mini|Die Inverted Jenny von 1918 gehört zu den bekanntesten kopfstehenden Drucken
Ein kopfstehender Druck, auch Invert-Fehler oder kurz Invert, ist in der Philatelie eine Druckabart, bei der ein Teil des Markenbildes gegenüber den übrigen Bildelementen um 180 Grad gedreht erscheint. Betroffen sein können insbesondere ein in einem gesonderten Druckgang hergestelltes Mittelstück oder der Rahmen einer Briefmarke. Im englischsprachigen Raum werden solche Fehler als invert errors oder inverts bezeichnet.
Kopfstehende Drucke zählen zu den bekanntesten und auffälligsten Fehldrucken bei Postwertzeichen. Da derartige Fehler bei der Qualitätskontrolle normalerweise erkannt und ausgesondert werden, gelangen häufig nur wenige Exemplare in den Postverkehr und später in Sammlerhand. Mehrere Inverts zählen zu den bekanntesten philatelistischen Objekten; einzelne Exemplare und Einheiten gehören zugleich zu den teuersten philatelistischen Objekten.
Entstehung und Abgrenzung Kopfstehende Drucke entstehen insbesondere bei mehrfarbigen Briefmarken, deren einzelne Farben oder Bildelemente im Zuge der Briefmarkenherstellung in getrennten Druckgängen aufgebracht werden. Wird ein bereits teilweise bedruckter Briefmarkenbogen vor einem weiteren Druckgang um 180 Grad gedreht eingelegt, erscheint der anschließend gedruckte Bildteil gegenüber dem übrigen Markenbild kopfstehend. Ein Invert kann außerdem entstehen, wenn bei einer aus mehreren Elementen zusammengesetzten Druckform ein Klischee verkehrt herum eingesetzt wird.
Je nachdem, welcher Teil der Marke betroffen ist, wird insbesondere zwischen einem kopfstehenden Mittelstück (inverted center) und einem kopfstehenden Rahmen (inverted frame) unterschieden. Entscheidend ist dabei die Lage der einzelnen Druckelemente zueinander. Bei der als Inverted Swan bekannten Marke von Western Australia ist deshalb technisch nicht der Schwan, sondern der ihn umgebende Rahmen kopfstehend.
Kopfstehende Aufdrucke entstehen ebenfalls durch eine um 180 Grad abweichende Ausrichtung, werden jedoch als spezielle Form der Aufdruckfehler eingeordnet. Ein kopfstehendes Wasserzeichen ist dagegen keine Druckabart, sondern eine Wasserzeichenabart. Ebenfalls zu unterscheiden sind Kehrdrucke beziehungsweise Tête-bêche-Anordnungen, bei denen Marken innerhalb eines Bogens oder einer Druckform absichtlich oder herstellungsbedingt gegeneinander gedreht angeordnet sind.
Der MICHEL zählt kopfstehende Bildteile zu den typischen katalogisierten Abarten und unterscheidet sie von lediglich vorübergehend auftretenden Druck- und Produktionszufälligkeiten wie Passerverschiebungen oder Verzähnungen.
Bekannte Beispiele Zu den frühesten bekannten kopfstehenden Drucken gehört der Inverted Head Four Annas aus Britisch-Indien von 1854. Bei der zweifarbig gedruckten Marke steht das blaue Porträt Königin Victorias gegenüber dem roten Rahmen kopf. Die Herstellung erforderte zwei getrennte Druckvorgänge; heute sind 28 Exemplare des Fehlers bekannt.
Ebenfalls aus den 1850er Jahren stammt die Inverted Swan von Western Australia. Bei der im Steindruck hergestellten Marke wurde durch einen Fehler bei der Übertragung auf den Druckstein der Rahmen eines Markenfeldes gegenüber dem Schwan verdreht. Die Marke zählt zu den frühesten bekannten Invert-Fehlern.
Die 1918 ausgegebene US-amerikanische Inverted Jenny zeigt das Flugzeug Curtiss JN-4 kopfstehend innerhalb des roten Rahmens. Das rote und das blaue Bildelement wurden in getrennten Druckgängen hergestellt. Von dem Fehler gelangte nur ein Bogen mit 100 Marken in den Verkauf. Die Inverted Jenny entwickelte sich zu einer der bekanntesten Briefmarkenraritäten und erzielte wiederholt hohe Auktionspreise.
Weitere bekannte Beispiele sind die belgische Inverted Dendermonde von 1920 mit einem kopfstehenden Mittelstück sowie der Dag Hammarskjöld Invert der Vereinigten Staaten von 1962. Beim Dag-Hammarskjöld-Fehler ließ der US-Postminister J. Edward Day nach der Entdeckung der ersten Exemplare rund 40 Millionen weitere Marken mit demselben kopfstehenden gelben Druckgang herstellen. Dadurch sollte verhindert werden, dass die zufällig entdeckten Stücke zu seltenen und wertvollen Sammlerobjekten wurden.
Zu den wertvollsten Inverts zählt eine 500-Mon-Marke der ersten japanischen Briefmarkenausgabe von 1871. Rahmen und Drachen wurden zunächst farbig gedruckt und die Wertangabe anschließend in Schwarz ergänzt. Bei einem Bogen erfolgte dieser zweite Druckgang nach einer Drehung des Bogens um 180 Grad. Von dem kopfstehenden Mittelstück ist nur ein Exemplar bekannt; es wurde 2023 für mehr als 5,4 Millionen Euro einschließlich Aufgeld versteigert.
Siehe auch Liste bekannter philatelistischer Objekte Liste der teuersten philatelistischen Objekte
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Abart (Philatelie)