Die Republik Somaliland (, ) ist eine völkerrechtlich zu Somalia gehörende autonome Region. Sie ist als De-facto-Regime ein praktisch unabhängiger, international mit Ausnahme Taiwans und Israels von keinem Land anerkannter Staat in Ostafrika. Die Region umfasst den Nordwesten Somalias, das ehemalige Kolonialgebiet Britisch-Somaliland. Der Name Somaliland ist vom Volk der Somali abgeleitet, dem die meisten der schätzungsweise 6,2 Millionen Einwohner angehören.

Das heutige Somaliland hatte sich nach seiner Unabhängigkeit von Großbritannien 1960 mit Italienisch-Somaliland zu Somalia vereinigt. Am 18. Mai 1991 erklärte es sich einseitig für unabhängig, als die somalische Regierung gestürzt worden war und der Bürgerkrieg in Somalia eskalierte. Seither hat es seine politische Stabilität weitgehend gewahrt und Schritte zur Demokratisierung unternommen. Hauptstadt ist Hargeysa, Präsident ist Abdirahman Mohamed Abdullahi, der die Wahlen im November 2024 gewonnen hat.

Geographie Somaliland liegt im Osten des afrikanischen Kontinents, am Horn von Afrika auf der Somali-Halbinsel. Das Land liegt zwischen 8° 00'–11° 27' nördlicher Breite und 42° 35'–49° 00' östlicher Länge. Es grenzt im Westen an Dschibuti, im Süden an die Somali-Region Äthiopiens und im Osten an die faktisch autonome Region Puntland innerhalb Somalias. Im Norden hat das Land eine über 850 km lange Küste am Golf von Aden, wo der Jemen nördlich gegenüberliegt.

Die weitgehend flachen Küstenstreifen – Guban genannt – reichen bis zu 70 Kilometer in das Landesinnere und weisen ein heißes Klima auf. Ihnen schließen sich die Berge des in Ost-West-Richtung verlaufenden Somali-Hochlands (Ogo-Bergland) an, einschließlich des 2.460 m hohen Shimbiris, der höchsten Erhebung in Somaliland und ganz Somalia. Ganz im Süden hat Somaliland Anteil am Haud-Plateau, das sich größtenteils im angrenzenden Äthiopien erstreckt.

Das Klima des Landes wird stark durch tropische Monsune geprägt. In den Küstengebieten kommt es mit bis zu 1000 mm zum höchsten Niederschlagswert pro Jahr, wohingegen im Landesinneren durchschnittlich nur etwa 500 mm zu verzeichnen sind. Die Niederschlagsmengen fallen jedoch zeitlich sehr unterschiedlich aus. Man unterscheidet vier Jahreszeiten: Die Jilal-Trockenzeit beginnt etwa im Januar und bringt heißen und trockenen Wind ohne Niederschlag mit Temperaturen zwischen 26 und 32 °C. Gu, die erste Regenzeit im Jahr, beginnt abhängig von den Passatwinden üblicherweise im März und dauert bis Juni an. Ab August setzt die zweite Trockenperiode ein, Hagaa (Xagaa) genannt. Sie wird ausgelöst durch heiße und trockene Monsunwinde, die auch Staubwolken mit sich führen. Die zweite Regenzeit Dayr dauert von Anfang September bis Dezember, dem kältesten Monat im Jahr mit Temperaturen zwischen 15 und 26 °C.

Die größte Stadt ist die Hauptstadt Hargeysa mit etwa 500.000–800.000, manchen Schätzungen zufolge gar über einer Million Einwohnern. Zweitgrößte Stadt ist die Hafenstadt Berbera mit etwa 263.000 Bewohnern, weitere Städte sind Burao, Boorama, Las Anod und Erigabo.

Bevölkerung mini|Nomaden mit Kamelen in Gabiley

Die Regierung schätzte die Einwohnerzahl im April 2024 auf etwa 6,2 Millionen. Das durchschnittliche jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 2,42 % (2022, Basis der Daten Somalia). Auf einem km² leben durchschnittlich 25 Einwohner, wobei die Bevölkerungsdichte im Westen des Landes höher ist. 55 % der Bevölkerung sind Nomaden oder zumindest teilweise Nomaden, während 45 % in Dörfern oder Städten einen festen Wohnsitz haben. (1992 lag der Anteil der Nomaden bei etwa 65 % und der Anteil der Sesshaften bei 35 %.) Die Mehrheit der Einwohner von Somaliland bekennt sich zum sunnitischen Islam schafiitischer Richtung, unter Nomaden und in Dörfern ist seit Ende des 19. Jahrhunderts der Sufi-Orden der Salihiyya verbreitet.

Die Bevölkerung besteht praktisch ausschließlich aus ethnischen Somali. Der mit Abstand größte Clan in Somaliland sind die Isaaq, die im Zentrum des Landes leben und einer SchätzungSomaliland – Bienvenue au pays qui n' existe pas! (Artikel in der französischsprachigen Ausgabe von GEO über Somaliland, No 338, April 2007). zufolge bis zu 80 % der Bevölkerung ausmachen. Ihnen benachbart sind im Westen (in der Region Awdal) Dir und im Osten Harti-Darod (Warsangeli in Sanaag, Dolbohanta in Sool). Einige Zehntausend Einwohner Somalilands gehören den als Gaboye zusammengefassten Minderheitengruppen (Yibir, Madhibaan, Tumaal u. a.) an, die traditionell auf bestimmte Berufe beschränkt sind und innerhalb des Clansystems einen gesonderten Status haben.Amnesty International über die Gaboye in Somaliland, 2005 (PDF; 26 kB). Laut Verfassung Somalilands ist Somalisch die alleinige Amtssprache und Arabisch die Zweitsprache. Weitere Sprachen sind bei Bedarf zu nutzen. Aufgrund der Kolonialgeschichte hat Englisch eine gewisse Bedeutung. Die Verfassung selbst wurde beispielsweise auch auf Englisch veröffentlicht.Verfassung von Somaliland auf www.govsomaliland.org, abgerufen am 13. März 2025, englisch

Die genaue Zahl der Personen aus Süd- und Zentralsomalia und aus Äthiopien, die als Kriegsvertriebene und Wirtschaftsmigranten in Somaliland leben, ist nicht bekannt. Der Status der Zehntausenden vor dem Bürgerkrieg geflohenen Somalier ist umstritten, denn Somalilands Regierung betrachtet sie als Ausländer und damit als Flüchtlinge im eigentlichen Sinn, während internationale Organisationen Somaliland als Teil von Somalia ansehen und daher diese Personen als intern Vertriebene einstufen.Displaced and neglected in Somaliland, in: IRIN News, 16. Oktober 2008.Thousands need aid to return home from Somaliland, in: IRIN News, 26. März 2009.

Religion Der Islam ist per Verfassung Staatsreligion, die Mission für andere Religionen ist verboten.

Bildung und Gesundheit Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt für Männer 50 Jahre, für Frauen 55. Tuberkulose, Malaria und weitere Infektionskrankheiten sind verbreitet, ferner sind Mangelernährung und unsauberes Trinkwasser ein Problem. Laut einem Bericht der UNICEF von 1999 ist etwa 1 % der Bevölkerung von HIV/AIDS betroffen, zugleich sind der Gebrauch von Kondomen und das Wissen um Übertragungswege und Prävention von HIV wenig verbreitet.

Der Bildungsstand ist nach wie vor niedrig. Das Bildungssystem wurde seit der Unabhängigkeit ausgebaut und umfasste 2002/2003 353 Primarschulen und 20 Sekundarschulen, hinzu kommen drei Universitäten (Universität Hargeysa, Amoud-Universität in Boorama und seit 2004 Universität Burao). Im selben Zeitraum besuchten rund 96.000 Kinder eine Primarschule, davon 74.000 in Städten und 22.000 in ländlichen Gebieten. 2010 besuchten einer Schätzung zufolge 30 % der Kinder im Schulalter eine Schule, 30 % von ihnen waren Mädchen.Somaliland meets giant education challenge, in: afrol, 2. Dezember 2010.

Geschichte mini|Teil der Höhlenmalereien von Laas Geel

Die ältesten bekannten Spuren von Menschen im heutigen Somaliland sind Höhlenmalereien in Laas Geel bei Hargeysa, die auf die Zeit zwischen 4000 und 3000 v. Chr. datiert werden.

Die Vorfahren der Somali wanderten um 500 v. Chr. bis 100 n. Chr. aus dem südlichen äthiopischen Hochland ein und vermischten sich – insbesondere in den Handelsstädten an der Küste – mit arabischen und persischen Einwanderern, die ab dem 7. Jahrhundert auch den Islam einführten. In Somaliland erfolgten die Kontakte mit dem arabischen und persischen Raum zunächst vor allem über den Hafen von Zeila, später übernahm Berbera dessen Bedeutung.

1884 schloss Großbritannien Verträge mit verschiedenen lokalen Clans und errichtete so das Protektorat Britisch-Somaliland. In den folgenden Jahrzehnten beschränkte es sich weitgehend auf eine indirekte Herrschaft über das Gebiet, während die italienischen Kolonialherren in Italienisch-Somaliland stärker in die Entwicklung ihrer Kolonie investierten und in deren innere Verhältnisse eingriffen. So blieben lokale Strukturen wie die Ältestenräte (guurti), die traditionell für Friedensstiftung zwischen den Clans zuständig sind, weitgehend erhalten. Zugleich blieb vor allem das Landesinnere schwach entwickelt, neben der Hafenstadt Berbera bildeten sich Hargeysa und Burao als größere Orte und Handelszentren heraus.

1899–1920 führte der heute als somalischer Nationalheld verehrte Mohammed Abdullah Hassan in der Region einen Aufstand gegen die beginnende britische, italienische und äthiopische Fremdherrschaft über die Somali, bei dem etwa ein Drittel der Bevölkerung Nordsomalias umkam.

Nach der Unabhängigkeit Somalias Am 26. Juni 1960 wurde Britisch-Somaliland in die Unabhängigkeit entlassen, um sich fünf Tage später am 1. Juli mit dem ehemaligen Italienisch-Somaliland zu Somalia mit Mogadischu als Hauptstadt zu vereinigen. Grund für den Zusammenschluss waren Bestrebungen zur Einigung aller Somali in einem Staat, nachdem dieses Volk durch die Kolonialisierung auf mehrere Staaten verteilt worden war. Dem damaligen Ministerpräsidenten Britisch-Somalilands Mohammed Haji Ibrahim Egal wurde ein Ministerposten in der neuen Regierung Somalias überlassen, 1967 wurde Egal Premierminister.

Allerdings fühlten sich bald viele Bewohner des Gebietes im Gesamtgebilde Somalia benachteiligt. Die nationale Integration bereitete Schwierigkeiten, da sich Nord- und Südsomalia in Entwicklungsstand, Bildungs- und Verwaltungsstrukturen unterschieden. Nach Ansicht vieler Nordsomalier unternahm der wirtschaftlich, politisch und demografisch dominierende Süden wenig, um diese Unterschiede zu berücksichtigen und die Entwicklung des Nordens zu fördern. 1961 wurde die neue somalische Verfassung im Süden von der großen Mehrheit der Abstimmenden angenommen, im Norden aber von weniger als 50 % unterstützt. Im selben Jahr revoltierten Offiziere im Norden erfolglos gegen den Zusammenschluss mit dem Süden.

mini|Stadtzentrum von Hargeysa mit dem Kriegsdenkmal Nachdem 1969 Siad Barre die Macht ergriffen und eine autoritäre Regierung errichtet hatte, gründeten Isaaq im Exil 1981 die Rebellenbewegung Somali National Movement (SNM), die in Nordsomalia einen bewaffneten Kampf gegen die Regierung begann. Die Armee reagierte mit Repressionsmaßnahmen, die in der Bombardierung der Städte Burao und Hargeysa 1988 gipfelten. Hierbei kamen etwa 50.000 Menschen um, 400.000 wurden intern vertrieben, weitere 400.000 flohen über die Grenze in Flüchtlingslager wie Hartishek im äthiopischen OgadenWorld Bank: Conflict in Somalia: Drivers and Dynamics (January 2005; PDF; 669 kB)/Africa Watch: Somalia: A Government at War with its Own People, New York 1990. oder nach Dschibuti (etwa 300.000 dieser Flüchtlinge sind von 1997 bis 2006 zurückgekehrt).UNHCR: UNHCR launches last phase of Somali repatriation from Djibouti. 1991 gelang verschiedenen Rebellenbewegungen die Entmachtung Barres, aber Konflikte zwischen Clans und Kriegsherren verhinderten die Bildung einer Nachfolgeregierung. Der somalische Bürgerkrieg hält seither in Süd- und Zentralsomalia an.Vgl. Harriet Gorka: Somaliland – Argumentieren auf dünnem Eis. In: KAS-Auslandsinformationen. 7 (2011), S. 85ff.

Republik Somaliland mini|Erste Flagge Somalilands 1991–1996