Der Saarpfalz-Kreis (bis 1989 Saar-Pfalz-Kreis) ist eine Gebietskörperschaft im Saarland. Er ist der Rechtsnachfolger der früheren Landkreise Sankt Ingbert und Homburg.

Geographie Lage Entgegen dem Namen liegt der Saarpfalz-Kreis nicht am Fluss Saar. Das „Saar“ im Namen ist nur eine Abkürzung für das Saarland und „Pfalz“ bedeutet hier, dass das Gebiet (bis auf den St. Ingberter Stadtteil Rentrisch) vor der Gründung des Saargebiets zur bayerischen Pfalz gehörte. Der Saarpfalz-Kreis gehört in seinem Nordteil zum Saar-Nahe-Bergland, genauer zur Sankt Ingbert-Kaiserslauterer Senke. Nördlich von Homburg reicht der Landkreis in die westpfälzische Moorniederung hinein. Kennzeichnend für dieses Gebiet sind Moorbildungen. Der Südteil gehört zum pfälzisch-saarländischen Muschelkalkgebiet mit den östlichen Untereinheiten des Saar-Blies-Gaues. Dazwischen liegt das Sankt Ingbert-Kirkeler Waldgebiet. PDF-Datei abgerufen am 16. Oktober 2011siehe auch Artikel Nordfranzösisches Schichtstufenland und Artikel Liste der naturräumlichen Einheiten im Saarland Den Bliesgau prägen waldfreie große Ebenen, die meist landwirtschaftlich oder als naturnahe Streuobstwiesen genutzt werden.

Berge Die höchsten Erhebungen im Landkreis sind der Höcherberg in Höchen mit , der Betzentaler Berg () in St. Ingbert und der Große Kahlenberg () in Böckweiler.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an den Regionalverband Saarbrücken und an den Landkreis Neunkirchen (beide im Saarland) sowie an die Landkreise Kusel, Kaiserslautern, Südwestpfalz und an die kreisfreie Stadt Zweibrücken (alle in Rheinland-Pfalz). Im Süden grenzt er an Frankreich mit dem Landkreis Saargemünd des Département Moselle innerhalb der Region Lothringen (seit 2015 Region Grand Est).

Geschichte 1816 fiel das Gebiet des heutigen Saarpfalz-Kreises (mit Ausnahme der ehemaligen Gemeinde Rentrisch) als Folge des Wiener Kongresses an das Königreich Bayern und gehörte nach 1818 innerhalb des bayerischen Rheinkreises zum Landkommissariat Homburg und zum Landkommissariat Zweibrücken, die 1862 in Bezirksämter umbenannt wurden. 1902 wurden aus dem Bezirksamt Zweibrücken die Distrikte St. Ingbert und Blieskastel abgetrennt und daraus das Bezirksamt St. Ingbert geformt.

mini|hochkant|Erste Erwähnung der Saarpfalz (1922)

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Zuge des Versailler Vertrages das Saargebiet aus überwiegend preußischem, teils auch bayerischem Gebiet gebildet und vom Deutschen Reich abgetrennt. Der bayerische Teil umfasste das Bezirksamt St. Ingbert und Teile der Bezirksämter Homburg (mit der Stadt Homburg) und Zweibrücken (ohne die Stadt Zweibrücken) mit 55 Gemeinden und wurde damals erstmals als Saarpfalz bezeichnet.Die Saarpfalz, In: Zeitschrift des Bayerischen Statistischen Landesamts, 54. Jahrgang 1922, S. 434–439. 1920 bis 1935 wurde das neue Saargebiet unter Völkerbundmandat gestellt. Aus den Teilen der Bezirksämter Homburg und Zweibrücken wurde ein neues Bezirksamt Homburg mit ganz anderem Zuschnitt geformt. 1935 kam das Saargebiet unter dem neuen Namen Saarland wieder zum Deutschen Reich. 1938 wurden die beiden Bezirksämter St. Ingbert und Homburg in die beiden Landkreise St. Ingbert und Homburg überführt. Das Saarland wurde 1935 mit der Pfalz zu einem neuen Parteigau der NSDAP und später auch zu einer Verwaltungseinheit zusammengeschlossen, die den Namen Saarpfalz trugen, welcher somit ein wesentlich größeres Gebiet als das 1922 und heute so bezeichnete Gebiet umfasste. 1941 wurde der Name dieses bis 1945 bestehenden Gebiets in Westmark geändert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die beiden Landkreise St. Ingbert und Homburg mit dem Saarland erneut vom Deutschen Reich abgetrennt und kamen 1957 mit diesem zur Bundesrepublik Deutschland.

Im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform im Saarland wurde am 1. Januar 1974 aus den beiden Landkreisen der neue Saar-Pfalz-Kreis gebildet (ohne Ensheim und Eschringen, die bis dahin zum Kreis St. Ingbert gehörten, und ebenso wie Schnappach, das baulich mit Sulzbach verschmolzen war, zum Regionalverband Saarbrücken kamen). Dafür wurde das bis dahin zum Landkreis Saarbrücken gehörende einst preußische Rentrisch als Stadtteil nach St. Ingbert eingemeindet.

Im Jahre 1989 wurde die Schreibweise geändert in Saarpfalz-Kreis. Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Saarpfalz-Kreis die vier Städte Homburg, Sankt Ingbert, Bexbach und Blieskastel sowie drei Gemeinden, Mandelbachtal, Gersheim und Kirkel. Größte Stadt des Kreises ist die Kreisstadt Homburg, kleinste Gemeinde ist Gersheim.

Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungspyramide für den Saarpfalz-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Kreis Saarpfalz-Kreis, Alter + Geschlecht)

Jahr Einwohner Quelle 1974 155.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975 1980 152.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 154.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992 2000 157.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002 2010 149.240 2016 144.100

Konfessionsstatistik Gemäß Zensus 2011 waren von den Einwohnern des Landkreises 54,3 % römisch-katholisch, 27,5 % evangelisch und 18,2 % gehörten sonstigen oder keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaft an.Tabellenanhang Seite 60, abgerufen am 3. April 2021 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken, während der Anteil der Einwohner mit sonstiger Konfession oder ohne Konfession zugenommen hat. Gemäß dem Zensus 2022 waren im Jahr 2022 43,6 % der Einwohner katholisch, 21,7 % evangelisch, und 34,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion) Merkmal Landkreise und kreisfreie Städte, abgerufen am 11. September 2024

Laut kirchlicher Statistik gab es am Ende 2025 im Vergleich zu 2022 6300 weniger katholische Kirchenmitglieder (zirka 4,4 Prozentpunkte).Kirchliches Leben im Dekanat Saarpfalz 1980 - 2025 in Zahlen, abgerufen am 26. März 2026 Mehr als viermal so viele Menschen sind im Jahr 2023 im Saarpfalz-Kreis aus der katholischen Kirche ausgetreten als getauft wurden oder eingetreten sind.Kirchengemeinschaften in Homburg schrumpfen, abgerufen am 19. Juli 2025

Christentum Seit der Reformation waren im Gebiet des heutigen Saarpfalz-Kreises drei Konfessionen vertreten: Nassau-Saarbrücken hatte sich der lutherischen Richtung der Reformation und Pfalz-Zweibrücken dem reformierten Bekenntnis zugewandt, während das Amt Blieskastel mit St. Ingbert der katholischen Kirche anhing.

Das Königreich Bayern setzte nach 1816 auf eine gesteuerte Union der beiden protestantischen Bekenntnisse. Während sich in den bayerischen Stammlanden die Gemeinden Anfang 1818 in einer Befragung gegen die Union aussprachen, kam es in der bayerischen Pfalz zu einer deutlichen Mehrheit für die Union, die von der Generalsynode beider Bekenntnisse im August 1818 in Kaiserslautern vollzogen wurde. Die neue Kirche nannte sich „Vereinigte Protestantische-Evangelische-Christliche Kirche der Pfalz“. Sie unterstand zunächst dem Konsistorium in München und wurde 1848 eine selbstständige Kirche, die seit 1976 die Bezeichnung Evangelische Kirche der Pfalz (Protestantische Landeskirche) führt. Eine Ausnahme bildet der St. Ingberter Ortsteil Rentrisch, der zur Evangelischen Kirche im Rheinland gehört.

Die katholische Bevölkerung gehört (im Gegensatz zum Rest des Saarlandes, das zum Bistum Trier zählt) zum Bistum Speyer. Dabei folgt die Bistumszugehörigkeit den historischen Grenzen.

Politik

Kreistag Der Kreistag ist die kommunale Volksvertretung im Saarpfalz-Kreis. Über seine Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre.

Die Kreistagswahl am 9. Juni 2024 führte zu dem rechts dargestellten Ergebnis und der daraus folgenden Sitzverteilung:Kreistagswahl 2024 – Saar-Pfalz Kreis, Ergebnis

Übersicht über die Ergebnisse vergangener KreistagswahlenKreistagswahlen 1984 bis 2019 im Saarland nach Kreis Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 %1994 %1989 %1984CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands31,31130,51036,91335,01345,01744,436,334,540,8SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands29,41028,01035,11331,81133,71239,842,243,742,6AfDAlternative für Deutschland15,659,834,91––––––––Grüne Bündnis 90/Die Grünen7,3214,056,226,326,524,97,46,06,5FWGFreie Wählergemeinschaft Saarpfalz-Kreis5,624,512,71––––––––FamilieFamilien-Partei Deutschlands4,113,713,714,615,923,52,2––LinkeDie Linke3,915,825,7210,33––––––FDPFreie Demokratische Partei2,913,711,906,924,202,42,64,13,7SonstigeSonstige––––2,805,114,605,09,411,36,0Gesamt1003310033100331003310033100100100100Wahlbeteiligung 67,9 % 67,2 % 56,1 % 58,4 % 56,2 % 59,0 % 73,9 % 79,6 % 79,8 %

Landrat Liste der Landräte 1. Januar 1974 bis 31. Mai 1985: Albert Schwarz (CDU) 1. Juni 1985 bis 25. Juni 2015: Clemens Lindemann (SPD) 26. Juni 2015 bis 1. Juni 2025: Theophil Gallo (SPD) seit 2. Juni 2025: Frank John (SPD)Landrat Frank John tritt Amt im Saarpfalz-Kreis an, SR Info, abgerufen am 9. Juni 2025

Landratswahlen Ergebnis der Direktwahl des Landrates vom 25. Mai 2014: Kandidat Partei Wahlergebnis Theophil Gallo SPD 50,4 % Peter Nagel CDU 49,6 %

Ergebnis der Direktwahl des Landrates vom 23. Juni 2024: Kandidat Partei Wahlergebnis Frank John SPD 60,64 % Klaus-Ludwig Fess CDU 40,36 %

Partnerschaften Henrico County, Virginia (Vereinigte Staaten) Département Moselle (Frankreich) Powiat Przemyski (Polen) Powiat Łańcucki (Polen) Rajon Pustomyty (Ukraine)

Wappen Das heutige Wappen verlieh das saarländische Innenministerium dem Saarpfalz-Kreis am 21. Mai 1975. Es ist geviert und geprägt von den historischen Herrschaftsräumen der Region. Der goldene Löwe im schwarzen Feld weist auf die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken hin. Das rote Kreuz auf Silber symbolisiert die 300-jährige Zeit des Erzbistums Trier.

Der blaue Abtsstab im goldenen Feld steht für die Familie von der Leyen von 1660 bis 1793 und deren Besitztümer. Der silberne Löwe im roten Feld vertritt die Herrschaft Homburg, die 1449 an die Grafen von Nassau-Saarbrücken gelangte.

Verwaltung, Wirtschaft und Infrastruktur mini|Gebäude der Kreisverwaltung in Homburg Behörden Kreisverwaltung des Saarpfalz-Kreises in Homburg Gesundheitsamt Amtsgericht in Homburg und St. Ingbert Finanzamt in Homburg und St. Ingbert Landesverwaltungsamt Saarland in St. Ingbert mehrere Dienststellen der Polizei des Saarlandes drei Agenturen für Arbeit in den jeweiligen Städten und Gemeinden die Stadt-/Gemeindeverwaltungen

Ortsansässige Unternehmen Eine stattliche Zahl internationaler Großunternehmen wie Hager, Bosch, Michelin, INA-Schaeffler, Festo und SAP haben sich im Kreisgebiet angesiedelt, man findet aber auch eine große Zahl erfolgreicher mittelständischer Unternehmen.

Verkehr Das nördliche Kreisgebiet wird von der Bundesautobahn 6 (Mannheim–Saarbrücken) berührt und von der A 8 in Ost-West-Richtung durchlaufen. Ferner wird der Landkreis durch Bundes- und Landesstraßen erschlossen. Die wichtigsten Bundesstraßen sind die B 40 (St. Ingbert–Saarbrücken) und die B 423 (Altenglan–Homburg–Saargemünd).

Ebenso wird das Kreisgebiet von verschiedenen Strecken der Deutschen Bahn durchzogen. Die wichtigste ist die Fernstrecke Paris–Saarbrücken–Mannheim, im Kursbuch als Strecke 670 geführt, die die Gemeindegebiete St. Ingbert, Kirkel und Homburg berührt. Auf dieser Strecke verkehren unter anderem ICE- und Intercity-Züge mit Halt in Homburg. Darüber hinaus werden von der Deutschen Bahn betrieben:

Saarbrücken – St. Ingbert – Rohrbach – Zweibrücken – Pirmasens (KBS 674) Neunkirchen – Bexbach – Homburg (KBS 683) (Die Strecke Bexbach – Homburg gehört zu den ältesten Strecken Deutschlands: sie wurde 1848/49 eröffnet.)