mini|Blick auf den Neuen Palast

mini|Der Platz des Papstpalastes mit dem Petit Palais im Hintergrund des Platzes; dahinter die Ebene der Rhone und der Pont Saint-Bénézet; dahinter das Fort Saint-André von Villeneuve-lès-Avignon Avignon ( bzw. ) ist eine Stadt und Gemeinde in der Provence in Südfrankreich am östlichen Ufer der Rhône mit Einwohnern (Stand ), von denen etwa 15.000 innerhalb der Stadtmauern („intra muros“) wohnen. Avignon ist Sitz der Präfektur und die größte Stadt des Départements Vaucluse.

Da Avignon von 1309 bis 1376 – und während des nachfolgenden Abendländischen Schismas – Sitz des Papstes war, trägt die Stadt den Beinamen „Stadt der Päpste“. Die Altstadt von Avignon mit ihren prachtvollen mittelalterlichen Bauten ist von einer intakten Befestigungsmauer umgeben. Mit dem gotischen Papstpalast (Palais des Papes) aus dem 14. Jahrhundert, der Bischofsanlage, dem Rocher des Doms und der berühmten Brücke, dem Pont Saint-Bénézet, zählt Avignons Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Brücke ist vor allem durch das französische Volkslied Sur le pont d’Avignon bekannt.

Künstlerisch-kulturell ist die Stadt durch das Festival von Avignon über Frankreich hinaus bekannt. Im Jahr 2000 war Avignon zudem Kulturhauptstadt Europas.

Geographie

Lage mini|Luftblick auf Avignon Avignon befindet sich am Zusammenfluss der Rhône und der Durance, die im Süden der Gemeinde entlang fließt und auch die Grenze zum Département Bouches-du-Rhône bildet. Die Rhône befindet sich westlich der Gemeinde und bildet die Grenze zum Département Gard.

Nachbargemeinden Benachbart liegen im Osten und Norden die Gemeinden Caumont-sur-Durance, Morières-lès-Avignon, Le Pontet und Sorgues.

Im Westen grenzt Avignon an die zum Département Gard gehörenden Gemeinden Villeneuve-lès-Avignon und Les Angles, während im Süden das Département Bouches-du-Rhône mit den Gemeinden Barbentane, Rognonas, Châteaurenard und Noves liegt.

Die nächsten größeren Städte sind Orange (im Norden), Nîmes und Montpellier (im Südwesten), Arles (im Süden), Salon-de-Provence und Marseille (im Südosten).

Geologie Die Region, in der sich Avignon befindet, ist sehr reich an Kalkstein. Besonders häufig kommt die „molasse burdigalienne“ vor, aus der zum Beispiel die heutige Stadtmauer von Avignon gebaut wurde.

Die bedeutendste kalkhaltige Erhebung vom urgonischen Typ ist der Rocher des Doms innerhalb der Stadtmauern. Das kalkhaltige Massiv ist rund um die Gemeinde verteilt (Massif des Angles, Villeneuve-lès-Avignon, Alpilles) und zum Teil das Ergebnis der Ozeanisierung der ligurisch-provenzalischen Senke, die der Bewegung des korsisch-sardischen Kontinentalblockes folgte.

Eine andere Erhebung von Avignon ist der bewaldete Hügel von Montfavet im Osten der Gemeinde.

Das Rhônetal weist alte Alluvialböden auf: Ein Großteil des Erdbodens wird dort von einer lockeren Ablagerung bedeckt, die sich aus sandigem Schluff zusammensetzt. Dieser ist mehr oder weniger durch Kieselsteine gefärbt, die hauptsächlich aus Silikatgestein stammen. Die Inseln der Rhône, darunter die Île de la Barthelasse, sind durch Anhäufung von angeschwemmten Ablagerungen und durch Eingreifen des Menschen entstanden. Das Relief ist nicht sehr stark ausgeprägt, doch sind die bestehenden Erdhügel in der Lage, bei Hochwasser die Inseln ausreichend zu schützen.

Als Böden findet man in der Umgebung der Stadt vor allem Lehm, Schlick, Sand und Kalk.

mini|hochkant=0.5|Schiefer Glockenturm der Augustinerkirche Wie das Auftreten von Spalten im kalkhaltigen Substrat zeigt, gab es in den verschiedenen geologischen Zeitaltern tektonische Aktivitäten, die Erdbeben ausgelöst haben. Die letzte Erderschütterung von bedeutendem Ausmaß fand am 11. Juni 1909 statt.Das Epizentrum dieses Erdbebens war Lambesc, ein Dorf in Bouches-du-Rhône. Spuren davon sind noch im Stadtzentrum und am deutlichsten am Glockenturm der Augustinerkirche in der Rue Carreterie sichtbar, der als Folge der Erderschütterung leicht geneigt steht.

Hydrographie Flüsse und Wasserläufe mini|Brücken über die „große Rhone“ mini|Die Pont d’Avignon auf der „kleinen Rhône“, im Hintergrund der Mont Ventoux Die Rhône führt am westlichen Stadtrand vorbei, ist aber in zwei Arme geteilt: man spricht von der „kleinen Rhône“ oder dem „toten Arm“ für den Teil, der Avignon berührt und von der „großen Rhône“ oder „lebendigem Arm“ für den westlichen Teil, der Villeneuve-lès-Avignon im Département Gard streift. Dazwischen befindet sich eine Reihe von Inseln, darunter die Île de la Barthelasse als größte. Parallel zur Rhône wurde ein Kanal angelegt.

Die Durance, die an der Südgrenze der Gemeinde entlang fließt, mündet in die Rhône und markiert die Grenze zum Département Bouches-du-Rhône.

Hochwasser Die Ufer der Rhône und die Insel von Barthelasse können während des Herbstes und Mitte März von Hochwasser betroffen sein. Maurice Champion erwähnte 1861 einige davon.Maurice Champion: Les Inondations En France Depuis Le VI Siaucle Jusquaa Nos Jours. Paris 1861. Das Hochwasser von 1856, das einen Teil der Stadtmauern zerstörte, war eines der verheerendsten. Weitere traten 1935, Dokumentarfilm – Office français d’informations cinématographiques – 1. Januar 1944. (Video ist offline) und im Januar 1955«Inondations à Paris et à Avignon» Dokumentarfilm – JT 20 H – ORTF – 23. Januar 1955. auf. Die Hochwasser stellen auch heute noch ein ernstzunehmendes Problem dar, wie zuletzt die Überschwemmung vom 2. Dezember 2003 gezeigt hat. Aus diesem Grund wurde auch eine neue cartographie du risque Amtliche Mitteilung von Vaucluse. erstellt.

Kanäle und künstliche Wasserflächen Die Stadt verfügt über zahlreiche Kanäle, die stellenweise ein komplexes Kanalsystem bilden.«La rue des teinturiers – Avignon» Avignon-et-Provence.com Diese Kanäle dienten einst der Bewässerung der Ackerflächen sowie der Versorgung der Wassergräben, die Avignon umgaben.

Im 10. Jahrhundert wurde ein Teil des Wassers der Sorgue d’Entraigues umgeleitet, das heute unter den Stadtmauern bis zur Innenstadt fließt. Die Wasserläufe wurden „Canal de Vaucluse“ genannt, aber die Einwohner nennen sie immer noch „la Sorgue“ oder „Sorguette“. Sie ist in der Innenstadt entlang der Rue des Teinturiers (Tuchfärbergasse) sichtbar. Sie versorgte die Wassergräben der ersten Stadtmauern, danach die neuen östlichen Stadtmauern des 14. Jahrhunderts. Im 13. Jahrhundert (Urkunde von 1229) wurde ein Teil des Wassers der Durance abgezweigt, um die Versorgungsanlagen der Wassergräben zu verstärken und um dann nach Bonpas geleitet zu werden. Diese Wasserläufe wurden später „la Durançole“ genannt. Die Durançole versorgte die westlichen Wassergräben der Stadt. Sie wurden auch genutzt, um das Ackerland von Montfavet zu bewässern. In der Innenstadt sind diese Wasserläufe meistens unter den Straßen oder den Wohnhäusern versteckt und dienen heute als Abwasserkanäle.

Daneben wurden der Canal de l’Hôpital (der sich mit der Durançole vereinigt) und der Canal de Crillon (1775) gegraben, die die Gebiete von Montfavet, Le Pontet und Vedène bewässerten.Etude hydrogeologique à la confluence Rhône-Durance Die beiden Kanäle teilen sich in zahlreiche „Phiolen“ auf (provenzalisch filhòlas oder fiolo). Auf gleiche Art und Weise wurde der Canal Puy (1808) angelegt, der die ehemaligen Gärten im Süden von Avignon bewässerte. All diese Kanäle leiten das Wasser der Durance ab und wurden anfangs genutzt, um die einst sehr steinigen Böden zu überschwemmen und mit den Kalksteinablagerungen zu düngen.

Die Kanäle dienten außerdem zum Antrieb zahlreicher Mühlen.

In der Gemeinde Avignon gibt es mehrere natürliche oder künstliche Wasserflächen wie den lac de Saint-Chamond im Osten der Stadt.

Klima mini|Heftiges Sommergewitter über Avignon (Juli 2000) Avignon steht unter Einfluss des Mittelmeerklimas. Niederschlag gibt es in einem Rhythmus von vier Phasen: zwei trockene Jahreszeiten (eine kurze am Winterende und eine sehr lange und stark ausgeprägte im Sommer) und zwei regenreiche (eine im Herbst mit ergiebigem Regen bis hin zu Wolkenbrüchen und eine im Frühling). Der Sommer ist unter Einfluss von subtropischen Hochdruckgebieten warm und trocken, wird aber von teilweise heftigen Gewitterstürmen unterbrochen. Der Winter ist mild mit wenig Niederschlägen und nur seltenem Schneefall.

Laut Météo-France gibt es im Jahr durchschnittlich 45 Tage mit mehr als 2,5 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Insgesamt beträgt die jährliche Niederschlagsmenge durchschnittlich 660 l/m². Die Durchschnittstemperaturen liegen je nach Jahreszeit zwischen 0 °C und 30 °C. Die Rekordtemperaturen seit den Aufzeichnungen der Station des INRA liegen bei 40,5 °C während der europäischen Hitzewelle 2003 am 5. August 2003 (und 39,8 °C am 18. August 2009) und bei −12,8 °C am 5. Januar 1985. Die meteorologischen Werte wurden im Agroparc d’Avignon gemessen.

Der Hauptwind ist der Mistral, der mitunter Windgeschwindigkeiten von 110 km/h erreichen kann. Er weht zwischen 120 und 160 Tage im Jahr, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h pro Bö.Jean Vialar: Les vents régionaux et locaux. 1948; nachbearbeitet von Météo-France im Jahr 2003.

Stadtgliederung mini|Karte des historischen Zentrums von Avignon Avignon hat sich aus historischen und strategischen Gründen zwischen der Rhône, die als erster natürlicher Schutzwall diente, und dem Rocher des Doms entwickelt, der einen weiten Ausblick ermöglicht (oder einen Blick auf den Papstpalast). Die Stadt hat eine größtenteils runde Form, die an mehreren Stellen ausgeweitet ist. Die ersten Stadtmauern tauchten im ersten Jahrhundert auf und wurden den Erfordernissen entsprechend nach und nach modernisiert.

Eingemeindungen Zwischen 1790 und 1794 wurde Montfavet in die Gemeinde von Avignon aufgenommen. 1870 Avignon löste sich von Morières-lès-Avignon, 1925 von Le Pontet.

Am 16. Mai 2007 gab die Gemeinde von Les Angles in Gard dreizehn Hektar Land an Avignon ab.

Fläche und Bevölkerung Die Gemeinde von Avignon besitzt eine Fläche von und eine Bevölkerungszahl von 91.657 (2010) und lässt sich damit folgendermaßen einordnen:

Platzierung Fläche Bevölkerung Bevölkerungsdichte 524. 46. 632. 25px Provence-Alpes-Côte d’Azur 105. 5. 23. 25px Vaucluse 6. 1. 2.

Innenstadt Die Innenstadt bezeichnet den Teil der Stadt, der sich innerhalb der Stadtmauern befindet und im Französischen als Intra-muros bezeichnet wird. Die Gebäude sind dementsprechend mehrheitlich sehr alt, dennoch wurden mehrere Stadtviertel im Laufe der Jahre stark verändert (Durchschlag der Rue de la République während des Zweiten Kaiserreiches, Bau „haussmannisierter“ Fassaden, Umgestaltung der Place de l’Horloge und des heutigen Rathauses im neoklassizistischen Stil, sowie des Theaters und des quartier de la Balance) und verschiedene Gebäude (Postamt, Lycée Frédéric-Mistral) neu errichtet.archives.avignon.fr:

In den 1960er Jahren wurde Avignon, zur Zeit der Errichtung der Secteurs sauvegardés (städtebauliche Schutzzonen), Gegenstand einer wichtigen Debatte. Der damalige Bürgermeister schlug eine radikale Renovierung des quartier de la Balance vor, bei dem ungefähr zwei Drittel der Bauten ohne Rücksicht auf den Denkmalschutz abgerissen werden sollten. Man fand schließlich eine Kompromisslösung, bei der tatsächlich ein Teil des Viertels ganz neu aufgebaut wurde. Nur das Gebiet nahe dem Papstpalast wurde verschont und erfuhr eine echte Restaurierung.

Außenbezirke Im Gegensatz zum Stadtzentrum mit seinen engen Gassen und großem Altbaubestand sind die Außenbezirke (Extra-muros) von moderner Architektur geprägt. Es gibt folgende Viertel: im Norden: Saint Jean Grange d’Orel, Reine Jeanne, Neuf Peyre im Süden: Saint Chamand, la Rocade Charles de Gaulle, La Croix des oiseaux, Les Sources im Osten: Pont-des-deux-eaux, La Croisière im Westen: Louis Gros, Champfleury, Monclar

Geschichte

Antike