mini|Scheibenrad aus Holz; Versteifung quer zur Faser, Achse und Reifen aus Metall mini|Handkarren (zweispurig, einachsig) mit zwei hölzernen Speichenrädern; Nabe, 14 Speichen, 7 Felgenteile aus Holz, Eisenreifen aus Bandstahl geschmiedet um Felge und Nabe; Gleitlager, geschmiert auf leicht schrägen Stahlachsstummeln mini|Kanone aus dem Dreißigjährigen Krieg mit metallbeschlagenen Rädern

Das Rad ist ein kreisrunder, im einfachsten Fall scheibenförmiger Teil einer Maschine zur Kraftübertragung, der um eine Achse, die senkrecht auf der idealisierten Kreisebene steht, drehbar gelagert ist. Am bekanntesten ist die Verwendung als Wagenrad. Seine Entwicklung und Verwendung an Karren oder Wagen war ein für die Entwicklung der technischen Kultur in der Urgeschichte wichtiges Ereignis.

Von wesentlichem Vorteil ist das Abrollen seines Umfangs auf dem Untergrund. Gleiten findet nur noch in den geschmierten Lagern statt. Der Rollwiderstand auf festem, trockenem Boden und der Gleitwiderstand in den Lagern sind gemeinsam wesentlich kleiner als der Gleitwiderstand bei der Verwendung einer Stangenschleife oder eines Schlittens zum Transport einer Last über trockenen Boden. Der Materialabrieb ist ebenfalls kleiner als beim Schleifen. Fahrzeuge und Gespanne mit Rädern und Zugtieren wurden zum gut verfügbaren und langlebigen Transportmittel der Vor- und Frühgeschichte für Lasten und Personen.

Schon während der Bronzezeit wurde das Rad von der Scheibe zum leichteren Speichenrad weiterentwickelt. Die Speichenform entstand durch Ersatz von Teilen der Scheibe zwischen der Nabe und dem außenliegenden Radkranz durch druck- bzw. zugfeste, oft speziellere Materialien und eine oft anspruchsvolle Verbindungstechnik.

Zu den einfachen Maschinenelementen zählt das sich nur drehende Rad (zum Beispiel Handrad, Lenkrad). Ein Fahrzeug-Rad ist heute ein komplexes technisches Bauteil.

Räder mit Strebenkonstruktion mini|Hölzernes Wagenrad mit radialen Streben zwischen Nabe und Felge

Neben Voll- und Speichenrädern sind in der Geschichte des Radbaus auch Bauformen belegt, bei denen die Verbindung zwischen Nabe und Felge durch breite, radial angeordnete Streben erfolgt. Diese Konstruktionen stellen keine geschlossene Radscheibe dar, unterscheiden sich aber ebenso deutlich von klassischen Speichenrädern.

Solche Radtypen sind sowohl aus dem eisenzeitlichen Wagenbau bekannt, etwa bei Streitwagen des Typs Mercurago II, als auch aus späteren landwirtschaftlichen Wagenrädern. Die Streben übernehmen dabei konstruktive Funktionen zwischen Druck- und Biegebeanspruchung und bilden eine eigenständige Lösung, die je nach Einsatzbereich und handwerklicher Tradition unterschiedlich ausgeführt wurde. mini|Detailansicht der Nabe und der radialen Streben

Der Prähistoriker Robert Forrer beschrieb 1933 mehrere dieser Räder aus dem Bestand des Bernischen Historischen Museums und wies darauf hin, dass es sich nicht um lineare Vorstufen des Speichenrades handelt, sondern um parallel entwickelte Radkonstruktionen mit eigener technischer Logik.

Historische Beispiele und Rekonstruktionen solcher Radformen werden unter anderem im Museum „Achse, Rad und Wagen“, dem Werksmuseum der BPW Bergische Achsen KG in Wiehl, im Rahmen einer Sammlung zur Kultur- und Technikgeschichte des Wagenbaus gezeigt.

Etymologie Rad (nhd. und ahd.) ist mit lateinisch rota und dem Sanskrit-Wort ratha, „Wagen“, urverwandt.Etymologie beim Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache.

Erweiterungen mit der Vorsilbe (Präfix) oder Nachsilbe (Suffix) „rad“

Einrad Dreirad Fahrrad (Zweirad, Niederrad) und seine Vorgänger Hochrad und Laufrad Rhönrad (technisch gesehen eine Rolle, es fehlt die Achse) Motorrad Radlbock – eine einrädrige, hölzerne, 150–200 cm lange Schubkarre, deren zwei leicht nach unten durchgebogene, quer verstrebte Längsholme die tiefliegende Ladefläche bilden. Die Holme dienen hinten als Griffe und lagern vorne die Achse des Holzspeichenrads mit axial langer Holznabe und Eisenreifen. Zwei Abstellstützen etwas vor den Griffenden können als Eisenbügel (gerundetes V) ausgeführt sein. Einen vorderen Anschlag für das Ladegut und damit Schutz vor dem Rad bilden zwei ebenfalls quer verstrebte, leicht nach vorne geneigte Steher, die sich mit Eisenstäben nahe der Radlager abstützen. Zum Transport von voluminösem Gut wie Heu, einem Hackstock, einer Mörteltruhe oder einem Möbelstück. Raddampfer Radlader Radpanzer

Geschichte mini|Video: Die Erfindung des Rades (1:27 min) mini|Trichterbecher datiert 3500–3350 v. Chr., links älteste bekannte Abbildung eines Wagens mit Rädern, Fundort Bronocice bei Działoszyce in Polen mini|Teilweise erhaltene Wagenräder der Goldberg-III-Gruppe (2900 v. Chr.) aus dem Museum des Federseebeckens mini|Scheibenräder von Glum, zwischen 1750 und 1550 v. Chr. mini|Wagenrad aus Tschogha Zanbil, Iran, Mitte bis Ende des 2. Jahrtausends v. Chr.Nationalmuseum Teheran mini|Relief von Amarna, Ägypten, ca. 1345–1335 v. Chr., Metropolitan Museum of Art, New York mini|Stader Bronzeräder um 1000 v. Chr.

Lange galt die sumerische Kultur als Ursprung. Aktuelle Daten legen eine Jahrhunderte dauernde schrittweise Entwicklung nahe, von der Idee zu den ersten Funden von Wagenrädern nordöstlich des Schwarzen Meeres.Hans J.J.G. Holm: Die ältesten Räder der Welt – von den Indogermanen erfunden oder nur bei ihrer Ausbreitung benutzt? Neueste archäologische und sprachwissenschaftliche Ergebnisse. Inspiration Unlimited 2024. ISBN 978-3-945127-54-4. Etwas früher oder gleichzeitig wurde die ebenfalls mit Gleitlagern versehene, schnell rotierende Töpferscheibe bekannt. Ein Hinweis darauf, dass das Maschinenelement Gleitlager jetzt gut beherrscht wurde, sind Schmierung und geringes Spiel. Im präkolumbischen Amerika und in Australien war das Rad für Transportmittel allerdings unbekannt.

Ältere Transportgeräte

Die ersten Transportgeräte, mit denen man Lasten zu Lande befördern konnte, ohne sie zu tragen, waren Schlitten und Stangenschleifen. Bei der Schleife ist allerdings ein Teil der Last und des Konstruktionsgewichtes zu tragen, sie hatte als Vorteil gegenüber anderen Transportmitteln eine gute Geländegängigkeit. Bei der Benutzung von Schlitten und Stangenschleifen war in der Regel ein hoher Gleitwiderstand zu überwinden. Ein Transport auf Rollen bzw. Walzen war nur auf gut vorbereitetem Untergrund und kurzen Strecken möglich. Nachgewiesen ist rollender Transport aus dem bronzezeitlichen Ägypten. Nachteilig war, dass die Rollen über die gesamte Strecke ausgelegt oder immer wieder hinten weggenommen und vorn wieder vor den zu befördernden Gegenstand gelegt werden mussten. Aber man konnte vergleichsweise hohe Lasten verlagern, da diese sich auf eine größere Fläche verteilen, als sie in den Gleitlagern des späteren Rades vorliegt. Der Walzentransport wird auch heute noch für spezielle Zwecke wie die Verlagerung von Gebäuden oder Extremlasten über kurze Strecken eingesetzt.

Älteste Nachweise des Rades

Das drehbar befestigte Rad, also „unendlich“ drehbar um eine Achse, konnte mit Steinwerkzeugen angefertigt werden.

Die ältesten Hinweise für die Nutzung des Rades zum Transport finden sich in Form von Miniaturrädern aus Ton nordwestlich des Schwarzen Meeres bereits vor 4000 v. Chr. Die Hinweise verdichten sich ab Mitte des 4. Jahrtausends über ganz Europa in Form von Wagenmodellen.Hans J.J.G. Holm: The Earliest Wheel Finds, Their Archeology and Indo-European Terminology in Time and Space, and Early Migrations around the Caucasus. Archaeolingua Alapítvány, Budapest 2019, ISBN 978-615-5766-30-5. Als Beispiel für einen mittelbaren Hinweis auf Wagenräder gilt eine Ritzzeichnung auf der Trichterschale aus Bronocice, einem Gefäß der Trichterbecherkultur, das in der Nähe von Pinczów (Polen) gefunden wurde und nach aktuellem Wissensstand die älteste Darstellung eines Wagenrads ist.Hans J.J.G. Holm: Die ältesten Räder der Welt – von den Indogermanen erfunden oder nur bei ihrer Ausbreitung benutzt? Neueste archäologische und sprach-wissenschaftliche Ergebnisse. Inspiration Unlimited 2024. ISBN 978-3-945127-54-4. Als weiterer indirekter Nachweis gilt eine Fahrspur aus der Mitte des 4. Jahrtausends v. Chr. in einem Hünenbett bei Flintbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde).Hans J.J.G. Holm: Die ältesten Räder der Welt – von den Indogermanen erfunden oder nur bei ihrer Ausbreitung benutzt? Neueste archäologische und sprach-wissenschaftliche Ergebnisse. Inspiration Unlimited 2024. ISBN 978-3-945127-54-4.http://www.geschichtsverein-bordesholm.de/Veroeffentlichungen/Jahrbuecher/J01_2_Zilch_Flintbek.pdf Das Hügelgräberfeld von Flintbek nach zwanzig Ausgrabungsjahren, Bernd Zich (PDF-Datei; 2,03 MB)

Erste unmittelbare Funde von Karren, Rädern, Wagen oder deren Modellen gibt es aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr. in Europa, z. B. im Rahmen der Trichterbecherkultur sowie der Badener Kultur, im Alpenvorland, im nordwestlichen Kaukasus (Maikop-Kultur), sowie in Mesopotamien und Vorderasien. Dabei handelte es sich um ein- oder mehrteilige Scheibenräder mit Durchmessern zwischen 40 und 80 cm, mit fester, loser oder ohne Nabenbuchse oder fester Achse (und quadratischen Achslöchern). Die ältesten Funde waren überwiegend zweiachsige Fahrzeuge. Die Funde stammen entweder aus Beisetzungen in Wagengräbern oder sind Moorfunde.

Die älteste gut datierte Rad-Achsen-Kombination stammt von Stare Gmajne im Laibacher Moor bei Ljubljana in Slowenien, dessen Rad in die Jahre 3340–3030 cal BC, die Achse auf 3360–3045 cal BC datiert wurden.A. Velušček, K. Čufar, M. Zupančič: Prazgodovinsko leseno kolo z osjo s kolišča Stare gmajne na Ljubljanskem barju. In: A. Velušček (Hrsg.): Koliščarska naselbina Stare gmajne in njen as. Ljubljansko barje v 2. polovici 4. tisočletja pr. Kr. Opera Instituti Archaeologici Sloveniae 16 (Ljubljana 2009) S. 197–222. Zitiert nach Stefan Burmeister: Wagen im 4. Jt. v. Chr. In: S. Hansen, J. Müller (Hrsg.): Sozialarchäologische Perspektiven: Gesellschaftlicher Wandel 5000–1500 v. Chr. zwischen Atlantik und Kaukasus. Zabern. Ein wenig jüngeres Rad wurde im Federseemoor in Seekirch-Achwiesen gefunden. Es ist rund 5000 Jahre alt und aus zwei Teilen zusammengefügt.

Die Reste zweier Wagen wurden in Ost-Georgien unter einem Grabhügel in Ananauri (Region Kachetien) ausgegraben und auf ca. 2400 ± 150 v. Chr. datiert.Hans J.J.G. Holm: The Earliest Wheel Finds, Their Archeology and Indo-European Terminology in Time and Space, and Early Migrations around the Caucasus. In: Archaeolingua Alapítvány. Budapest 2019, ISBN 978-615-5766-30-5, S. 113. Wahrscheinlich gehört dieser Kurgan einem Anführer aus der letzten Phase der Kura-Araxes-Kultur an, die deutliche Verbindungen zur Maikop-Kultur hat. Genauere Untersuchungen stehen noch aus. Im Grab befanden sich neben Obsidian und Flintstein auch Bernsteinperlen. Dies stützt die These, dass der Wagen lange vor dem Pferd aus dem nördlichen Raum kam und mit der Verbreitung der Kura-Araxes-Kultur den Weg nach Süden nahm.Antikes Wagengrab entdeckt

Das älteste vollständige Rad in Großbritannien entdeckten Archäologen in Must Farm, einem bronzezeitlichen Fundplatz in der Nähe von Peterborough, ein zwischen 1100 und 800 v. Chr. datiertes Rad der Späten Bronzezeit.Most complete Bronze Age wheel to date found at Must Farm near Peterborough. University of Cambridge, 19. Februar 2016

Die ältesten Funde zum Transport benutzter Räder stammen aus der Region nordöstlich des Schwarzen Meeres, die übrigen Funde legen aber eine jahrhundertelange schrittweise Entwicklung auch mit Verbindungen nach Mesopotamien nahe.Hans J.J.G. Holm: The Earliest Wheel Finds, Their Archeology and Indo-European Terminology in Time and Space, and Early Migrations around the Caucasus. Archaeolingua Alapítvány, Budapest 2019, ISBN 978-615-5766-30-5.

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