasfahrzeuge gelegt wird. Zwischen 1994 und 2012 gelang es der EMT bei Dieselfahrzeugen die Emissionen um 40 % zu reduzieren, bei einem Umstieg auf Erdgasfahrzeuge betrug die Schadstoffreduzierung sogar mehr als 80 %. Im Jahr 2021 kam es zu einer Ausschreibung über den Kauf von 520 CNG-Bussen. 250 davon werden von Solaris geliefert, die ersten davon bereits im Jahr 2021.https://www.solarisbus.com/de/presse/madrid-bestellt-250-solaris-busse-1517 Pressemitteilung von Solaris vom 26. April 2012, abgerufen am 14. Mai 2021
Verbesserungen bei den Dieselfahrzeugen Durch verschiedene Sofortmaßnahmen konnte erreicht werden, dass bei den zunächst noch in Betrieb bleibenden Dieselfahrzeugen die Emissionswerte weiter sinken:
Bio-Diesel In einem ersten Schritt werden seit 2011 alle Dieselfahrzeuge mit einem Gemisch aus Diesel, dem 20 % Biodiesel beigemischt sind, betankt. Dieser Treibstoff wird in Spanien als B20 bezeichnet. B20 ist billiger als herkömmlicher Dieselkraftstoff und verursacht geringere Schadstoffemissionen.
Abgasreinigung mit SCRT