mini|Gedränge beim Wechsel eines 4-mal-400-Meter-Staffelrennens Der 4-mal-400-Meter-Staffellauf (kurz: 4 × 400-m-Staffel, englisch 4 × 400 metres relay) ist ein olympischer Wettbewerb der Leichtathletik, bei dem vier Läufer (die Stafette) nacheinander jeweils eine Stadionrunde von 400 Metern laufen. Dabei ist ein Stab ins Ziel zu bringen, der jeweils dem nächsten Läufer zu übergeben ist. Gewertet wird die Gesamtzeit beim Zieldurchlauf des vierten Läufers.

Der 4-mal-400-Meter-Staffellauf steht im olympischen Programm seit 1912 in Stockholm für die Männer und seit 1972 in München für die Frauen. Erstmals war 2021 in Tokio die 4-mal-400-Meter-Staffel als Mixed-Wettbewerb mit je zwei Frauen und je zwei Männern Teil von Olympischen Spielen.

Bei großen Meisterschaften ist der 4-mal-400-Meter-Staffellauf oftmals der letzte Wettbewerb.

Der erste Läufer startet wie beim 400-Meter-Lauf im Tiefstart von Startblöcken und zum Ausgleich der Kurvenstrecke versetzt. Die erste Runde sowie die ersten 100 Meter der zweiten Runde sind in Bahnen zu laufen, danach dürfen alle Läufer zur Innenbahn einschwenken. Wenn nicht mehr als vier Mannschaften teilnehmen, ist es zulässig, nur die ersten 100 Meter in Bahnen zu laufen.

Für den Wechsel zwischen den Läufern ist der Raum von jeweils zehn Metern vor und hinter der Ziellinie vorgesehen.

Der zweite Läufer startet zum Ausgleich der Kurve versetzt von der gleichen Ablaufmarke wie beim 800-Meter-Lauf. Beim Wechsel vom zweiten zum dritten und vom dritten zum vierten Läufer stellen sich die übernehmenden Läufer in der Reihenfolge auf, wie ihre Mannschaft den 200-Meter-Punkt der Stadionrunde erreicht hat. Sie müssen diese Position auch beibehalten, wenn sich die Reihenfolge danach bis zur Stabübergabe ändert.

Bei großen Wettkämpfen mit Ausscheidungsrunden durften lange Zeit nur bis zu zwei der Läufer ausgetauscht werden. Ausgetauschte Läufer durften in späteren Runden nicht mehr in der Staffel mitlaufen. Seit spätestens 2019 ist diese Regel hinfällig.

Die Abläufe sind für Freiluftwettkämpfe in Regel 170 und für Hallenwettkämpfe in Regel 217 der technischen Vorschriften der Internationalen Leichtathletik-Föderation IAAF festgelegt.

Geschichte Die ersten Staffelläufe von Leichtathleten gab es um 1880 in den USA nach dem Vorbild von Wettbewerben von Feuerwehrleuten, die jeweils 300 Meter liefen und einen Wimpel übergaben. Der Wimpel wurde durch einen Holzstab von einem Fuß Länge (30,48 cm) ersetzt.

Bei den Olympischen Spielen 1908 in London wurde zunächst die olympische Staffel ins Programm genommen, bei der zweimal 200 Meter und je einmal 400 und 800 Meter zu laufen waren. Die bis in die Gegenwart üblichen Streckenlängen, 4-mal 100 Meter und 4-mal 400 Meter wurden bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm eingeführt.

Seit 1963 ist es dem übernehmenden Läufer erlaubt, zehn Meter vor der Ziellinie anzulaufen.

Meilensteine Männer erster offizieller Weltrekord: 3:18,2 min, Irish American AC, 1911 erster Lauf unter 3:10 Minuten: 3:08,2 min, , 1932 erster Lauf unter 3 Minuten: 2:59,6 min, , 1966 erster Lauf unter 2:55 Minuten: 2:54,29 min, , 1993

Frauen erster offizieller Weltrekord: 3:47,4 min, Stadtauswahl Moskau, 1969 erster Lauf unter 3:40 Minuten: 3:37,6 min, , 1969 erster Lauf unter 3:30 Minuten: 3:29,3 min, , 1971 erster Lauf unter 3:20 Minuten: 3:19,2 min, , 1976

Erfolgreichste Mannschaften Männer 16 Olympiasiege: 7 Weltmeisterschaftssiege:

Frauen je drei Olympiasiege: , sowie die vier Weltmeisterschaftssiege:

Die deutschen Männer gewannen bei Olympischen Spielen drei Silbermedaillen: (1928), (1960), (1980) sechs Bronzemedaillen: (1936), viermal: (1952, 1968, 1976 und 1988)

bei Weltmeisterschaften eine Silbermedaille: (1983) eine Bronzemedaille: (1993)

Die deutschen Frauen gewannen bei Olympischen Spielen zwei Goldmedaillen: (1972 und 1976) eine Silbermedaille: (1980) vier Bronzemedaillen: (1972, 1984), (1988) und (1996)

bei Weltmeisterschaften drei Goldmedaillen: (1983 und 1987), (1997) eine Silbermedaille: (2001) zwei Bronzemedaillen: (1991 und 1999)

Die erfolgreichsten deutschen Läufer: wurde 1976 Olympiasiegerin und 1980 Olympiazweite gewann jeweils olympisches Silber (1960) und Bronze (1968) und wurden 1983 und 1987 Weltmeisterinnen ist die einzige deutsche Sportlerin mit vier Weltmeisterschaftsmedaillen (1991 Bronze, 1997 Gold, 1999 Bronze, 2001 Silber)

Statistik Medaillengewinner Männer Medaillengewinner bei Olympischen Spielen Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften

Frauen Medaillengewinnerinnen bei Olympischen Spielen Medaillengewinnerinnen bei Weltmeisterschaften

Weltrekordentwicklung Männer Die früheste registrierte Bestleistung auf der 4-mal-440-Yards-Strecke (4 × 402,336 m) stammt von einer Mannschaft der Princeton University (). Diese lief am 13. Mai 1893 in Philadelphia eine Zeit von 3:34 min 1/5 s (John Chapman, George McCampbell, Irving Brokaw, Theodore Turner).

Nur einmal, als Jamaika 1952 Weltrekord lief, war die Bestleistung nicht im Besitz von US-Sportlern.

Mit über 23 Jahren Bestand waren die 2:56,1 min der USA-Olympiastaffel vom 1. Oktober 1968 einer der langlebigsten Weltrekorde in der Leichtathletikgeschichte. Er wurde erst am 8. August 1992 übertroffen.

Der am 22. Juli 1998 bei den Goodwill Games gelaufene Weltrekord der US-Staffel wurde nachträglich aberkannt aufgrund des Dopinggeständnisses von Antonio Pettigrew.

Elf der zwölf Weltrekorde (auf Meter-Strecken) wurden bei Olympischen Spielen gelaufen (Stand: 2007).

Bemerkungen zur Tabelle: y: 4-mal-440-Yards-Lauf, hier zum Vergleich mit dem ersten 4-mal-400-Meter-Weltrekord angegeben sowie, wenn der Yards-Rekord unter dem Meter-Rekord lag (1928, 1931) Klammerangaben: Elektronisch gestoppte Zeit, sofern der Weltrekord mit den handgestoppten Zeiten registriert wurde Die vollständigen Namen der Läufer stehen unter dem jeweiligen Link

Zeit (min)StaffelDatumOrt 3:18, 1/5 s y (Irish-American AC) 4. September 1911 Celtic Park Harry Schaaf, Mel Sheppard, Harry Gissing, James Rosenberger 3:16,6 15. Juni 1912 Stockholm Mel Sheppard, Edward Lindberg, Ted Meredith, Charles Reidpath 3:16,0 13. Juni 1924 Paris Commodore Cochran, Alan Helffrich, Oliver MacDonald, William Stevenson 3:14,2 5. August 1928 Amsterdam George Baird, Emerson Spencer, Fred Alderman, Ray Barbuti 3:13,4 y 11. August 1928 London George Baird, Morgan Taylor, Ray Barbuti, Emerson Spencer 3:12,6 y (Stanford University) 8. Mai 1931 Fresno Maynor Shore, Alvin Hables, Leslie Hables, Ben Eastman 3:08,2 7. August 1932 Los Angeles Ivan Fuqua, Edgar Ablowich, Karl Warner, Bill Carr 3:03,9(3:04,04) 27. Juni 1952 Helsinki Arthur Wint, Leslie Laing, Herb McKenley, George Rhoden 3:02,2(3:02,37) 8. September 1960 Rom Jack Yerman, Earl Young, Glenn Davis, Otis Davis 3:00,7 21. Oktober 1964 Tokio Ollan Cassell, Mike Larrabee, Ulis Williams, Henry Carr 2:59,6 24. Juli 1966 Los Angeles Robert Frey, Lee Evans, Tommie Smith, Theron Lewis 2:56,1(2:56,16) 20. Oktober 1968 Mexiko-Stadt Vince Matthews, Ron Freeman, Larry James, Lee Evans 2:56,16 1. Oktober 1988 Seoul Danny Everett, Steve Lewis, Kevin Robinzine, Butch Reynolds 2:55,74 8. August 1992 Barcelona Andrew Valmon, Quincy Watts, Michael Johnson, Steve Lewis 2:54,29 22. August 1993 Stuttgart Andrew Valmon, Quincy Watts, Butch Reynolds, Michael Johnson

Frauen Freiluft Während 3-mal-800-Meter-Läufe schon seit 1927 in der Statistik nachweisbar sind, wurden Staffelläufe auf der 400-Meter-Strecke erst in den 1950er Jahren erfasst.

1969, im ersten Jahr der offiziellen Registrierung, wurden allein sieben Weltrekorde im 4-mal-400-Meter-Lauf aufgestellt. Zwei weitere Weltbestleistungen im selben Jahr wurden nicht als Weltrekorde anerkannt, weil jeweils Sportler aus mehreren Ländern liefen: Am 15. Juni erreichte eine skandinavische Staffel 3:42,7 min (0,5 s unter Weltrekord). Am 30. Juli blieb eine Europastaffel in einem Länderkampf gegen die in Stuttgart in 3:32,8 min um 1,4 Sekunden unter dem bestehenden Weltrekord.

1971 stellte erstmals eine DDR-Mannschaft einen Weltrekord auf, und seitdem war die DDR bis 1988 im Besitz der Bestleistung. Darunter sind auch die zwei einzigen Weltrekorde mit gleich besetzter Staffel (9. und 10. September 1972).

Zwei Läuferinnen dieser DDR-Staffeln, Helga Seidler und Monika Zehrt, gelang der seltene Erfolg, an vier Staffel-Weltrekorden beteiligt zu sein (15. August 1971 bis 10. September 1972).

Bemerkungen zur Tabelle: y: Zeit wurde bei einem 4-mal-440-Yards-Lauf (4-mal 402,336 Meter) erzielt und ist hier zum Vergleich angegeben, da erst später Zeiten auf der 400-Meter-Strecke erfasst wurden. In Klammern: Automatisch gestoppte Zeit, als Weltrekord wurde jedoch die handgestoppte Zeit anerkannt Zeit (min)StaffelDatumOrt 4:09,6 y (Spartan Ladies AC) 18. September 1954 Ilford Madeline Wooller, Valerie Robins, Sheila Hoskin, Sylvia Cheeseman 3:49,9 y 14. Juni 1958 London Pam Piercy, Joy Jordan, Diane Leather, Shirley Hampton-Pirie 3:49,4 (Göteborgs KIK) 5. August 1967 Borås Agneta Nilsson, Ann Bramer, Elisabeth Östberg, Ingela Ericson 3:47,0 (Göteborgs KIK) 20. August 1968 Malmö Agneta Nilsson, Elisabeth Östberg, Ingela Ericson, Karin Wallgren Anerkannte Weltrekorde (ab 1969) 3:47,4 (Moskau) 30. Mai 1969 Moskau Ludmila Finogenowa, Tatjana Medwedjewa, Tamara Woitenko, Olga Klein 3:43,2 (Lettland) 1. Juni 1969 Minsk Lilita Zagere, Anna Dundare, Ingrid Verbele, Sarmite Schtula 3:37,6 22. Juni 1969 London Jenny Pawsey, Pauline Attwood, Janet Simpson, Lillian Board 3:34,2 6. Juli 1969 Paris Michele Mombet, Éliane Jacq, Nicole Duclos, Colette Besson 3:33,9 19. September 1969 Athen Christa Czekay, Antje Gleichfeld, Inge Eckhoff, Christel Frese 3:30,8(3:30,82) 20. September 1969 Athen Rosemary Stirling, Pat Lowe, Janet Simpson, Lillian Board 3:30,8 (3:30,85) 20. September 1969 Athen Bernadette Martin, Nicole Duclos, Éliane Jacq, Colette Besson 3:29,3 15. August 1971 Helsinki Rita Kühne, Ingelore Lohse, Helga Seidler, Monika Zehrt 3:28,8 5. Juli 1972 Colombes Dagmar Käsling, Rita Kühne, Helga Seidler, Monika Zehrt 3:28,5(3:28,48) 9. September 1972 München Dagmar Käsling, Helga Seidler, Monika Zehrt, Brigitte Rohde 3:23,0(3:22,95) 10. September 1972 München Dagmar Käsling, Rita Kühne, Helga Seidler, Monika Zehrt 3:19,2(3:19,23) 31. Juli 1976 Montreal Doris Maletzki, Brigitte Rohde, Ellen Streidt, Christina Brehmer 3:19,04 11. September 1982 Athen Kirsten Siemon, Sabine Busch, Dagmar Rübsam, Marita Koch 3:15,92 3. Juni 1984 Erfurt Gesine Walther, Sabine Busch, Dagmar Rübsam, Marita Koch 3:15,17 1. Oktober 1988 Seoul Tazzjana Ljadouskaja, Olga Nasarowa, Marija Pinigina, Olha Bryshina

Halle Zeit (min)StaffelDatumOrt 3:23,37 28. Januar 2006 Glasgow

Weltbestenliste Männer Alle Zeiten von 2:58,20 Minuten oder schneller. Staffeln der gleichen Mannschaft sind genannt, sofern in jeweils unterschiedlicher Besetzung oder Reihenfolge gelaufen wurde.

Letzte Veränderung: 10. August 2024 2:54,29 min (Andrew Valmon, Quincy Watts, Harry Reynolds, Michael Johnson), Stuttgart, 22. August 1993 2:54,43 min (Christopher Bailey, Vernon Norwood, Bryce Deadmon, Rai Benjamin), Paris, 10. August 2024 2:54,53 min (Bayapo Ndori, Busang Collen Kebinatshipi, Anthony Pesela, Letsile Tebogo), Paris, 10. August 2024 2:55,39 min (LaShawn Merritt, Angelo Taylor, David Neville, Jeremy Wariner), Peking, 23. August 2008 2:55,56 min (LaShawn Merritt, Angelo Taylor, Darold Williamson, Jeremy Wariner), Osaka, 2. September 2007 2:55,70 min (Michael Cherry, Michael Norman, Bryce Deadmon, Rai Benjamin), Tokio, 7. August 2021 2:55,74 min (Andrew Valmon, Quincy Watts, Michael Johnson, Steve Lewis), Barcelona, 8. August 1992 2:55,83 min (Alex Haydock-Wilson, Matthew Hudson-Smith, Lewis Davey, Charles Dobson), Paris, 10. August 2024 (Europarekord) 2:55,91 min (Otis Harris, Derrick Brew, Jeremy Wariner, Darold Williamson), Athen, 28. August 2004