Groß-Gerau ist die Kreisstadt des südhessischen Landkreises Groß-Gerau. Die Mittelstadt liegt im südlichen Rhein-Main-Gebiet und übernimmt gegenüber ihrem Umland die Funktion eines Mittelzentrums.

Geografie Geografische Lage Groß-Gerau liegt im Norden des hessischen Rieds in der Oberrheinischen Tiefebene, unweit von Rhein und Main entfernt. Wenige Kilometer südwestlich liegt das größte hessische Naturschutzgebiet der Kühkopf-Knoblochsaue mit der Schwedensäule.

Nachbargemeinden

Groß-Gerau grenzt im Norden an die Gemeinde Nauheim, im Nordosten an die Stadt Mörfelden-Walldorf, im Osten an die Gemeinde Büttelborn (deren Ortsteil Klein-Gerau die Benennung der Stadt Groß-Gerau erklärt), im Südosten an die Stadt Griesheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg), im Süden an die Stadt Riedstadt, sowie im Westen an die Gemeinde Trebur.

Stadtgliederung Groß-Gerau gliedert sich in die Kernstadt und vier weitere Stadtteile, die nachfolgend mit Einwohnerzahl genannt sind (Stand: 31. Dezember 2022): Stadtteil Einwohnerzahl Groß-Gerau, Kernstadt 17.571 Berkach 1147 Dornberg 426 Dornheim 5146 Wallerstädten 2716 Summe 27.006

Da in Groß-Gerau Ortsbezirke nicht eingerichtet worden sind, haben diese Stadtteile nur den Rang von Gemarkungen und statistischen Bezirken.

Hinzu kommen im Norden der Kreisstadt Groß-Gerau die Siedlung Nord, südlich der Kernstadt Groß-Gerau die Siedlung Auf Esch und im Süden der Kreisstadt Groß-Gerau die Siedlung Am Schwarzen Berg, welche dem Stadtteil Dornheim zugeordnet ist. Diese Siedlungen werden als eigene Stadtviertel wahrgenommen.

Aktuelle und historische Siedlungsplätze Quelle: Historisches Ortslexikon Berkacher Weg Burg Dornberg Stadtteil Dornberg Forsthaus Falltorhaus Wüstung Hamelsburg Ortsteil Heimstättensiedlung Hof Obstplantage Gehöftgruppe Woogsdamm

Klima

Geschichte Historische Namensformen In historischen Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Geraha marca (910) Geraha (1002/09/13) Gerahe (1257) Gerhahe (1277) Gera (1311) major et minor villa Gera (1319) Gera, major et minor villa (1319) Groizen Gera (1341) maius Gera (1355) Gerau (1368) Gerauwe (1368) Grozen Geraw (1371) Girrauwer (um 1375) Gerau parvum et magnum (1403) Geraw (1420) Groißen Gerauwe (1460) Großen Geraw (1613)

Ortsgeschichte mini|Groß Gerau – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian dem Jüngeren 1655 mini|Das erste Automobil 1896 in Groß-Gerau mini|Ein Lokomobil als Dreschmaschine in der Darmstädter Straße am Ende des 19. Jahrhunderts

Schon in der römischen Zeit hatte das heutige Stadtgebiet eine höhere Bedeutung. Das Kastell Groß-Gerau im Bereich des Stadtteils „Auf Esch“/Fasanerie sicherte den Brückenkopf der römischen Provinzhauptstadt Mainz, noch bevor der Limes angelegt und das heutige Südhessen römisch wurde. Die B 44 ist in ihrem Verlauf von der Südspitze der Fasanerie bis Dornheim mit der Römerstraße von Mainz über Groß-Gerau nach Ladenburg identisch; sie lief auf das Südtor des Kastells zu. Mit der Gründung der Civitas Auderiensium gab man das Kastell auf, der Lagervicus blieb als Marktort bestehen. Die räumliche Nähe dieses Vicus zu der später erwähnten mittelalterlichen Wasserburg Dornberg wird kein Zufall sein.

Die Gerauer Mark (das Waldgebiet zwischen Wallerstädten und Messel) wurde 910 in einer Schenkungsurkunde des Mainzer Erzbischofs Hatto I. erstmals urkundlich erwähnt. In der Folgezeit herrschten in der Region die Herren von Dornberg, bei denen es sich möglicherweise um Dienstleute der staufischen Kaiser in der Frankfurter Pfalz handelte (1160 Erwähnung der Wasserburg im Gebiet des heutigen Dornbergs, später Schloss Dornberg). Nach dem Aussterben der Herren von Dornberg traten die aus dem Westerwald und Mittelrheingebiet stammenden Grafen von Katzenelnbogen deren Nachfolge an und erwirkten 1398 für Groß-Gerau die Stadtrechte. Im Jahr 1479 starb Graf Philipp I. der Ältere von Katzenelnbogen ohne männlichen Nachfolger, und die Grafschaft fiel an die Landgrafschaft Hessen.

1557 gab es in den 35 Pfarreien der Obergrafschaft nur drei „aus kirchlichen Mitteln unterhaltene – gut eingerichtete Schulen“ nämlich in Darmstadt, Groß-Gerau und Zwingenberg. Noch vor dem Tode des Landgrafen Philipp I. von Hessen im Jahr 1567 kam eine weitere in Auerbach hinzu. Damit gehört Groß-Gerau zu den ältesten Schulstandorten in Hessen. 1578 wurde mit dem Bau des Rathauses begonnen. Hier tagten das Schöffengericht und die landgräflich eingesetzten Schultheiße. Die Rathaus-Apotheke besteht seit 1701 und ist die älteste Apotheke der Obergrafschaft außerhalb von Darmstadt.

Die Groß-Gerauer Stadtkirche wurde 1634 von kaiserlichen Truppen im Dreißigjährigen Krieg in Brand gesteckt. Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt erneuerte 1663 die Stadtrechte gegen eine Zahlung von 24.000 Gulden. Diese Rechte beinhalteten den Wegfall der Frondienste, Erhebung von Markt-Standgeldern, Vertretung im Landtag und das Recht, Juden aus der Stadt zu verjagen.

Verwaltungsmäßig gehörte das hessische Groß-Gerau bis 1821 zum „Amt Rüsselsheim“. Durch die Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum Hessen wurde der Ort dem Landratsbezirk Dornberg der Provinz Starkenburg zugeteilt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtete 1829 über Groß-Gerau:

1832 wurde die Provinz Starkenburg in Kreise aufgeteilt und Groß-Gerau kam zum Kreis Groß-Gerau, zunächst mit Sitz in Dornberg. Diesem Kreis gehörte es dann, nur unterbrochen durch die Aufteilung von Starkenburg in Regierungsbezirke, bis heute an. Von 1848 bis 1852 gehörte es zum Regierungsbezirk Darmstadt. Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es auch zu einer neuen Kreiseinteilung. Aufgrund dieser Reform wurde Groß-Gerau Kreisstadt des bis heute nahezu unveränderten Kreisgebiets Groß-Gerau.

Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen-Darmstadt von 1821 bis 1879 das Landgericht Großgerau und ab 1879 das Amtsgericht Groß-Gerau.

Im 19. Jahrhundert begann auch hier die Industrialisierung. Bedingt durch den Anschluss an die Hessische Ludwigsbahn mit den Strecken Darmstadt-Mainz 1858 und Frankfurt am Main-Mannheim 1879 (Riedbahn) konnte sich ein vielfältiges Gewerbeleben entwickeln. Die Stadt wurde Sitz von Metallverarbeitung (Faulstroh – FAGRO), Konservenfabriken (Helvetia), Käsereien (in GG wird der Mainzer Käse hergestellt) und der Zuckerindustrie. Von 1869 bis 1871 war Groß-Gerau das Epizentrum einer Reihe von etwa 2000, meist schwachen, Erdbeben. 1896 wurde der Bau einer Dampfstraßenbahn von Darmstadt über Groß-Gerau nach Oppenheim diskutiert, aber nicht verwirklicht.Franz Flach: Gerauer Geschichten. 600 Jahre Stadt- und Marktrechte. Groß-Gerau 1997, S. 58 f.

Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Groß-Gerauer Synagoge vollständig zerstört. Seit 1978 erinnert ein Gedenkstein an den damaligen Standort der Synagoge in der Frankfurter Straße.

Im Juni 1994 war Groß-Gerau Austragungsort des Hessentags.

Eingemeindungen Zum 1. April 1939 wurde Dornberg in die Stadt Groß-Gerau eingemeindet. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen ließ sich die Gemeinde Berkach am 31. Dezember 1971 freiwillig nach Groß-Gerau eingliedern. Abschließend wurden zum 1. Januar 1977 kraft Landesgesetzes die Stadt Groß-Gerau und die Gemeinden Dornheim und Wallerstädten zur neuen Stadt Groß-Gerau zusammengeschlossen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Groß-Gerau angehört(e):

vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Dornberg ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Rüsselsheim ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft, Amt Rüsselsheim ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Rüsselsheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DornbergTrennung zwischen Justiz (Landgericht Großgerau) und Verwaltung ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1871: Deutsches Reich,Deutsche Reichsgründung Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Groß-Gerau ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Groß-GerauIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Groß-Gerau

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 / Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Groß-Gerau 23.739 / 24.887 Einwohner. Darunter waren 3821 / 5133 (16,1 / 20,6 %) Ausländer, von denen 1638 / 2324 aus dem EU-Ausland, 1421 / 1546 aus anderen europäischen Ländern und 762 / 1266 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 15,9 / ? % einen Migrationshintergrund. Nach dem Lebensalter waren 4151 / 4561 Einwohner unter 18 Jahren, 10234 / 9437 zwischen 18 und 49, 5039 / 5671 zwischen 50 und 64 und 43157 / 5222 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 10160 / 6528 Haushalten. Davon waren 3276 / ? Singlehaushalte, 2898 / 2848 Paare mit Kindern und 2966 / 2866 Paare ohne Kinder, sowie 771 / 815 Alleinerziehende und 249 / ? Wohngemeinschaften. In 1980 / 999 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 7146 / 4544 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1600: 171 Herdstätten 1629: 170 Hausgesesse 1636: 10 Einwohner 1806: 1545 Einwohner, 236 Häuser 1829: 1719 Einwohner, 235 Häuser 1867: 2542 Einwohner, 346 Häuser

Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 11.027 98.042 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 +17,3 % +5,4 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 69,8 % 75,9 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 30,2 % 24,1 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 1.518 13.048 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 +20,4 % −9,6 % +9,0 % +8,8 %

Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk Hessen Produzierendes Gewerbe 2000 29,1 % 43,8 % 27,0 % 30,6 % 2017 21,6 % 33,2 % 20,4 % 24,3 % Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 27,4 % 27,6 % 26,4 % 25,1 % 2017 25,4 % 27,9 % 24,7 % 23,8 % Unternehmensdienstleistungen 2000 14,5 % 14,0 % 25,1 % 20,2 % 2017 16,9 % 19,9 % 31,6 % 26,1 % Sonstige Dienstleistungen 2000 28,4 % 13,7 % 20,1 % 22,5 % 2017 35,8 % 18,6 % 23,0 % 25,4 % Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 0,6 % 1,0 % 1,4 % 1,5 % 2017 0,3 % 0,5 % 0,3 % 0,4 %

Religion Historische Religionszugehörigkeit