Als Serial wird die Produktionsform von zahlreichen Serien-Kinofilmen in den USA und anderen Ländern bezeichnet. Sie liefen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wöchentlich als kürzere Vorfilme mit einer Dauer von ca. 30 Minuten (drei Filmrollen) vor dem eigentlichen Hauptfilm und bestanden aus mindestens 12 Einzelfilmen. Die Filme endeten üblicherweise mit dem Schriftzug To be Continued („wird fortgesetzt“) und einem Cliffhanger-Szenario. In der Fortsetzung wurde kurz in die vergangene Geschichte eingeleitet und dann der Cliffhanger aufgelöst. Allerdings kam es dabei öfter vor, dass dabei eine im letzten Film nicht gezeigte Szene eingefügt wurde, aus der ersichtlich wurde, warum nun der Held oder die Heldin ihrem tödlichen Schicksal überhaupt entgehen konnte. Charakterisierung Eine typische Samstag-Kinovorstellung der 1920er- und 1930er-Jahre in den USA bestand aus mindestens einem Film eines Serials, einem Zeichentrickfilm, einer Wochenschau und zwei langen Hauptfilmen. Durch den Serialfilm mit seiner offenen Handlung war der Zuschauer gezwungen, regelmäßig einmal pro Woche ins Kino zu gehen, um überhaupt die ganze Geschichte mitzubekommen, egal welcher Hauptfilm beziehungsweise welche Hauptfilme folgten.

In der Produktion wurde erst ein komplettes Filmscript erstellt und dann in passende Kapitel aufgeteilt. Meist wurden die Filme billig und schnell hergestellt, es gab jedoch auch Ausnahmen, wie die Serials mit den Abenteuern des Science-Fiction-Helden Flash Gordon mit Buster Crabbe. In Frankreich sorgte 1913 René Navarre als Fantômas in einer fünfteiligen Filmreihe von Louis Feuillade für Aufregung, eine US-Version in zwanzig Teilen folgte 1920 mit Edward Roseman als Superbandit.

Besonders populär waren die Serials in den 1920er- und 1930er-Jahren. Allein 1936 rangen elf verschiedene Serials gleichzeitig um die Gunst des Kinobesuchers und 1937 stieg die Zahl dann auf 12 verschiedene Serials. Waren dabei anfangs viele Filme, die sich in der Handlung mit der so genannten Damsel in Distress (Verfolgte Unschuld) befassten, wie eines der bekanntesten frühen Serials The Perils of Pauline (1914) mit Pearl White, dessen Grundgeschichte erneut 1933, 1947 und 1967 verfilmt wurde, so gab es in der Tonfilmzeit kaum eine Thematik, die nicht in einem Serial untergebracht wurde, über die Science-Fiction-Helden Flash Gordon und Buck Rogers (ebenfalls mit Buster Crabbe in der Hauptrolle), den schon in Comics erfolgreichen Schnüffler Dick Tracy, den maskierten „Rächer der Unterdrückten“ Zorro, den hinterhältigen Chinesen Fu Man Chu bis zum unerschrockenen Westernhelden Lone Ranger und zu den verklärten Abenteuern des Scouts Kit Carson.

Westernabenteuer stellten die bei weitem größte Anzahl der frühen Serials, in denen auch der spätere Kinostar John Wayne als singender Cowboy seine Karriere begann. Ab den 1940er-Jahren sind dann zunehmend Spionagethematiken und Abenteuer von Comic-Helden zu verzeichnen.

Der Abstieg der Serials verlief parallel zum Aufstieg des Fernsehens. Das einzige Serial, das auf einer Fernsehserie als Vorlage beruhte, war 1951 Captain Video: Master of the Stratosphere; Vorlage war die seit 1949 produzierte Serie Captain Video and His Video Rangers.

Serials wie Ace Drummond oder Doc Savage werden als wichtiger Einfluss für die Entstehung von Indiana Jones genannt.

Film-Serials (Auszug)

Stummfilmzeit 1910: Arsène Lupin contra Sherlock Holmes 1913/1914: Fantomas 1914: The Perils of Pauline 1915: Les Vampires 1916: Judex 1920: Fantômas 1925: The Green Archer 1929: Queen of the Northwoods 1929: Tarzan der Tiger

„Das Goldene Zeitalter“

1932: Der letzte Mohikaner 1935: The Fighting Marines 1935: The Phantom Empire 1936: Flash Gordon 1936: The Undersea Kingdom 1937: Dick Tracy 1937: Radio Patrol 1937: S.O.S. Coast Guard 1939: Buck Rogers 1940: The Green Archer 1940: The Green Hornet 1940: The Shadow 1941: Adventures of Captain Marvel 1943: Batman und Robin 1943: The Phantom 1944: Captain America 1945: Jungle Queen 1946: The Crimson Ghost 1947: Brick Bradford 1948: Superman 1949: Batman and Robin 1949: Bruce Gentry – Daredevil of the Skies 1949: King of the Rocket Men 1950: Atom Man vs. Superman

Wendepunkte 1929: The King of the Kongo – Das erste Tonfilmserial (Mascot Pictures) 1946: The Mysterious Mr. M – Das letzte Serial von Universal 1955: King of the Carnival – Das letzte Serial von Republic 1956: Blazing the Overland Trail – Das letzte Serial überhaupt (Columbia Pictures)

Siehe auch

Fortsetzung (Film)

Literatur Guy Barefoot: The lost jungle. Cliffhanger action and Hollywood serials of the 1930s and 1940s. Exeter (University of Exeter Press) 2017 (Exeter Studies in Film History), ISBN 0-85989-887-3, ISBN 978-0-85989-887-4. Hank Davis: Classic Cliffhangers Volume 1 1914-1940. Baltimore, MD (Luminary Press) 2007, ISBN 9781887664769. Hank Davis: Classic Cliffhangers Volume 2 1940-1955. Baltimore, MD (Midnight Marquee Press) 2008, ISBN 978-1-887664-82-0. Jim Harmon, Donald F. Glut: The great movie serials: their sound and fury. Garden City, NY (Doubleday & Company) 1972, ISBN 0-385-09079-X. Robert K. Klepper: Silent Films, 1877-1996, A Critical Guide to 646 Movies. McFarland & Company, ISBN 0786421649. Kalton C. Lahue: Bound and Gagged: The Story of the Silent Serials. New York: Castle Books 1968. Kalton C. Lahue: Continued Next Week : A History of the Moving Picture Serial. Norman. University of Oklahoma Press, 1969. Roy Kinnard: Science fiction serials. A critical filmography of the 31 hard SF cliffhangers. With an appendix of the 37 serials with slight SF content. Jefferson, NC u. a. (McFarland) 1998, ISBN 0-7864-0545-7.

Weblinks

Serialfilm (als Fortsetzungsfilm) – Universal-Lexikon, 2012 Sérials – Lexikon der Filmbegriffe Serial Squadron Silent Era, Verzeichnis von Stummfilmserials In The Balcony Archive Classic Movies

Einzelnachweise

Kategorie:Filmgattung Kategorie:Filmgeschichte