Ein Farbfehldruck ist in der Philatelie eine versehentliche oder unbefugte Druckausführung einer Briefmarke in einer anderen als der vorgesehenen Druckfarbe oder auf einem anderen, meist farbigen Papier. Farbfehldrucke gehören zu den Abarten und Fehldrucken von Briefmarken.

Begriff und Abgrenzung Die Begriffsbestimmung des Bundes Philatelistischer Prüfer umfasst sowohl den Druck in einer nicht vorgesehenen Farbe als auch den Druck auf einem anderen als dem vorgesehenen, meist farbigen Papier. In der englischsprachigen Einteilung der errors, freaks and oddities werden eine falsche Druckfarbe und ein falsches Papier häufig als getrennte Fehlerarten behandelt.

Von Farbfehldrucken sind insbesondere folgende Erscheinungen zu unterscheiden:

Farbtönungsunterschiede sind verschiedene Abstufungen derselben Hauptfarbe, beispielsweise Gelbgrün und Blaugrün. Sie können durch abweichende Mischungen der Druckfarbe entstehen und als katalogisierte Unterarten gesammelt werden, sind aber keine Farbfehldrucke. Nachträgliche Verfärbungen können durch Licht, Feuchtigkeit, Chemikalien, unsachgemäße Reinigung oder Veränderungen der Farbpigmente entstehen. Solche im Englischen als colour changelings bezeichneten Stücke wurden nicht in der abweichenden Farbe hergestellt und gelten daher als veränderte oder beschädigte Marken. Bei einer fehlenden Farbe wurde ein vorgesehener Druckgang vollständig oder teilweise nicht ausgeführt. Bei einer Passerverschiebung ist die vorgesehene Farbe dagegen vorhanden, befindet sich aber nicht an der vorgesehenen Stelle. Beide Erscheinungen sind andere Formen von Druckabweichungen. Auch die unterschiedliche Wirkung derselben Druckfarbe auf mehreren regulär verwendeten Papiersorten ist kein Farbfehldruck. Eine Farbe kann beispielsweise auf glattem Kreidepapier kräftiger und schärfer erscheinen als auf stärker saugendem Normalpapier.

Entstehung Ein Farbfehldruck kann durch die Verwendung einer falschen Druckfarbe, eines für eine andere Wertstufe bestimmten farbigen Papiers oder eines falsch eingesetzten Klischees entstehen.

Bei einer Verwechslung der Druckfarbe wird eine vollständige Druckform oder ein Teil einer Auflage in einem nicht vorgesehenen Farbton hergestellt. Ein Beispiel ist die Vier-Cent-Marke der US-amerikanischen Kolumbus-Ausgabe von 1893. Die American Bank Note Company verwendete bei einer kleinen Teilauflage das tiefere Blau der Ein-Cent-Marke anstelle des vorgesehenen Ultramarins. Marken aus mindestens zwei Schalterbogen gelangten an die Öffentlichkeit.

Wird ein falsches Klischee in eine aus einzelnen Markenbildern zusammengesetzte Druckform eingesetzt, kann dagegen nur eine Position des Briefmarkenbogens betroffen sein. Das abweichende Klischee wird dann in derselben Farbe wie die übrigen Marken der Druckform gedruckt. Auf diese Weise entstanden vermutlich der schwedische Tre-Skilling-Banco-Fehldruck und nachweislich der spanische Zwei-Reales-Fehldruck von 1851.

Bekannte Farbfehldrucke und philatelistische Bedeutung Farbfehldrucke können zu den bekanntesten und wertvollsten Stücken eines Sammelgebiets gehören. Ihre Seltenheit hängt unter anderem davon ab, wie viele fehlerhafte Bogen hergestellt wurden, ob die Abweichung bereits bei der Qualitätskontrolle entdeckt wurde und wie viele Exemplare an die Öffentlichkeit gelangten. Für den Marktwert sind außerdem die Erhaltung, die Provenienz, eine zeitgerechte postalische Verwendung und die Bestätigung durch einen anerkannten Briefmarkenprüfer von Bedeutung.

Eine ungewöhnliche Farbe allein beweist keinen Farbfehldruck. Insbesondere reguläre Farbtönungen, chemische Veränderungen und nachträgliche Manipulationen müssen bei der philatelistischen Prüfung ausgeschlossen werden.

Tre-Skilling-Banco-Fehldruck Der schwedische Tre-Skilling-Banco-Fehldruck gehört zur ersten Briefmarkenausgabe Schwedens von 1855. Die Marke zu drei Skilling wurde gelborange statt in der für diese Wertstufe vorgesehenen grünen Farbe gedruckt. Als wahrscheinlichste Ursache gilt, dass ein Klischee der Drei-Skilling-Marke versehentlich in die Druckform der gelborangen Acht-Skilling-Marke eingesetzt wurde. Von dem Fehldruck ist nur ein Exemplar bekannt.

Das Einzelstück erzielte 1996 bei einer Auktion des Hauses David Feldman 2.875.000 Schweizer Franken. Es hielt danach nahezu 20 Jahre den Rekord für den höchsten bei einer Auktion erzielten Preis einer einzelnen Briefmarke.

Baden-Fehldruck 9 Kreuzer Beim Baden-Fehldruck 9 Kreuzer von 1851 wurde nicht die schwarze Druckfarbe verwechselt. Die Druckerei verwendete vielmehr für einen Teil der Neun-Kreuzer-Auflage das blaugrüne Papier der Sechs-Kreuzer-Marke. Für die Neun-Kreuzer-Marke war rosafarbenes beziehungsweise rosalilafarbenes Papier vorgesehen.

Die Marken wurden unerkannt an die Post ausgeliefert und entsprechend der Farbe als Sechs-Kreuzer-Marken verwendet. Heute sind drei Briefe mit dem Fehldruck bekannt. Einer davon befindet sich im Museum für Kommunikation Berlin.

Ein anderer Brief, der mit dem Nummernstempel „41“ von Ettenheim entwertet wurde, erzielte 2019 bei einer Auktion in Wiesbaden einen Zuschlag von 1,26 Millionen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Das Bundesministerium der Finanzen bezeichnete ihn 2022 als das bis dahin teuerste Stück der deutschen Philatelie.

Spanischer Zwei-Reales-Fehldruck Beim spanischen Zwei-Reales-Farbfehldruck von 1851 wurde ein Klischee der regulär rotorange gedruckten Zwei-Reales-Marke in eine Druckform der blauen Sechs-Reales-Marke eingesetzt. Dadurch erschien auf jedem betroffenen Bogen eine blaue Zwei-Reales-Marke zwischen den Sechs-Reales-Marken.

Archivunterlagen belegen, dass sich in jedem der 25 nach Saragossa gelieferten Bogen mit jeweils 170 Sechs-Reales-Marken ein falsches Zwei-Reales-Klischee befand. Es stand in der achten Reihe und der vierzehnten Spalte. Nach der Entdeckung ordnete der Direktor der staatlichen Stempelfabrik die Rückgabe und den Austausch der fehlerhaften Marken an.

Drei blaue Zwei-Reales-Marken sind erhalten geblieben. Ein Exemplar befindet sich in der Tapling Collection der British Library, zwei weitere in spanischen Privatsammlungen.

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Einzelnachweise

Kategorie:Abart (Philatelie)