Der Landkreis Altenkirchen (Westerwald) ist eine Gebietskörperschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz und liegt zwischen den Metropolregionen Rhein-Ruhr und Rhein-Main. Sitz der Kreisverwaltung ist die namengebende Stadt Altenkirchen (Westerwald), die bevölkerungsstärkste Stadt ist Betzdorf.

Geographie Die Fläche des Landkreises Altenkirchen (Westerwald) beträgt 642 Quadratkilometer.

Lage Der Landkreis Altenkirchen ist der nördlichste Kreis in Rheinland-Pfalz. Er umfasst den nördlichen Teil des Westerwaldes sowie den südwestlichen Teil des Siegerlandes (sogenannter „Oberkreis“). Das nach der Grafschaft Wildenburg benannte Wildenburgische Land liegt nördlich der Sieg. Weitere Flüsse im Kreisgebiet sind die Wied und die Nister.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an den Rhein-Sieg-Kreis, den Oberbergischen Kreis, den Kreis Olpe und den Kreis Siegen-Wittgenstein (alle in Nordrhein-Westfalen) sowie an den Westerwaldkreis und den Landkreis Neuwied (beide in Rheinland-Pfalz).

Geschichte Das heutige Kreisgebiet gehörte vor 1803 zu verschiedenen Herrschaften, u. a. den Grafschaften Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg, der Herrschaft Wildenburg (bereits 1418 ausgestorben, ihre Besitzungen kamen später an die Fürsten von Hatzfeld) und die Kurfürstentümer Köln und Trier. Alle Gebiete wurden 1815 preußisch. Der Staat Preußen gliederte seine Provinzen in Regierungsbezirke und Kreise. So entstand 1816 der Kreis Altenkirchen im Regierungsbezirk Coblenz. Die preußische Verwaltung gliederte den Kreis in die Bürgermeistereien Altenkirchen, Daaden, Flammersfeld, Friesenhagen, Gebhardshain, Hamm, Kirchen, Weyerbusch und Wissen. Die früheren Herrschaften Wildenburg und Schönstein wurden 1821 zu Standesherrschaften erhoben, aber bereits 1839 wieder dem Landrat von Altenkirchen unterstellt. Die Bürgermeistereien wurden 1927 in Ämter umbenannt und bestanden bis 1968. Aus ihnen entstanden die Verbandsgemeinden. Aus dem „Kreis Altenkirchen“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der „Landkreis Altenkirchen“, umgangssprachlich ist auch heute noch die Bezeichnung „Kreis Altenkirchen“ häufig im Gebrauch. Im März/April 1945 kämpften hier, nach der Eroberung der Brücke von Remagen, amerikanische Einheiten mit der Wehrmacht.

Die Grenzen des Landkreises wurden im Laufe der Geschichte nur unwesentlich verändert. So wurde am 7. November 1970 die Gemeinde Berod bei Hachenburg aus dem Oberwesterwaldkreis umgegliedert. Am selben Tag wurde der Ortsteil Heckenhahn der Gemeinde Rott in den Landkreis Neuwied umgegliedert.

Seit 1946 gehört der Landkreis Altenkirchen zum Land Rheinland-Pfalz.

Wirtschaftlich blickt der Landkreis auf eine Geschichte des Bergbaus zurück (siehe Liste von Bergwerken im Landkreis Altenkirchen).

Einwohnerstatistik hochkant=1.2|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Altenkirchen (Westerwald) (Datenquelle: Zensus 2011)Datenbank Zensus 2011, Kreis Altenkirchen (Westerwald)

Per zählte der Landkreis Altenkirchen (Westerwald)  Einwohner. Die Bevölkerungsdichte bezifferte sich am Stichtag auf  Einwohner pro Quadratkilometer. Ende 2013 gab es im Landkreis mehr Frauen (50,7 Prozent) als Männer (49,3 Prozent). Der Altenquotient übertrifft mit 34,9 Prozent den Jugendquotienten (31,9 Prozent).

Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne deutsche Staatsangehörigkeit) belief sich am 31. Dezember 2013 auf 5,1 Prozent (6.609 Personen). Zu den am stärksten vertretenen Nationalitäten zählen vornehmlich Einwohner aus der Türkei, Polen, Italien, Kosovo, Russland, Griechenland, Serbien, Rumänien, den Niederlanden und Spanien.

Im März 2015 verzeichnete der Landkreis eine Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent (3.791 Personen).

Die Entwicklung der Einwohnerzahl, bezogen auf das heutige Gebiet des Landkreises Altenkirchen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen. Von 1990 an ist jeweils der Stand 31. Dezember aufgeführt, bezogen auf die alleinige bzw. Hauptwohnung:

Konfessionsstatistik mini|hochkant|Außenansicht der katholischen St.-Jakobus-Kirche in Altenkirchen Gemäß dem Zensus 2022 waren im Jahr 2022 34,9 % der Einwohner katholisch, 28,9 % evangelisch, und 36,2 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 1. September 2024 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Mai 2026 hatten 31,0 % die katholische Konfession und 25,6 % die evangelische. 43,4 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Rheinland-Pfalz Gemeindestatistik, abgerufen am 18. Juni 2026

Politik Kreistag Der Kreistag des Landkreises Altenkirchen (Westerwald) besteht aus 46 Kreistagsmitgliedern, die bei den Kommunalwahlen am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem Landrat als Vorsitzendem.Wahlband Kommunalwahlen 2019 - Kreise und Bezirkstag (wahlen.rlp.de)

+ Wahlergebnisse und Sitzverteilung im Kreistag Altenkirchen (Westerwald) Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 Sitze1999 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 36,7 17 35,2 16 42,9 20 42,4 19 51,3 24 49,8 24 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 21,5 10 25,0 11 33,9 15 30,1 14 29,2 13 35,9 16 AfD Alternative für Deutschland 15,8 8 8,6 4 – – – – – – – – FWG Kreisverband der freien Wählergruppen 8,4 4 8,1 4 7,5 3 7,6 3 7,7 3 6,0 2 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 7,3 3 13,0 6 6,9 3 6,4 3 5,8 3 4,1 2 FDP Freie Demokratische Partei 5,2 2 6,5 3 3,9 2 9,9 5 5,9 3 4,3 2 DIE LINKE. DIE LINKE. 2,3 1 3,5 2 3,7 2 3,6 2 – – – – WGK Wählergruppe Käppele 2,2 1 – – – – – – – – – – Volt Volt Deutschland 0,6 0 – – – – – – – – – – PIRATEN Piratenpartei Deutschland – – – – 1,2 1 – – – – – – Gesamt 100 46 100 46 100 46 100 46 100 46 100 46 Wahlbeteiligung 62,1 % 59,5 % 56,8 % 53,4 % 55,8 % 62,6 %

Landräte 1816–1844 Wilhelm Koch (1775–1848) 1845–1851 Jakob von Hilgers (1810–1891) 1851–1852 Adolf Ernst von Ernsthausen (1827–1894) 1852–1875 Heinrich Joseph Kampers (1806–1875) 1876–1882 Johannes Kiesel 1882–1902 Friedrich Boehm (1834–1906) 1902–1912 Robert von Görschen (1864–1936) 1912–1919 Clemens Busch (1879–1966) 1919–1933 Wilhelm Boden (1890–1961) 1933–1938 Konrad Gorges (1898–1968) 1938–1945 Ernst Ewald Kunckel (1902–1970) 1945 Wilhelm Boden (April bis Mai 1945) 1945–1948 Richard Bornheim 1948–1966 Hanns Sinzig (1901–1992) 1966–1979 Hermann Krämer (1919–2006) 1980–1988 Alfred Beth (* 1940) 1989–1998 Herbert B. Blank (1947–1998) 1998–2006 Alfred Beth (zweite Amtsperiode) 2006–2019 Michael Lieber (* 1953) seit 2019 Peter Enders (* 1959)

Landtag und Bundestag Der Landkreis Altenkirchen ist aufgeteilt in die Landtagswahlkreise Betzdorf/Kirchen (Sieg) und Altenkirchen (Westerwald). Bei den Landtagswahlen 2011 wurden Josef Rosenbauer (CDU) und Peter Enders (CDU) direkt in den Landtag gewählt. Über die Listenplätze erhielten aus dem Landkreis Altenkirchen Thorsten Wehner (SPD) und Anna Neuhof (Grüne) Sitze im rheinland-pfälzischen Landtag. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016 wurden die Direktmandate von Michael Wäschenbach (CDU) und erneut Peter Enders (CDU) gewonnen. Über die Listenplätze errangen auch Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) und erneut Thorsten Wehner (SPD) Mandate. Letzterer legte es bereits zum 1. Dezember 2016 nieder, Nachrücker war Heijo Höfer (SPD). Die Abgeordnete Jessica Weller (CDU) rückte für den ausgeschiedenen Peter Enders nach, der nach seiner Wahl zum Landrat des Kreises Altenkirchen bei der Kommunalwahl im Mai 2019 am 31. August 2019 sein Mandat aufgab. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2016 konnten Michael Wäschenbach (CDU) und Matthias Reuber (CDU) die Direktmandate erringen. Über die Landesliste zog erneut Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) in den Landtag ein. Zusammen mit dem Landkreis Neuwied gehört der Landkreis Altenkirchen zum Bundestagswahlkreis Neuwied. Bei der Bundestagswahl 2021 wurde Erwin Rüddel (CDU) zum vierten Mal in Folge direkt in den Bundestag gewählt. Über ihre Listenplätze wurde aus dem Wahlkreis zudem Martin Diedenhofen (SPD), Andreas Bleck (AfD) und Sandra Weeser (FDP) gewählt.

Wappen und Flagge

Der Landkreis Altenkirchen (Westerwald) führt ein Wappen und eine Flagge.

Verkehr Durch das Kreisgebiet führt im äußersten Südwesten die Bundesautobahn 3 Frankfurt–Köln mit der Abfahrt Neuwied/Altenkirchen in der Ortslage Willroth. Etwas östlich des Kreisgebiets befindet sich die A 45 Gießen–Dortmund. An deren Anschlussstelle Siegen wird der Landkreis seit Ende 2016 durch die in Mudersbach-Niederschelderhütte endende Hüttentalstraße angebunden. Im Norden führt die A 4 Köln–Olpe vorbei. Der Kreis wird sonst von zahlreichen Bundesstraßen durchquert, darunter die B 8, B 62 und B 256.

Die Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft führte schon 1860 ihre Bahnlinie von Köln im Siegtal aufwärts bis Wissen und ein Jahr später weiter nach Siegen (Siegstrecke). Die Stammstrecke zweigt seit 1861 als Hellertalbahn von Betzdorf über Herdorf Richtung Haiger–Dillenburg ab.

Ein Vierteljahrhundert später erschloss die Preußische Staatsbahn die Seitentäler und den hohen Westerwald: Die Bahnen von Limburg erreichten die Kreisstadt Altenkirchen 1884 über Siershahn (Unterwesterwaldbahn/Holzbachtalbahn) und 1885 über Hachenburg (Oberwesterwaldbahn); der Anschluss zur Strecke im Siegtal bei Au folgte 1887. Seit 2015 besteht durch die RB90 eine Verbindung zwischen Oberwesterwaldbahn und Siegstrecke, die Westerwald-Sieg-Bahn verkehrt aus Richtung Limburg kommend ab Au weiter nach Siegen Hbf mit Halt in Wissen, Betzdorf und Kirchen.

Von Betzdorf nach Daaden wurde 1885/86 eine Stichbahn eröffnet, 1887/88 folgte die Querverbindung von Kirchen nach Freudenberg, später bis Olpe (1907) und 1890 kam die Wissertalbahn von Wissen nach Morsbach hinzu. Schließlich fand die Kasbachtalbahn von Linz am Rhein in Flammersfeld Anschluss an die Linie Siershahn–Altenkirchen.

Das Gebhardshainer Land erschloss der Kreis Altenkirchen selbst durch die 1913 eröffnete und später immer wieder erweiterte „Kreis-Kleinbahn Scheuerfeld-Nauroth“, die als Westerwaldbahn des Kreises Altenkirchen GmbH noch heute besteht und den Verkehr auf der Staatsbahnstrecke von Betzdorf nach Daaden (Daadetalbahn) sowie der Hellertalbahn übernommen hat.

In Herdorf beginnt seit 1907/08 die heute zur KSW Kreisbahn Siegen-Wittgenstein GmbH gehörende Freien Grunder Eisenbahn.

Der Personenverkehr wurde auf mehreren Nebenbahnen mit einer Gesamtlänge von 78 km zwischen 1945 und 1984 eingestellt:

1945: Morsbach – Wisserhof – Wissen 6 km, Neustadt – Peterslahr – Flammersfeld 10 km, Weitefeld – Emmerzhausen – Flugplatz Lippe, 13 km 1950: Herdorf Nbf. – Salchendorf – Wilden, 1 km (Freien Grunder Eisenbahn) 1950/51: Bindweide – Rosenheim – Nauroth, 5 km 1957: Elkenroth – Weitefeld, 3 km 1960: Scheuerfeld – Bindweide – Elkenroth, 14 km (schrittweise Schließung der ursprünglichen Westerwaldbahn; Güterverkehr bis Weitefeld) 1983: Olpe – Oberasdorf – Wehbach – Kirchen, 12 km (südl. Asdorftalbahn) 1984: Siershahn – Flammersfeld – Altenkirchen, 14 km (zentrales Teilstück der Bahnstrecke Engers–Au)

Es verblieben 63 km für den Personenverkehr, also weniger als die Hälfte des vorherigen Netzes.