mini|Braunkohletagebau Welzow-Süd, Lausitzer Revier, 2005 Unter Braunkohlebergbau versteht man den Abbau von Braunkohle. Er geschieht meist im Tagebau mit Hilfe von Braunkohlebaggern und Förderbrücken oder Förderbändern und ist mit schwerwiegenden Eingriffen in die Umwelt verbunden.
Deutschland In Deutschland findet Braunkohlenbergbau in den Revieren Rheinland, Lausitz und Mitteldeutschland statt. Die Förderung dieser Braunkohle findet ausschließlich im Tagebau statt. Im Jahr 2019 wurden insgesamt 131,3 Millionen Tonnen Rohbraunkohle gefördert. Braunkohle wurde in Deutschland zu 90,5 Prozent zur Strom- und Fernwärmeerzeugung in öffentlichen und industriellen Kraftwerken eingesetzt. 10,5 Prozent gingen an Veredlungsbetriebe zur Herstellung von Briketts, Koks, Staubkohlen, Wirbelschichtkohlen und Braunkohlenxylit. Das Kohleverstromungsbeendigungsgesetz vom 13. August 2023 regelt den Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland bis 2038. 2019 waren bundesweit rund 15.567 Menschen im Braunkohlebergbau beschäftigt.
Der Flächenverbrauch der deutschen Braunkohletagebaue betrug mit Stand 2021 1,6 Hektar pro Tag. Laut Statistik der Kohlenwirtschaft wurde seit Beginn der Abbautätigkeiten für Braunkohlen in Tagebauen in Deutschland insgesamt 179.402 Hektar Fläche in Anspruch genommen. Mit Stand 2021 verbleiben 54.086 ha Betriebsflächen, die übrigen 125.317 ha wurden bereits rekultiviert. Zudem wurden mehr als 300 Siedlungen für den Braunkohlebergbau aufgegeben und ca. 100.000 Menschen umgesiedelt. Neben weiteren negativen Einflüssen auf die Wasserqualität kam es u. a. auch auf einer Fläche von ca. 6.000 km² zu Grundwasserabsenkungen.. Internetseite des Bundesumweltministeriums. Abgerufen am 17. Juni 2017.
Geschichte mini|Rheinisches Braunkohlerevier mini|Tagebau Garzweiler mini|Braunkohletagebau Amsdorf im Landkreis Mansfeld-Südharz Ab dem 16. Jahrhundert wurde eine Holznot (ein bevorstehender oder bereits akut anzutreffender Mangel am Rohstoff Holz) als gesellschaftliches Problem wahrgenommen. Um 1800 waren weite Teile Europas entwaldet; viele der restlichen Wälder waren übernutzt. Vielerorts gab es jeden Winter einen akuten Mangel an Brennholz und anderen Heizstoffen; (siehe auch Geschichte des Waldes in Mitteleuropa).
Vielerorts wurden Schächte gegraben bzw. gebohrt mit dem Ziel, neue Kohlereviere und andere Bodenschätze zu finden („Mutungsbohrungen“).
Im ausgehenden 17. Jahrhundert entdeckte man, dass die nasse, unbrauchbare Schicht, die bei der Tongewinnung für die Keramik-Industrie im Raum von Brühl (zwischen Köln und Bonn) und Frechen (zwischen Köln und Aachen) über der Tonschicht lagerte und abgeräumt werden musste, brennbar war, nachdem man sie mittels Sonne und Luft getrocknet hatte. Diese torfähnliche Substanz (Turf) ließen die jeweiligen Grundherren nun in kleinen Gruben von Kleinbauern und Tagelöhnern mit Hacke und Spaten abgraben. Er wurde in Töpfen zu Klütten (von ripuarisch Kluit = Klumpen) verdichtet und im Sommer an der Luft getrocknet. Die Klütten hatten nur einen geringen Heizwert. Sie wurden vor Ort genutzt oder in umliegenden Siedlungen an arme Leute verkauft. Solche Gruben bestanden noch bis in die 1920er Jahre.
1698 begann man bei Mücheln/Braunsbedra nach Braunkohle zu graben. Dies gilt als die „Geburtsstunde“ des Mitteldeutschen Braunkohlereviers. Dessen Anfänge datierte der Geographieprofessor Eckhard Oelke (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) hingegen in das Jahr 1382, in dem eine kolgrube in Lieskau bei Halle (Saale) in einer Urkunde erwähnt wurde.Zusammenfassung der Forschungsergebnisse Oelkes für den mitteldeutschen Raum, abgerufen am 17. Oktober 2015.
Im späteren Westrevier des Rheinischen Braunkohlereviers (Tagebau Zukunft und Tagebau Inden) stieß man 1819 beim Brunnenbau in der Ortschaft Lucherberg bei Inden auf Braunkohle. 1826 begann der Grundherr Karl von Goldstein mit dem Abbau eines 7,5 Meter mächtigen Flözes.
1830 bis 1924 wurde die Grube Astrea betrieben (Rheinland) – teils im Tage- und teils im Untertagebau.
Lausitzer Braunkohlerevier: Das 1. Lausitzer Flöz im Raum Welzow wurde ab dem 19. Jahrhundert abgebaut, in der Regel im Tiefbau in kleinen Gruben, darunter auch in unangemeldeten Gruben. Grube Clara I Welzow begann den Braunkohlenabbau auf der Welzower Hochfläche im Jahr 1866.Wolfgang Schossig u. a.: Bergbau in der Niederlausitz. Cottbus 2007. S. 27.
1856 begann man, bei Nachterstedt/Schadeleben (Mitteldeutsches Braunkohlerevier) Braunkohle abzubauen (bis 1991, heute Concordiasee).
Im Zuge der Industrialisierung kam es in allen Ländern Europas im 19. Jahrhundert zu einem starken Bevölkerungswachstum (siehe z. B. Demografie Deutschlands). Es gab eine Verstädterung. Zahlreiche technische Erfindungen ermöglichten Neuerungen. Wohnbevölkerung, Handwerk, Gewerbe und Industrie brauchten Brennstoff zum Heizen und zum Betreiben von Dampfmaschinen. Das im 19. Jahrhundert entstandene Eisenbahnnetz und neue Kanäle (Liste hier) machten den Transport von Massengütern über lange Strecken möglich und erschwinglich.
Ab 1859 verband die Dombrücke in Köln das westliche Rheinland mit dem Ruhrgebiet. Sie war die zweite Eisenbahnbrücke über den Rhein (nach der wesentlich kürzeren Rheinbrücke Waldshut–Koblenz, die kurz zuvor eröffnet worden war). Vorübergehend ging der Braunkohle-Absatz durch die Konkurrenz der billigen Steinkohle aus dem Ruhrbergbau zurück; 1876 (während der Gründerkrise) erreichte er einen kurzen Tiefstand.
Unternehmer in Brühl machten 1877 (Gewerkschaft Roddergrube) und 1878 (Gewerkschaft Brühl) die Kohlegewinnung durch dampfbetriebene Lenzpumpen konkurrenzfähig und revolutionierten die Herstellung von Briketts durch maschinelle Pressen. Solche Pressen waren 1872 im mitteldeutschen Revier entwickelt worden. In rascher Folge wurden weitere Brikettfabriken gegründet. Überregionale Bahnstrecken sowie die lokalen Bahnen Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn von 1893, Bergheimer Kreisbahn 1897/1899 und Hürth-Kalscheuren–Hürth-Knapsack von 1901 verbanden Orte in der Ville, erschlossen weitere Kohlefelder oder banden Gruben an Nachfrageräume an.
Die erste Brikettfabrik im Westen wurde 1888 durch die Gewerkschaft Maria Theresia zu Herzogenrath (bei Aachen) errichtet. 1913 wurde im Westrevier die Braunkohle-Industrie AG Zukunft als Zusammenschluss verschiedener kleiner Gewerkschaften mit dem Ziel gegründet, ein Braunkohlekraftwerk zu bauen. 1914 gingen der Tagebau Zukunft und das erste Kraftwerk Weisweiler in Betrieb. mini|Der Eiserne Mann im Gruhlwerk 1907 Die Mechanisierung machte weitere Fortschritte: 1895 wurde der erste Abraumbagger, der für den Bau des Nord-Ostsee-Kanals gebaut worden war, in der Grube Donatus bei Liblar eingesetzt.Baumaschinen - 1.) ERDBAU auf ak190x.de Der erste Schrämbagger zum Kohleabbau kam 1907 im Brühler Gruhlwerk zum Einsatz und erhielt den Namen „Eiserner Mann“.Arno Kleinebeckel: Unternehmen Braunkohle. Geschichte eines Rohstoffs, eines Reviers, einer Industrie im Rheinland. Köln 1986. S. 117 ff. u. S. 155. 1909 arbeiteten bereits vier Kohlebagger in den 29 Gruben; 1913 hatten nur drei Gruben keine Bagger. Die Förderung stieg von fünf Millionen Tonnen 1905 auf 17,4 Millionen Tonnen im Jahr 1913. Der Vertrieb war gegenüber der traditionellen Steinkohle schwierig. Die Gruben machten sich untereinander Konkurrenz. 1899 schlossen sich 19 Gruben zu einem Verkaufssyndikat zusammen, um Briketts als Markenartikel unter dem Namen Union-Brikett mit einheitlichen Standards zu vertreiben.
Im Nordrevier wurde 1907 zwischen Neurath und Garzweiler durch den Aufschluss des Feldes Rheingold mit dem kommerziellen Abbau begonnen, zuerst noch mit Hacken und Loren. Ein Jahr später wurde der erste Kratzbagger eingesetzt. Heute sind die Grubenfelder im Tagebau Garzweiler zusammengefasst.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Förderleistung in allen deutschen Braunkohlegebieten sehr stark gesteigert. Deutschland musste nach dem Versailler Vertrag zahlreiche Gebiete abtreten und verlor etwa 40 % seiner besten Steinkohlenvorkommen. Die belassenen Steinkohlenreviere mussten zudem erhebliche Reparationsleistungen abliefern. Damit wurde die Braunkohle in allen Industriezweigen zu einem unentbehrlichen Energiefaktor. Während vor dem Jahr 1919 der Anteil der Braunkohle an der elektrischen Energieerzeugung wegen ihres geringen Heizwertes, ihrer schlechten Transportfähigkeit sowie der fehlenden Heiz- und Übertragungstechnik gar keine Rolle gespielt hatte, erzwangen die mit den Gebietsabtretungen verbundene Kohlenknappheit und die Autarkiebestrebungen in der Weimarer Republik eine Zunahme auf einen Anteil von fast 60 % der Energieerzeugung.Ursula Bischoff: Der Einfluss der bergbaulichen Traditionen und großindustriellen Entwicklungen auf das soziale Gefüge und die Mobilität der Braunkohlenarbeiterschaft von Borna. Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin, 2000, S. 76. Humboldt-Universität zu Berlin, abgerufen am 20. September 2019.
Das in der DDR herrschende SED-Regime baute die Braunkohle praktisch ohne Rücksicht auf Umweltbelange ab. Seit der ersten Ölpreiskrise hatte die Sowjetunion (die führende Macht im Ostblock bzw. im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) der DDR die Preise für Rohöllieferungen erhöht; seitdem (und aus Devisenmangel) nutzte die DDR die Braunkohle noch mehr als zuvor.
Leistungszahlen Stand 2006: Revier Abraumbewegung in 1000 m3 Braunkohlengewinnung in 1000 t Abraum-Kohleverhältnis (A/K) m3/t Heizwert in kJ/kgRheinland415.79896.1784,3 : 18.896Lausitz426.59457.9557,4 : 18.638Mitteldeutschland73.65020.3533,6 : 110.486Helmstedt13.5611.8047,5 : 110.797Insgesamt929.603176.3215,3 : 19.014
Stand 2016: Revier Abraumbewegung in 1000 m3 Braunkohlengewinnung in 1000 t Abraum-Kohleverhältnis (A/K) m3/t Heizwert in kJ/kgRheinland428.24290.4514,7 : 19.005Lausitz372.71262.2926,0 : 18.528Mitteldeutschland50.90317.7302,9 : 110.669Helmstedt371.074 -10.878Insgesamt851.895171.5475,0 : 19.030 Stand 2024: Revier Abraumbewegung in 1000 m3 Braunkohlengewinnung in 1000 t Abraum-Kohleverhältnis (A/K) m3/t Heizwert in kJ/kgRheinland191.18343.8524,4 : 19.016Lausitz219.02137.8475,8 : 18.730Mitteldeutschland39.93710.2423,9 : 110.693Insgesamt450.14291.9414,9 : 19.134
Reviere in Deutschland mini|Luftbild des aktiven Tagebaus Jänschwalde im Lausitzer Braunkohlerevier (2017) Braunkohlebergbau findet in Deutschland noch in den folgenden Bergbaurevieren im Tagebau statt: Rheinisches Braunkohlerevier in der Region Aachen – Ville (Rheinland) Mitteldeutsches Braunkohlerevier in der Region Halle-Leipzig-Altenburg-Quedlinburg Lausitzer Braunkohlerevier in der Lausitz um Cottbus, Hoyerswerda, Spremberg
In früherer Zeit fand Bergbau auch in den folgenden Revieren im Tagebau statt: Oberlausitzer Braunkohlerevier zwischen Görlitz und Zittau Oberpfälzer Braunkohlerevier in der Oberpfalz (Schwandorf, Oberpfälzer Seenland) Südlich und östlich von Berlin in Brandenburg im Raum Finkenheerd-Frankfurt (Oder)www.viademica.de Niederhessisches Braunkohlerevier: mit Borkener Braunkohlerevier, Hirschberg bei Großalmerode, Hoher Meißner Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier (Thüringen, sowohl Tagebau als auch im Tiefbau) Westerwälder Braunkohlerevierwww.alt-breitscheid.de in der heutigen UNESCO-Weltnaturerbestätte Grube Messel bei Darmstadt in Hessen wurde u. a. Braunkohle und Ölschiefer abgebaut Wetterauer Braunkohlerevier in Hessen Großwelzheim in Bayern Griese Gegend in Mecklenburg und Prignitz in BrandenburgF. Plettner: Die Braunkohle in der Mark Brandenburg: ihre Verbreitung und Lagerung., 1852 Fläming bei Coswig, Sachsen-Anhalt Oderhänge zwischen Frankfurt (Oder) und Stettin in der Neumark und PommernW. Pflug, 1998. Braunkohlentagebau und Rekultivierung. Landschaftsökologie-Folgenutzung-Naturschutz. Weserbergland bei Hameln in Niedersachsen neben Steinkohle: Osterwald (Salzhemmendorf) Helmstedter Braunkohlerevier in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt bis 2016