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Pfungstadt ist eine Stadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Pfungstadt liegt etwa zehn Kilometer südwestlich von Darmstadt an der Modau im Hessischen Ried, ungefähr auf halbem Weg zwischen Frankfurt am Main und Mannheim. Nördlich der Stadt liegt der Westwald, die östliche Gemarkung Richtung Seeheim ist ebenfalls bewaldet, während die übrige Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Südlich von Pfungstadt liegen das Pfungstädter Moor und der Erlensee, östlich die Pfungstädter Düne.
Nachbargemeinden Pfungstadt grenzt im Nordwesten an die Stadt Griesheim, im Norden und Osten an die kreisfreie Stadt Darmstadt, im Südosten an die Gemeinde Seeheim-Jugenheim, im Süden an die Gemeinde Bickenbach, im Südwesten an die Stadt Gernsheim sowie im Westen an die Stadt Riedstadt (beide Kreis Groß-Gerau).
Stadtgliederung Zur Stadt gehören neben der Kernstadt noch die Stadtteile Hahn und Eschollbrücken mit seinem Ortsteil Eich.
Geschichte Ortsgeschichte Pfungstadt wurde am 18. Mai 785 erstmals im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Danach hat Graf Werinher dem Kloster Lorsch seinen Besitz vermacht. Zeugen waren sein Sohn Nanther und der Lobdengaugraf Warin.Karl Josef Minst: Lorscher Codex II. Lorsch 1970, S. 33–34. Für die Zeit zwischen 785 und 837 sind sechs Schenkungen im Kopialbuch des Klosters Lorsch belegt.Karl Josef Minst: Lorscher Codex II. Urkunden 214 bis 219 Mit dem Niedergang des Klosters Lorsch im 13. Jahrhundert kam das Dorf in den Besitz der Grafschaft Katzenelnbogen. Südwestlich der Stadt liegen die Hügelreste der Burg Wellberg. Im Jahre 1442 wurde die Zent Pfungstadt eingerichtet. Durch die Ansiedlung zahlreicher Mühlen entlang der Modau kam es zu erstem wirtschaftlichem Aufschwung. Die Grafschaft Katzenelnbogen und mit ihr der Zentort kam dann 1479 durch Heirat der Erbtochter als Erbe zur Landgrafschaft Hessen. Verwaltungsmäßig war Pfungstadt in Hessen zeitweise ein eigenes Amt bzw. gehörte zu den Ämtern Darmstadt oder Seeheim. 1821 wurde es in den Landratsbezirk Bensheim der Provinz Starkenburg im Großherzogtum Hessen eingegliedert. Heute gehört es zum Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Das Rathaus von Pfungstadt wurde 1614 gebaut und 1618 fertiggestellt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden große Teile der Ortschaft in Schutt und Asche gelegt. Im „Mansfelder Schadensverzeichnis“, das im Stadtarchiv Darmstadt aufbewahrt wird, wird von Plünderungen und Brandschatzungen berichtet. Mit der Gründung einer Krappfabrik im 18. Jahrhundert begann die Industrialisierung Pfungstadts, die ab 1845 durch die Ultramarinfabrik von Wilhelm Büchner und die Pfungstädter Brauerei von Justus Hildebrand, daneben Zündholz-, Zigarren- und Ziegelsteinproduktion geprägt war.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Pfungstadt:
Durch Büchners Aktivitäten im Hessen-Darmstädtischen Landtag wurde Pfungstadt mit einer „Secundärbahn“, der Pfungstadtbahn, an die Rhein-Neckar-Bahn angeschlossen und am 20. Dezember 1886 zur Stadt erhoben. Pfungstadt war aufgrund des armen Sandbodens nie sonderlich bäuerlich geprägt, sondern im Wesen eine Stadt der Handwerker und Arbeiter.
Zwischen 1901 und 1908 errichtete Pfungstadt ein hochmodernes Wasser- und Elektrizitätswerk, dessen Abwärme bereits 1908 über einen mehrere hundert Meter langen Kanal die benachbarte Goetheschule, deren Sporthalle und das neu errichtete Hallenbad, eines der ersten öffentlichen Hallenbäder Hessens, beheizte.
Unmittelbar nach der Besetzung durch amerikanische Truppen im März 1945 begann in Pfungstadt die Produktion der amerikanischen Soldatenzeitung „Stars and Stripes“. Pfungstadts Einwohnerzahl wuchs sehr stark durch den Zuzug von Vertriebenen aus den ehemals deutschen Gebieten im Osten. Es entstanden große Siedlungsgebiete, und auch der Katholizismus spielte danach erstmals eine nennenswerte Rolle. Mit der Währungsreform von 1948 begann ein Aufschwung. Es siedelten sich namhafte Industriebetriebe an oder wurden gegründet, auch der Wohnungsbau wurde gefördert.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Hahn und Eschollbrücken nach Pfungstadt eingegliedert. Die Eingliederung der Gemeinde Hahn erfolgte am 1. Juli 1972 freiwillig. Eschollbrücken mit dem bereits am 31. Dezember 1971 nach Eschollbrücken eingemeindeten Ortsteil Eich wurde am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz eingegliedert. Durch diese Erweiterung stieg die Bevölkerung von 16.500 auf 22.700 Einwohner an. Für die Stadtteile Eschollbrücken und Hahn wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Pfungstadt angehört(e):
vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obere Grafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen (durch Erbfall), Obere Grafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obere Grafschaft Katzenelnbogen, mehrfacher Amtswechsel zwischen Darmstadt, Seeheim und Pfungstadt (1787: Oberamt Darmstadt, Amt Pfungstadt; 1791: Zent Pfungstadt) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Pfungstadt ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BensheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Zwingenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Darmstadt ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurden die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-DieburgIn dem die Landkreise Dieburg und Darmstadt im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgingen.
Gerichte Pfungstadt war Sitz einer Zent. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg (ab 1815 Provinz Starkenburg) wurde das „Hofgericht Darmstadt“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch weiter durch die Ämter, hier das Amt Pfungstadt ausgeübt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.
Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Zwingenberg das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war weiter das Hofgericht Darmstadt. In der erstinstanzlichen Rechtsprechung wechselte die Zuständigkeit: 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt; zweite Instanz: Landgericht Darmstadt
Jüdische Gemeinde In der Zeit um 1820 hatte die Gemeinde 122 Mitglieder (4,3 % der Gesamtbevölkerung Pfungstadts), bis zur Reichsgründung waren es 260. Damals gab es in Pfungstadt eine jüdische Schule, an der Chaim Weizmann um 1893 unterrichtete. Durch Abwanderung und Auswanderung nahm die Anzahl der Gemeindemitglieder bis 1933 auf 73 ab. Während der Reichspogromnacht wütete der braune Mob auch in Pfungstadt. Die Synagoge entging allein dadurch der Niederbrennung, weil ein benachbarter Bauer zwar nicht um seine jüdischen Nachbarn, wohl aber um seine wohlgefüllte Kornscheune direkt neben der Synagoge besorgt war. Der Vorbeter der jüdischen Gemeinde wurde in dieser Nacht aus dem Fenster der Synagoge geworfen, die jüdischen Pfungstädter wurden unmittelbar danach nach dem Ghetto Theresienstadt verbracht. 1942 wurde der letzte deportierte Pfungstädter Jude ermordet.
Der Name Pfungstadt Die Herkunft des Ortsnamens ist nicht eindeutig belegt. Lange wurde sie auf den vermuteten Namen eines frühen Siedlers (Phungo?) zurückgeführt. Andere führen den Namen auf das althochdeutsche pfungAlthochdeutsches Wörterbuch, Seite 116 (PDF; 2,8 MB), abgerufen am 10. Mai 2013. für Beutel oder Geldbeutel zurück. Danach bestünde ein Zusammenhang mit der Ansiedlung eines Kaufmanns.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Pfungstadt 23.829 Einwohner. Unter den Einwohnern waren 2577 (10,8 %) Ausländer, von denen 1142 aus dem EU-Ausland, 1027 aus anderen europäischen Ländern und 409 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 20,2 % einen Migrationshintergrund. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 16,2 %.) Nach dem Lebensalter waren 4101 Einwohner unter 18 Jahren, 10.047 zwischen 18 und 49, 5031 zwischen 50 und 64 und 4650 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 10.623 Haushalten. Davon waren 3477 Singlehaushalte, 3012 Paare ohne Kinder und 2916 Paare mit Kindern, sowie 879 Alleinerziehende und 342 Wohngemeinschaften. In 2223 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 7299 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1629: 202 Hausgesesse • 1695: 44 Mann • 1806: 2029 Einwohner, 283 Häuser • 1829: 2799 Einwohner, 359 Häuser • 1867: 4732 Einwohner, 555 Häuser
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon und Stadt Pfungstadt • 1829: 2688 lutheranische (= 95,32 %), 4 reformierte (= 0,14 %), 122 jüdische (= 4,26 %) und 5 katholische (= 0,18 %) Einwohner • 1961: 9442 evangelische (= 72,27 %), 3083 römisch-katholische (= 23,60 %) Einwohner • 2000: 8839 evangelische (= 45,39 %), 4820 römisch-katholische (= 24,75 %) Einwohner • 1987: 13.201 evangelische (= 57,2 %), 5725 katholische (= 24,8 %), 4158 sonstige (= 18,0 %) Einwohner • 2011: 9830 evangelische (= 41,5 %), 5500 katholische (= 23,2 %), 230 freikirchliche (= 1,0 %), 220 orthodoxe (= 0,9 %), 710 andersgläubig (= 3,0 %), 7200 sonstige (= 30,4 %) Einwohner • 2016: 9176 evangelische (= 35,2 %), 5131 römisch-katholische (= 19,7 %) Einwohner und 11785 (= 45,2 %) Einwohner sonstiger Religionszugehörigkeit oder konfessionslos
Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 5.309 74.525 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 −16,5 % +21,1 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 71,3 % 68,3 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 28,7 % 31,7 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 1.178 15.305 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 −3,1 % +14,4 % +9,0 % +8,8 %