mini|hochkant|Der Marktplatz in Ahrweiler mini|Stadtwache in Ahrweiler, vom Marktplatz aus gesehen mini|Kurpark in Bad Neuenahr mini|Blick vom Rotweinwanderweg auf die Stadt
Bad Neuenahr-Ahrweiler ist eine verbandsfreie Stadt und Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Ahrweiler im nördlichen Rheinland-Pfalz. Bad Neuenahr-Ahrweiler ist ein staatlich anerkanntes Heilbad und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.
Die Stadt entstand 1969 durch Zusammenschluss der beiden Nachbarstädte Ahrweiler und Bad Neuenahr sowie der vier Gemeinden Gimmigen, Heimersheim, Kirchdaun und Lohrsdorf der Verbandsgemeinde Bad Neuenahr. 1974 wurde die damalige Ortsgemeinde Ramersbach als südlichster Stadtteil eingemeindet.
Geographie Bad Neuenahr-Ahrweiler liegt im Ahrtal im linksrheinischen Teil des Rheinlandes, im Norden von Rheinland-Pfalz, etwa zehn Kilometer von der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen entfernt. Die nächstgelegenen Großstädte (mindestens 100.000 Einwohner) sind die Bundesstadt Bonn (Luftlinie: 21 Kilometer), Koblenz (40 Kilometer) und Köln (45 Kilometer). Die Stadt ist von Bergen umgeben, die zum Ahrgebirge gehören und an deren Südhängen Weinbau betrieben wird.
Der höchste Berg im Stadtgebiet ist das Häuschen mit . Weitere Erhebungen sind der südlich gelegene Steckenberg () und der Neuenahrer Berg () sowie die östlich die Talerweiterung abschließende Landskrone (). Auf den beiden letztgenannten Bergen standen einst Burgen.
mini|Bad Neuenahr-Ahrweiler, Luftaufnahme (2016) mini|Landskrone, Luftaufnahme (2016)
Nachbargemeinden Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler grenzt an neun Städte, Gemeinden und Ortsgemeinden.
Stadtgliederung Bad Neuenahr-Ahrweiler ist in Ortsbezirke, die aus einem oder mehreren Stadtteilen bestehen, gegliedert. Die Stadt hat zehn Ortsbezirke mit 13 Stadtteilen. Die Ortsbezirke werden durch Ortsvorsteher und Ortsbeiräte vertreten. Der größte Stadtteil, Bad Neuenahr, wurde 1875 aus drei Gemeinden gebildet, die auch heute noch als Ortsteile verstanden werden.
Die 12 Stadtteile von Bad Neuenahr-Ahrweiler sind: Ahrweiler, Bachem, Bad Neuenahr, Ehlingen, Gimmigen, Green, Heimersheim, Heppingen, Kirchdaun, Lohrsdorf, Ramersbach, Walporzheim.Stadtteile – Bad Neuenahr-Ahrweiler, bad-neuenahr-ahrweiler.de; abgerufen am 20. März 2022. Der Stadtteil Bad Neuenahr wiederum gliedert sich in folgende drei Ortsteile: Beul, Hemmessen, Wadenheim.
Bevölkerung Wohnhaft in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler sind Personen (). Die Einwohner verteilen sich auf 14.940 Wohnungen. Mit einer statistischen Bevölkerungsdichte von Einwohnern pro Quadratkilometer ist die Stadt vergleichsweise dicht bevölkert (Deutschland weist eine Bevölkerungsdichte von 233 Einwohnern je Quadratkilometer auf). Der Anteil der weiblichen Bevölkerung übersteigt mit 52,8 Prozent jenen der männlichen mit 47,2 Prozent. Die größten Altersgruppen sind jene der 50- bis 64-Jährigen (22,7 Prozent) und der 65- bis 79-Jährigen (19,8 Prozent). Der Altenquotient (Bevölkerung ab 65 Jahre je 100 der 20- bis unter 65-jährigen Bevölkerung) übersteigt mit 60,7 Prozent den Jugendquotient (Unter 20-Jährige je 100 der 20- bis unter 65-jährigen Bevölkerung) mit 30,0 Prozent. Die Bevölkerung nahm im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 217 Personen (0,8 Prozent) zu, gegenüber dem Jahr 2009 um 1004 Personen (3,7 Prozent) bzw. gegenüber dem Jahr 1999 um 1455 Personen (5,4 Prozent) zu.
In Bad Neuenahr-Ahrweiler gibt es neun Senioren-, Alten- und Pflegeheime Altenheime in Bad Neuenahr-Ahrweiler, u. a. ein Wohnstift der Augustinum-Gruppe.
Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit) bezifferte sich auf 12,1 Prozent am 31. Dezember 2019.
Einwohnerstatistik + Einwohnerzahlen in den Ortsbezirken der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler am 30. Juni 2018 (nur Hauptwohnungen) Ortsbezirk Untergliederung Einwohnerzahl Ahrweiler Stadtteil: Ahrweiler 7.519 Bachem Stadtteil: Bachem 1.198 Bad Neuenahr Ortsteile: Beul, Hemmessen und Wadenheim 12.888 Gimmigen Stadtteil: Gimmigen 748 Heimersheim Stadtteile: Heimersheim und Ehlingen 3.204 Heppingen Stadtteil: Heppingen 899 Kirchdaun Stadtteil: Kirchdaun 352 Lohrsdorf Stadtteile: Lohrsdorf und Green 730 Ramersbach Stadtteil: Ramersbach 588 Walporzheim Stadtteile: Walporzheim 705 Bad Neuenahr-Ahrweiler 28.831
Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bad Neuenahr-Ahrweiler bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Konfessionsstatistik Laut Zensus 2022 waren 48,9 % der Einwohner römisch-katholisch, 12,4 % evangelisch und 38,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Andernach Zensus 2022 Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Juni 2026 waren von den Einwohnern 41,4 % katholisch, 10,6 % evangelisch und 48,0 % waren konfessionslos, machten keine Angabe oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatististik Bad Neuenahr-Ahrweiler, abgerufen am 8. Juli 2026
Christentum Mehrheitliche Religion in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist das römisch-katholische Christentum. Evangelische Christen sind in der Minderheit. Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagt jährlich, zumeist im Januar, im Stadtteil Bad Neuenahr.
Geschichte Altertum Funde aus der Hallstattzeit (1000 bis 500 v. Chr.) zeigen, dass Kelten in der Region ansässig waren und Ackerbau und Viehzucht betrieben. In den Jahren 58 v. Chr. bis 50 v. Chr. wurde der Gallische Krieg geführt, eine Folge daraus war die fast vollständige Vernichtung der autochthonen keltischen Urbevölkerung, die dem Stamm der Eburonen angehörte. Germanische Stammesverbände rückten in die linksrheinischen Gebiete am Mittelrhein ein. Aus dem 1. bis 3. Jahrhundert existieren zahlreiche Funde aus der Römerzeit; unter anderem die Villa Rustica am Silberberg.
Mittelalter Anno 893 wurde Ahrweiler erstmals im Prümer Urbar (Güterverzeichnis aus der Benediktinerabtei Prüm) als Arwilre, Arewilre, Arewilere und später Arweiller benannt. Danach besaß die Abtei in Ahrweiler einen Herrenhof mit 24 Hofstellen, 50 Morgen Ackerland und 76 Morgen Weinberge. Das Dorf Wadenheim wurde 992, also knapp einhundert Jahre danach, erstmals genannt, Hemmessen folgte im Jahr 1106. Die erste urkundliche Erwähnung einer Pfarrkirche in Ahrweiler stammt aus dem Jahr 1204, um 1225 wurden die Burg Neuenahr und die Grafschaft Neuenahr (Newenare) durch den Grafen von Are-Nürburg errichtet, das Geschlecht wurde nach der Burg benannt. Zwanzig Jahre darauf ließ König Konrad IV. Ahrweiler durch Burggraf Gerhard von Landskron brandschatzen. Die Ortschaft wurde 1246 an das Erzbistum Köln verschenkt.
Am 2. August 1248 erfolgte die Bestätigung der Stadtrechte den Bürgern Ahrweilers durch Erzbischof Konrad I. von Are-Hochstaden in Are (Altenahr). 1250 begann der Bau der heute noch existierenden Stadtmauer von Ahrweiler, dieser wurde etwa zehn Jahre später abgeschlossen. Um das Jahr 1255 herum wurde Ahrweiler bereits regelmäßig Stadt ( = „Stadt“) genannt, erhielt allerdings erst 1320 das Stadtsiegel. Im Jahr 1269 wurde mit dem Bau der St.-Laurentius-Pfarrkirche begonnen, die zu den heute noch wenigen, genutzten Kirchen mit einem „Judensau-Relief“ (Wasserspeier) gehört. Eine Urkunde vom 22. Februar 1277 enthält erstmals den Beleg Ahrweilers als Stadtgemeinde und nennt die Vertreter der kommunalen Selbstverwaltung: Schöffen, Bürger und Gemeinde von Ahrweiler (scabini, burgenses ac universitas in Arwilre).
Spätestens im 13. Jahrhundert leben unter dem Schutz des Kölner Erzbischofs Juden in Ahrweiler. Im Verlauf der Pestpogrome 1348/49 wird die jüdische Gemeinde ausgelöscht; seit 1367/70 sind wieder Juden in der Stadt. Auch eine Mikwe lässt sich nachweisen. Unter den jüdischen Einwohnern der Stadt werden auch Schriftgelehrte genannt.Germania Judaica II,1 S. 3–4; III,1 S. 5–7.
Die Herzöge von Jülich erhielten 1343 die Grafschaft Neuenahr zum Lehen. Um 1350 wurden erstmals die innerstädtischen Viertel Oberhut, Adenbachhut, Niederhut und Ahrhut genannt. Im Jahr 1352 folgten nach dem Tod des Grafen Wilhelm von Neuenahr schwere Erbstreitigkeiten, da sein Geschlecht in männlicher Linie mit ihm ausstarb. Aus dem Jahr 1365 stammt das älteste erhaltene Stadtsiegel von Ahrweiler. Im Jahre 1366 trat Ahrweiler dem Landfriedensbündnis Maas-Rhein bei,Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Bd. 9, S. 650 ff. das am 13. Mai 1351 zwischen Erzbischof Wilhelm von Gennep, dem Herzog Johann von Brabant, dessen Sohn Herzog Gottfried von Limburg (* 1347, † 1352) und den Städten Köln und Aachen auf zehn Jahre vereinbart und dann stetig verlängert worden war.
Zu einem Eingriff durch den Erzbischof von Köln Friedrich III. von Saarwerden kam es 1372, die Burg Neuenahr wurde zerstört und Kurköln zum Mitbesitzer der Grafschaft. Zwei Jahre darauf erfolgte die erste Nennung des Dorfes Beul in der Grafschaft Neuenahr. Die Ahrweiler Huten (Ahrhut, Niederhut, Oberhut, Adenbachut), ursprünglich fiskalische Bürgergemeinschaften, wurden 1411 mit Wehraufgaben betraut. Die Abtei Prüm blieb Grundherr von Ahrweiler und bezog erhebliche Weinzinse. Die Pfarrkirche war Eigenkirche der Abtei und wurde im 14. Jahrhundert noch von einem Prümer Konventualen als Ortspfarrer bedient. 1373 kam es darüber zum Streit, der bis vor die Kurie in Rom ging und dort zugunsten der Abtei und ihres Kandidaten entschieden wurde.LhaKo Best. 18 (Abtei Prüm) Nrn. 96-99, 109, 138-141
Nach dem Tod des Erzbischofs und Kurfürsten Dietrich II. von Moers am 14. Februar 1463 waren nahezu alle Schlösser, Burgen, Ämter und Renten in den Händen von Pfandinhabern. Infolgedessen kam es in Kurköln am 26. März 1463 zur rheinischen Erblandesvereinigung, die vom Erzbischof beschworen werden musste. An ihr beteiligte sich das Kölner Domkapitel, die Grafen, Ritter und die bedeutendsten Städte. Auch die Stadt Ahrweiler besiegelte die Vereinigung.Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Bd. 9, S. 659 ff. Im Verlauf der Kölner Stiftsfehde (1473–1480) wurde Ahrweiler im April und Mai 1474 durch Truppen des Kölner Erzbischofs Ruprecht von der Pfalz belagert. Mauern und Huten wehrten die Angriffe ab.
Neuzeit Aus dem Jahr 1510 stammt die älteste überlieferte Stadtordnung für Ahrweiler. 36 Jahre später, 1546, kam es zur Rückeroberung der Grafschaft Neuenahr durch den Herzog von Jülich; seitdem war die Grafschaft mit dem Herzogtum Jülich als Amt Neuenahr vereint. Auch in Ahrweiler gab es Hexenverfolgungen. Eine erste, überlieferte Aktennotiz deutet auf eine entsprechende Hinrichtung 1501 hin: Do Tryne van Eich verbrant wart, heißt es in der Ratsnotiz. Details überliefert eine für die Jahre 1628/29 überlieferte, ausführliche Generalrechnung was wegen des Hexenwesenß alhi neben den special gerichtlichen rechnunghen so vff jeder persohn gestelt vor Uncosten drufgangen. Die Hinrichtungen fanden danach auf Honenstein hinter dem Kalvarienberg statt.Rheinischer Antiquarius, III. Abt., Bd. 9, S. 690, 695 ff. 1629 erreichte die Hexenverfolgung mit der Verbrennung der Frau des Bürgermeisters Stapelberg ihren Höhepunkt. In der besagten Rechnungslegung der Ahrweiler Hexenprozesse sind 26 Personen namentlich aufgeführt, die verbrannt worden waren.Paul Krahforst: Ahrweiler Hexenprozesse im 16. und 17. Jahrhundert, in: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler Jg. 1977, S. 66.