mini|Marktplatz von Grafing bei München

Die Stadt Grafing bei München (amtlich: Grafing b.München) ist die nach Einwohnern drittgrößte Kommune im oberbayerischen Landkreis Ebersberg, einem der wirtschaftlich stärksten Landkreise des Münchener Umlands.

Geographie Lage Grafing liegt in der Region München am Zusammenfluss von Urtelbach und Wieshamer Bach zur Attel im Alpenvorland rund 32 km südlich von Erding, 25 km westlich von Wasserburg, 28 km nordwestlich von Rosenheim, 33 km östlich der Landeshauptstadt München und nur 4 km südlich der Kreisstadt Ebersberg. Zum Flughafen München sind es etwa 43 km. Grafing verfügt über einen Anschluss zur S-Bahn, die eine Verbindung mit der Innenstadt Münchens bietet.

Grafing übernimmt gemeinsam mit der Stadt Ebersberg die zentralörtliche Funktion eines Mittelzentrums. Neben dem geschlossenen Siedlungskörper setzt sich die Gemeinde aus fünf weiteren Gemeindeteilen zusammen. Die nächstgelegenen Oberzentren sind München (30 km Luftlinie) und Rosenheim (25 km Luftlinie).

Nachbargemeinden Aßling Bruck Ebersberg Frauenneuharting

Gemeindegliederung Die Stadtgemeinde hat 27 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Elkofen, Grafing b.München, Nettelkofen, Oexing und Straußdorf.

Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Stadtgebiet: Landschaftsschutzgebiet Dobelgebiet und Atteltal im Gebiet der Stadt Grafing bei München und der Gemeinde Aßling (LSG-00382.01) Landschaftsschutzgebiet LSG „Katzenreuther Filze“ in der Stadt Grafing bei München (LSG-00429.01)

Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini|Ansicht des Markts Grafing von Michael Wening, um 1700

Um 1040 wurde Grafing erstmals urkundlich erwähnt. Der Sage nach soll der Ort auf ein im Jahr 960 vom Herzog Heinrich II. für seine spätere Ehefrau Gisela von Burgund erbautes Schloss zurückgehen.

Der Ort gewann im 13. Jahrhundert durch zwei herzogliche Mühlen und die Abhaltung von Märkten wirtschaftlich an Bedeutung. 1376 wurde Grafing das Marktrecht verliehen. 1632 kam es im Zuge des Dreißigjährigen Krieges zur Plünderung und Niederbrennung des Ortes durch die Schweden.„Anno 1632 ist hierauf der schwedische Feindt nacher Grafing kommen und hat neben den Rathhaus, so vormals mitten auf den Markhtsplaz gestantten, den ganzen Markht bis auf 8 kleine Häusl in die Aschen gelegt“, in: Stadt Grafing: Geschichte der Stadt Grafing, abgerufen am 17. August 2023. Noch nach dem Krieg leiden die Menschen. Das Abhalten des Marktes wird in Grafing 1653 verboten, wegen der „vielen sterbenden Leut.“Irmgard Köhler, Josef Blasi: Markt Schwaben – Ortsgeschichte eingebunden in die bayerische Geschichte, S. 68, 2002.

Die erste Erwähnung der Grafinger Leonhardifahrt stammt von 1708. 1766 kommt es zu einer Brandkatastrophe im Ort.

Grafing gehörte lange zum Rentamt München und zum Landgericht Schwaben des Kurfürstentums Bayern. Ferner besaß Grafing ein Marktgericht mit weitgehenden magistratischen Eigenrechten, das um 1806 aufgelöst wurde.

Ab der Gemeindegründung mini|Reiterbräu und Rathaus anno 1902 Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Grafing.

Im Jahr 1875 erschien Das allgemeine Wochenblatt für Grafing, Ebersberg, Schwaben, Glonn und Umgebung.

Ab 1923 hieß der Markt offiziell Markt Grafing.

In den Jahren 1877 und 1926 gab es bereits Bemühungen zum Zusammenschluss von (Markt) Grafing und der unmittelbar östlich anschließenden Gemeinde Öxing, in denen mit großer Mehrheit auf Öxinger und (Markt) Grafinger Seite ein Zusammenschluss beschlossen wurde, der aber beide Male aufgrund von Formfehlern in den Beschlüssen nicht zustande kam. In einer Sitzung des Öxinger Gemeinderats am 11. Mai 1933 stimmten 6 von 9 Gemeinderäten für eine Aufhebung der Eigenständigkeit und die Aufnahme in die Marktgemeinde Markt Grafing. Mit Wirkung vom 1. August 1933 wurde die Gemeinde Öxing mit damals ca. 800 Einwohnern und 155 Wohngebäuden in die Marktgemeinde Markt Grafing aufgenommen.

Zweiter Weltkrieg 1942 wurden die Kirchenglocken Markt Grafings vom Turm geholt, um sie für den Krieg einzuschmelzen. Doch in der Nacht zum 4. März versuchten die Jugendlichen Franz Lettl, Anton Lettl und Stefan Neumaier mit einem Schlitten die Glocken wegzubringen und zu verstecken. Wenige Meter weiter mussten sie aber die kleinere Glocke im Schnee vergraben. Die 360 Kilogramm schwere große Glocke schafften sie zum Reitbergeranwesen, wo die Mutter der Lettls wohnte. Von da wollten die Jugendlichen die Glocke in der nächsten Nacht zur Feldmann-Kiesgrube bringen, doch blieben sie mit ihrem Schlitten am Hang stecken. Sie mussten sich Hilfe von Michael Wieser und seinem Sohn Josef und vom 14-jährigen Josef Stürzer holen. Die kleine Glocke brachten sie bei Feldmanns unter das Heu. Vier Wochen später flogen sie auf. Die Glocken wurden von der Polizei entdeckt und Beteiligte verhaftet. Anfang Februar 1944 wurden die strafmündigen Glockendiebe wegen der „unerlaubten Entfernung beschlagnahmter Kirchenglocken“ zu Geldstrafen und kürzerem Jugendarrest verurteilt. Eigentlich hatte auch die Todesstrafe gedroht. Josef Feldmann, der bei der Urteilsverkündung bereits an der Front war, wurden die drei Wochen Jugendarrest bis nach dem „Endsieg“ ausgesetzt.Thorsten Rienth: Moralischer Raub, Süddeutsche Zeitung, 3. März 2017 (Printausgabe: 4./5. März 2017), abgerufen am 13. Januar 2024. Seit 2006 erinnert ein Denkmal in der Rotter Straße an die Ereignisse.

Erst in den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs, Ende April 1945, kam es zu Bombenangriffen auf Markt Grafinger Gemeindegebiet. In mehreren Angriffswellen wurden der strategisch wichtige Bahnhof in Grafing Bahnhof bombardiert und die Bahnanlagen weitgehend zerstört. Am 1. Mai 1945 rückten die US Army in Markt Grafing kampflos ein, obwohl es in den Tagen zuvor immer wieder zu Zwischenfällen zwischen der Bevölkerung, die weiß beflaggen wollte, und versprengten SS-Resten, die Panzersperren errichten und weiße Beflaggung mit vorgehaltener Waffe verhindern wollte, kam. In den Tagen danach wurden auch Elkofen und Straußdorf von den Amerikanern kampflos übernommen.

Nach dem Fund eines eingemauerten, sehr großen Lagers an Weinen und Schnäpsen beim heutigen Kegelkeller am 4. Mai 1945 kam es zu einem schnell ausufernden und unkontrollierten Massenbesäufnis von Grafingern, einquartierten Zwangsarbeitern und Amerikanern. Bis zu 40.000 Flaschen Wein sollen getrunken worden sein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Am 16. Juli 1945 kam es in der Nähe zum Eisenbahnunfall von Aßling, bei dem ein amerikanischer Transportzug mit 50 Panzern auf einen stehenden Eisenbahnzug mit gerade entlassenen deutschen Kriegsgefangenen auffuhr. Bei dem Unglück kamen 105 der ehemaligen Kriegsgefangenen ums Leben. 95 von ihnen ruhen auf dem Soldatenfriedhof in Oberelkofen.

Am 15. Juni 1953 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben und von Markt Grafing in Grafing bei München umbenannt.

Am 1. Mai 1978 wurden im Zuge der von der Bayerischen Staatsregierung durchgesetzten Gebietsreform die Gemeinden Elkofen, Straußdorf und Nettelkofen (mit Ausnahme des Gemeindegebiets Gspraits) mit etwas weniger als 1000 Einwohnern eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 11.231 auf 13.660 um 2.429 Einwohner bzw. um 21,6 %. Die Stadt Grafing ist von einer stabilen Bevölkerungsentwicklung geprägt und konnte über die letzten zehn Jahre eine Bevölkerungszunahme von 5,3 % verzeichnen. Grafing stellt mit einem Wanderungssaldo von 14,4 % im Jahr 2012 eine eindeutige Zuzugsregion im so genannten Münchner „Speckgürtel“ dar. Nach Prognosen des Bayerischen Landesamts für Statistik ist bis 2030 mit einem weiteren Anstieg der Einwohnerzahl um 6,5 % zu rechnen.

Grafing liegt mit einer Arbeitslosenquote von 3,3 % unter dem Durchschnitt des Regierungsbezirks Oberbayern. Die Anzahl der Auspendler in Höhe von 5967 (Stand 2023) ist auf die Nähe zu München zurückzuführen. Allerdings übernimmt Grafing mit 2722 (Stand 2023) Einpendlern für die umliegenden Gemeinden die Funktion eines wichtigen Arbeitsplatzstandortes.Information der Stadt Grafing vom Dezember 2014.

mini|Rathaus Grafing 20172018 Beurkundete Eheschließungen6074 Geburten124132 Sterbefälle111107

Konfessionsstatistik Laut kirchlicher Statistik waren im Jahr 2013 54,0 % (7.076) der 13.092 Einwohner katholisch. Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem beträchtlich gesunken. Mit Stand 2023 waren 42,7 % (6.095) von den 14.285 Einwohnern katholisch.Gemeindeanalyse Stadt Grafing, abgerufen am 30. Mai 2025.

Politik Stadtrat Der Stadtrat setzt sich aus 24 Ratsmitgliedern und dem Ersten Bürgermeister zusammen. Stadtratssitzungen finden im Sitzungssaal im zweiten Stock des historischen Rathauses statt. Die Stadtratswahlen seit 2014 führten zu folgenden Ergebnissen:

Partei/Liste20142020 % Sitze%Sitze CSU 32,0 838,169 SPD 14,8 38,452 Grüne 20,0 529,977 FDP 2,1 03,841 Freie Wähler 19,1 512,103 Bayernpartei––4,301 Die Linke––3,181 Bündnis für Grafing (BfG) 12,0 3–– Gesamt 100 2410024 Wahlbeteiligung58,8 %67,58 %

Bürgermeister 1946–1952: Johann Schwaiger 1952–1966: Franz X. Huber (BHE) 1966–1972: Josef Obermeier (SPD) 1972–1996: Alois Kleinmeier (parteilos) 1996–2014: Rudolf Heiler (CSU), 1996 mit 61,87 % und 2008 mit 61,31 % der Stimmen gewählt 2014–2020: Angelika Obermayr (Bündnis 90/Die Grünen), in der Stichwahl am 30. März 2014 mit 60,3 % der gültigen Stimmen gegen Susanne Linhart (CSU; 39,7 %) gewählt 2020–2026: Christian Bauer (CSU), zuvor Kämmerer, in der Stichwahl am 29. März 2020, die ausschließlich per Briefwahl durchgeführt wurde, mit 54,0 % der gültigen Stimmen gegen Angelika Obermayr (46,0 %) gewählt; am 8. März 2026 mit 60,8 % der Stimmen wiedergewählt; verstorben am 29. September 2026.

Wappen

Sagen

Der Sage nach soll Kaiser Ludwig der Bayer 1325 Grafing dieses Wappen als Dank dafür, dass die Grafinger 1322 in der Schlacht bei Mühldorf siegreich auf der Seite Kaiser Ludwigs gegen den Herzog Friedrich dem Schönen von Österreich mit dem Fähnlein auf der Seite des Kaisers „wie die Bären“ kämpften, verliehen haben. Ob die Unterstützung der Grafinger durch eine Teilnahme an den Kämpfen oder nur finanziell geschah, ist nicht geklärt. Eine dreijährige Steuerbefreiung für die Grafinger – möglicherweise auch als Dank des Kaisers – ist belegt.

Städtepartnerschaften : Seit 1993 unterhält Grafing eine Städtepartnerschaft mit Saint-Marcellin (Isère).

Wirtschaft und Infrastruktur Gemeindefinanzen

Gewerbesteuereinnahmen (netto) Gemeindesteuereinnahmen 20123.518.000 €12.149.000 € 20133.119.500 €13.112.000 € 20143.379.300 €14.131.200 €20153.269.400 €14.498.200 €20163.984.800 €16.030.000 €20174.314.200 €17.263.400 €20184.095.800 €17.630.100 €20194.257.300 €18.109.900 €20204.235.400 €17.193.900 €20215.306.800 €19.278.900 €20225.206.900 €19.274.100 €20236.051.700 €21.199.900 €20245.834.240 €21.255.934 € (netto: Gewerbesteuereinnahme nach Abzug der Gewerbesteuerumlage.)

Gewerbe Der Wildbräu Grafing ist die drittälteste und die wohl älteste bis heute privat geführte Brauerei Bayerns.

Gewerberelevante Daten 2013 2014 20152016 2017 2018201920202021202220232024 Anzahl Gewerbetreibende 1.443 Gewerbeanmeldungen 179 Gewerbeabmeldungen 140 Gewerbesteuerhebesatz (%) 330 330330330 330330330330330330330330 Grundsteuerhebesatz B (%) 300 300300300 300300300300300300300300 Einwohner 13.37313.36913.48013.50213.79013.78513.77513.80513.93614.37614.458 Wohnungen 5.577 In Grafing sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2.603 2.6872.7082.730 2.6672.8412.9112.8242.9893.0273.173 Arbeitnehmer am Wohnort 4.844 5.0485.1635.235 5.3895.5285.7395.8385.9326.0616.175 Einpendler 1.623 2.6152.6512.722 Auspendler 3.848 5.8345.9045.967 Informationen der Stadt Grafing

Gewerbegebiete in Grafing Gewerbepark Schammach 1 (Restflächen in Privatbesitz) Gewerbepark Schammach 2 (Restflächen in Privatbesitz) Gewerbepark Haidling