Bad Kreuznach (bis 1924 Kreuznach) ist eine Kurstadt und der Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz. Als Mittelzentrum ist sie administratives, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum einer Region mit mehr als 150.000 Einwohnern. Bad Kreuznach ist Sitz der Verbandsgemeinde Bad Kreuznach, gehört ihr als große kreisangehörige Stadt jedoch nicht an. Zudem ist sie Sitz mehrerer Landesbehörden, eines Amts- und eines Landgerichts sowie der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.

Geographie Geographische Lage Bad Kreuznach befindet sich zwischen Hunsrück, Rheinhessen und Nordpfälzer Bergland etwa 14 km (Luftlinie) südsüdwestlich von Bingen. Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz liegt ca. 30 Kilometer nordöstlich der Stadt. Bad Kreuznach liegt an der Einmündung des Ellerbachs in den Unterlauf der Nahe.

Ortsbezirke Die fünf Ortsbezirke bzw. Stadtteile sind Bosenheim, Ippesheim, Planig, Winzenheim und das zum 1. Juli 2014 eingemeindete Bad Münster am Stein-Ebernburg.Landesverordnung über den freiwilligen Zusammenschluss der Städte Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg vom 24. November 2013 im Gesetz- und Verordnungsblatt Rheinland-Pfalz Nr. 19/2013, S. 503ff, Landesgesetz über freiwillige Gebietsänderungen der Gemeinde Lambsheim und der Verbandsgemeinde Heßheim sowie der Städte Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg vom 22. November 2013 im Gesetz- und Verordnungsblatt Rheinland-Pfalz Nr. 18/2013, S. 489 ff.

Klima mini|Niederschlagsdiagramm (1961 bis 1990)

Der Jahresniederschlag beträgt 517 mm. Nur 5 % der Messorte des Deutschen Wetterdienstes zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Januar. Im niederschlagreichsten Monat fällt ca. 80 % mehr Regen als im trockensten Monat. Am meisten regnet es im Juni. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im unteren Drittel. In nur 7 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger. Am 30. Juni 2019 wurde in Bad Kreuznach mit 39,3 Grad die höchste jemals in Rheinland-Pfalz gemessene Temperatur in einem Juni festgestellt.

Da Bad Kreuznach ein Kurort ist, muss dieser eine hohe Güte an Luftqualität nachweisen. Grenzwerte dürfen zum Gesundheitsschutz nur bis zu 60 % ausgeschöpft werden. Vorherrschend in Bad Kreuznach ist ein maritimes Klima mit milden Wintern und nicht zu heißen Sommern. Die klimatisch milde Situation ist günstig für den großflächigen Weinbau, der in Bad Kreuznach betrieben wird. Der Hunsrück und das Nordpfälzer Bergland schirmen die Kurstadt vor Regenwolken aus der Richtung Westen ab. Bad Kreuznach wird vor Wind aus dem Osten geschützt, woraus ein sehr trockenes Klima resultiert. Von März bis Oktober herrschen Tagestemperaturen von mindestens 20 Grad Celsius im Schnitt. In den Monaten Mai bis August scheint die Sonne durchschnittlich 6,4 bis 6,9 Stunden am Tag .

Geschichte Vorgeschichte und Römerzeit mini|Befundplan der Ausgrabungen am spätrömischen Kastell (Cruciniacum?), 1858–1866.

Bereits im 5. Jh. v. Chr. ist auf der heutigen Gemarkung die Existenz einer keltischen Siedlung belegt. Um das Jahr 58 v. Chr. wurde das Gebiet Bestandteil des römischen Reiches, es entstand ein römischer Vicus, angeblich benannt nach dem Kelten Cruciniac,Henning Kaufmann: Kreuznachs keltoromanische Namensform und ihre Deutung. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst des Mittelrheins und seiner Nachbargebiete 22/23 (1970/71 = 1973), S. 5–7. der den Römern einen Teil seines Landes für die zu errichtende Versorgungsstation zwischen Mainz (Mogontiacum) und Trier (Augusta Treverorum) überließ. Kreuznach lag an der Römerstraße, die von Metz (Divodurum) über den Saarübergang bei Dillingen-Pachten (Contiomagus) und den Vicus Wareswald bei Tholey nach Bingen (Bingium) führte.Die Strecke verlief etwa: Metz (Divodurum), Dillingen-Pachten, Lebach, Wareswald bei Tholey. Von hier ab teilte sich die Strecke wohl in ein Süd- und eine Nordroute. Die Südroute führte über Schwarzerden, Medard, Meisenheim und die Lettweiler Höhe; vgl. Gertraud und Heinz-Egon Rösch: Römerstraßen zwischen Mosel und Rhein. OVIMEX, Mainz 2010, S. 93. Die Nordroute führte über Wolfersweiler, Heimbach (Landkreis Birkenfeld), Baumholder, Winterhauch bei Idar-Oberstein-Struth/Neuweg, Sien (Höhe), Schmidthachenbach, Becherbach bei Kirn, Hundsbach, Bärweiler, Bad Sobernheim, Waldböckelheim, Mandel, Bad Kreuznach, Bingen (Bingium); vgl. Jos. H. Friedlich: Römisches Denkmal bei Schweinschied. In: Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande. Band 4 (1844), S. 94–106, bes. 94; Ernst Schmidt (Hrsg.); Friedrich Wilhelm Schmidt: Forschungen über die Römerstrassen etc. im Rheinlande. In: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande. Band 31 (1861), S. 1–220, bes. S. 170–197 (Google-Books); Josef Hagen: Römerstrassen der Rheinprovinz. 2. Auflage. K. Schroeder, Bonn 1931, S. 390–398; Winfried Dotzauer: Geschichte des Nahe-Hunsrück-Raumes von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. Franz Steiner, Stuttgart 2001, S. 38, u. a. Die „Alte Römerstraße“ des Pfälzerwald-Vereins verläuft von Kirn bis Meisenheim größtenteils auf der Originaltrasse. Weitere römische Straßen vom Knotenpunkt Kreuznach aus werden über Wöllstein und Flonheim nach Alzey (Alteium) / Worms (Borbetomagus), über Gensingen, Ockenheim und Ingelheim nach Mainz oder über Waldböckelheim, Sobernheim, Kirchberg bzw. Denzen (Dumno), Wederath (Belginum) und Neumagen (Noviomagus Treverorum) nach Trier vermutet.Walburg Boppert: Römische Steindenkmäler aus dem Landkreis Bad Kreuznach. Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz 2001, S. 16f, 23f, 47 u. a.

250px|mini|links|Die „Heidenmauer“ bei Kreuznach; Stahlstich von Peter Borniger (Ausschnitt), 1843 Auf dem Gelände eines römischen Urnen-Friedhofs an der Lämmerbrücke wurden 1885/86 kleine Fluchtäfelchen aus Blei gefunden, die aus dem Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. stammen.Auguste Audollent (Bearb.): Defixionum tabellae quotquot innotuerunt. Fontemoing, Paris 1904, Nr. 94–103, S. 148–155 (Digitalisat im Internet Archive).Corpus Inscriptionum Latinarum, Band XIII, Nr. 7550–7555 IV, u. a. (Digitalisate der Heidelberger Akademie der Wissenschaften). Hier wird als Fundort ungenau „Planig“ angegeben; vgl. dagegen August Oxé: Zu den Kreuznacher Fluchtäfelchen. In: Germania.Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts. 10, 1926, S. 144–146 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Heidelberg): „an der Lämmerbrücke, Flur 54, Parzelle 158/25 und zwar das westliche Drittel“. Die genannten Personennamen zeigen, dass zu dieser Zeit Vollbürger aus Italien, Kelten aus Gallien, Spanien und den Alpengebieten, Griechen, Thraker, Kleinasiaten, Syrer und Angehörige anderer orientalischer Völker in der Siedlung wohnten, als Berufe werden ein Kupferschmied, ein Färber und ein Holzhändler erwähnt.Otto Guthmann: Kreuznach und Umgebung in römischer Zeit. Verlag für Heimatkunde, Bad Kreuznach 1965, S. 17 f.

Um das Jahr 234Inschrift eines Mosaik-Herstellers unter dem Konsulat von Marcus Clodius Pupienus Maximus und Marcus Munatius Sulla Urbanus, Fundort Bad Kreuznach Hüffelsheimer Straße, 234 n. Chr. (Digitalisat der Heidelberger Akademie der Wissenschaften). erfolgte der Bau eines großen, in seinen Abmessungen von 81 m × 71 m nördlich der Alpen einzigartigen und ebenso luxuriösen Palastes im Stil einer Peristylvilla, welche alleine im Erdgeschoss 50 Räume umfasste. Die Funde sind heute im Museum Römerhalle ausgestellt. Spolien, die nahe der „Heidenmauer“ gefunden wurden, lassen darauf schließen, dass es ein Mercurius- und Maia-HeiligtumWeihestein des Masclius Satto, Fundort Bad Kreuznach, zwischen 171 und 230; = Digitalisat der Heidelberger Akademie der Wissenschaften; vgl. . und ein damit verbundenes gallo-römisches ProvinztheaterBeschriftete Sitzsteine, Fundort Bad Kreuznach, 3. Jahrhundert n. Chr.; , , (Digitalisate der Heidelberger Akademie der Wissenschaften). gab.Cruciniacum (?), Bad Kreuznach (Germania Superior) auf der Website „Theatrum“ der Direktion Landesarchäologie Mainz (). Auch der Kult der Kybele in der Siedlung ist belegt.Weihinschrift für die Mater deum, Fundort Bad Kreuznach, 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr.; (Digitalisat der Heidelberger Akademie der Wissenschaften); vgl. Otto Kohl: Die römischen Inschriften und Steinsculpturen der Stadt Kreuznach. R. Voigtländer, Kreuznach 1880, S. 11 f. (Google-Books); Elmar Schwertheim: Die Denkmäler orientalischer Gottheiten in römischen Deutschland (= Études préliminaires aux religions orientales dans l'empire romain. Band 40). Brill, Leiden 1974, S. 169 f.

Nach einer aus dem Ende des 3. Jahrhunderts stammenden InschriftGrabinschrift für die Schwiegermutter eines berittenen Leibgardisten der XXII. Legion, Fundort Bad Kreuznach, (Digitalisat der Heidelberger Akademie der Wissenschaften). und Ziegelplatten, die in Bad Kreuznach gefunden wurden, war dort eine Vexillation (Abteilung) der Legio XXII Primigenia stationiert.

Im Zuge von Grenzsicherungsmaßnahmen gegen die immer wieder von jenseits des Limes in das römische Reich einfallenden germanischen Stämme der Alemannen errichtete man 370 ein Auxiliarkastell unter Kaiser Valentinian I. (Kastell Bad Kreuznach). Die handschriftliche Überlieferung des um 371 entstandenen Reiseberichtes „Mosella“ des Dichters Ausonius beginnt mit der Überquerung des nebeligen Flusses „Nava“ (Nahe) an einer neu ummauerten alten Siedlung („vicus“). „Vicus“ wird in den modernen Textausgaben meistens zu „Vinco“ = Bingium (Bingen) „verbessert“,Die Konjektur von „vico“ zu „vinco“ / „vingo“ geht auf Theodor Mommsen zurück und orientiert sich ebenso wie die Lokalisierungen von „Dumno“ und „Belginum“ an der Tabula Peutingeriana. ist jedoch verschiedentlich auch als früher literarischer Hinweis auf Kreuznach gedeutet worden.C. H. A. [= Heinrich Cannegieter, Arnheim]: Notae ad Ausonii Mosellam. In: Pieter Burman der Ältere (Hrsg.): Miscellaneae observationes in auctores veteres et recentiores 10,2 (1739), S. 161–200, bes. S. 164–166 (Google-Books), (archive.org); vgl. Joachim Gruber: D. Magnus Ausonius, „Mosella“. Kritische Ausgabe, Übersetzung, Kommentar (= Texte und Kommentare. Band 42). De Gruyter, Berlin u. a. 2013, S. 99 f.; vgl. auch Friedrich Wilhelm Schmidt: Forschungen über die Römerstrassen etc. im Rheinlande. In: Jahrbücher des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande. Band 31, 1861, S. 197–205 (Google-Books). Ausonius lokalisiert eine verlustreiche Schlacht (ein „Cannae“) der Gallier in der Nähe dieser Siedlung.

Mittelalter