Barnstorf (Plattdeutsch: Baarnstrup) ist ein Flecken und der Verwaltungssitz in der gleichnamigen Samtgemeinde im Landkreis Diepholz in Niedersachsen.

Geografie Lage Barnstorf liegt zwischen dem Naturpark Dümmer und dem Naturpark Wildeshauser Geest, ungefähr mittig zu Bremen und Osnabrück. Westlich der Ortschaft befindet sich das Große Moor. Durch den Ort fließt die Hunte.

Ortsteile Zum Flecken Barnstorf gehören die Ortsteile Aldorf, Dreeke/Mäkel und Rechtern.

Nachbargemeinden Angrenzende Nachbargemeinden von Barnstorf sind (im Uhrzeigersinn von Norden ausgehend) Twistringen, Drentwede, Eydelstedt, Dickel, Drebber (alle Landkreis Diepholz) und Goldenstedt (Landkreis Vechta).

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Barnstorf gehört zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser.

Die Hunte ist das prägende Oberflächengewässer der Gemeinde. Ein dichtes Grabensystem reguliert den Wasserhaushalt. Stillgewässer wie Torfstichseen, Feldsölle, Regenrückhaltebecken und kleinere Moorseen sowie Feuchtwiesen wirken als Rückhalteräume bei Starkregen. Hochwasser entwickelt sich vergleichsweise langsam, hält jedoch länger an. Maßnahmen zur Wiedervernässung der Moore verändern die hydrologischen Verhältnisse zunehmend.

Das Große Moor bei Barnstorfhttps://www.mooris-niedersachsen.de/?pgId=423 ist Teil der Diepholzer Moorniederung und zählt zu den bedeutenden Moorlandschaften der Region. Es umfasst eine hochmoorgeprägte Fläche von rund 3100 ha mit einer Torfauflage von mindestens 30 cm und erstreckt sich über etwa 9 km Länge und 5 km Breite. In naturnahen Bereichen sind typische Hochmoorvegetationsformen wie Torfmoose und Wollgras erhalten. Das Gebiet dient zudem zahlreichen Vogelarten, darunter Kranichen, als Rast- und Schlafplatz. Neben historischer und teilweise fortdauernder Torfgewinnung werden Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen durchgeführt, um die ökologischen Funktionen zu sichern.

Ein Teil des Moorgebiets ist als Naturschutzgebiet Barnstorfer Moor (NSG HA 260) ausgewiesen. Es umfasst etwa 1300 ha, liegt westlich von Barnstorf und erstreckt sich über Flächen der Samtgemeinde Barnstorf sowie der Gemeinde Drebber. Ziel der Unterschutzstellung ist der Erhalt und die Entwicklung eines großflächigen Moorkomplexes, insbesondere die Wiederherstellung von Hochmoorlebensräumen. Das Naturschutzgebiet grenzt unter anderem an das Goldenstedter Moor.

Das Gemeindegebiet ist von Moor- und Niedermoorflächen geprägt, die historisch entwässert wurden. Diese Entwässerung beeinflusst bis heute den Wasserhaushalt und erfordert Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen zur Wiederherstellung moortypischer Wasserstände.

Die Regulierung der Wasserstände erfolgt über ein historisch gewachsenes Grabensystem. Wiedervernässungsmaßnahmen verändern Abflussverhältnisse und erhöhen die Wasserretention, was bei Starkniederschlägen Auswirkungen auf den Hochwasserschutz haben kann und eine abgestimmte Wasserwirtschaft notwendig macht.

Ökologisch sind die Moorlandschaften durch frühere Nutzung und Torfabbau beeinträchtigt. Renaturierungsprojekte dienen dem Erhalt moortypischer Lebensräume sowie der Förderung der biologischen Vielfalt, insbesondere für spezialisierte Pflanzen- und Vogelarten.

Untergrundverhältnisse Barnstorf liegt in der Norddeutschen Tiefebene, die in der Eiszeit entstanden ist. Der Boden besteht hauptsächlich aus Sand, Kies und Lehm, die von Gletschern und Schmelzwasser abgelagert wurden. Typisch sind trockene, sandige Flächen und feuchte Gebiete mit Mooren. Besonders südlich und östlich gibt es große Moorlandschaften. Der Boden ist schichtweise aufgebaut: oben Acker- oder Moorboden, darunter Sand und in größerer Tiefe fester Lehm.https://mooris-niedersachsen.de/?pgId=1389https://www.lbeg.niedersachsen.de/geologie/erdgeschichte_von_niedersachsen/erdgeschichte-von-niedersachsen-822.html

Barnstorf liegt in einer flachen Landschaft, in der Grundwasser vor allem in sandigen und kiesigen Bodenschichten gespeichert ist. Diese Schichten lassen Wasser gut hindurch und werden hauptsächlich durch Regen gespeist. Das wichtigste Grundwasser befindet sich daher relativ nah an der Oberfläche, oft nur wenige Meter unter dem Boden, auch wenn es dazu keine genauen öffentlichen Zahlen gibt. Über dem Grundwasser liegen schützende Bodenschichten, die es gut vor Verunreinigungen abschirmen.https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/themen/wasser/grundwasser/grundwasserbericht_niedersachsen/nutzung_schutz_und_uberwachung/hydrogeologischer_uberblickhttps://www.lbeg.niedersachsen.de/karten_daten_publikationen/karten_daten/grundwasser/grundwasser-729.html

Klima In Barnsdorf herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.

2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.

Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.

Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.

Es fällt jährlich ca. 700 mm Niederschlag, meist als Regen.

Geschichte Archäologische Funde belegen, dass die Gegend um Barnstorf herum seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. Das Ganggrab von Düste wurde hierhin versetzt. Nachdem ab 780 n. Chr. von Karl dem Großen neun Missionssprengel zur Christianisierung der unterworfenen Sachsen errichtet worden waren, wurden von der Missionszelle Visbek aus durch Abt Gerbert Castus die ersten Kirchengemeinden in der Umgebung gegründet.Michael Bönte: . Kirchensite ((ehemalige) Online-Zeitung des Bistums Münster). 29. Oktober 2004. Abgerufen aus dem Webarchiv am 3. Oktober 2017. Zu diesen zählte im Lerigau die Pfarrkirche Barnstorf.. Abgerufen am 14. Oktober 2013.

Urkundlich erwähnt wird Barnstorf erstmals 890. Wegen der Grenznachbarschaft der Bistümer Osnabrück und Münster wurde der Ort mehrfach Schauplatz der Befehdungen. Barnstorf war ab dem 15. Jahrhundert Teil der Grafschaft Diepholz, kam aber später an die Herzöge von Braunschweig. Barnstorf erhielt um 1550 herum die Fleckensrechte von den Grafen von Diepholz. Nach dem Aussterben der gräflichen Diepholzer Linie 1585 wurden die Fleckensrechte 1592 durch Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg bestätigt.

Nach der französischen Besetzung kam die Ortschaft und die umliegenden Weiler an das Königreich Hannover. Die Ortschaft wurde 1872 an die Bahnlinie Bremen–Osnabrück angeschlossen. 1952 fanden erste Erdöl- und Erdgasbohrungen durch die Wintershall AG statt. 1964 stationierte die Bundeswehr hier das Flugabwehrraketenbataillon 25, das 2005 wieder abgezogen wurde. Seit 1974 ist Barnstorf der Sitz der Samtgemeinde Barnstorf.

Ortsname Ein schwer datierbares Schriftzeugnis aus dem 9. oder 10. Jh. lautet Bernatheshusen und dürfte das erste sein. 980 ist Bernesthorpe verschriftlicht. Es liegt der germanische Personenname Bernant zugrunde.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden mit der Gebietsreform in Niedersachsen die Gemeinden Aldorf, Dreeke und Rechtern eingegliedert.

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 50,9 % der Einwohner evangelisch, 10,5 % römisch-katholisch und 38,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion

Politik Gemeinderat Der Rat des Fleckens Barnstorf besteht aus 19 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 6.000 und 7.000 Einwohnern., abgerufen am 20. Februar 2017. Die neunzehn Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.Die letzten Gemeinderatswahlen ergaben folgende Sitzverteilungen: Partei 2021 2016Gemeinde Barnstorf – Ergebnis Gemeinderatswahl 2016, abgerufen am 20. Februar 2017 CDU 5 5 SPD 6 5 WGB 2 3 Bündnis 90/Die Grünen 4 3 FDP 2 3 Einzelbewerberin Fuhs - 0

Bürgermeister Der Rat wählte das Ratsmitglied Fredy Albrecht (SPD) zum ehrenamtlichen Bürgermeisterin für die aktuelle Wahlperiode., abgerufen am 20. Februar 2017

bisherige Amtsinhaber: 1882–1903: W. Plümer

1903–1916: F. Plümer 1916–1919: A. Strahmann 1919–1922: O.Kuckuck 1922–1934: H. Gröne 1936–1945: L. Wetenkamp 1945–1946: H. Gröne 1946–1952: M. Stockinger 1953: L. Wetenkamp 1954–1968: M. Stockinger 1968–1994: Rudolf Dunger (FDP) 1994–1996: Erika Meyer (FDP) 1996–2001: Brigitte Dierker (SPD) 2001–2011: Peter Luther (CDU) 2011–2021: Elke Oelmann (Bündnis 90/Die Grünen) seit 2021: Fredy Albrecht (SPD)

Wappen

Kultur, Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen mini|hochkant|St. Veit-Kirche in Barnstorf mini|hochkant|BBFF-Heißluftballons, 2011

Ev.-luth. St.-Veit-Kirche in Backstein, spätromanische Saalkirche Keunecke-Haus von 1784 in Fachwerk, eines der ältesten Häuser, Kirchstraße 14. Katholische Kirche St. Barbara und Hedwig, Am Rosengarten Grabsteine auf dem alten Friedhof aus dem 18./19. Jahrhundert Jüdische Friedhof in Barnstorf, Am Rosengarten, einer von acht gut erhaltenen jüdischen Friedhöfen im Landkreis Diepholz mit zwölf Grabsteinen von 1876 bis 1936 Meyer-Köster-Haus, ehem. Hofstelle bei der Katholischen Kirche, die zu einem Heimatmuseum und Veranstaltungsort umgewandelt wurde. Auf dem Grundstück befinden sich zahlreiche historische landwirtschaftliche Gebäude aus der Region. Ganggrab von Düste, bald nach seiner Ausgrabung abgetragen und im Naherholungsgebiet nordwestlich von Barnstorf originalgetreu wieder aufgebaut Sieben Stolpersteine von Gunter Demnig, siehe Liste der Stolpersteine in Barnstorf

Veranstaltungen Barnstorfer Ballonfahrer Festival, alle zwei Jahre im Sommer als Fahrt um den Niedersachsen Cup Huntezauber, alle zwei Jahre Barnstorfer Frühlingserwachen mit Vergnügungsmarkt, jährlich am zweiten Wochenende im April Gartentage im Barnstorfer Umwelt-Erlebnis-Zentrum (BUEZ)

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Tourismus 2007 wurde ein von der Samtgemeinde Barnstorf in Auftrag gegebenes Gutachten veröffentlicht, das sich mit dem Wassertourismus auf der Hunte zwischen dem Dümmer und der Stadt Wildeshausen befasst. (PDF; 4,0 MB) An den Wehren wurden daraufhin Kanueinsetzstellen geschaffen.

mini|Jan-Spieker-Bahn an der Haltestelle BUEZ Barnstorf ist Station des überregionalen Brückenradwegs (Osnabrück ↔ Bremen). Zudem ist Barnstorf Ausgangspunkt des Radrundwegs Erdölroute,Erdölroute Emlichheim Mit dem Fahrrad dem Öl auf der Spur, auf www.wintershall.de, abgerufen am 4. August 2018 der über 32 Kilometer durch die Samtgemeinde Barnstorf führt und an mehreren Stationen unterschiedliche Facetten der Öl- und Gasförderung vorstellt. Für den Radtourismus ist außerdem in jeder Mitgliedsgemeinde ein Teilstück der Puzzle-Tour, auf www.barnstorf.de, abgerufen am 4. August 2018 ausgewiesen, die auch miteinander kombiniert werden können.

Ansässige Unternehmen mini|Fa. Bröring Wintershall (Erdöl- und Erdgasproduzent) LR Facility Services (Handwerks- und Gebäudedienstleistungsunternehmen) Bröring (Futtermittelproduktion und Agrarhandel) BTB Baustoffe-Transporte GmbH (International tätige Spedition) Lubing (Maschinenbau mit Schwerpunkt Agrarindustrie) BARKU (Barnstorfer Kunststofftechnik GmbH & Co. KG)

Verkehr Straßen