Die Senvion S.A. mit Sitz in Luxemburg (bis 2014 REpower Systems) war ein börsennotierter Windenergiekonzern. Das Unternehmen entwickelte, produzierte und vertrieb Windkraftanlagen mit Nennleistungen von 2,0 bis 6,33 Megawatt und Rotordurchmessern von 82 bis 152 Metern. Hergestellt wurden Onshore- und Offshore-Anlagen.

Am 9. April 2019 beantragte die deutsche Tochtergesellschaft Senvion GmbH, die die wesentlichen Aktiva hielt, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Nachdem der Verkauf des Unternehmens als Ganzes scheiterte, übernahm Siemens Gamesa im Laufe des Jahres 2020 die Sparte europäisches Onshore-Servicegeschäft und die Rotorblattfabrik Ria Blades in Portugal.siemensgamesa.com: Siemens Gamesa successfully completes acquisition of European Service assets and IP from Senvion Pressemitteilung, Englischwindkraft-journal.de: Siemens Gamesa erwirbt Werk von Ria Blades teils Englisch, teils Deutsch

Geschichte Die REpower Systems entstand im Jahr 2001 unter Führung des damaligen Vorstandsvorsitzenden Fritz Vahrenholt aus der Fusion der Unternehmen Jacobs Energie, Brandenburgische Wind- und Umwelttechnologien GmbH (BWU), pro + pro Energiesysteme GmbH & Co. KG (Rendsburg) sowie Denker & Wulf.Senvion: Geschäftsbericht 2001, abgerufen am 17. September 2015 Unter Vahrenholt, der ab 2008 in den Aufsichtsrat von Repower rückte, wurde das Unternehmen zum „drittgrößten deutschen Hersteller von Windkraftanlagen der Multi-Megawattklasse im Onshore- und Offshorebereich“ nach Enercon und Vestas Wind Systems – mit weltweiten Tochter- und Beteiligungsunternehmen, darunter in Frankreich, Großbritannien, Portugal, China, Australien und den USA.

Die Anfänge als Jacobs Energie Die Jacobs Energie GmbH war 1991 in Heide (Holstein) gegründet worden. 1994 stellte das Unternehmen seine erste Windkraftanlage fertig.Die Welt: Jacobs Windenergie weiht Firmensitz in Husum ein, 7. Oktober 2000 1995 wurde die Projektierungs- und Betreibergesellschaft Regenerative Energien Denker & Dr. Wulf KG (REKG) in Sehestedt gegründet.Website Denker & Wulf: Historie – 1995, abgerufen am 4. Dezember 2018 Jacobs Energie und die 1996 gegründete BWU entwickelten zusammen eine 600-kW-Anlage (Typ 43/600). Ein weiteres Vorgängerunternehmen war die Husumer Schiffswerft, die seit Ende der 1980er Jahre Windenergieanlagen produzierte. Die Windenergiesparte der Husumer Schiffswerft wurde nach deren Insolvenz 1999 von der Jacobs Energie GmbH übernommen. Die Windkraftanlage HSW 1000 wurde von Repower (als Repower 57/1000) weiter produziert. Im März 2002 ging Repower an die Börse.REpower: Geschäftsbericht 2002, abgerufen am 17. September 2015 2004 trennte sich Denker & Wulf von Repower.Website Denker & Wulf: Historie – 2004, abgerufen am 4. Dezember 2018

Übernahme 2007 Am 22. Januar 2007 veröffentlichte der damals größte Aktionär von REpower, der französische Atomenergiekonzern Areva, ein Übernahmeangebot, um in den Besitz von mindestens 50 Prozent der REpower-Aktien zu kommen. Am 9. Februar 2007 machte der indische Windenergiekonzern Suzlon Energy mit Unterstützung der portugiesischen Martifer Group ein Gegenangebot. Eine monatelange Übernahmeschlacht zwischen den beiden Bietern folgte:

Datum Bieter Preis pro Aktie Marktkapitalisierung Quelle Areva 105 Euro 850 Mio. Euro Suzlon 126 Euro 1.021 Mio. Euro Areva 140 Euro 1.137 Mio. Euro Suzlon 150 Euro 1.220 Mio. Euro

Areva beendete am 24. Mai 2007 den Bieterkampf und teilte mit, kein weiteres Angebot mehr zu machen. Man wolle REpower weiter unterstützen und seinen Anteil zunächst behalten. Zuvor hatte Suzlon angeboten, Areva zu seinem bevorzugten Anbieter im Bereich Stromverteilung und -übertragung zu machen. Suzlon übernahm REpower für 1,3 Milliarden Euro und hatte zu diesem Zeitpunkt 95,16 % der Aktien. Die restlichen 4,84 % waren in Streubesitz.

Die vor dem Bieterkampf bekannt gewordenen Pläne, unter anderem eine Produktionsstätte in Osterrönfeld zu errichten, wurden durch den Bieterkampf zunächst verzögert. Zeitweise wurde erwogen, auch den Hauptsitz nach Osterrönfeld zu verlegen. 2010 wurde in Osterrönfeld anstatt der neuen Produktionsstätte die Entwicklung (TechCenter) angesiedelt. Die 7777. Windkraftanlage des Unternehmens, eine 3.2M122, wurde im November 2017 in Mark Landin errichtet.

Insolvenzverfahren 2019 Am 9. April 2019 beantragte das Unternehmen, das bei 1,45 Milliarden Euro Umsatz ca. 40 Millionen Euro operativen Gewinn erwirtschafte und rund 4000 Mitarbeiter beschäftigte, ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Im Rahmen des Insolvenzverfahrens konnte Senvion keinen Verkauf des Geschäfts als Ganzes erzielen. Im Oktober 2019 bestand eine vertragliche Einigung über den Verkauf einiger Geschäftsteile an Siemens Gamesa für insgesamt 200 Mio. Euro: europäisches Service-Geschäft für Onshore-Windenergieanlagen mit einem Volumen von 8900 Megawatt gesamtes geistiges Eigentum Onshore-Rotorblatt-Produktion Ria Blades S.A. in Vagos (Portugal) Dadurch sollten ca. 2000 Arbeitsplätze erhalten bleiben, davon 500 in Deutschland. Im Januar 2020 gab Siemens Gamesa bekannt, dass es die Sparte europäisches Onshore-Servicegeschäft und das geistige Eigentum erworben hat. Im Mai 2020 wurde mit dem Erwerb der portugiesischen Rotorblattfabrik Ria Blades die Akquisition von Teilen der Vermögenswerte Senvions abgeschlossen. Der Kaufpreis dieser drei ausgesuchten Firmenvermögen wird von Siemens Gamesa mit 200 Millionen Euro angegeben.

Eigentumsverhältnisse 2009 schied die REpower-Aktie wegen Unterschreitens des erforderlichen Streubesitzanteils aus dem TecDAX und dem ÖkoDAX aus. Zum Geschäftsjahr 2011/2012 hielt Suzlon 95,16 % der Stimmrechte an Repower.. REpower Systems, 4. April 2011 Die Minderheitsaktionäre wurden im Oktober 2011 zwangsabgefunden (Squeeze-Out), und der Handel der Aktien an der Börse wurde eingestellt.PRESSEINFORMATION: Squeeze-out-Beschluss der REpower Systems SE ins Handelsregister eingetragen, 27. Oktober 2011 Im Jahr 2014 änderte REpower Systems den Namen in Senvion, da die Lizenz zur Nutzung des bisherigen Namens auslief.IWR: Windkraft: Aus REpower wird Senvion, vom 30. Oktober 2013. Lizenzgeber war die frühere Rätia Energie AG, die sich mittlerweile selbst in Repower AG umbenannt hat.Ralf Köpke: Aus REpower Systems wird Senvion. In E&M daily, 31. Oktober 2013.

Für Suzlon erwies sich die Übernahme von Repower als verlustreich.Angelika Slavik: Zweite Luft. Der Windkraftanlagenbauer Senvion hat sich doch noch an die Börse gekämpft. In: Süddeutsche Zeitung, 17. März 2016, S. 29. Im Januar 2015 wurde der Verkauf an den US-Fonds Centerbridge bekannt.Die nächste Chance für Senvion. In: Manager-Magazin.de, 22. Januar 2015, abgerufen am 25. Januar 2015. Die erfolgreiche Übernahme wurde Ende April 2015 bekanntgegeben. Im Juni 2015 veräußerte Centerbridge einen Anteil an die indische Beteiligungsgesellschaft Arpwood Capital.

Am 23. März 2016 ging Senvion erneut an die Börse. Die Senvion-Aktie wurde bis 2021 an der Frankfurter Börse gehandelt.

Struktur Senvion in Deutschland In Deutschland war Senvion an mehreren Standorten aktiv. Die Hauptverwaltung befand sich am Unternehmenssitz der Gesellschaft in Hamburg. Das Entwicklungszentrum befand sich im schleswig-holsteinischen Osterrönfeld, mit einer Dependance in Osnabrück. Produktions- und Servicestandort war Bremerhaven, weitere Produktionsstandorte waren der ehemalige Produktionsort der Husumer Schiffswerft in Husum sowie Trampe (Breydin).

Am 11. Dezember 2007 feierte REpower die Errichtung einer neuen Fabrik für Offshore-Windkraftanlagen am Bremerhavener Lunehafen. Zu den besonderen Leistungen gehörte eine Sohle, die den Hallenboden für schwere Lasten tragfähig macht, damit dieser dem Gewicht der Maschinenhäuser standhält. In der neuen Fabrik wurden Rotorblätter und Senvion 5M- bzw. 6M-Turbinen in Serie produziert. Bremerhaven war das Offshore-Fertigungs- und Logistikzentrum von Senvion. Am 8. Oktober 2007 wurde im nordöstlich von Berlin gelegenen Standort Trampe eine neue Produktionshalle eingeweiht. Die beiden bestehenden jeweils 55 Meter langen Hallen des Unternehmens wurden mittels Anbau um je 35 Meter verlängert. Bis dahin hatte die Produktion in Trampe eine Kapazität von rund 150 Windkraftanlagen pro Jahr; in den erweiterten Hallen konnten wöchentlich bis zu sechs Windkraftanlagen der 2-MW-Klasse gefertigt werden, womit sich die jährliche Produktionskapazität ungefähr verdoppelte.

Am 17. Juli 2007 hatte REpower zusammen mit dem Rotorblatt-Hersteller Abeking & Rasmussen Rotec (A&R) ein Joint Venture für die Produktion eigener Offshore-Rotorblätter für Windkraftanlagen gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen wurde im Mai durch den REpower-Aufsichtsrat genehmigt und produzierte die von REpower entwickelten Rotorblätter. Senvion ist an dem Unternehmen PowerBlades GmbH zu 51 Prozent und SGL Rotec zu 49 Prozent beteiligt. In Bremerhaven entstand für die Produktion der Rotorblätter eine eigene Fabrik in unmittelbarer Nähe zu einer Produktionshalle für die Offshore-Anlagen Senvion 5M und Senvion 6M. Mit der Blattfertigung wurde im Jahr 2008 begonnen.

Im März 2008 wurde am Nordhafen in Bremerhaven eine Repower 5M auf einem neuen hochseetauglichen Fundament (Jacket-Gründung) der WeserWind GmbH (einem Tochterunternehmen der Georgsmarienhütte Unternehmensgruppe) errichtet.

Am 12. Juli 2007 schlossen REpower, die Gemeinde Osterrönfeld und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Rendsburg-Eckernförde (WFG) einen Vertrag, der die Ansiedlungsabsicht des Unternehmens in der Gemeinde am Nord-Ostsee-Kanal bekräftigte. Die Gemeinde und die WFG verpflichteten sich, REpower innerhalb eines Jahres die für den Bau von Produktionsanlagen und eines Verwaltungsgebäudes erforderlichen Flächen zur Verfügung zu stellen und gegenüber dem jetzigen Kreishafen Rendsburg ein Schwerlastterminal im Hafen zu bauen, der für den Transport der Offshore-Windenergieanlagen-Komponenten geeignet ist. REpower sicherte zu, den Bau eines Verwaltungs- und eines Produktionsgebäudes zu beantragen und zu bauen, wenn die planungsrechtlichen Voraussetzungen vorliegen. Das Terminal wurde Rendsburg Port genannt und 2012 eröffnet.

2007 wurde das TechCenter in Osterrönfeld eingeweiht.

Ende August 2017 wurden die deutschen Produktionsstandorte in Husum und Trampe geschlossen. Ende Januar 2018 wurde das letzte Rotorblatt von PowerBlades in Bremerhaven fertiggestellt. Die Rotorblatt-Produktion an diesem Standort wurde aufgegeben und die Halle sollte von Senvion anderweitig genutzt werden.

Am 9. April 2019 beantragte die Senvion Deutschland GmbH ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Eine Woche darauf konnte eine Kreditlinie über 100 Mio. Euro gesichert werden; diese ermöglichte eine vorläufige Fortführung der Geschäftstätigkeit mit dem Ziel, Käufer für das gesamte Unternehmen oder Unternehmensteile zu finden. Im September 2019 wurde die Zahl der noch Beschäftigten mit 1400 bis 1500 angegeben. Bis Jahresende 2019 sollte die Turbinenfertigung in Bremerhaven mit 200 Beschäftigten aufgegeben werden.

Senvion International Der Konzern war weltweit mit diversen Tochtergesellschaften, Joint Ventures und lizenzierten Partnerunternehmen in Australien, Belgien, Kanada, China, Chile, Großbritannien, Frankreich, Indien, Italien, Irland, Japan, Niederlande, Portugal, Polen, Rumänien, Schweden, Türkei, und den USA vertreten.

Eine weitere Produktionsstätte für Rotorblätter befindet sich mit RiaBlades im portugiesischen Vagos, wo die Blätter RE45, RE51, RE55, RE61 sowie die Prototypblätter des Typs RE68.5 gefertigt werden. Ferner werden bei der Senvion-Tochtergesellschaft Ventipower in Oliviera de Frades, Portugal, Maschinenhäuser und Naben für Anlagen der 2-Megawatt-Klasse gefertigt. Im Juli 2015 eröffnete Senvion in Indien ein zusätzliches F&E-Zentrum.