mini|Sean Penn bei der Berlinale 2023 Sean Justin Penn [] (* 17. August 1960 in Santa Monica, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Schauspieler, Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent. Als Schauspieler wurde er dreimal mit einem Oscar ausgezeichnet.
Leben und Filmkarriere mini|Penn auf dem Cannes Film Festival 1997
Sein Vater Leo Penn war Regisseur, seine Mutter Eileen Ryan Schauspielerin. Sein jüngerer Bruder Chris Penn war ebenfalls Schauspieler. Sein älterer Bruder Michael Penn ist Musiker.
Gemeinsam mit seinem Bruder Chris und seinen Freunden Charlie Sheen, Emilio Estevez (beides Söhne von Martin Sheen) und Rob Lowe drehte er in seiner Jugend Super-8-Kurzfilme. Ebenfalls war er seit der Schulzeit eng mit Matt Palmieri befreundet.John Lahr: Citizen Penn. In: newyorker.com vom 27. März 2006. Nach der High School nahm er Schauspielunterricht und arbeitete nebenbei am Group Repertory Theatre in Los Angeles als Laufbursche und Assistent.
Sein Debüt am Broadway gab er in dem Stück Heartland. Bei seinem ersten Kinofilm Die Kadetten von Bunker Hill stand er 1981 an der Seite von Tom Cruise vor der Kamera. Wegen seines Perfektionismus und der akribischen Vorbereitung auf seine Rollen wurde er (in Anlehnung an Robert De Niro als einen der bekanntesten Vertreter des Method Acting) auch als „Sean De Niro“ bezeichnet.Ähnlich: „Als Schauspieler ist Sean Penn der einzige, der Robert De Niro beerben könnte.“, Georg Seeßlen: Sean Penn – Der Landstreicher in epd Film 1.2008, S. 16 ff.
Erste Erfolge erlebte er mit der Highschool-Komödie Ich glaub’, ich steh’ im Wald sowie mit Dennis Hoppers sozialkritischem Polizeifilm Colors – Farben der Gewalt. Der Durchbruch gelang ihm mit Carlito’s Way, für den er eine Golden-Globe-Nominierung erhielt, sowie mit Dead Man Walking – Sein letzter Gang von Tim Robbins, einem Appell gegen die Todesstrafe, der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte. 1999 und 2001 war er für seine Hauptrollen in Woody Allens Komödie Sweet and Lowdown und in dem Behindertendrama Ich bin Sam von Nick Cassavetes jeweils für einen Oscar nominiert.
Auch als Regisseur machte sich Penn einen Namen. 2000 verfilmte er den Dürrenmatt-Roman Das Versprechen (The Pledge) mit Jack Nicholson, 2007 die Reportage Into the Wild von Jon Krakauer. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 drehte er mit zehn anderen Regisseuren Beiträge für den Episodenfilm 11′09″01 – September 11. Für seine Schilderung der persönlichen Tragödie eines alleinstehenden alten Mannes (dargestellt vom damals 84-jährigen Ernest Borgnine), die den Anschlägen gegenübergestellt ist, wurde er heftig kritisiert.
Penn gilt als Kritiker Hollywoods und als öffentlichkeitsscheu. Viele Jahre blieb er aus Protest gegen die Filmindustrie den Oscarverleihungen fern. Als er 2004 für Mystic River seine vierte Nominierung erhielt, zeigte er sich versöhnlich und erschien auf Wunsch seines Freundes Clint Eastwood zu den Feierlichkeiten. Entgegen den allgemeinen Erwartungen erhielt er den Oscar für den besten Hauptdarsteller und zeigte sich sichtlich gerührt.Georg Seeßlen: Sean Penn – Der Landstreicher in epd Film 1.2008
2007 zogen er und seine damalige Frau Robin Wright in die Kleinstadt Ross bei San Francisco, wo sie eine große Villa erwarben, in der auch ihre gemeinsamen Kinder aufwuchsen. 2019 verkaufte das Paar die Villa für 15 Millionen Dollar.Sean Penn verkauft seine Millionen-Villa, in: Frankfurter Rundschau, 29. Januar 2019 (online)
Im Mai 2008 war er Jurypräsident bei den 61. Filmfestspielen von Cannes. Im folgenden Jahr erhielt er für sein Porträt des Harvey Milk in Gus Van Sants Filmbiografie Milk seinen zweiten Oscar als Bester Hauptdarsteller.
Nach der Heirat mit der Popsängerin Madonna im Jahr 1985 stand Penn verstärkt im Licht der Öffentlichkeit. Insbesondere zu Paparazzi entwickelte er ein angespanntes Verhältnis, beispielsweise griff er einen Paparazzo an und hielt einen anderen aus dem Fenster eines Hotels.Ravi Somaiya: Sean Penn: Mr Congeniality. The Daily Telegraph. 14. Oktober 2007. Abgerufen am 13. Oktober 2015. Madonna widmete ihm ihr Album True Blue. 1987 kam er nach einer Schlägerei und rücksichtsloser Fahrweise für 60 Tage ins Gefängnis. Sein dortiger Zellennachbar war der später zum Tode verurteilte Serienmörder Richard Ramírez. Seine Ehe mit Madonna wurde 1989 wieder geschieden. Von 1996 bis 2010 war er mit der Schauspielerin Robin Wright verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.Robin Wright + Sean Penn. Scheidung, ganz friedlich. Gala. 5. August 2010. Abgerufen am 13. Oktober 2015. Seine Tochter Dylan ist Model und Schauspielerin. Sein Sohn Hopper Jack wurde nach Dennis Hopper und Jack Nicholson benannt. mini|Robin Wright und Sean Penn (2006)
Penn war ein enger Freund des Autors und Dichters Charles Bukowski, bei dessen Beisetzung (1994) er zu den Sargträgern gehörte.
Von Dezember 2013 bis Juni 2015 war Penn mit der südafrikanischen Schauspielerin Charlize Theron liiert.
Negativschlagzeilen machte Penn mit einer Äußerung bei der Oscarverleihung 2015, als er kurz vor der Verkündung des Gewinners der Auszeichnung für den besten Film, die an Birdman ging, scherzte: „Who gave this son of a bitch his green card?“ Diese Worte richtete Penn indirekt an den Regisseur des Filmes, Alejandro González Iñárritu, der aus Mexiko stammt. Iñárritu verstand diesen Satz als Scherz, trotzdem wurde Penn scharf kritisiert. Viele empfanden den Scherz als rassistisch gegen Latinos. Penn entschuldigte sich für den Satz nicht, stattdessen verteidigte er seine Äußerung als Ironie und bezeichnete seine Kritiker als „schreiend dumm“.
Im Oktober 2015 traf Sean Penn zusammen mit der mexikanischen Schauspielerin Kate del Castillo, die das Treffen initiiert haben soll, den Anführer des Sinaloa-Kartells, Joaquín „El Chapo“ Guzmán, im mexikanischen Dschungel für ein Interview. Guzmán war im Juli 2015 aus einem mexikanischen Gefängnis geflohen und wurde weltweit gesucht. Für das Interview wurde Penn vor allem in den Vereinigten Staaten scharf kritisiert. Im Januar 2016 wurde Guzmán verhaftet.Walter Niederberger: Ein schamloses Interview. In: Tages-Anzeiger vom 13. Januar 2016.Sean Penn: El Chapo Speaks. In: Rolling Stones vom 9. Januar 2016.
2016 erhielt Penn für The Last Face seine zweite Einladung in den Wettbewerb der 66. Internationalen Filmfestspiele von Cannes als Regisseur. Fünf Jahre später folgte eine dritte Einladung nach Cannes für seine Regiearbeit Flag Day (2021). In diesem Familiendrama spielte er selbst die männliche Hauptrolle, einen berüchtigten US-amerikanischen Fälscher, und seine Tochter Dylan seine Filmtochter.Flag Day. In: festival-cannes.com (abgerufen am 6. Juli 2021).
Im Juli 2020 heiratete Penn seine australische Schauspielkollegin Leila George,Pressebericht LA Times die am 15. Oktober 2021 die Scheidung einreichte.
Im Jahr 2025 verkörperte er in der Satire One Battle After Another einen rassistischen Militäroffizier auf der Suche nach seiner unehelichen schwarzen Tochter, wofür er im Folgejahr seinen dritten Oscar erhielt, diesmal als bester Nebendarsteller.
Deutsche Synchronstimme Zu Beginn seiner Filmkarriere hatte Penn keine feste Synchronstimme, er wurde unter anderem von Joachim Tennstedt, Michael Nowka oder Oliver Stritzel synchronisiert. Seit 1997 wird Penn beinahe ausnahmslos von Tobias Meister synchronisiert, welcher ihm bereits 1988 erstmals seine Stimme lieh.
Gesellschaftliches Engagement Penn engagierte sich, unter anderem wegen der Irak-Invasion (Dritter Golfkrieg) und der Kriegsdrohungen gegen den Iran, gegen die Bush-Regierung. Er ist Mitglied von „Not in our Name“ (NION), einer Gemeinschaftsbewegung kultureller Größen, die sich gegen Krieg und Repressalien ausspricht.
Er ist Mitglied des Beraterstabes und Unterstützer der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd, die sich unter anderem gegen Wal-, Hai- und Robbenjagd einsetzt.
Anfang 2011 wurde Penn von Hugo Chávez, dem Präsidenten Venezuelas, als möglicher US-Botschafter in dem südamerikanischen Land vorgeschlagen. Chávez bezeichnete Penn als „Freund“.Chávez wünscht sich Hollywood-Stars als US-Botschafter, in: Spiegel Online, 5. Januar 2011. Abgerufen am 13. Oktober 2015.
Nach dem Erdbeben in Haiti 2010 gründete Penn die Hilfsorganisation JP/HRO, die er später in CORE (Community Organized Relief Effort) umbenannte. Auf dem Gelände eines ehemaligen Golfplatzes unterhält er mit seiner Hilfsorganisation ein Flüchtlingslager, auf dem sich zeitweise 55.000 Bewohner aufhalten.Haiti. Helfer aus Hollywood. Stern.de. Abgerufen am 13. Oktober 2015. Für dieses Engagement wurde er im April 2012 mit dem Peace Summit Award des World Summit of Nobel Peace Laureates ausgezeichnet.Moni Basu: Nobel laureates honor Sean Penn (englisch). CNN. 21. März 2012. Abgerufen am 13. Oktober 2015.
Engagement für die Ukraine Im November 2021 reiste Penn mit einem Aufnahmeteam nach Kiew. Er beabsichtige, einen Dokumentarfilm über den Werdegang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu drehen: vom Komiker über einen Schauspieler, der einen aufgrund mehrerer Zufälle zum Staatspräsidenten gewählten Lehrer darstellt und schließlich auch im realen Leben Präsident wird. Der Termin für das Interview mit Selenskyj wurde wiederholt verschoben und schließlich auf den 24. Februar 2022 festgelegt, den Tag, an dem russische Truppen die Ukraine überfielen. Das Interview fand tatsächlich an diesem Tag in einem Bunker statt. Penn und sein Team bekamen auch Gelegenheit, Selenskyj und Mitglieder der ukrainischen Regierung in den ersten Tagen nach der Eskalation des bereits acht Jahre dauernden Kriegs zu begleiten. Anfang März 2022 verließen Penn und sein Filmteam die Ukraine in Richtung Polen.„Superpower“: Sean Penn porträtiert Wolodymyr Selenskyj sueddeutsche.de, 18. Februar 2023.
Im September 2022 wurde Penn durch Russland mit einem Einreiseverbot belegt. Am 8. November 2022 gab Penn dem ukrainischen Präsidenten einen seiner Oscars, um seine Unterstützung zu bekräftigen. Er sagte, er wolle die Statue erst zurückhaben, wenn die russischen Invasoren besiegt seien. Die Dokumentation trägt den Titel „Superpower“ und hatte 2023 auf der Berlinale Premiere.
Im März 2026 reiste Penn während der Oscarverleihung erneut in die Ukraine. Da er seinen Oscar für One Battle After Another somit nicht entgegennehmen konnte, überreichte ihm Oleksandr Pertsovskyi, Chef der ukrainischen Staatsbahn, eine Statue, welche aus einem im Krieg beschädigten Eisenbahnwaggon hergestellt wurde.
Filmografie
Auszeichnungen mini|Sean Penn während der Dreharbeiten zu Milk, 2008 Academy Awards (Oscar) Auszeichnungen 2004: Bester Hauptdarsteller (Mystic River) 2009: Bester Hauptdarsteller (Milk) 2026: Bester Nebendarsteller (One Battle After Another)
Nominierungen 1996: als bester Hauptdarsteller (Dead Man Walking) 2000: als bester Hauptdarsteller (Sweet and Lowdown) 2002: als bester Hauptdarsteller (Ich bin Sam)
Golden Globe Auszeichnung 2004: Bester Schauspieler in Mystic River
Nominierungen 1994: für die beste männliche Nebenrolle in Carlito’s Way 2009: als bester Hauptdarsteller in Milk
BAFTA Auszeichnung 2026: Bester Nebendarsteller (One Battle After Another)
Nominierungen 2004: als bester Hauptdarsteller (21 Gramm) 2004: als bester Hauptdarsteller (Mystic River) 2009: als bester Hauptdarsteller (Milk)
Screen Actors Guild Award Auszeichnung 2009: Bester Hauptdarsteller (Milk) 2026: Bester Nebendarsteller (One Battle After Another)
Nominierungen 1996: Bester Hauptdarsteller (Dead Man Walking) 2002: Bester Hauptdarsteller (Ich bin Sam) 2004: Bestes Ensemble (Mystic River) 2004: Bester Hauptdarsteller (Mystic River) 2009: Bestes Ensemble (Milk) 2026: Bestes Ensemble (One Battle After Another)
Berlinale 1996: Silberner Bär der Berlinale 1996 für Dead Man Walking 2001: nominiert für den Goldenen Bären für Das Versprechen
Internationale Filmfestspiele von Cannes