mini|Weltmeisterschaften 2007 in Osaka: Athleten verschiedener Nationen bei der Übergabe des Staffelstabes Der 4-mal-100-Meter-Staffellauf (kurz 4 × 100-m-Staffel) ist ein olympischer Wettbewerb der Leichtathletik, bei dem vier Läufer (die Stafette) nacheinander jeweils 100 Meter, also zusammen eine ganze Stadionrunde zurücklegen. Der Wechsel zwischen den Läufern erfolgt durch Übergabe eines Staffelstabes.

Bei den Männern erzielen die schnellsten Staffeln eine Zeit unter 38 Sekunden (Weltrekord: 36,84 s, Stand: Juni 2025; das entspricht 10,86 m/s oder 39,09 km/h).

Bei den Frauen erzielen die schnellsten Staffeln eine Zeit von 42 Sekunden und weniger (Weltrekord: 40,82 s, Stand: Juni 2025; das entspricht 9,80 m/s oder 35,28 km/h).

Die dabei erzielten Durchschnittsgeschwindigkeiten sind erheblich höher als im Einzelrennen über 100 Meter – bedingt durch den „fliegenden“ Wechsel: Der Läufer, der jeweils den Stab übernimmt, startet schon, bevor ihn der übergebende Läufer erreicht hat, und übernimmt den Stab im Laufen.

Der erste Läufer startet im Tiefstart von Startblöcken, die Startlinien der einzelnen Bahnen sind zum Ausgleich der Kurvenlänge versetzt. Die Läufer dürfen die Bahnen nicht verlassen. Der Wechselraum zur Stabübergabe beginnt seit dem 1. November 2017 20 Meter vor und endet 10 Meter hinter dem Ende des jeweiligen 100-Meter-Abschnittes. Zuvor galt ein 20 Meter langer Wechselraum, der übernehmende Läufer durfte jedoch in einem zusätzlichen „Beschleunigungsraum“ Geschwindigkeit aufnehmen, der 10 Meter vor dem eigentlichen Wechselraum begann. Entscheidend für die Einhaltung des Wechselraumes ist die erste Berührung durch den übernehmenden Läufer.

Der Staffelstab ist 28 bis 30 Zentimeter lang, hat einen Umfang von 12 bis 13 Zentimetern (etwa 4 Zentimeter Durchmesser) und wiegt mindestens 50 Gramm. Es ist ein Rohr aus Metall oder anderem geeigneten Material. Wenn ein Läufer den Stab verliert, darf nur er ihn wieder aufheben. Falls nötig, darf er dazu seine Bahn verlassen; er muss aber so auf die Bahn zurückkehren, dass er seine Laufstrecke auf diese Weise nicht verkürzt. Die Einzelheiten zum Ablauf von Staffelwettkämpfen sind in Regel 170 der technischen Vorschriften des internationalen Leichtathletikverbandes World Athletics festgelegt.

Geschichte Die ersten Staffelläufe von Leichtathleten gab es nach dem Vorbild von Wettbewerben von Feuerwehrleuten um 1880 oder 1890 in den USA, die jeweils 300 Meter liefen und einen Wimpel übergaben. Der Wimpel wurde später durch einen Holzstab von einem Fuß Länge (30,48 cm) ersetzt.

In Deutschland gab es ab 1895/96 Staffelläufe über 5-mal 100 Meter und 4-mal 100 Meter, anfangs noch ohne fliegenden Wechsel (bis 1922) und mit Übergabe durch Handschlag. Die Einführung des fliegenden Wechsels wurde im Februar 1912 beschlossen. Erstmals ins Programm der Deutschen Meisterschaften kam die 4-mal-100-Meter-Staffel am 23./24. August 1919.

Den ersten inoffiziellen Weltrekord stellte eine deutsche Staffel vom SC Nordwest Berlin im Jahr 1896 mit einer Zeit von 48,2 s auf. Der erste inoffizielle Weltrekord mit registrierten Staffelteilnehmern wurde am 14. Juli 1901 durch die Läufer Lindemann, Graßmann, Kutscher und Frank vom Akademischen SC Berlin aufgestellt. Offizielle deutsche Rekorde wurden erst ab 1921 registriert. Der Lauf musste dazu in Deutschland stattgefunden haben, weshalb auch der von der deutschen Staffel im olympischen Vorlauf 1912 in Stockholm erzielte erste offizielle Weltrekord zunächst nicht als deutscher Rekord geführt wurde.

Im englischsprachigen Raum waren auch Staffelläufe über 4-mal 110 Yards (4-mal 100,548 Meter = 402,336 Meter) üblich. Bis 1970 wurde die Strecke bei den Commonwealth-Spielen gelaufen.

Der erste registrierte Rekord der deutschen Frauen ist die Zeit von 56,4 s, am 25. Mai 1918 vom TSV 1860 München (Läuferinnen: Kießling, Krom, Rädler, Rodder) erzielt. Bereits bei der erstmaligen Teilnahme von Frauen an den Deutschen Meisterschaften, am 14./15. August 1920, gehörte die 4-mal-100-Meter-Staffel zum Wettkampfprogramm (zusammen mit 100-Meter-Lauf, Weitsprung und Kugelstoßen).

Bei den Olympischen Spielen 1908 in London wurde zunächst die olympische Staffel ins Programm genommen, bei der zweimal 200 Meter und je einmal 400 und 800 Meter zu laufen waren. Die bis in die Gegenwart üblichen Streckenlängen, 4-mal 100 Meter und 4-mal 400 Meter wurden bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm eingeführt. Dort liefen im Finale nur drei Mannschaften, von denen die deutsche Mannschaft disqualifiziert und deshalb keine Bronzemedaille vergeben wurde.

Die moderne Wechseltechnik, bei welcher der Laufende nicht den Stab in die andere Hand wechselt, geht auf einen Trainer namens Boers von Eintracht Frankfurt zurück. Seine Staffel lief am 10. Juni 1928 in Halle einen Weltrekord, nach welchem der Begriff Frankfurter Wechsel geprägt wurde. Beim fliegenden Wechsel musste zunächst bis 1963 der übernehmende Läufer von der jeweiligen Ziellinie des übergebenden Läufers starten. Seit 1963 darf er 20 Meter davor loslaufen.

Meilensteine Männer: erster offiziell von der IAAF anerkannter Weltrekord: 42,3 s, mit Otto Röhr, Max Hermann, Erwin Kern, Richard Rau, 8. Juli 1912, Stockholm erster Lauf unter 41 Sekunden: 40,8 s, mit Arthur Jonath, Richard Corts, Hubert Houben, Helmut Körnig, 2. September 1928, Berlin erster Lauf unter 40 Sekunden: 39,8 s, mit Jesse Owens, Ralph Metcalfe, Foy Draper, Frank Wykoff, 9. August 1936, Berlin erster Lauf unter 39 Sekunden: 38,6 s, Earl McCullouch, Fred Kuller, O. J. Simpson, Lennox Miller, 17. Juni 1967, Provo erster Weltrekord mit elektronischer Zeitnahme (Hundertstelsekunden): 38,23 s, mit Charles Greene, Mel Pender, Ronnie Ray Smith, Jim Hines, 20. Oktober 1968, Mexiko-Stadt erster Lauf unter 38 Sekunden: 37,86 s, mit Emmit King, Willie Gault, Calvin Smith, Carl Lewis, 10. Oktober 1983, Helsinki erster Lauf unter 37 Sekunden: 36,84 s mit Nesta Carter, Michael Frater, Yohan Blake, Usain Bolt, 11. August 2012, London

Frauen: erster Lauf unter 49 Sekunden: 48,8 s, , 20. Juli 1930 in Nürnberg erster Lauf unter 47 Sekunden: 46,5 s, , 21. Juni 1936 in Köln erste Läufe unter 46 Sekunden: 45,9 s, und Deutschland 27. Juli 1952 in Helsinki erster Lauf unter 45 Sekunden: 44,9 s, , 1. Dezember 1956 in Melbourne erster Lauf unter 44 Sekunden: 43,9 s, , 21. Oktober 1964 in Tokio erster Lauf unter 43 Sekunden: 42,8 s, , 20. Oktober 1968 in Mexiko-Stadt erster Lauf unter 42 Sekunden: 41,85 s, , 13. Juli 1980 in Potsdam erster Lauf unter 41 Sekunden: 40,82 s, , 10. August 2012 in London

Erfolgreichste Mannschaften Männer: Olympische Spiele: 15 Siege: . Von 26 Olympischen Spielen bis 2024 wurden die Männer der Staffel der USA nur 4-mal geschlagen (1996 durch , 2004 durch das ), 2008 und 2020 im Vorlauf gescheitert. 6-mal wurde die USA-Staffel disqualifiziert (1912, 1960, 1988, 2012, 2016 und 2024), 1980 boykottierten die USA die Olympischen Spiele. 3 Siege: (2008, 2012, 2016) je 2 Siege: (1912, 2004), (1980, 1988)

Weltmeisterschaften: 10 Siege: (1983 bis 2025) 4 Siege: (2009 bis 2015) 3 Siege: (1995, 1997 und 2022)

Frauen: Olympische Spiele: 12 Siege: . 2 Siege: (1976 und 1980) 2 Siege: (2004 und 1920)

Weltmeisterschaften: gewann 10-mal. gewann 5-mal Bei den Weltmeisterschaften 1983 gewann die Staffel der . Der Weltmeistertitel 2001 wurde nach Disqualifikation der Staffel der der zweitplatzierten zugesprochen.

Technik und Taktik In der Regel bewegt der übernehmende Läufer beim Anlaufen die Arme und streckt erst auf Zuruf des übergebenden Läufers, ca. zwei bis drei Meter vor der Übergabe, den Arm nach hinten. Der Arm wird mit abgespreiztem Daumen so gerade und parallel zum Boden wie möglich nach hinten gestreckt, der Stab wird von oben in die Hand gelegt.

Es sind drei Arten des Stabwechsels möglich: Außenwechsel: Der übergebende Läufer trägt den Stab in der linken Hand, läuft an der Außenseite der Bahn an den übernehmenden Läufer heran; dieser übernimmt den Stab mit der rechten Hand. Vorteilhaft insbesondere für Anfänger ist dabei, dass der übernehmende Läufer – sofern er Rechtshänder ist – die geschicktere rechte Hand benutzen kann. Innenwechsel: wie Außenwechsel, nur seitenverkehrt. Vorteil ist die ökonomische Raumausnutzung beim ersten und dritten Wechsel, allerdings muss der Ablaufende bis zur Stabannahme an der Außenseite der Bahn laufen. Beim Außen- und beim Innenwechsel muss der Stab nach der Übernahme sofort in die andere Hand genommen werden mit dem Risiko, dass der Läufer das gelegentlich vergisst, was bei der Übergabe zu einer erheblichen Störung des Ablaufs und zu Geschwindigkeitsverlust führt. Frankfurter Wechsel: Der Stab wird vom Läufer während seines Laufabschnittes nicht in die andere Hand genommen, so dass sich eine Kombination aus Außen- und Innenwechsel ergibt. Das ermöglicht die bestmögliche Raumausnutzung. Da der Stab nicht in die andere Hand gewechselt wird, verkürzt sich der Platz zum Zufassen bei jedem Wechsel, was häufig zum Stabverlust führt.

Die Laufstrecken sind für die vier Läufer unterschiedlich, abhängig davon, wie der Ablaufraum (20 m vor der Wechsellinie) und der Wechselraum (10 m vor bis 10 m hinter der Wechsellinie) ausgenutzt werden. Es ergeben sich folgende Laufstrecken und Besonderheiten: 1. Läufer: 90 bis 110 Meter, Tiefstart, Kurvenlauf 2. Läufer: 110 bis 130 Meter, Hochstart, überwiegend gerade Strecke 3. Läufer: 110 bis 130 Meter, Hochstart, Kurvenlauf 4. Läufer: 120 Meter, Hochstart, überwiegend gerade Strecke

Daraus ergeben sich für die Verteilung der vier Läufer folgende Gesichtspunkte: Die Läufer mit den besten Einzelzeiten haben Vorteile auf den langen Strecken. Kleine Läufer haben Vorteile in den Kurven, weil geringere Zentrifugalkräfte wirken als bei größeren. Läufer mit schwacher Wechseltechnik haben Vorteile als erster oder vierter Läufer, da sie nur an einem Stabwechsel beteiligt sind. Der Läufer mit dem besten Startvermögen eignet sich als erster Läufer, der Läufer mit der größten Willenskraft als Schlussläufer. Zum 1. November 2017 entfiel der Anlaufraum, der Wechselraum beginnt 20 Meter vor und endet 10 Meter hinter der Wechsellinie.

Statistik Medaillengewinner Männer Medaillengewinner bei Olympischen Spielen Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften

Frauen Medaillengewinnerinnen bei Olympischen Spielen Medaillengewinnerinnen bei Weltmeisterschaften mini|Entwicklung gemäß der nachfolgenden Tabelle

Weltrekordentwicklung Männer Bemerkungen zur Tabelle: y: Zeit wurde in einem 4-mal-110-Yards-Lauf (insgesamt 402,34 Meter) erzielt (hier angegeben, sofern sie schneller war als der folgende 4-mal-100-Meter-Weltrekord) In Klammern: Automatisch gestoppte Zeiten