Die Glaubensgemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) ist eine weltweit verbreitete protestantische Freikirche.
Name Der Name „Siebenten-Tags-Adventisten“ nimmt darauf Bezug, dass die Kirchenmitglieder Adventisten sind, also an eine baldige Wiederkehr Jesu Christi glauben () und den siebten Wochentag nach der biblischen Zählung, den Samstag (Sabbat), heilig halten,Seventh-day Adventists. In: Elizabeth A. Livingstone (Hrsg.): The concise Oxford dictionary of the Christian Church. 3. Auflage. Oxford Univ. Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-174430-3. (Online-Version). anders als die meisten Christen, die den traditionell ersten Wochentag, den Sonntag, als Tag der Auferstehung feiern.Bar Rav Nathan: Der Ruhetag – Samstag oder Sonntag? In: haGalil onLine (Rubrik Frag' den Rabbi), 30. Oktober 2008.
Verbreitung Entwicklung der Gemeindegliederzahl Die Siebenten-Tags-Adventisten selbst bezeichnen die Gläubigen in ihrer Gemeinschaft als Gemeindeglieder, Glieder der Gemeinde oder meist kurz als Glieder.Geistliche Gaben und Dienste, Auszug aus den Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten, Nr. 17. Ausgehend von den USA begannen die STA 1874 mit der Mission im Ausland. Als Folge dieser überstieg im Jahr 1920 erstmals die Zahl der Gemeindemitglieder außerhalb jene innerhalb Nordamerikas. 1997 lebten dort nur noch ca. 10 % ihrer Mitglieder, die Mehrheit dagegen in Afrika und Lateinamerika.George R. Knight und Roswith Gerloff: Adventisten. In: Religion in Geschichte und Gegenwart Online. Brill, Leiden. (basiert auf RGG4).
Weltweit 1961 hatte die Kirche nach eigenen Angaben zum ersten Mal mehr als 1 Million Mitglieder, zur Jahrtausendwende verkündete sie eine Mitgliederzahl von 10 Millionen. Per 31. Dezember 2016 zählte man 20.008.779 Mitglieder. Die Zahlen beziehen sich nur auf getaufte Mitglieder. Kinder aus adventistischen Familien sind nicht mitgezählt. Zusammen mit den noch nicht getauften Kindern und Jugendlichen besuchen weit über 30 Millionen Menschen die adventistischen Gottesdienste.
Zum Vergleich der Größenordnung: Weltweit gehören derzeit etwa 83 Millionen Menschen den Evangelisch-lutherischen Kirchen, einschließlich der Kinder, da sie die Kindertaufe praktizieren.
Innerhalb von fünf Jahren (2000–2005) verließen 1,5 Millionen Menschen die Kirche.
In den fünf Jahren von 2009 bis 2013 schlossen sich 5,45 Millionen Menschen der Freikirche an.
mini|links|Von der Kirche selbst geschätzte Entwicklung der Mitgliederzahlen von 1863 bis 2019
Mitglieder in Deutschland
Jahr 2007 2008 2009 2010201135.099 Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland (APD).2012201320142015201620172018201920202021202220232024 Gemeinden 578 586 572 570 564 563 560 559 558 558 559555554537 Mitglieder 35.925 35.651 35.386 35.195 35.099 34.982 34.901 34.811 34.846 34.968 34.94834.79234.73534.41534.28534.09234.13034.494 Taufen/Aufnahmen 666 618 628 597 733 713 579 505 544 576 Todesfälle 525 533 532 488 524 568 517 496 Austritte/Ausschlüsse 231 300 242 304 297 251 238 225 Nettowachstum −97 −274 −265 −191 −96 −117 −81 −90 +35 +122 −20−156−57−320−130−193 +38 +364
Mitglieder in Österreich In Österreich gibt es insgesamt 55 Gemeinden mit 4.278 getauften Mitgliedern, die von 26 ordinierten Pastoren betreut werden (Stand 2019).
Mitglieder in der Schweiz In der Schweiz leben rund 4800 erwachsene getaufte Siebenten-Tags-Adventisten, die in 54 Gemeinden organisiert sind und von 44 Pastoren betreut werden.Statistik der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (Stand 2018). Die Freikirche ist Gastmitglied der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH).Die Mitgliedkirchen der AGCK. Die STA Basel-Stadt hatten seit 1973 einen Gaststatus bei der kantonalen Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AGCK). Später kam der Gaststatus auch in den Kantonen Aargau, Schaffhausen, Tessin und Zürich hinzu. Im Kanton Waadt sind die STA Mitglied der kantonalen AGCK,Herbert Bodenmann: Keine Sekte, sondern Freikirche. In: Der Zürcher Oberländer. Nr. 62 vom 14. März 2012, S. 24. inzwischen ebenso im AGCK beider Basel.
Lehre In weiten Teilen ähnelt die Lehre der Siebenten-Tags-Adventisten der Lehre anderer protestantischer Kirchen. So gilt die Bibel als die einzige religiöse Autorität.Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (ACK). Es gibt aber auch einige charakteristische Unterschiede.
Glaubensartikel Die Lehre wird derzeit in 28 Glaubenspunkten offiziell beschrieben. Diese Glaubenspunkte beschreiben unter anderem das Gottesverständnis, die Rolle Jesu Christi, die Dreieinigkeit, das Bibelverständnis, die Lehre vom Sabbat, von der Gemeinde (Kirchenverständnis), von der Gemeindefinanzierung, vom christlichen Lebensstil, von Tod und Auferstehung, von der Endzeit, der damit verbundenen Wiederkunft Christi und der neuen Erde. Gemäß dem Vorwort der Glaubensartikel sind diese nicht statisch, sondern können und sollen je nach Erkenntnisstand durch eine Vollversammlung der Generalkonferenz angepasst werden.
Zeit des Gerichts Adventisten glauben an die Sündenvergebung, sind jedoch gleichzeitig der Auffassung, dass seit dem 22. Oktober 1844 ein „Untersuchungsgericht“ im Himmel stattfindet. Hierbei werden alle bekennenden Gläubigen untersucht und all jene in das Buch des Lebens eingetragen, welche den Glauben an Jesus Christus bewahrt haben.
Sabbat Anders als die Mehrzahl der christlichen Kirchen, die den Sonntag für den regelmäßigen wöchentlichen Gottesdienst nutzen, beachten die Siebenten-Tags-Adventisten den Samstag – den nach abrahamitischer Zählung siebten Tag der Woche – als gottesdienstlichen Ruhetag, der nach dem hebräischen Wort im Urtext als Sabbat bezeichnet wird. Der Sabbat beginnt freitags mit dem Sonnenuntergang und endet samstags ebenfalls mit dem Sonnenuntergang. Die Freikirche beruft sich dabei auf den Schöpfungsbericht (): „... und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn“ und das vierte der Zehn Gebote (), in dem die Heiligung und das Gedenken des Sabbats von Gott geboten wird: „Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest ...“. Die Siebenten-Tags-Adventisten weisen darauf hin, dass auch Jesus nach seiner Gewohnheit am Sabbat den Gottesdienst besuchte () und die Gültigkeit des Sabbats über seine Himmelfahrt hinaus festlegte (): „Betet darum, dass eure Flucht nicht im Winter oder an einem Sabbat geschieht!“ Die Sonntagsheiligung dagegen wird im Neuen wie Alten Testament nirgendwo geboten. Auf Grund anti-jüdischer, heidnischer (besonders der Sonntagsfeier des Mithraskultes) und politischer Einflüsse habe der Sonntag erst später die Sabbatfeier verdrängt. „Diese Untersuchung zeigt, dass die Übernahme des Sonntags anstelle des Sabbats nicht in der urchristlichen Gemeinde von Jerusalem durch die Vollmacht apostolischer Autorität geschah, sondern schätzungsweise ein Jahrhundert später in der Kirche von Rom.“Samuele Bacchiocchi: From Sabbath to Sunday. Einleitung, Gregorian Press, Rom 1977, Imprimatur. Erst nachdem Kaiser Konstantin am 7. März 321 den Sonntag zum gesetzlichen Feiertag erklärte, sei er auch von den Christen als Ruhetag betrachtet worden. „Zu Anfang des 4. Jh. erscheint die Sonntagsheiligung als kirchliches Gebot.“Wetzer, Welte: Kath. Kirchenlexikon, VII, Art. Kirchenjahr
Adventisten sehen den Samstag als eine Zeit der Ruhe, die Zeit für die Gemeinschaft mit Gott und mit dem Nächsten bietet. Er ist für sie nicht nur ein Gedenktag der Schöpfung, sondern auch ein wöchentliches Erinnern an die Erlösung in Christus, die Neuschöpfung des gläubig gewordenen Menschen. Darüber hinaus bietet er den Ausblick auf die Ruhe der Erlösten im Reich Gottes ().
Taufe Die Siebenten-Tags-Adventisten praktizieren (wie auch viele andere Kirchen) die Glaubenstaufe durch Untertauchen. Sie sind der Auffassung, dass die persönliche Umkehr zu Gott, der persönliche Glaube an Jesus Christus als den Erretter und die bewusste Entscheidung Grundvoraussetzungen für die Taufe sind.Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (ACK). Sie betrachten die Glaubenstaufe als Voraussetzung für die Mitgliedschaft. Vor der Taufe erfolgt ein gründliches adventistisches Bibelstudium. Die Gemeinde hat ein Recht darauf, Glaubensbekenntnis und Haltung der Person kennenzulernen, die in die Gemeinde aufgenommen werden möchte.Gemeindeordnung (Gemeindehandbuch). Advent, Lüneburg 2006, ISBN 978-3-8150-1812-5, S. 61. Daher stellt sich der Taufkandidat in der Regel der Gemeinde oder dem Gemeindeausschuss vor und kann dabei seinen Glauben bekennen. Die Taufe erfolgt in Taufbecken, die bei größeren Gemeindehäusern in den Gottesdienstsaal eingebaut sind, oder bei geeignetem Wetter auch in Flüssen oder Seen. Gleichzeitig mit der Taufe erfolgt die Aufnahme in die Gemeinde. Der Übertritt in die Freikirche ist ohne erneute Taufe möglich, wenn eine vorherige Glaubenstaufe aus einer anderen Kirche vorliegt.
Eine als Säugling oder Kleinkind empfangene Taufe (Kindstaufe) wird nicht anerkannt. Die Taufe wurde durch das Beispiel Christi geheiligt, sie wird jedoch nicht als Stiftung dessen betrachtet.Friedrich Heyer: Sektenszene summarisch. In: Friedrich Heyer (Hrsg.). Konfessionskunde. W. de Gruyter, Berlin, New York 1977, ISBN 3-11-006651-3 (De Gruyter Lehrbuch), S. 684–695, hier S. 693.
Hölle und der Zustand der Toten Hinsichtlich der Hölle und des Zustandes der Toten vertreten die Siebenten-Tags-Adventisten den Standpunkt des Annihilationismus: Sie betrachten den Tod als einen Zustand des Schlafs und begründen dies mit Bibelstellen wie . Sie lehren, dass ein Mensch die Zeit seines Todes nicht bewusst erlebt, und lehnen die Ansicht ab, dass die Menschen direkt nach dem Tod in den Himmel oder in die Hölle kommen (siehe ). Diese Zeit endet mit der Auferstehung, die (im Falle der Gerechten) zur Wiederkunft Christi bzw. (im Falle der Gottlosen) nach dem Millennium geschieht. Es schließt sich dann das Jüngste Gericht an. Dieses endet für die Gottlosen nicht mit einer ewigen Qual in einer feurigen Hölle, sondern mit der endgültigen Vernichtung bzw. Auslöschung – wobei die formale Zugehörigkeit zu den Siebenten-Tags-Adventisten keine automatische Rettung bedeutet und auch Angehörige anderer Kirchen Rettung finden werden: Allein der lebendige Glaube an Jesus Christus als Erlöser und Herrn ist entscheidend, wobei die Gläubigen sich nicht anmaßen sollen, entsprechende Urteile über andere Menschen zu sprechen.
Wiederkunft Christi Die Siebenten-Tags-Adventisten erwarten die baldige Wiederkunft Christi. Diese Hoffnung, welche auf den Schriften des Neuen Testaments beruht, gründen sie auf die Auslegung der Erzählungen Jesu und der Apostel, die in der Wiederkunft Jesu die Vollendung der christlichen Erlösung versprechen (; ; ). Was den Zeitpunkt seines zweiten Kommens betrifft, verweisen Siebenten-Tags-Adventisten einerseits auf die vorhergesagten Zeichen (Mt ; , ), die versprechen, dass der Tag, der seit nunmehr rund zweitausend Jahren naherwartet wird, nicht mehr fern sein kann. Zugleich warnen sie aber vor jeder zeitlichen Fixierung, weil der Zeitpunkt den Menschen verborgen bleibe (Mt ). In dieser doppelten Betonung wird sowohl eine überhitzte Naherwartung als auch eine leichtfertige Gleichgültigkeit vermieden. Damit fühlen sie sich zu einem Leben in steter Bereitschaft berufen, die sich in tätigem Dienst für das Wohl dieser Welt und der Verkündigung des christlichen Evangeliums manifestiert (Mt ; Mt ).
Lebensführung Die Siebenten-Tags-Adventisten fassen den menschlichen Körper als ein Haus Gottes auf , daher legen sie hohen Wert auf eine gesunde Lebensführung.