Der Bezirk Lienz [] ist ein politischer Bezirk des österreichischen Bundeslandes Tirol. Er ist der flächenmäßig größte Tiroler Bezirk und deckungsgleich mit dem Landesteil Osttirol. Verwaltungssitz ist die Stadt Lienz.

Geografie Lage Der Bezirk Lienz, mit  km² flächenmäßig der größte Bezirk Tirols und fünftgrößte Österreichs, ist durch einen etwa 9,5 km langen Streifen Südtiroler und Salzburger Gebiets (das Ahrntal und das Krimmler Achental) von Nordtirol getrennt und bildet somit eine Exklave des Bundeslands Tirol.

Osttirol grenzt an die Bundesländer Salzburg und Kärnten sowie die italienischen Regionen Trentino-Südtirol und Venetien. Die Haupttäler des Bezirkes sind das Pustertal, das Iseltal, das Defereggental, das Virgental, das Kalser Tal und das Tiroler Gailtal; große Flächen des Bezirkes werden von den Gebirgen der Hohen Tauern und der Karnischen Alpen eingenommen.

mini|hochkant=1.5|Gebirgsgruppen und Alpentäler in Osttirol

Flüsse Hauptflüsse des Bezirks sind die Drau und die in Lienz in die Drau einmündende Isel. Die wichtigsten Zuflüsse der Isel sind der Tauernbach, der Kalserbach und die Schwarzach, die Drau wird in Osttirol wiederum vom Villgratenbach und Debantbach gespeist. Ein weiterer wichtiger Fluss im Bezirk ist die Gail, die durch das Tilliacher Tal (Gailtal) fließt und letztlich in Villach (Kärnten) ebenfalls in die Drau mündet.

Gebirge Osttirol hat großen Anteil an den Hohen Tauern, wobei Venedigergruppe, Granatspitzgruppe, Glocknergruppe, Schobergruppe, Goldberggruppe, Rieserfernergruppe, Kreuzeckgruppe und Villgratner Berge ganz oder teilweise auf Osttiroler Gebiet liegen. Im Süden hat Osttirol auch Anteil an den Gailtaler Alpen (Lienzer Dolomiten) und dem Karnischen Hauptkamm. In Osttirol liegen mehr als 150 selbständige Berggipfel mit einer Höhe von wenigstens 3000 Meter über Adria.

Benachbarte Gebiete

Klima + Klimadaten einiger Orte in Osttirol Station See­höhe(m) Jahres­nieder-schlag (mm) Temperatur­mittel (°C) Zeitraum Jahr Jänner Juli Lienz661 956 8,1 −3,9 19,0 1991–2020 Sillian1081 1033 6,2 −4,4 16,6 1991–2020 Virgen1212 850 6,7 −2,3 15,9 1991–2020 Kals am Großglockner1352 866 5,5 −3,4 14,7 1991–2020 St. Jakob in Defereggen1383 1003 3,7 −7,4 14,0 1991–2020 Die Übersicht zeigt Klimamittel der WMO-Normalperiode 1991–2020 für ausgewählte Orte Osttirols in unterschiedlichen Tallagen und Seehöhen, aufbereitet von Tauernwetter Forschung auf Grundlage der Messreihen der GeoSphere Austria. Erkennbar ist die Abnahme der Jahresmitteltemperatur mit der Seehöhe – vom Lienzer Talboden (661 m, 8,1 °C) bis nach St. Jakob in Defereggen (1.383 m, 3,7 °C), das mit einem Jännermittel von −7,4 °C zugleich die tiefsten Wintertemperaturen der ausgewählten Orte aufweist. Das zweite Niederschlagsmaximum im Herbst, das für die südlich anschließenden Kärntner Täler typisch ist, tritt in Osttirol zurück; die Niederschläge konzentrieren sich hier auf die Sommermonate.

NUTS-Gliederung: AT333 Osttirol In der für die amtliche Statistik der EU geführten NUTS-Gliederung ist Osttirol eine der fünf Gruppen von Bezirken (Ebene NUTS:AT-2) in Tirol, trägt den Code AT333 und umfasst den gesamten politischen Bezirk.

Geschichte mini|hochkant=1.4|Die historische Region Tirol, welche die heutige Europaregion Tirol–Südtirol–Trentino darstellt

Das Land Tirol, ehemalige Grafschaft des Habsburgerreiches, die am Ende des Ersten Weltkrieges zwischen Österreich und Italien geteilt wurde, gliedert sich in vier Teile: Nordtirol und Osttirol (der Bezirk Lienz) gehören gemeinsam als Bundesland Tirol mit der Hauptstadt Innsbruck nach wie vor zu Österreich, Südtirol (die Autonome Provinz Bozen – Südtirol) mit der Hauptstadt Bozen und das Trentino (Welschtirol, Autonome Provinz Trient) mit der Hauptstadt Trient kamen zu Italien und bilden die italienische Region Trentino-Südtirol. Heute bilden die vier Landesteile in Österreich und Italien die gemeinsame Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino.

Ehemalige Gemeinden des Bezirks Lienz Im Bezirk Lienz kam es erstmals 1850/52 zu Gemeindezusammenlegungen, als zahlreiche Rotten im Pustertal zur Gemeinde Assling, Untergaimberg und Obergaimberg zur Gemeinde Gaimberg, sowie Stribach und Göriach zur Gemeinde Göriach-Stribach vereinigt wurden.

Einen massiven Einschnitt in die Verwaltungsstruktur des Bezirks Lienz bedeutete das Ende des Ersten Weltkriegs, in dessen Folge Osttirol durch den Friedensvertrag von St. Germain die Gemeinden Innichberg, Innichen, Sexten, Vierschach, Wahlen und Winnebach an Italien abtreten musste. In der Folge wurde der Gerichtsbezirk Sillian aufgelöst und die bei Osttirol verbliebenen Gemeinden dem Gerichtsbezirk Lienz zugeschlagen.

Zur umfangreichsten Änderung der Gemeindestruktur kam es durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten, wobei 1939 zahlreiche Osttiroler Gemeinden zusammengelegt wurden. 40 bisher unabhängige Gemeinden wurden im Zuge dieser Umstrukturierung zu nur noch 15 Gemeinden zusammengelegt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde diese Maßnahme teilweise wieder rückgängig gemacht. So erlangten Außervillgraten und Innervillgraten wieder ihre Unabhängigkeit, Schlaiten wurde aus Ainet ausgemeindet und auch Abfaltersbach und Tessenberg erhielten von Strassen wieder ihre Unabhängigkeit. Ebenso wurde Panzendorf aus Sillian ausgemeindet und die Gemeinde Grafendorf wieder aufgelöst, womit die Ortsteile Gaimberg und Thurn wieder ihre Selbständigkeit erlangten. Aus Dölsach wurde wiederum die Gemeinde Iselsberg-Stronach herausgelöst. Ebenso wurden die Gemeinden Amlach und Lavant wieder selbständig, die ab 1939 zu Tristach gehört hatten.

Zur letzten Veränderung kam es 1974, als Tessenberg und Panzendorf zur Gemeinde Heinfels vereinigt wurden. Gemeindename Anmerkung Alkus 1939 mit Ainet, Gwabl und Schlaiten zur Gemeinde Ainet vereinigt Arnbach 1939 mit Sillianberg zu Sillian eingemeindet Bannberg 1939 nach Assling eingemeindet Burgfrieden 1939 nach Leisach eingemeindet Burg-Vergein ab 1850 Teil der Gemeinde Assling Dörfl ab 1850 Teil der Gemeinde Assling Glanz 1939 mit Oberdrum und Oberlienz zur Gemeinde Oberlienz vereinigt Göriach 1852 mit Stribach zur Gemeinde Göriach-Stribach vereinigt, ab 1939 Teil von Dölsach Göriach-Stribach 1939 mit Görtschach-Gödnach nach Dölsach eingemeindet Görtschach-Gödnach 1939 mit Göriach-Stribach nach Dölsach eingemeindet Grafendorf 1939 aus Gaimberg und Thurn gebildet. 1949 wieder aufgelöst Gwabl 1939 mit Ainet, Alkus und Schlaiten zur Gemeinde Ainet vereinigt Hollbruck 1939 nach Kartitsch eingemeindet Innichberg 1919 an Italien abgetreten, heute Teil der Gemeinde Innichen Innichen 1919 an Italien abgetreten Iselsberg 1850 mit Stronach zur Gemeinde Iselsberg-Stronach vereinigt Kosten ab 1850 Teil der Gemeinde Assling Lengberg 1939 mit Nörsach und Nikolsdorf zur Gemeinde Nikolsdorf vereinigt Matrei in Osttirol Land 1939 mit Matrei in Osttirol Markt zur Gemeinde Matrei in Osttirol vereinigt Matrei in Osttirol Markt 1939 mit Matrei in Osttirol Land zur Gemeinde Matrei in Osttirol vereinigt Nörsach 1939 mit Lengberg und Nikolsdorf zur Gemeinde Nikolsdorf vereinigt Nußdorf in Osttirol 1969 in Nußdorf-Debant umbenannt Oberassling ab 1850 Teil der Gemeinde Assling Oberdrum 1939 mit Glanz und Oberlienz zur Gemeinde Oberlienz vereinigt Obergaimberg 1850 mit Untergaimberg zur Gemeinde Gaimberg vereinigt Obernußdorf 1939 mit Unternußdorf zur Gemeinde Nußdorf in Osttirol (ab 1969 Nußdorf-Debant) vereinigt Panzendorf 1974 mit Tessenberg zu Heinfels vereinigt Patriasdorf 1939 zu Lienz eingemeindet Penzendorf ab 1850 Teil der Gemeinde Assling Schrottendorf ab 1850 Teil der Gemeinde Assling Sexten 1919 an Italien abgetreten Sillianberg 1939 mit Arnbach zu Sillian eingemeindet St. Justina 1850 nach Assling eingemeindet Stribach 1852 mit Göriach zur Gemeinde Göriach-Stribach vereinigt, ab 1939 Teil von Dölsach Stronach 1850 mit Iselsberg zur Gemeinde Iselsberg-Stronach vereinigt Tessenberg 1974 mit Panzendorf zu Heinfels vereinigt Thal 1850 nach Assling eingemeindet Unterassling ab 1850 Teil der Gemeinde Assling Untergaimberg 1850 mit Obergaimberg zur Gemeinde Gaimberg vereinigt Unternußdorf 1939 mit Obernußdorf zur Gemeinde Nußdorf in Osttirol (ab 1969 Nußdorf-Debant) vereinigt Vierschach 1919 an Italien abgetreten, heute Teil der Gemeinde Innichen Villgraten 1939 aus Außervillgraten und Innervillgraten gebildet, 1949 wieder aufgelöst Wahlen 1919 an Italien abgetreten, heute Teil der Gemeinde Toblach Winnebach 1919 an Italien abgetreten, heute Teil der Gemeinde Innichen

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Wirtschaft des Bezirks war früher durch die traditionelle Landwirtschaft, v. a. die Milchwirtschaft geprägt, die aber an Bedeutung verloren hat. Heute ist die Region durch den Dienstleistungsbereich geprägt, hier dominieren vor allem Handel und Tourismus.

Bedeutende Industrie- und Gewerbestandorte sind Lienz und Sillian, große Produktionsbetriebe sind in den Bereichen Maschinenbau und Bauwirtschaft zu finden.

Der Bezirk hat einen großen Anteil an Auspendlern, Ziele sind vor allem der Raum Innsbruck, das benachbarte Oberkärnten und das Land Salzburg.

Verkehr Die kürzeste Straßenverbindung von Nordtirol führt über die Felbertauernstraße B 108 und den Felbertauerntunnel (circa 5,3 km) in den Pinzgau. Vom Verkehrsknotenpunkt Lienz zweigt neben der Felbertauernstraße noch die Drautalstraße B 100 in das Pustertal Richtung Südtirol bzw. in das Drautal Richtung Kärnten ab.

Die Eisenbahnlinie Sillian-Lienz-Oberdrauburg bindet den Bezirk an das Verkehrsnetz. Die öffentliche Verkehrsanbindung von Lienz zur Landeshauptstadt Innsbruck wurde durch tägliche Regionalexpresszüge über Südtiroler Gebiet und den Brenner gewährleistet. Zurzeit verkehrt die Linie 960x (Bus) mehrmals täglich durch das Pustertal zwischen Lienz und Innsbruck. Die Idee der Wiedereinführung der Zugverbindung steht im Raum.

Weiters ist der Bezirk Lienz durch den Flugplatz Lienz-Nikolsdorf für Kleinflugzeuge bis 5700 kgFlugplatz Lienz, Daten und Fakten, abgerufen am 23. April 2016 über den Luftweg erreichbar.

Angehörige Gemeinden Der Bezirk Lienz umfasst 33 Gemeinden, darunter die Stadt Lienz und die Marktgemeinden Matrei in Osttirol, Nußdorf-Debant und Sillian. mini|zentriert|800px|Gemeinden des Bezirks Lienz

Regionen in der Tabelle sind Tiroler Planungsverbände (Stand: Juli 2025)

Bevölkerungsentwicklung

Literatur Meinrad Pizzinini: Osttirol. Der Bezirk Lienz. Seine Kunstwerke, historischen Lebens- und Siedlungsformen (= Österreichische Kunstmonographie, Band 7). Salzburg: Verlag St. Peter 1974, ISBN 978-3-900173173. Johann Holzner, Sandra Unterweger (Hrsg.): Schattenkämpfe. Literatur in Osttirol. StudienVerlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2006, ISBN 3-7065-4199-8. Uwe Ladstädter (Hrsg.): Brachland. Eine Osttirol-Anthologie. Edion Löwenzah, Innsbruck 2000, ISBN 3-7066-2215-7. Katholischer Lehrerverband: Bezirkskunde Osttirol. Edition Löwenzahn, Innsbruck 2001, ISBN 3-7066-2267-X.

Siehe auch Liste der Naturdenkmäler im Bezirk Lienz

Weblinks

Bezirk Lienz auf www.tirol.gv.at Webcams und Livecams Bezirk Lienz

Einzelnachweise

Lienz Kategorie:Exklave

Lienz