Der FSV Zwickau (ausgeschrieben: Fußball-Sport-Verein Zwickau e. V.) ist ein Fußballverein in der westsächsischen Stadt Zwickau. Er wurde am 28. August 1912 als Planitzer SC, kurz PSC, gegründet. Die erste Herrenmannschaft spielt in der viertklassigen Regionalliga Nordost.
Strukturelle Entwicklung Die Wurzeln des FSV liegen im Zwickauer Stadtteil Planitz. Dort spielte vor dem Zweiten Weltkrieg der Planitzer SC, der von 1933 bis 1944 in der Gauliga Sachsen (1. Liga) vertreten war. Nach Kriegsende wurden durch Beschluss des Alliierten Kontrollrates alle Sportvereine aufgelöst. Zur Weiterführung des Sportverkehrs wurden lose organisierte Sportgemeinschaften (SG) erlaubt, die anfangs nur auf lokaler Ebene Wettkämpfe austragen durften. Planitzer Sportler gründeten am 15. März 1946 die SG Planitz, die sich in der Folge zunächst im Kreis Zwickau, ab 1947 im Land Sachsen an den Fußballmeisterschaften beteiligte.
Um den Sportgemeinschaften in der SBZ eine gesicherte Finanzierung und Logistik zu gewährleisten, wurde der Sportbetrieb ab 1948 über Betriebssportgemeinschaften (BSG) organisiert. Dies nutzten mehrere Zwickauer Sportgemeinschaften, um mit Hilfe des Fahrzeugwerks Horch und unter Hinzuziehung von Fußballspielern der SG Planitz am 15. März 1949 die Zentrale Sportgemeinschaft (ZSG) Horch Zwickau zu gründen. Nachdem im Mai 1950 in der inzwischen gegründeten DDR die republikweit agierende Sportvereinigung Motor für den Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau ins Leben gerufen worden war, wurde am 14. Mai 1950 die ZSG in die BSG Motor Zwickau umgewandelt.
1968 wurde die BSG Motor zum Vorreiter der betriebsbezogenen Namensänderungen bei Betriebssportgemeinschaften. Als erste BSG in den höheren Fußball-Ligen legten die Zwickauer den Namen der Sportvereinigung ab und verwiesen ab 1. Februar 1968 mit der neuen Bezeichnung BSG Sachsenring deutlich auf ihren Trägerbetrieb VEB Sachsenring Automobilwerke (vormals Horch) hin. Am 31. März 1969 schloss sich die BSG Aktivist Karl Marx Zwickau der BSG Sachsenring an. Die in der zweitklassigen DDR-Liga spielende Fußballmannschaft trat künftig als BSG Sachsenring II an. Nach der politischen Wende von 1989/90 wurde das Verbot der Bildung von Vereinen hinfällig und die politische Beeinflussung des Sports durch die DDR-Regierung beendet. Beides nahmen Mitglieder der Sektion Fußball der BSG Sachsenring zum Anlass, am 31. Januar 1990 die Ausgliederung und Gründung des eingetragenen Vereins Fußball-Sport-Verein (FSV) Zwickau zu beschließen.Karl-Heinz Platz Fußball im Bezirk Karl-Marx-Stadt 1952-1990/Teil 4 1980/81-1989/90 DSFS 2005
Ende Januar 2020 wurde auf einer Mitgliederversammlung über die Ausgliederung der Profimannschaft in eine Kommanditgesellschaft abgestimmt. Dabei stimmten 87,8 % der 378 anwesenden Mitglieder dem Vorhaben zu.FSV Zwickau: Mitglieder beschließen die Ausgliederung, liga3-online.de, abgerufen am 26. Januar 2020
Zeitleiste28. August 1912Planitzer SC 15. März 1946 SG Planitz 15. März 1949 ZSG Horch Zwickau 14. Mai 1950 BSG Motor Zwickau 1. Februar 1968 BSG Sachsenring Zwickau 1. Januar 1990 FSV Zwickau (lt. Satzung)
Historische Logos:
Entwicklung im Fußball Betriebssportgemeinschaft 1948 hatte sich die SG Planitz für die Teilnahme an der 1. Fußball-Ostzonenmeisterschaft qualifiziert und besiegte im Endspiel die SG Freiimfelde Halle durch ein Tor von Horst Weiß mit 1:0. Als Vierter in der Finalrunde Sachsen 1949 verpasste die neu gebildete ZSG Horch Zwickau die Teilnahme an der Ostzonenmeisterschaft 1949, erreichte aber in den Qualifikationsspielen der Halbfinalverlierer im FDGB-Pokal gegen die SG Zeiss Jena (1:1 n. V., 2:2 n. V., 3:0) die Teilnahme an der Ostzonenliga (später DDR-Oberliga), die 1949/50 in ihre erste Saison ging. Dort wurde die ZSG mit 20 Siegen, einem Unentschieden und fünf Niederlagen erster Fußballmeister der DDR. Die Stammelf setzte sich aus folgenden Spielern zusammen:
Max Hofsommer (16 Spiele/Tore -) – Egon Jugel (19/-), Helmut Schubert (18/-) – Manfred Fuchs (22/-), Gottfried Lenk (21/14), Herbert Heinze (26/11) – Lothar Kunack (24/6), Siegfried Meier (26/6), Heinz Satrapa (23/20), Karl Dittes (16/3), Johannes Breitenstein (21/1)
Bis 1983 spielten die Zwickauer ohne Unterbrechung in der DDR-Oberliga. Als BSG Motor wurden sie 1963 und 1967 DDR-Pokalsieger, 1975 holten sie als BSG Sachsenring ihren dritten Pokalerfolg. Im Europapokal der Pokalsieger 1975/76 errang die BSG Sachsenring ihren größten internationalen Erfolg. Nach der Eliminierung von Panathinaikos Athen (0:0, 2:0), AC Florenz (0:1, 1:0/5:4 E) und Celtic Glasgow (1:1, 1:0) erreichten die Zwickauer das Halbfinale und unterlagen erst dort dem späteren Pokalsieger RSC Anderlecht mit 0:3 und 0:2. Nach Gründung der Sport- bzw. Fußballclubs war Zwickau mehrfach bei Abschluss der Saison die bestplatzierte BSG in der Oberliga. 1983 musste Sachsenring Zwickau erstmals aus der Oberliga absteigen. Die Folgejahre waren von mehreren Auf- und Abstiegen zwischen DDR-Liga und Oberliga geprägt. Die letzte Saison im DDR-Fußball-Spielbetrieb beendete die BSG Sachsenring 1989/90 auf Platz vier in der DDR-Liga.
Fußball-Sport-Verein Zwickau e. V. Der neue Verein FSV Zwickau spielte 1990/91 in der zweitklassigen Liga des Nordostdeutschen Fußballverbandes weiter. Als Sieger der Staffel B qualifizierten sich die Zwickauer für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, wurden aber nur Dritter und mussten 1991/92 in der Fußball-Oberliga Nordost, der damals 3. Spielklasse im DFB-Ligensystem, antreten.
Von der Saison 1994/95 bis 1997/98 spielte der FSV Zwickau in der Zweiten Bundesliga. Während der vier Serien im Profifußball wurde 1995/96 sogar der Aufstieg in die 1. Liga knapp verpasst. Im Jahre 1998 stieg die Mannschaft wieder in das Amateurlager ab. Vorausgegangen war Ende 1996 die Entlassung des Erfolgstrainers Gerd Schädlich. In der Mitte der ersten Halbserie 1999/2000 spitzte sich die finanzielle Lage des FSV zu, welche in der Zahlungsunfähigkeit des Vereins gipfelte. Das Insolvenzverfahren wurde nach längerer Zeit erfolgreich abgeschlossen. Seitdem hießen die Ziele beim FSV Zwickau Konsolidierung der Finanzen und sportlicher Neuanfang. 2005 stieg der Verein aus der Südstaffel der Oberliga Nordost (damals vierte Liga in Deutschland) in die Landesliga Sachsen ab, der direkte Wiederaufstieg gelang. Ab der Saison 2006/07 spielte der FSV Zwickau wieder in der NOFV-Oberliga Süd (fünfte Liga nach Gründung der 3. Liga in Deutschland). Nach nur einem Punkt aus vier Spielen wurde Trainer Heinz Dietzsch im September 2007 entlassen und von Peter Keller abgelöst.
Nachdem bekannt wurde, dass der Verein Schulden in Höhe von ca. 700.000 € hat, musste der Verein am 8. März 2010 erneut Insolvenz anmelden. Nach erfolgreichem Abschluss des zweiten Insolvenzverfahrens 2010 spielte der FSV Zwickau weiter in der fünften Liga und stand 2012 bereits Wochen vor Saisonschluss als Aufsteiger in die Regionalliga Nordost fest. Dort beendete der Verein die Saison 2012/13 als Tabellendritter hinter RB Leipzig und dem FC Carl Zeiss Jena. In der Spielzeit 2014/15 verspielte der FSV Zwickau in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem 1. FC Magdeburg erst am vorletzten Spieltag die Meisterschaft der Regionalliga Nordost und damit die Relegation um den Aufstieg in die 3. Liga.
Ein Jahr später erreichte der Fußball-Sport-Verein Zwickau e. V. die Aufstiegsspiele: In der Saison 2015/16 belegten die Sachsen aufgrund des besseren Torverhältnisses den ersten Platz vor dem punktgleichen Berliner AK. In den Spielen um den Aufstieg in die 3. Liga traf das Team von Trainer Torsten Ziegner auf die SV Elversberg. Das Hinspiel im Saarland endete 1:1. Das Rückspiel im Plauener Vogtlandstadion ging mit 1:0 für den FSV aus, wodurch dieser in der Saison 2016/17 zum ersten Mal in die 3. Liga aufstieg. Nach einer schwachen ersten Halbserie und finanziellen Problemen, die eine Nachlizenzierung erforderlich machten, beantragte der FSV Zwickau keine Lizenz für die 2. Bundesliga. Nach 38 Spieltagen entwickelte sich der FSV Zwickau jedoch zum zweitbesten Rückrundenverein, punktgleich hinter Holstein Kiel, und beendete die Saison auf Tabellenrang 5.
Die zweite Mannschaft des Vereins beendete die Saison 2010/11 in der Bezirksklasse als Erster und stieg in die Bezirksliga auf. In der Spielzeit 2011/12 beendete die zweite Mannschaft die Saison auf Platz 1 und spielte ab 2012/13 in der Landesliga Sachsen. Nach der Saison 2015/16 wurde die zweite Mannschaft aufgelöst.FuPa.net: FSV Zwickau meldet U23-Mannschaft ab
Im Frühjahr 2023 stieg der Verein aus der 3. Liga ab, nachdem er seit der Spielzeit 2016/17 ununterbrochen in dieser vertreten gewesen war. Nur der Hallesche FC war noch länger Teil der Liga. Infolgedessen geriet der FSV in wirtschaftliche Schieflage, jedoch wurde ein Investoreneinstieg abgelehnt und sich stattdessen für ein Crowdfunding unter dem Motto Fußball gehört den Fans zur Rettung des Vereins entschieden. Um eine Finanzlücke von rund 500.000 Euro schließen zu können und die Löschung aus dem Vereinsregister zu verhindern, vereinbarte beispielsweise Dynamo Dresden die Austragung eines Freundschaftsspiels, für das die Zuschauer Tickets kaufen können.SGD will Zwickau am 22. Juli mit Testspiel helfen, dynamo-dresden.de, abgerufen am 13. Juli 2023 Rot-Weiss Essen, wie die Dresdner noch in der abgelaufenen Saison zweimaliger Gegner Zwickaus, sicherte finanzielle Hilfe zu und rief auch sein Vereinsumfeld auf, sich dem FSV finanziell zuzuwenden.FSV Zwickau am Abgrund – Rot-Weiss Essen hilft mit Spende, waz.de, abgerufen am 13. Juli 2023
Erfolge Meisterschaften und Pokalwettbewerbe 1915 Meister der 2. Klasse Kriegsmeisterschaft Gau Westsachsen Planitzer SC 1921 Meister der Verbandsklasse 1 1929 Meister der Gauliga Westsachsen 1929 Viertelfinale der Mitteldeutsche Fußballmeisterschaft 1931 Meister der Gauliga Westsachsen 1932 Halbfinale der Mitteldeutsche Fußballmeisterschaft 1933 Vizemeister der Gauliga Westsachsen 1940 Meister der Gauliga Sachsen 1941 Vizemeister der Gauliga Sachsen 1942 Sachsengaumeister 1942 Viertelfinale der Deutschen Meisterschaft 1943 Vizemeister der Gauliga Sachsen 1944 Viertelfinale der Martin-Mutschmann-Pokal 1946 Kreismeister ZwickauSG Planitz 1948 Westsachsenmeister 1948 Ostzonenmeister 1949 Bezirksmeister Westsachsen 1949 Sieger des FDGB-Landespokals Sachsen ZSG Horch Zwickau 1950 DDR-Meister 1963 FDGB-Pokalsieger BSG Motor Zwickau 1967 FDGB-Pokalsieger 1975 FDGB-Pokalsieger BSG Sachsenring Zwickau 1976 Halbfinale EC-Pokalsieger 1984 Meister der DDR-Liga 1985 Meister der DDR-Liga 1987 Vizemeister der DDR-Liga 1988 Meister der DDR-Liga 1991 Meister der DDR-Liga FSV Zwickau 1992 Meister der NOFV-Oberliga Staffel Süd 1994 Meister der NOFV-Oberliga Staffel Süd 1996/97 Achtelfinale DFB-Pokal 2006 Sachsenmeister 2007 Sieger des 7.EnviaM-Hallenmasters 2007 Sieger des Radeberger-Cup 2012 Meister der NOFV-Oberliga Staffel Süd 2015 Vizemeister der Regionalliga Nordost 2016 Meister der Regionalliga Nordost 2024 Sieger des ZEV Hallenmasters
Teilnahme an Mitteldeutscher Fußballpokal 1927/28, 1928/29, 1930/31, 1931/32, 1932/33 Teilnahme an Tschammerpokal 1936, 1937, 1939, 1940, 1941, 1942, 1943, 1944 Teilnahme an Deutsche Fußballmeisterschaft 1941/42 Teilnahme an Ostzonenmeisterschaft 1948 Finalist FDGB-Pokal 1954 Teilnahme an DFB-Pokal 1995/96, 1996/97, 1997/98, 1998/99, 2016/17 Finalist Sachsenpokal 2001, 2002, 2015, 2016, 2019, 2026 Teilnahme an Volkswagen-Cup: 2025
Aufstiege
1915 Westsachsen-Klasse 1Planitzer SC 1922 Gauliga Westsachsen 1933 Gauliga Sachsen 1948 Bezirksliga Westsachsen SG Planitz 1985 Oberliga BSG Sachsenring Zwickau 1988 Oberliga 1994 2. Bundesliga FSV Zwickau 2006 NOFV-Oberliga 2012 Regionalliga Nordost 2016 3. Liga
Internationale Begegnungen Europäische Pokalwettbewerbe Zwickau spielte dreimal im Europapokal der Pokalsieger, darunter einmal bis in das Halbfinale 1975/76, und einmal im International Football Cup
Europapokal der Pokalsieger 1963/64