Der Landkreis Merzig-Wadern ist der westlichste und flächengrößte Landkreis des Saarlandes sowie der mit der niedrigsten Bevölkerungsdichte. Merzig-Wadern wird auch als der „grüne Landkreis“ des Saarlandes bezeichnet. Zu diesem Ruf hat seine große Waldfläche beigetragen. Der Landkreis ist aus dem 1816 in der preußischen Rheinprovinz gegründeten Kreis Merzig hervorgegangen.

Geografie Lage Der Landkreis umfasst drei Landschaften: den Saargau entlang der Saar, die von Saarlouis kommend das westliche Kreisgebiet in Richtung Trier durchfließt (hier liegt auch die berühmte Saarschleife bei Mettlach), die Ausläufer des Hunsrück im Norden des Landkreises und das zum Saar-Nahe-Bergland im Osten gehörende Prims-Blies-Hügelland.

Das einzige Weinanbaugebiet des Saarlandes liegt in der Gemeinde Perl an der Obermosel.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Trier-Saarburg (in Rheinland-Pfalz), St. Wendel und Saarlouis (beide im Saarland). Im Südwesten grenzt er an das französische Département Moselle und im Westen an den luxemburgischen Kanton Remich, wo die Mosel die natürliche Grenze bildet. Die Mosel bildet hier auf einer Länge von rund zehn Kilometern den südlichen Teil des Gemeinschaftlichen deutsch-luxemburgischen Hoheitsgebiets, ein quasi-gemeindefreies Gebiet mit einer Fläche von 102 Hektar, dem sich nördlich davon der größere Teil anschließt.

Geschichte Bis 1792 verteilte sich das Gebiet des heutigen Kreises Merzig-Wadern im Wesentlichen auf das Kurfürstentum Trier, den deutschsprachigen Teil des Herzogtums Lothringen und die Herrschaft Dagstuhl. Einzelne Gemeinden gehörten zum Herzogtum Luxemburg sowie zur Wild- und Rheingrafschaft. Nach 1792 kam das Gebiet an Frankreich und wurde 1798 dem Saardepartement eingegliedert. Dort zählte es zu den Arrondissements Birkenfeld, Saarbrücken und Trier. Der lothringische Teil wurde bereits 1766 französisch und gehörte 1790 zum Moseldepartement.

1815 nach dem Wiener Kongress kam das Gebiet des heutigen Landkreises Merzig-Wadern unter preußische Verwaltung. 1816 teilte Preußen seine Provinzen in Regierungsbezirke und Kreise ein. Der preußische Kreis Merzig wurde aus den Bürgermeistereien Besseringen, Hausbach, Haustadt, Hilbringen, Losheim, Merzig, Wadern, Wahlen und Weierweiler gebildet. So entstand der Kreis Merzig innerhalb des Regierungsbezirks Trier der Provinz Großherzogtum Niederrhein (1822 Rheinprovinz). 1817 erhielt der Kreis die Gemeinden Keuchingen und Dreisbach vom Kreis Saarburg.

Zu einer Änderung der territorialen Verhältnisse kam es, als infolge des Inkrafttretens des Friedensvertrages von Versailles 1919 das Saargebiet einer besonderen Verwaltung des Völkerbundes unterstellt wurde. Zu diesem Saargebiet gehörte unter anderem auch der überwiegende Teil des Kreises Merzig, der danach informell auch als „Stammkreis Merzig“ bezeichnet wurde. Der bei Preußen und damit im Regierungsbezirk Trier verbleibende Teil, der sogenannte Restkreis Merzig-Wadern, nahm seinen Sitz in Wadern ein. Nachdem die Völkerbundsverwaltung am 1. März 1935 endete, wurden die alten territorialen Verhältnisse nicht wiederhergestellt. Das „Saargebiet“ kam unter unmittelbare Reichsverwaltung, und so blieben der Kreis Merzig und der Restkreis Merzig-Wadern weiterhin administrativ getrennt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 im Deutschen Reich kam der Region Merzig-Wadern wie dem gesamten Saargebiet wegen des saarländischen Sonderstatus eine Schlüsselrolle als Zufluchtsort für vom Nationalsozialismus verfolgte Deutsche sowie als Knotenpunkt für das Einschleusen antirassistischer Propaganda ins Deutsche Reich zu.Gegen das Vergessen - Orte des NS-Terrors und Widerstandes im Landkreis Merzig-Wadern (PDF; 2,7 MB), Aktion 3. Welt Saar, November 2010. Nach dem klaren Votum bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 für einen Anschluss an das Deutsche Reich wurde dieser am 1. März gleichen Jahres vollzogen. Daraufhin kam es wie in ganz Deutschland auch im Gebiet des heutigen Landkreises Merzig-Wadern zur massiven Verfolgung von Oppositionellen und Bürgern jüdischen Glaubens, jedoch auch zu Widerstand gegen die nationalsozialistischen Verbrechen. Aus Angst vor Verfolgung im Dritten Reich flüchteten um 1935 viele der etwa 300 jüdischen Bürger Merzig-Waderns ins Ausland, circa hundert von ihnen wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Verfolgung ermordet. Die 1840 eingeweihte Merziger Synagoge wurde in der Reichskristallnacht 1938 zerstört, die 1850 in Hilbringen errichtete Synagoge wurde nach der Auflösung der jüdischen Gemeinde 1936 verkauft.Alemannia Judaica: Synagogen im Saarland, Alemannia Judaica, Seitenabruf Mai 2014.

Am 1. Oktober 1946 wurde der Kreis Merzig mit dem größten Teil des von der französischen Besatzungsmacht seit 1945 als Kreis Wadern bezeichneten Restkreises zum Kreis Merzig-Wadern wiedervereinigt, zu dem außerdem die Gemeinden Büschdorf, Nohn, Tünsdorf und Wehingen-Bethingen aus dem Kreis Saarburg traten.Amtsblatt des Regierungspräsidiums Saar, Jahrgang 1946, Nr. 47, S. 198: „Anordnung über die verwaltungsmäßige Organisation des Saargebietes“ vom 1. Oktober 1946 (Universität des Saarlandes)Amtsblatt der Verwaltungskommission des Saarlandes, Jahrgang 1946, Nr. 55, S. 237: „Ergänzung der Anordnung über die verwaltungsmäßige Organisation des Saargebiets“ vom 8. November 1946 (Universität des Saarlandes)

Als der Landkreis Saarburg am 7. Juni 1947 aus dem Saargebiet nach Rheinland-Pfalz rückgegliedert wurde, gab er die Gemeinden Besch, Borg, Eft-Hellendorf, Faha, Keßlingen, Münzingen, Nennig, Oberleuken, Oberperl, Orscholz, Perl, Sehndorf, Sinz, Tettingen-Butzdorf, Weiten und Wochern an den Landkreis Merzig-Wadern ab.Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland, Jahrgang 1947, Ausgabe 77, S. 768. Verfügung Nr. 215 vom 7. Juni 1947: „Anschluß von Gemeinden an die Kreise Merzig-Wadern und St. Wendel“

Im Zuge der saarländischen Kreisreform erhielt der Landkreis am 1. Januar 1974 die Gemeinden Buweiler-Rathen und Kostenbach vom Landkreis St. Wendel und verlor im Gegenzug die Gemeinde Michelbach an den Landkreis Saarlouis. Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Merzig-Wadern noch sieben Gemeinden, darunter zwei Städte. Größte Stadt des Kreises ist die Kreisstadt Merzig, kleinste Gemeinde ist Weiskirchen.

Gemeinden Im Landkreis Merzig-Wadern liegen die Kreisstadt Merzig, die Stadt Wadern und die Gemeinden Perl, Losheim am See, Weiskirchen, Beckingen sowie Mettlach.

(Einwohnerzahlen vom ) Städte Merzig, Kreisstadt () Wadern ()

Pseudo-Gemeindefreies Gebiet Deutsch-Luxemburgisches Hoheitsgebiet (1,03 km²)Weitere Gemeinden Beckingen () Losheim am See () Mettlach () Perl () Weiskirchen () Ehemalige Gemeinden

Die meisten ehemaligen Gemeinden des Landkreises verloren am 1. Januar 1974 ihre Eigenständigkeit: Düppenweiler, Erbringen, Hargarten, Haustadt, Honzrath, Oppen, Reimsbach und Saarfels wurden Teil der Gemeinde Beckingen. Bachem, Bergen, Britten, Hausbach, Mitlosheim, Niederlosheim, Rimlingen, Rissenthal, Scheiden, Wahlen und Waldhölzbach wurden Teil der Gemeinde Losheim am See. Ballern, Besseringen, Bietzen, Brotdorf, Büdingen, Fitten, Harlingen, Hilbringen, Mechern, Menningen, Merchingen, Mondorf, Schwemlingen, Silwingen und Wellingen wurden Teil der Stadt Merzig. Bethingen, Dreisbach, Faha, Nohn, Orscholz, Saarhölzbach, Tünsdorf, Wehingen und Weiten wurden Teil der Gemeinde Mettlach. Besch, Borg, Büschdorf, Eft-Hellendorf, Keßlingen, Münzingen, Nennig, Oberleuken, Oberperl, Sehndorf, Sinz, Tettingen-Butzdorf und Wochern wurden Teil der Gemeinde Perl. Bardenbach, Büschfeld, Dagstuhl, Gehweiler, Krettnich, Lockweiler, Morscholz, Münchweiler, Niederlöstern, Noswendel, Nunkirchen, Oberlöstern, Steinberg, Wadrill und Wedern wurden Teil der Stadt Wadern. Konfeld, Rappweiler, Thailen und Weierweiler wurden Teil der Gemeinde Weiskirchen. Michelbach wurde Teil der Gemeinde Schmelz im Landkreis Saarlouis.

Bereits vor 1974 wurden die folgenden Gemeinden aufgelöst oder umbenannt: Fickingen wurde 1923 in Saarfels umbenannt. Keuchingen wurde am 1. Oktober 1936 nach Mettlach eingemeindet. Obermorscholz und Untermorscholz wurden am 1. Oktober 1937 zur Gemeinde Morscholz zusammengeschlossen. Oberthailen und Unterthailen wurden in den 1930er Jahren zur Gemeinde Thailen zusammengeschlossen. Wehingen-Bethingen wurde am 1. Januar 1957 in die beiden Gemeinden Bethingen und Wehingen aufgespalten.

Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Merzig-Wadern (Datenquelle: Zensus)

Jahr Einwohner Quelle 1816 21.693 1847 32.196 1871 35.551 Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885 1885 39.674 1900 44.835 1910 51.252 1939 39.439 1960 90.100 1970 101.100 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 100.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 101.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992 2000 106.000 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002 2010 104.843

Religion Der weitaus größte Teil der Bevölkerung ist katholischen Bekenntnisses. In jeder Zivilgemeinde des Landkreises besteht mindestens eine römisch-katholische Gemeinde. Sämtliche Gemeinden gehören zur Diözese Trier.

Die evangelische Bevölkerung des Kreises gehörte seit 1817 zur Evangelischen Kirche in Preußen (ab 1922 in Evangelische Kirche der Altpreußischen Union umbenannt; APU) und dort seit 1922 zur Kirchenprovinz der Rheinprovinz mit dem Provinzialkonsistorium in Koblenz. 1947 wurde die Kirchenprovinz als Evangelische Kirche im Rheinland eine selbständige Landeskirche, der die evangelischen Gemeinden im Landkreis zugeordnet sind.

Politik

Kreistag Der Kreistag ist die kommunale Volksvertretung im Landkreis Merzig-Wadern. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre.

Die Kreistagswahlen am 9. Juni 2024 führten zu dem rechts dargestellten Ergebnis und der daraus folgenden Sitzverteilung:Ergebnis der Kreistagswahl 2024 – Landkreis Merzig-Wadern, abgerufen am 18. Juni 2024

Übersicht über die Ergebnisse vergangener KreistagswahlenKreistagswahlen 1984 bis 2019 im Saarland nach Kreis

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 %1994 %1989 %1984CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands40,91440,31444,71643.51553,51947,641,638,644,5SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands30,01028,81032,61129,61037,01342,341,043,241,1AfDAlternative für Deutschland15,057,525,92––––––––GRÜNEBündnis 90/Die Grünen6,1211,145,315,725,112,85,74,54,9FDPFreie Demokratische Partei4,215,413,017,224,402,23,15,05,5LINKEDie Linke3,716,925,929,63––––––PIRATENPiratenpartei Deutschland––––2,80––––––––FWGFreie Wählergruppe––––––4,51––4,34,96,23,6NPDNationaldemokratische Partei Deutschlands––––––––––0,90,51,9–REPDie Republikaner–––––––––––2,5––Gesamt1003310033100331003310033100100100100Wahlbeteiligung 67,3 % % 65,7 % 57,8 % 63,1 % 63,9 % 66,6 % 79,4 % 84,9 % 84,1 %

Landräte

Bei der Direktwahl des Landrates am 23. Oktober 2011 konnte sich Amtsinhaberin Daniela Schlegel-Friedrich mit 70,19 % der abgegebenen Stimmen deutlich gegen ihren Herausforderer Markus Rausch (SPD, 29,81 %) durchsetzen.

Wappen mini|Logo des Landkreises Merzig-Wadern

Blasonierung: „Geviert: 1 in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz; 2 in Gold ein roter Schrägbalken, belegt mit drei gestümmelten silbernen Adlern; 3 in Gold eine schräggestellte rote Wolfsangel; 4 in neunfach von Silber und Blau geteiltem Feld ein golden bewehrter und golden gekrönter, doppelschwänziger roter Löwe.“

Das rote Kreuz steht für das Erzbistum Trier, der silberne Adler für das Herzogtum Lothringen und der doppelschwänzige rote Löwe für das Herzogtum Luxemburg.

In der Außendarstellung verwendet der Landkreis auch ein Logo.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft