Die Hochschule für angewandte Wissenschaften München, meist kurz Hochschule München oder HM genannt (bis 2007: Fachhochschule München), ist eine der 15 Hochschulen Münchens. Sie ist mit rund 19.000 Studierenden die größte Fachhochschule in Bayern und eine der größten Deutschlands.

Überblick mini|„Roter Würfel“ in der Lothstraße 64

Im Wintersemester 2024/25 waren an der Hochschule München 18.791 Studierende eingeschrieben (40,5 % weiblich, 59,5 % männlich). An ihren 14 Fakultäten sind 531 Professuren verzeichnet.

Die Hochschule hat 100 Studiengänge in den Bereichen Natur-/Ingenieurwissenschaften, Wirtschaft, Sozialwesen und Design.

Sie ist über mehrere Standorte verteilt. Neben dem Hauptkomplex an der Lothstraße/Dachauer Straße gibt es die Standorte Pasing und Karlstraße.

Geschichte

Vorgeschichte Die älteste der Gründungsinstitutionen der Fachhochschule München war die Staatsbauschule München. Ihrer Vorgängerinstitution, die Königliche Baugewerkschule in München, ging ab 1821 aus dem bauhandwerklichen Unterricht Hermann Mitterers an der Münchner Feiertagsschule hervor. Sie war nach ihrer formalen Ausgründung im April 1823 unter Gustav Vorherr die erste Lehranstalt für Bauhandwerker im deutschen Sprachraum. Anders als an der zu diesem Zeitpunkt bereits existierenden Pariser École polytechnique und der Berliner Bauakademie wurde hier ein modernes, primär an den örtlichen Notwendigkeiten orientiertes Bauwesen gelehrt, das auch den bis dahin vernachlässigten ländlichen Raum einbezog.

Im Zuge der Novemberrevolution änderte sich der Name 1918 in Staatliche Bauschule München,BayHstA, Mk 22648, Schreiben der Direktion an Staatsministerium für Unterricht und Kultus, 6. Dezember 1918; siehe auch: Selzer, Hermann: 100 Jahre Staatliche Bauschule München, München 1922, S. 50. später Staatsbauschule. Eine strukturelle Veränderung war damit nicht verbunden. Bereits vor der Machtübernahme griffen die Nationalsozialisten die Leitung der Staatsbauschule massiv an. 1946 wurde der NS-Verfolgte Max Stiehle zum Direktor der Staatsbauschule ernannt.Historie der Hochschule München, www.jubilaeum.hm.edu, abgerufen am 15. Januar 2023.

Auf das Jahr 1924 ging die Höhere Technische Lehranstalt der Stadt München zurück. Sie kam 1935 unter die Leitung des Nationalsozialisten Gebhard Himmler. Unliebsame Dozenten wurden teils formal entlassen oder hinausgedrängt, es kam auch zu Verhaftungen. Bei Kriegsende waren viele der Gebäude der Vorgängerinstitute zerstört. In der Zeit des Nationalsozialismus als „Ingenieurschule der Hauptstadt der Bewegung“ bezeichnet, wurde sie 1946 in Oskar-von-Miller-Polytechnikum umbenannt.

1956 genehmigte die staatliche bayerische Schulaufsicht eine private technische Lehranstalt unter Leitung von Horst-Dietrich Bohne. Ab 1958 war sie eine Höhere Technische Lehranstalt (abgekürzt HTL), an der bereits elektronisches Rechnen in den Unterricht aufgenommen wurde. Sie umfasste die Fachrichtungen Flugzeugbau, Kraftfahrzeugbau und Wirtschaftstechnik. Mit Letzterem war das Tätigkeitsfeld der Wirtschaftsingenieure beschrieben. 1967 wurde die HTL im Zuge der Übernahme durch einen Schulträgerverein in Ingenieurschule Bohne umbenannt. Den Mitgliedern der Flugtechnischen Gruppe der Ingenieurschule Bohne standen in Fürstenfeldbruck und Bad Tölz Flugzeuge für den Flugunterricht zur Verfügung.

Vorläuferinstitutionen der HM waren darüber hinaus auch die Höhere Fachschule für Jugend- und Sozialarbeit (gegründet 1919), die Abteilung für Gebrauchsgraphik der Akademie für das Graphische Gewerbe (gegründet 1907/1927), die Höhere Fachschule für Jugendleiterinnen (gegründet 1936) und die Höhere Wirtschaftsfachschule München (gegründet 1962).

FH München Die Fachhochschule München wurde am 1. August 1971 infolge des neu eingeführten Fachhochschulgesetzes als Nachfolger dieser Ingenieurschulen und einiger höherer Fachschulen gegründet. Wie damals üblich, wurden die vorhandenen Ausbildungseinrichtungen zu einer FH zusammengefasst. Im Einzelnen waren dies:

das städtische Oskar-von-Miller-Polytechnikum die Staatsbauschule München, Akademie für Bautechnik die Höhere Wirtschaftsfachschule München die Ingenieurschule Bohne die Höhere Fachschule für Jugend- und Sozialarbeit die Höhere Fachschule für Sozialpädagogik die Abteilung für Gebrauchsgraphik der Akademie für das Graphische Gewerbe

2003 wurde die Fotografie-Ausbildung der Staatlichen Fachakademie für Fotodesign München in den Fachbereich 12 Gestaltung eingegliedert und 2004 die Akademie endgültig aufgelöst.

Seit 2007 wurde die Fachhochschule München mehrmals umbenannt:

Im Oktober 2007 wurde sie zur „Hochschule für angewandte Wissenschaften – FH München“, kurz: „Hochschule München“ bzw. „HM“. 2011 wurde der Zusatz „Fachhochschule“ gestrichen und „Hochschule für angewandte Wissenschaften München“ als Name festgelegt. Vgl. Der rechtliche Status als Fachhochschule blieb jedoch erhalten.Art. 1 Abs. 2 des Bayerischen Hochschulgesetzes.

Organisation Martin Leitner wurde 2016 zum Präsidenten der Hochschule München gewählt und für eine zweite Amtszeit ab 2020 wiedergewählt.

Zum Präsidium (Hochschulleitung) gehören die drei Vizepräsidenten Klaus Kreulich (zuständig für Lehre), Sonja Munz (zuständig für Forschung) und Thomas Stumpp (zuständig für Wirtschaft) sowie der Kanzler Jörg Finger (zuständig unter anderem für Leitung der Verwaltung, Rechtsangelegenheiten, den Haushalt und Bauangelegenheiten).

Zusammen mit dem Präsidium entscheiden die zentralen Organe (Hochschulrat, Senat, Erweiterte Hochschulleitung und Fakultätsrat) über Hochschulfragen und staatliche Angelegenheiten.

Fakultäten Die Bezeichnung Fakultäten wird erst seit dem Jahr 2005 verwendet, vorher lautete die Bezeichnung Fachbereich. Die Hochschule ist mit Stand von 2021 in 14 Fakultäten (FK) und eine Studienfakultät untergliedert:

Fakultät 01 Architektur Fakultät 02 Bauingenieurwesen Fakultät 03 Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Flugzeugtechnik Fakultät 04 Elektrotechnik und Informationstechnik Fakultät 05 Technische Systeme, Prozesse und Kommunikation (bis 2022 „Versorgungs- und Gebäudetechnik, Verfahrenstechnik Papier und Verpackung, Druck- und Medientechnik“) Fakultät 06 Angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik Fakultät 07 Informatik, Mathematik Fakultät 08 Geoinformation Fakultät 09 Wirtschaftsingenieurwesen Fakultät 10 HM Business School Fakultät 11 Angewandte Sozialwissenschaften Fakultät 12 Design Fakultät 13 Studium generale und Interdisziplinäre Studien Fakultät 14 Tourismus Studienfakultät Munich Center for Digital Sciences and AI (MUC.DAI)

Die Fakultät 13 ist eine Besonderheit der Hochschule München: Sie bietet allgemeinwissenschaftliche Wahlpflichtfächer an, von denen alle Studierenden im Verlauf des Studiums eine bestimmte Anzahl zu belegen haben und hat nur zwei eigene Studiengänge (B. A. Internationales Projektmanagement und M. A. Interkulturelle Kommunikation und Kooperation).

Hochschulranking Die Hochschule München und ihr Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) belegt regelmäßig in der Studie Gründungsradar Spitzenplätze. Das Ranking stellt dar, an welchen Hochschulen Gründungsförderung besonders gut etabliert ist. In der Kategorie „Große Hochschulen“ (über 15.000 Studierende) erreichte die HM Platz 1 jeweils in 2012, 2016, 2022 und 2025. Im Gründungsradar 2025 hatte sie mit 58,8 von 60 Punkten erneut die höchste Punktzahl aller teilnehmenden Hochschulen.

In einem gemeinsamen Ranking von Wirtschaftswoche und Universum belegte die Hochschule München 2020 in sechs Fächern, für die die Hochschulen für angewandte Wissenschaften bewertet wurden, dreimal Platz 1, zweimal Platz 2 und einmal Platz 3. Damit schneidet die Hochschule München als beste aller deutschen Hochschulen für angewandte Wissenschaften ab.

Bei dem internationalen Hochschulranking U-Multirank erreichte die Hochschule München im Jahr 2021 sechs Mal die Bestnote.

Seit Juli 2011 zählt die Hochschule München zu einer der Top-3 EXIST-Gründerhochschulen in Deutschland und hat dadurch Zugang zu Fördergeldern in Millionenhöhe für die Unterstützung studentischer Unternehmensgründungen. Die Gründungsförderung erfolgt gemeinsam mit dem An-Institut „Strascheg Center for Entrepreneurship“.

Standorte Die Hochschule München hat drei Standorte: Campus Lothstraße (), Campus Pasing () und Campus Karlstraße (). Zum Campus Lothstraße werden außerdem das neue Gebäude der Fakultät für Design in der Lothstraße und die Fakultät für Tourismus in der Schachenmeierstraße () gezählt.

Campus Lothstraße ca. 11.800 Studierende Hochschulleitung Verwaltung Weiterbildungszentrum Fakultät für Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Flugzeugtechnik Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik Fakultät für Technische Systeme, Prozesse und Kommunikation Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften und Mechatronik Fakultät für Informatik und Mathematik Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen Fakultät für Design (Lothstraße) Fakultät für Studium Generale und Interdisziplinäre Studien Fakultät für Tourismus (Schachenmeierstraße)

Campus Pasing ca. 4.200 Studierende HM Business School Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften

Campus Karlstraße ca. 1.900 Studierende Fakultät für Architektur Fakultät für Bauingenieurwesen Fakultät für Geoinformation

Bibliothek

Die Hochschulbibliothek ist auf drei Standorte verteilt, in denen die jeweiligen Fachbücher der dazugehörigen Fakultäten zu finden sind. Der Gesamtbestand beläuft sich auf ca. 320.000 Printmedien und 512 laufende Print-Zeitschriftentitel, zu über 95 % in Freihandaufstellung. Daneben werden für Hochschulangehörige noch ca. 140.000 E-Books und 45.000 E-Journals angeboten.

Forschung Die Hochschule München ist auf Landes- und Bundesebene sowie auf europäischer Ebene mit einer Vielzahl von Forschungsprojekten vertreten und betreibt selbst mehrere Forschungsinstitute:

Institut für Material- und Bauforschung (IMB) Institut für energieeffiziente Gebäude und Quartiere (CENERGIE) Institut für nachhaltige Energiesysteme (ISES) Institut für Anwendungen des maschinellen Lernens und intelligenter Systeme (IAMLIS) Forschungsinstitut für Soziales, Gesundheit und Bildung (SHE:RC) Institut für Mensch und Mobilität (IMM)

Promotion Neben einer kooperativen Promotion unter Einbeziehung einer Universität gibt es die Option einer eigenständigen Promotion an einem der mittlerweile sieben Promotionszentren der Hochschule München. Eigenständige Promotionen sind in den Fachbereichen möglich, für die der HM das Promotionsrecht verliehen wurde oder in denen die HM an Promotionszentren an anderen HAWs beteiligt ist. Dies sind Bauwesen, Wirtschaftswissenschaften, Energietechnik, Informatik, Technische Physik, Materialien- und Produktionstechnik sowie Sozial- und Gesundheitswissenschaften.

Die Graduate School unterstützt Promovenden in der Anbahnungsphase und während der Promotion.

Bekannte Angehörige

Präsidenten Karl Hammer (1908–1999), Physiker, Gründungspräsident 1971, vorher Direktor des Oskar-von-Miller-Polytechnikums Heinrich Lang, erster gewählter Präsident 1972–1974 Karl Rüger, kommissarischer Präsident 1974–1976 Walther Keßler (1930–2006), Präsident 1976–1994, langjähriger Vorsitzender der Fachhochschulrektorenkonferenz und der erste stellvertretende Vorsitzende der Westdeutschen Rektorenkonferenz, der von einer Fachhochschule kam Gerhard Röhrl, Präsident 1994–2000, verwirklichte im Jahr 2000 den ersten „Master of Science“ an der HM Marion Schick (* 1958), Präsidentin 2000–2009, Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg, Vorstandsmitglied der Deutsche Telekom AG Michael Kortstock (* 1954), Ingenieur, Präsident 2009–2016 Martin Leitner (* 1959), Mathematiker, Präsident 2016–

Ehemalige Studierende Peter Druschel (* 1959), Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme in Saarbrücken