Ladenburg () ist eine Stadt im baden-württembergischen Rhein-Neckar-Kreis. Bekannt ist die direkt am Neckar liegende Römerstadt (römischer Name Lopodunum) für ihre denkmalgeschützte Altstadt, als Wirkungsort von Carl Benz und für ihre Geschichte, die bis in die keltische und römische Zeit zurückreicht. Die benachbarten Universitätsstädte Heidelberg und Mannheim sind über direkte Bahnverbindungen in rund 15 Minuten erreichbar.

Geografie Lage und Naturraum Die Gemarkung liegt auf dem Neckarschwemmkegel in 96 bis 106 Metern Höhe in der Oberrheinischen Tiefebene am Neckar und erstreckt sich über 1900 Hektar. Die Flächennutzung ist wie folgt; 27,4 Prozent Siedlungs- und Verkehrsfläche, 69,8 Prozent Vegetationsflächen, davon 69,0 Prozent landwirtschaftlich genutzt, 2,8 Prozent sind Fließgewässer.

Die nächsten größeren Städte sind jeweils 11 km entfernt, Heidelberg im Südosten und Mannheim im Nordwesten, mit denen es keinen direkten Grenzverlauf gibt.

Stadtgliederung Zur Stadt Ladenburg gehören die Weiler Neubotzheim und Neuzeilsheim. Im Stadtgebiet liegen die Wüstungen Botzheim, Meerhof und Zeilsheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 375–378.

Nachbargemeinden

Geschichte mini|Jupitergigantensäule um 200 n. Chr. (Nachbildung) vor dem Lobdengau-Museum mini|Ansicht 1645 nach Matthäus Merian mini|Ladenburg mit Neckarbrücke um 1900 mini|Ladenburg und Umgebung 1907

Ladenburg bezeichnet sich selbst als älteste Stadt Deutschlands rechts des Rheins. Die Erstbesiedlung des Ortes erfolgte irgendwann zwischen 3000 und 200 v. Chr. Ladenburg bestand zunächst als keltische Siedlung Lokudunom (= „Seeburg“).Xavier Delamarre: Dictionnaire de la langue gauloise. Une approche linguistique du vieux-celtique continental. 2e édition revue et augmentée, Editions Errance, Paris 2003, ISBN 2-87772-237-6, , S. 206. 200 v. Chr. wurde der keltische Gaumittelpunkt vom Heiligenberg bei Heidelberg nach Ladenburg verlegt. Im Jahr 40 wurden suebische Elbgermanen von den Römern als Bauernmiliz angesiedelt. In den römischen Quellen werden sie Suebi Nicrenses („Neckarsueben“) genannt. 74 n. Chr. gründeten die Römer dort Militärlager mit einem Lagerdorf (vicus), die Keimzelle der späteren Stadt. Zur Garnison zählte eine Auxilien-Reiterabteilung der Cananefaten.

Im Jahr 98 erhob Kaiser Trajan die Siedlung Lopodunum zur civitas und zum Hauptort der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium; nach dem Gentilnamen des Kaisers – Ulpius – erhielt der Ort den Beinamen Ulpia. Die Siedlung erlebte im zweiten und frühen dritten Jahrhundert ihre Blüte, die durch zahlreiche archäologische Funde belegt ist.

Um das Jahr 220 besaß die Römerstadt ein Forum mit Marktbasilika, einen Wochenmarkt, Tempel, ein römisches Theater, Thermen, Paläste und eine Stadtmauer. Die öffentlichen Gebäude waren, verglichen mit anderen Siedlungen in der Region, ungewöhnlich groß. Die ummauerte Fläche betrug rund 32 Hektar, Streufunde belegen sogar eine Siedlungsfläche von rund 45 Hektar. Damit war Ladenburg, noch vor Rottweil, Rottenburg, Bad Cannstatt, Bad Wimpfen, Heidenheim und Heidelberg, die größte römische Stadt im heutigen Baden-Württemberg.Eingartner: Lopodunum. S. 22–136 (zu Forum und Basilika).

Im Jahre 260 oder kurz davor zerstörten offenbar Alamannen die Stadt, nachdem die kaiserlichen Truppen das Dekumatland aufgegeben hatten. Einige Einheimische blieben aber und tradierten den römischen Ortsnamen. Kaiser Valentinian I. nahm 369 die Siedlung wieder ein und ließ einen Ländeburgus, eine spätantike Hafenbefestigung, errichten, der nur vom Neckar aus betreten werden konnte. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts, vermutlich im Jahre 454 nach dem Zusammenbruch des Hunnenreiches, endete die römische Herrschaft im Raum Ladenburg dann endgültig.

Völkerwanderungszeit und Mittelalter Bereits 496 errichteten die Merowinger in Ladenburg einen als Palatium überlieferten Königshof. Lobdenburg wurde Hauptstadt des Lobdengaus. Der Frankenkönig Dagobert I. „verschenkte“ 628 Stadt und Gau an das Bistum Worms, als Empfänger ist St. Amandus von Worms überliefert. 874 beurkundete König Ludwig der Deutsche zu Lobetenburg. In karolingischer Zeit gehörte Ladenburg zu den wenigen Städten im Reich, die als Civitas Publica bezeichnet wurden, was den Fortbestand des Königshofes voraussetztSiegfried Rietschel: Die Civitas auf deutschem Boden bis zum Ausgange der Karolingerzeit. S. 75 f.. Bereits im 10. Jahrhundert wurden die ersten mittelalterlichen Stadtmauern errichtet. König Heinrich II., der Heilige, bestätigt dem Bischof von Worms 1006 alle Besitzungen des Domstifts zu Ladenburg und fünf Jahre später verlieh er dem Bischof die Grafschaft zu Lobdengau.

Im Jahr 1253 trat mit Schultheiß, Schöffen und Bürgern erstmals die Gemeinde in Erscheinung. 1385 wurde die Herrschaft über Ladenburg nach einer blutigen Fehde zwischen Worms und Pfalz geteilt.

Im Jahre 1400 versagten die Wormser Bürger ihrem Bischof den Gehorsam und vertrieben ihn, worauf dieser Ladenburg zum Bischofssitz erhob. Bischof Johann II. von Fleckenstein ließ 1412 an der St.-Gallus-Kirche den Südturm errichten, „weil ihm, als Bischof, zwei Türme zustehen“, somit ein Dom. Unter Bischof Johann III. von Dalberg (1455–1503) hatte Ladenburg seine größte Blüte. 1512, an der Schwelle zur Neuzeit, besuchte sein Freund Kaiser Maximilian die Stadt.

Neuzeit Der spätere Reformator Reuchlin leitete die vom Kloster Lorsch übernommene und mit Dalbergschen Beständen ergänzte und heute als Bibliotheca Palatina bekannte Büchersammlung. 1564 kam es am Weihnachtsabend zu einer Schlägerei zwischen dem reformierten Pfarrer Eckard und Bischof Bettendorf in St. Gallus. Im folgenden Jahr versöhnte sich Bettendorf mit den Wormsern und verließ Ladenburg, das Nebenresidenz blieb. Daraufhin ließ der calvinistische Kurfürst von der Pfalz am Karfreitag die St.-Gallus-Kirche plündern und katholische Bildnisse zerstören (Kurpfälzer Bildersturm).

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1622 durch Peter Ernst II. von Mansfeld zum Teil zerstört und im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1689–1693) von General Mélac geplündert. 1705 einigten sich die Brüder Kurfürst Johann Wilhelm und Bischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg auf einen größeren Gebietsaustausch. Ladenburg fiel dabei samt Neckarhausen komplett an die Kurpfalz, die ein Oberamt Ladenburg mit der Stadt als Sitz einrichteten. Die Verwüstungen durch den Krieg wurden nur langsam beseitigt. 1739 wurde das wiederaufgebaute Hospital wieder eröffnet, 1770 wurde ein Waisenhaus eröffnet, das durch eine Stiftung finanziert wurde.

Nach der Französischen Revolution wurde Ladenburg in den Koalitionskriegen 1799 besetzt und Napoleon Bonaparte ordnete die politische Landkarte in Europa neu. Die Kurpfalz wurde aufgelöst und die Stadt fiel an Baden. Sie blieb bis 1863 Amtssitz und wurde dann in das Bezirksamt Mannheim eingegliedert. Bei der Niederschlagung der Badischen Revolution 1849 war die Neckarbrücke in Ladenburg heftig umkämpft. Den Revolutionären gelang es, die von den Preußen besetzte Stadt zu erobern und so den Rückmarsch der Hauptstreitkräfte zu decken.

Politisch waren seit 1903 die Sozialdemokraten die stärkste Kraft in Ladenburg. In der Weimarer Republik wurden sie zeitweise durch die Aufsplitterung des linken Parteienspektrums vom Zentrum überflügelt. Ab 1930 war die NSDAP die stärkste Partei, die bei der Reichstagswahl März 1933 34,2 Prozent der Stimmen erhielt.

Im Zweiten Weltkrieg blieb Ladenburg von Zerstörungen weitgehend verschont. Am 28. März 1945 eroberte das 1. Bataillon des 324. US-Infanterie-Regiments die Stadt kampflos.

Mit Auflösung des Landkreises Mannheim kam Ladenburg 1973 zum neuen Rhein-Neckar-Kreis. 1974 fand zum ersten Mal das Altstadtfest statt, das sich seitdem zu einem Besuchermagneten entwickelt hat. 1979 erhielt die Stadt von Bundespräsident Walter Scheel die Goldplakette im Bundeswettbewerb „Stadtgestalt und Denkmalschutz im Städtebau“. 1989 veranstaltete die Johanniter-Unfall-Hilfe ihren Bundeswettkampf in Ladenburg. 1998 feierte die Stadt ihr 1900-jähriges Jubiläum. Im selben Jahr war sie Gastgeber der Heimattage Baden-Württemberg. 2005 fand in Ladenburg das Grünprojekt 2005 statt, auch bekannt als kleine Landesgartenschau.

Die jüdische Gemeinde Die ersten Nachweise einer jüdischen Gemeinde findet man von 1291 bis 1391. Während der Pestepidemie von 1348 wurden die Juden ermordet oder vertrieben, 1389 zählte man vier jüdische Familien, 1391 wurden sie, wie alle Juden der Kurpfalz, von Kurfürst Ruprecht II. vertrieben. Seit 1602 sind wieder Juden in Ladenburg nachgewiesen, in den folgenden Jahren wuchs die Gemeinde von 8 Familien 1722 über 26 Familien 1743 auf 75 Personen im Jahr 1789. Im 19. Jahrhundert nahm die Bevölkerung auf ca. 100 Personen zu, dies entsprach 2 bis 3 % der Gesamtbevölkerung. Vor dem 19. Jahrhundert betrieben die Juden hauptsächlich Handel, später kamen in Folge der Emanzipation Gewerbebetriebe dazu. Die Gemeinde besaß und unterhielt ab 1832 eine Synagoge, eine Schule, ein rituelles Bad (Mikwe) in der Metzgergasse 5 und einen Friedhof. Vorher versammelte sich die Gemeinde in Privaträumen. Es gab einen Lehrer, der auch als Vorbeter und Schochet (Schlachter) tätig war. Ab 1827 waren Rabbiner angestellt, bis 1883 die Betreuung durch den Rabbiner von Heidelberg übernommen wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten 88 Juden in Ladenburg, ab 1933 begann die Verfolgung, viele Juden wanderten aus. Die Synagoge fiel der Reichspogromnacht 1938 zum Opfer. 1938 fand die letzte Bestattung auf dem jüdischen Friedhof statt. Die letzten 27 jüdischen Personen in der Stadt wurden am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Die letzten Reste der zerstörten Synagoge wurden 1967 abgerissen. Heute steht auf diesem Platz ein Privathaus. Eine Gedenktafel erinnert an die Synagoge. mini|Ladenburg Gedenktafel der ehemaligen Synagoge

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner 1439 1.175 1577 1.330 1777 1.472 1852 2.930 1925 4.993 1950 7.125 1961 8.338 Jahr Einwohner 1967 8.280 1970 9.799 1991 11.791 2005 11.510 2010 11.513 2015 11.420 2020 11.880 2024 12.807

Seit 2019 wächst die Bevölkerung durch die Erschließung von neuen Baugebieten in der Nordstadt.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat von Ladenburg hat 22 Mitglieder, die in direkter Wahl für jeweils fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als Gemeinderatsvorsitzender. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2019, Ladenburg; Stadt Ladenburg: ; abgerufen am 30. Mai 2019.

CDU 34,69 % (+9,69) 8 Sitze (+2) GLL 25,12 % (−1,08) 5 Sitze (−1) SPD 25,02 % (+1,22) 5 Sitze (±0) FDP 7,92 % (+1,12) 2 Sitze (+1) BfL 7,25 % (nicht angetreten) 2 Sitze (nicht angetreten)

Jugendgemeinderat Seit 2006 gibt es einen Jugendgemeinderat. Jeder Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren besitzt aktives und passives Wahlrecht. Der Jugendgemeinderat von Ladenburg hat zwölf Mitglieder, die in direkter Wahl für jeweils zweieinhalb Jahre gewählt werden.

Bürgermeister Der Bürgermeister wird in direkter Wahl für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Seit April 2017 amtiert Stefan Schmutz (SPD), der bei der Bürgermeisterwahl am 22. Januar 2017 im ersten Wahlgang mit 52,1 % der Stimmen die absolute Mehrheit erreichte.ladenburg.de Bei der Wahl am 2. Februar 2025 wurde er mit 53,6 % der Stimmen im Amt bestätigt.

Übersicht der bisherigen Bürgermeister:Ladenburg-Lexikon. Norderstedt 2007, ISBN 978-3-8334-6799-8. mini|Rathaus und Domhofplatz 1802: Christoph Heinrich Hohbach 1803–1804: Johann Michael Eisenhardt oder Johann Georg Eisenhardt 1804–1805: Christoph Scharnberger 1805–1806: Christian Krausmann oder Michael Kraußmann 1806–1807: unbekannt 1808–1809: Christian Krausmann 1868–1892: Angelus Huben (NLP) 1892–1898: Gabriel Hartmann