Pfullingen ist eine deutsche Kleinstadt in Baden-Württemberg am Fuß der Schwäbischen Alb. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie grenzt unmittelbar an den Südosten der Kreisstadt Reutlingen. Pfullingen ist mit einem Großteil seiner Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.
Geografie mini|hochkant=1.2|Blick von Süden auf Pfullingen vom Schönbergturm Lage Pfullingen liegt am Fuß der Schwäbischen Alb im Tal der Echaz. Es ist umgeben von den beiden kegelförmigen Erhebungen Achalm und Georgenberg sowie einigen Bergen des Albtraufs wie dem Schönberg und dem Ursulaberg.
Gemeindegliederung Außer der gleichnamigen Kernstadt liegen keine weiteren Orte im Stadtgebiet.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Pfullingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen: Eningen unter Achalm, St. Johann, Lichtenstein, Sonnenbühl und Reutlingen.
Schutzgebiete
Die Gemarkung Pfullingen liegt nahezu vollständig in verschiedenen Schutzgebieten. Die vier Naturschutzgebiete Hochwiesen-Pfullinger Berg, Echazaue, Kugelberg und Ursulahochberg liegen südlich der Stadt. Im Westen beginnt das Landschaftsschutzgebiet Reutlinger und Uracher Alb, zwischen Pfullingen und Reutlingen liegt das Landschaftsschutzgebiet Georgenberg. Die Stadt hat zudem Anteil an drei FFH-Gebieten, dem Albtrauf Pfullingen, dem Albvorland bei Mössingen und Reutlingen und dem Albtrauf zwischen Mössingen und Gönningen. Der Albtrauf um Pfullingen gehört zum Vogelschutzgebiet Mittlere Schwäbische Alb. Pfullingen liegt vollständig im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, Kernzonen sind am Geilenbühl im Staufental sowie am Imenberg ausgewiesen.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Pfullinger Marktbrunnen. An der Brunnenwand befinden sich stilisierte Abbildungen von Szenen der Pfullinger Sagen. mini|Die sich im Stadtzentrum befindende, seit der Reformation im 16. Jahrhundert evangelische Martinskirche, benannt nach dem „Heiligen Martin“, ist die „Urkirche“ des Pfullichgaus. Mittelalter Archäologische Funde belegen, dass Pfullingen im frühen Mittelalter einige Bedeutung hatte. Die beiden großen alamannischen Gräberfelder im Bereich des Lindenplatzes und des Gewanns „Entensee“ gehen bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts zurück. Auf ein hohes Alter der Stadt weist auch der Ortsname mit der Endung -ingen. Der älteste, in Holzbauweise errichtete Vorgängerbau der Pfullinger Martinskirche geht auf die erste Hälfte des 7. Jahrhunderts zurück.
In der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte Pfullingen zum Herzogtum Schwaben. In einer Schenkungsurkunde König Ottos I. des Großen aus dem Jahre 937 wurde Pfullingen dann als Hauptort des "Phullichgouue" (Pfullichgaus) erstmals urkundlich erwähnt. Der Pfullichgau erstreckte sich über das gesamte Tal der Echaz.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts verlor Pfullingen infolge der Städtekriege sein Stadtrecht, nachdem der Ort von Reutlingen eingenommen und zerstört worden war.
Das Klarissenkloster in Pfullingen wurde im Jahr 1250 von den Fräulein Mechtild und Irmel gestiftet. Die Kaiser bedachten es mit Vorrechten und Freiheiten. Der Klosterhofmeister (von 1294 bis 1806 namentlich bezeugt) war zugleich Stabsbeamter, der auch die klostereigenen Orte Genkingen und Reicheneck verwaltete. Die Vogtei hatte Württemberg inne, unter dessen Schirmherrschaft das Kloster schon 1442 stand. In der Reformationszeit wurde das Kloster aufgelöst und zerfiel. 1793 wurden die Ruinen vollends abgetragen. Heute stehen nur noch der westliche Teil der Klosterkirche St. Cäcilia, das Sprechgitter-Gebäude und das Verwaltergebäude. Die letzte Klosterfrau Anna Reischin wurde 1590 evangelisch und starb 1595.
siehe auch Burg Pfullingen (Obere Burg), Schloss Pfullingen (Untere Burg, Rempenburg)
Württembergische Zeit 1487 verkaufte der letzte Ortsadlige von Pfullingen, Caspar Remp, seine Höfe samt Schloss und allen Gütern an Graf Eberhard V. Damit kam der Ort vollständig an Württemberg. Mit den Dörfern Unter- und Oberhausen, Honau, Holzelfingen und Kleinengstingen bildete Pfullingen ein Unteramt und wurde somit Bestandteil des Uracher Amts. Der Keller zu Pfullingen war fürstlicher Amtmann und hatte die Niedere Gerichtsbarkeit inne.
Während des Dreißigjährigen Krieges war Pfullingen von 1635 bis 1648 mit kurzen Unterbrechungen Verwaltungssitz der Pfandschaft Achalm und damit vorderösterreichisch. Der Ort wurde der Rekatholisierung unterzogen und bekam einen katholischen Pfarrer, das Kloster wurde durch Söflinger Klarissen besetzt. Der österreichische Verwalter hatte seinen Sitz im Schloss, das durch Attacken des Kommandanten der württembergischen Festung Hohentwiel, Konrad Widerholt, stark beschädigt wurde. Bei einem dieser Überfälle wurden der katholische Priester ermordet und Pfullingen geplündert. Mit dem Westfälischen Frieden kam Pfullingen an Württemberg zurück. Das Kloster wurde geräumt.Eberhard Fritz: Die „Pfandschaft Achalm“ im Besitz der Tiroler Linie des Hauses Habsburg. Expansionsbestrebungen in Vorderösterreich während des Dreißigjährigen Krieges. In: Reutlinger Geschichtsblätter. 49, 2010, S. 239–348.
Im Jahr 1699 erhielt Pfullingen wiederum das Stadtrecht und wurde zu einem Klosteramt erhoben. Erst 1806 fiel das Klosteramt bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg an das Oberamt Reutlingen. Im Jahre 1824 lebten in der Stadt Pfullingen 3.435 Einwohner.Beschreibung des Oberamts Reutlingen von Professor Memminger, Mitglied des Königl. Statistisch-Topographischen Bureau. Stuttgart und Tübingen, in der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. 1824.
Die Wasserkraft der Echaz begünstigte schon sehr früh die Industrialisierung. Bereits 1830 wurden 22 Wassertriebwerke gezählt. Die vormals vorherrschende Landwirtschaft ging stark zurück, den ebenfalls betriebenen Weinbau gibt es heute nicht mehr. 1907 folgte der Bau der Wasserleitung.
Am 2. Juni 1892 eröffneten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen eine 11,03 Kilometer lange normalspurige Nebenbahn vom Reutlinger Hauptbahnhof über Pfullingen bis Honau.
Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum neuen Landkreis Reutlingen.
Nachkriegszeit Der Zweite Weltkrieg endete in Pfullingen mit dem Pfullinger Frauenaufstand, bei dem eine Gruppe Pfullinger Frauen die lokale Nazi-Kommandantur entmachtete und die Stadt kampflos an die französischen Streitkräfte übergab.
1945 wurde Pfullingen Teil der französischen Besatzungszone und erfuhr somit 1947 die Zuordnung zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Ab 1963 baute man das Wohngebiet Burgweg, 1966 folgte die Erschließung des Gewerbegebiets Steinge, von 1967 bis 1973 des Wohngebiets Ahlsberg und zwischen 1980 und 1986 des Wohngebiets Brühl/Kühnenbach. 1985 wurde Pfullingen Landessieger beim Wettbewerb Grün in der Stadt. 1988 folgte das Gewerbegebiet Sandwiesen und 2000 das Gewerbegebiet Schlayer. 1999 fanden in Pfullingen die Heimattage Baden-Württemberg statt. 2003 eröffnete man die Umgehungsstraße B312. 2012 wurde Pfullingen Fairtrade-Stadt.https://www.pfullingen.de/de/Unsere-Stadt/Das-ist-Pfullingen/Historisches/Zahlen-und-Daten Geschichte Pfullingens
Religion
Christentum In Pfullingen existieren die folgenden christlichen Gemeinden und religiösen Vereine:
Evangelische Kirchengemeinde Pfullingen (Magdalenenkirche, Martinskirche, Thomaskirche) Katholische Kirchengemeinde St. Wolfgang (St.-Wolfgangs-Kirche) Evangelisch-Methodistische Kirche Bezirk Pfullingen (Friedenskirche) Neuapostolische Kirche, Gemeinde Pfullingen (Gemeindezentrum in der Gottfried-Maier-Straße) Evangelische freie Gemeinde Pfullingen e. V. (Gemeindezentrum in der Marktstraße) Christliches Zentrum Pfullingen e. V. Die Apis Pfullingen – Evangelische Gemeinschaft e. V. (Gemeinschaftshaus in der Kaiserstraße) Evangelisches Jugend- und Familienwerk (CVJM) Pfullingen e. V. (Paul-Gerhard-Haus)
Die evangelische Kirchengemeinde, die katholische Kirchengemeinde, die evangelisch-methodistische Kirche, die griechisch-orthodoxe Kirche Reutlingen und die Neuapostolische Kirche bilden die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Pfullingen.
Historisch Vom 13. bis ins 16. Jahrhundert existierte in Pfullingen das Kloster zur heiligen Cäcilia, von dem heute nur noch wenige Gebäude, darunter Teile der Klosterkirche, übrig sind. Anfang des 13. Jahrhunderts soll es in Pfullingen außerdem eine kleine Niederlassung der Franziskaner gegeben haben.
Von den 1960er Jahren bis 2004 befand sich im Gewand Strohweiler die evangelische Pauluskirche. Sie wurde 2005 abgerissen. Auf dem Georgenberg stand im Spätmittelalter die Georgskapelle (saniert 1486/87; spätestens im 16. Jahrhundert abgerissen), deren Namen der Berg bis heute trägt.
Weitere bekannte historische, aber heute in ihrem genauen Standort unbekannte Gotteshäuser waren die Antoniuskapelle in der Nähe des heutigen Lindenplatzes (erstmals erwähnt 1454), die Hilariuskapelle (möglicherweise in der Nähe der heutligen Leonhardstraße), die Marienkapelle am südlichen Ortsrand (erbaut 1512) und die St. Pantaleonskapelle an der Stadtgrenze zu Reutlingen (früheste Existenz 1395 belegt).
Islam In Reutlingen, direkt an der Gemarkungsgrenze zu Pfullingen, liegt die DİTİB Yunus-Emre-Moschee.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Der Gemeinderat in Pfullingen hat 22 Mitglieder.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Ergebnis Gemeindewahl 2024, Pfullingen, abgerufen am 12. Juni 2024
Parteien und Wählergemeinschaften % 2024Sitze 2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014UWVUnabhängige Wählervereinigung Pfullingen28,97627,3627,66CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands24,54521,4521,75FW(BW)Freie Wähler Vereinigung Pfullingen21,77520,7425,95SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands12,51312,3312,83GALGrün-Alternative Liste Pfullingen12,21318,3412,13Gesamt100221002210022Wahlbeteiligung57,04 %55,0 %
Bürgermeister Der Bürgermeister wird in Pfullingen seit 1822 durch die Bürgerschaft gewählt. Zuvor lenkte ein Magistrat, bestehend aus Gericht und Rat, die Geschicke der Stadt. Die Amtszeit des Bürgermeisters beträgt heute acht Jahre. Am 24. April 1945 wurde Pfullingen durch die französische Militärregierung nach Reutlingen eingemeindet. Der amtierende Bürgermeister Johannes Broß fungierte ab diesem Zeitpunkt nur noch als Reutlinger Stadtamtmann und "Leiter der Außenstelle Pfullingen". Zum 1. April 1946 übernahm der vormalige Stadtpfleger Gustav Fischer das Amt. Nachdem Pfullingen seine Selbstständigkeit am 1. November 1948 zurückerlangte, wurde Fischer Bürgermeister. 1962 wählten die Pfullinger Kurt App zu ihrem Bürgermeister. App war in Pfullingen bereits Sekretär des Bürgermeisters, Stadtamtmann und Hauptamtsleiter gewesen. Am 24. Oktober 1982 wurde der vormalige Münsinger Amtmann Rudolf Heß zum Bürgermeister von Pfullingen gewählt und 1990, 1998 und 2006 wiedergewählt.
Michael Schrenk (2015–2020) Bei der Bürgermeisterwahl am 19. Oktober 2014 trat Heß nach 32 Jahren Dienstzeit nicht mehr an. Folgende Bewerber waren zur Wahl zugelassen (in der Reihenfolge auf dem Stimmzettel):
René Schultz aus Pfullingen, Bäckermeister. Sabine Lauffer aus Baden-Baden, Wirtschaftswissenschaftlerin. Karin Bauer aus Schorndorf, Amtsleiterin in Schorndorf, Verwaltungswirtin. Michael Schrenk, aus Herbertingen, Bürgermeister von Herbertingen, Verwaltungswirt. Horst Raichle aus Reutlingen, Arzt.