Der Mauerpark ist eine Parkanlage in Berlin-Prenzlauer Berg. Von Bürgerinitiativen 1990 erstmals bepflanzt, 1994 nach Plänen von Gustav Lange eröffnet und bis 2020 mehrfach erweitert, folgt der Park dem Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer entlang der Schwedter Straße. Als populäres Naherholungsgebiet zählt der Mauerpark mit seinem Flohmarkt und den zahlreichen Straßenmusikern zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins.Hauptstadtportal des Landes Berlin: Sehenswürdigkeiten in Berlin. Bei: berlin.de Bau und Erweiterung des Parks waren über Jahrzehnte hinweg ein komplexes politisches Konfliktfeld verschiedener Bürger- und Verwertungsinteressen.
Lage Der langgezogene Park liegt gut zwei Kilometer nördlich des Roten Rathauses im Gleimviertel (Ortsteil Prenzlauer Berg, Bezirk Pankow). Seine Westseite markiert die Grenze zum Brunnenviertel (Ortsteil Gesundbrunnen, Bezirk Mitte). Im Norden verläuft die Ringbahn, im Osten grenzt der Park im oberen Teil an die Schwedter Straße, im unteren an den Falkplatz und den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Im Süden liegen Bernauer Straße und Eberswalder Straße. Auf einer Fläche von gut 14,3 Hektar erstreckt sich der Park über knapp einen Kilometer Länge in Nord-Süd-Richtung. Im südlichen Teil ist er gut 200 m, im kleineren, nördlichen Teil, 50 m breit.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Geoportal Karte: Berlin Zoom. stadt-berlin.de
Der Mauerpark ist Teil des Grünen Bandes Berlin und grenzt im Norden an das Landschaftsschutzgebiet Nr. 52 Ehemaliger Mauerstreifen, Schönholzer Heide und Bürgerpark.Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz: berlin.de Grünes Band Berlin./
Topographie mini|links|Lageplan, nicht genordet, 2022
Der Park folgt in seiner gesamten Läge den ehemaligen Grenzbefestigungsanlagen der Berliner Mauer entlang der nördlichen Schwedter Straße. Sein Gelände ist weitgehend flach, einzig auf der Südostseite gibt es eine etwa 350 m lange und bis zu elf Meter hohe, dem Park zugewandte Böschung.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Geoportal Berlin, Karte: ATKIS® DGM - Digitales Geländemodell. stadt-berlin.de Diese gehört zum Bauwerk des angrenzenden Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions.
Der Park wird vom Gleimtunnel in einen kleinen Nord- und einen großen Südteil getrennt. Zentral im Südteil liegt eine etwa 400 m × 50 m große Rasenfläche. Diese ist umgeben von einem in die Böschung gebauten Amphitheater, einem Auslaufgelände für Hunde, einer teilasphaltierten Fläche für einen sonntäglichen Flohmarkt sowie zwei Kinderspielplätzen und weiteren Liegewiesen. Daran angrenzend liegt ein Gemeinschaftsgarten sowie ein Birkenwäldchen. Im Nordteil des Parks befinden sich eine Kletterwand, ein Spielplatz, ein Senkgarten, sowie die Jugendfarm Moritzhof.
Über fast die gesamte Länge des Südteils erstrecken sich vier parallel laufende Wege: Die mit Großstein gepflasterte und für den Kraftverkehr gesperrte Schwedter Straße sowie drei weitere asphaltierte Fuß- und Radwege. Die einzige Überquerung in Ost-West-Richtung besteht zwischen dem Falkplatz und dem Parkeingang an der Lortzingstraße.
Bauwerke Überreste der Berliner Mauer sind nur wenige erhalten: Oben auf der Stadionböschung steht ein 300 m langes Stück der Hinterlandsicherungsmauer, unten am Parkeingang Bernauer Straße ist in einem archäologischen Fenster das Fundament einer Fahrzeugsperre freigelegt und in der Pflasterung der Schwedter Straße sind entlang der Westseite zahlreiche Fundamente von Pfeilern einer alten Grenzsicherungsanlage markiert.Stiftung Berliner Mauer: Fahrzeugsperre Mauerpark. mauerspuren.de.Landesdenkmalamt Berlin: Mauerpark. berlin.de. An der Eberswalder Straße steht auf dem Gelände des Hundeauslaufs ein einzelner, großer Lichtmast der ehemaligen Grenzanlage.Standort: Eberswalder- Ecke Schwedter Straße neben einer Pyramidenpappel (Stand: Januar 2024).
mini|hochkant=0.8|Karaoke im Amphitheater, 2012
Am Parkeingang Bernauer Straße befinden sich einige größere Hütten mit Gastronomiebetrieb, in die Böschung ist ein aus rohen Granitblöcken gebautes Amphitheater integriert, und dem gegenüber steht auf der Westseite des Parks die Kartoffelhalle, eine Metalllagerbaracke, die zu einem Kulturzentrum ausgebaut werden soll.
Das größte Gebäude auf dem Gelände des Mauerparks ist die Jugendfarm Moritzhof, ein 1999 nach ökologischen Vorgaben errichtetes, zweigeschossiges Holzhaus mit angeschlossenen Stallungen. Am Parkeingang Lortzingstraße steht ein mit Granitblöcken eingefasstes Rondell mit einem großen Steintisch im Zentrum. Die roh behauenen hellen Blöcke aus Striegauer Granit sind zentrales und charakteristisches Element von Gustav Langes Parkgestaltung. Sie dienen zugleich als Begrenzungssteine und Sitzgelegenheiten.
Flora Zu den ältesten Pflanzen im Park gehören einige Spitzahorn- und Feldahornbäume (Acer platanoides, Acer campestre) von 1971 bis 1980 auf dem Gelände der Hundeauslauffläche. Von der Baumpflanzaktion der Grünen Liga 1990 sind einige Rosskastanien (Aesculus hippocastanum) und Birken-Pappeln (Populus simonii) zwischen Mauerpark und Falkplatz erhalten.Detaillierte Karte des Baumbestandes siehe: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Geoportal Berlin, Karte: Baumbestand Berlin stadt-berlin.de
mini|Apfelbäume, Pyramidenpappeln und Wiesensalbei auf der Böschung, 2020
Der Großteil des Bestandes wurde ab 1994/1995 gepflanzt. Aus dieser Zeit – und mittlerweile prägend für den Park – stammen die zahlreichen, bis zu 35 m hohen italienischen Pyramidenpappeln (Populus nigra italica), die sowohl unten als auch oben an der von Wiesensalbei (Salvia pratensis) übersäten Stadionböschung gesetzt wurden. Am südlichen Parkeingang entlang der Schwedter Straße sowie auf der Böschung stehen mehrere Dutzend weißblühende Zierapfelbäume (Malus spec.). Im weiteren Verlauf durchquert die Schwedter Straße eine Gruppe Eschen (Fraxinus), verläuft entlang zahlreicher Wacholderhecken zum Amphitheater, flankiert von einigen Pyramiden-Eichen (Quercus robur ‚Fastigiata‘), und mündet am Boule-Spielplatz in eine Gruppe Japanischer Schnurbäume (Sophora japonica). Zwischen Schwedter Straße und Falkplatz hat sich am nördlichen Ende unter einer Gruppe von Weidenbäumen ein kleiner Röhricht aus Schilfgras gebildet. Westlich davon befindet sich das Birkenwäldchen, bestehend aus mehr als 250 Sand-Birken (Betula pendula).
Um das Jahr 2000 wurde die heutige Allee Linie der ungleichen Dinge bepflanzt. Dort finden sich Schwedische Mehlbeeren (Sorbus intermedia), zahlreiche Robinien (Robinie pseudoacaria), Rosskastanien (Aesculus hippocastanum), Birnbäume und mehrere Vogelkirschen (Prunus avium), die am Rondell an der Lortzingquerung von einer Gruppe Waldkiefern (Pinus sylvestris) ergänzt werden. Um die sogenannte Kartoffelhalle wurde eine Allee Ahornblättriger Platanen (Platanus x hispanica) gepflanzt, ferner Zerr-Eichen und Scharlach-Eichen (Quercus zerriss, Quercus coccinea) sowie Purpur-Erlen (Alnus spaethii).Gustav Lange und Breimann Bruun Simons Landschaftsarchitekten: Bürgerwerkstatt „Mauerpark Fertigstellen“. Vorstellung der Entwurfsplanung vom Nördlichen Teilbereich. Präsentationsfolien vom 24. September 2015. mauergarten.net
Nördlich des Gleimtunnels wächst eine Gruppe Kultur-Birnen (Pyrus communis), der daran anschließende Senkgarten ist von einer großen Hecke von Rotbuchen eingefasst, und vis-à-vis dem Moritzhof steht eine Gruppe rosablühender Sauerkirschen (Prunus cerasus). Um den Spielplatz am nördlichen Ende des Parks wachsen einige große Silber-Weiden (Salix alba) sowie mehrere Zierkirschen (Prunus speciosus). Nach Bauarbeiten am Parkeingang an der Bernauer Straße wurde 2020/2021 eine Gruppe von mehr als 30 Zitter-Pappeln (Populus tremula) neu angepflanzt. Die Mehrzahl der Bäume im Mauerpark galten 2019 als „geschädigt“ bis „stark geschädigt“.Gruppe Planwerk im Auftrag der Grün Berlin Stiftung: Machbarkeitsstudie Mauerpark Bestand – Zwischenbericht, Stand: 8. Mai 2019, S. 21.
Geschichte vor 1990
18. Jahrhundert: Landwirtschaftliche Nutzung Das Gebiet des heutigen Mauerparks lag im 18. Jahrhundert vor den Toren der Stadt und war Teil der nördlichen Feldmark, die in die Berliner Hufen eingeteilt war, die traditionelle Flur der städtischen Ackerbürger.Alexander Haeder, Ulrich Wüst: Prenzlauer Berg. Besichtigung einer Legende. Q Edition, 1994, S. 60. 1780 wurde das Gebiet zwischen heutiger Schönhauser Allee und Schwedter Straße auf königlichen Erlass in den Acker Tractus des Vorwerks Niederschönhausen eingegliedert. Als das Vorwerk nach 1820 vor dem Konkurs stand, wurden die Berliner Hufen separiert und veräußert. Der Prenzlauer Unternehmer Wilhelm Griebenow kaufte das Gelände 1823 in der Absicht, es zu parzellieren und gewinnbringend wieder zu veräußern.Felix Escher: Berlin und sein Umland. Zur Genese der Berliner Stadtlandschaft bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts (= Einzelveröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 47; Publikationen der Sektion für Geschichte Berlins, Band 1). Berlin 1985, S. 161. Noch bis 1862 hieß die Schwedter Straße Verlorener Weg, als Weg, der sich zwischen landwirtschaftlichen Flächen „im Nichts verliert“.Alexander Haeder, Ulrich Wüst: Prenzlauer Berg. Besichtigung einer Legende. Q Edition, 1994, S. 53.
Ab 1825 preußischer Exerzierplatz 1825 verkaufte Griebenow eine Parzelle für 10.000 Taler an den preußischen Militärfiskus, der dort für das Kaiser-Alexander-Regiment einen Exerzierplatz anlegte, der bis ins frühe 20. Jahrhundert genutzt wurde.Wilhelm Griebenow: Wilhelm Griebenow's Erlebnisse. Selbstverlag des Verfassers, Berlin 1864; S. 171.Der Kaiser besuchte … In: Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 2. März 1907, S. 4 via: Digitales Wörterbuch der Deutschen Sprache. dwds.de. Im Volksmund wurde dieser „Exerzierplatz zur einsamen Pappel“ genannt. Namensgebend war eine Pappel, die als Solitär an der heutigen Topsstraße stand.Hans Meier-Welcker: Seeckt. Bernard und Graefe Verlag, Frankfurt 1967, S. 519 1829 wurde das Gelände als Teil der damaligen Rosenthaler Vorstadt nach Berlin eingemeindet.
Bekannt wurde der Exerzierplatz als Ort einer großen Arbeiterdemonstration während der Märzunruhen 1848. Rund 20.000 Teilnehmer protestierten gegen den preußischen König und forderten kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne sowie die Einführung einer allgemeinen Schulpflicht.Petra Gubitzsch: Prenzlauer Berg. Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke. Stapp, Berlin 1995; S. 93.
Bahnhofsgelände, 1877–1985
Westlich des Exerzierplatzes entstand ab 1871 der Endbahnhof der Berliner Nordbahn (Berlin – Stralsund), damals genannt Nordbahnhof. Als Kopfbahnhof erstreckte er sich von der Bernauer Straße bis zur Ringbahn. Sein Gelände wurde mittels Bauschutt eingeebnet und liegt seitdem zwischen ein und vier Meter höher als die umliegenden Straßen.Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: Begründung zum Bebauungsplan 3-64, Stand: 5. Oktober 2022, S, 55. parlament-berlin.de Begonnen von einer privaten Gesellschaft, gelangte der Bahnhof noch während der Bauarbeiten in staatliche Hand und wurde am 1. Oktober 1877 als Güterbahnhof eröffnet. Der Personenverkehr wurde über den nahen Stettiner Bahnhof (den heutigen Nordbahnhof) abgewickelt. Nur zwischen 1892 und 1898 war auch an der Bernauer Straße ein kleiner Personenbahnhof in Betrieb, der den Stettiner Bahnhof entlasten sollte. Als Provisorium war er ebenso schmucklos und funktionell angelegt wie die gesamte Anlage des Güterbahnhofs.Architekten- und Ingenieursverein Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Band 1. Nachdruck der Ausgabe von 1896. Ernst, Berlin 1988, S. 275–276.
1950 wurde der Bahnhof umbenannt in Berlin Eberswalder Straße. Als Güterumschlagplatz wurde er noch bis in die 1970er Jahre genutzt, 1985 wurde er von der Deutschen Reichsbahn stillgelegt. Heute liegt der Großteil des Mauerparks auf dem Gelände des alten Bahnhofs.
Spätes 19. Jahrhundert: der Exerzierplatz wird zum Sportplatz