Der Landkreis Mainz-Bingen ist eine Gebietskörperschaft im Osten von Rheinland-Pfalz. Sitz der Kreisverwaltung und größte Kommune ist die verbandsfreie Stadt Ingelheim am Rhein, zweitgrößte Kommune ist die ebenfalls verbandsfreie Stadt Bingen am Rhein. Die namensgebende Stadt Mainz gehört nicht dem Landkreis an, sondern ist kreisfrei.
Er ging 1969 größtenteils aus den Landkreisen Bingen und Mainz hervor, die bis 1945 der Kreis Bingen und der Kreis Mainz im Volksstaat Hessen waren.
Geographie mini|links|Der Binger Mäuseturm auf einer Insel im Rhein Lage Der Rhein bildet die gesamte Ost- und einen großen Teil der Nordgrenze des Landkreises. In Bingen mündet die Nahe in den Rhein, nachdem sie ein kurzes Stück durch den Kreis fließt. Die Landwirtschaft des Landkreises wird vom Weinbau dominiert. Dies gilt sowohl entlang des Rheins als auch im als Rheinhessische Hügellandschaft bezeichneten südlichen Teil des Kreises. Drei Weinanbaugebiete prägen den Landkreis: Der Mittelrhein, die Nahe und Rheinhessen, Deutschlands größtes Weinanbaugebiet. Bedingt durch die günstigen klimatischen Umstände sind im Landkreis auch Sonderkulturen wie der Obst- und Gemüseanbau (z. B. Kirschen, Spargel) gut entwickelt.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an den Rheingau-Taunus-Kreis, die kreisfreien Städte Wiesbaden und Mainz und an den Kreis Groß-Gerau (alle außer Mainz in Hessen) sowie an die Landkreise Alzey-Worms, Bad Kreuznach, Rhein-Hunsrück-Kreis und Rhein-Lahn-Kreis (alle wie auch Mainz in Rheinland-Pfalz).
Der Landkreis Mainz-Bingen gehört der Metropolregion Rhein-Main-Gebiet an.
Geschichte mini|Hessen im Jahr 1930
Das Gebiet des heutigen Landkreises Mainz-Bingen war vor 1792 in zahlreiche Herrschaftsgebiete zersplittert, von denen die Kurfürsten von der Pfalz den größten Anteil hatten, gefolgt von den Mainzer Kurfürsten.
Im Jahr 1794 wurde das Linke Rheinufer im Ersten Koalitionskrieg französisch besetzt. Von der französischen Regierung wurde 1798 die Verwaltung des Linken Rheinufers nach französischem Vorbild reorganisiert. Das Gebiet des heutigen Landkreises Mainz-Bingen war von 1798 bis 1814 überwiegend Teil des Departements Donnersberg (Mont Tonnerre) mit dem Hauptort (chef-lieu) Mainz, während das Gebiet nördlich der Nahe zum Departement Rhein-Mosel (Rhin-et-Moselle) mit Sitz in Koblenz gehörte. Nach dem Wiener Kongress 1815 kam der nördliche Teil des heutigen Kreises (westlich der Nahe) zum Königreich Preußen (ab 1822 Rheinprovinz), der südliche Teil 1816 zum Großherzogtum Hessen. Innerhalb von Hessen entstanden am 5. Februar 1835 die beiden Kreise Mainz und Bingen. Der Kreis Mainz entstand aus den Kantonen Mainz, Niederolm und Oppenheim. Am 16. Februar 1835 wurde die Stadt Mainz als Kreis Mainz-Stadt aus dem Kreis Mainz ausgegliedert. Am 12. Mai 1852 entstand der Kreis Oppenheim. Die Stadt Mainz gehört ab 1852 wieder zum Kreis Mainz, bis sie 1938 erneut ausschied. Am 7. April 1938 wurde der Kreis Oppenheim aufgelöst und auf die Kreise Mainz und Alzey verteilt. Bei der Kreisreform wurden die beiden Landkreise Mainz und Bingen am 7. Juni 1969 zusammengelegt, wobei auch einige Gebiete der Landkreise Kreuznach und Sankt Goar einbezogen wurden. Am 7. November 1970 kam noch Genheim aus dem Landkreis Bad Kreuznach hinzu. Am 16. März 1974 folgten Dorn-Dürkheim und Wolfsheim aus dem Landkreis Alzey-Worms. Sitz der Kreisverwaltung war zunächst der Erthaler Hof in Mainz; seit dem 1. Januar 1996 ist es Ingelheim am Rhein.
Geschichte des Kreises Bingen
Geschichte des Kreises Mainz
Einwohnerstatistik hochkant=1.2|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Mainz-Bingen (Datenquelle: Zensus 2011)Datenbank Zensus 2011, Kreis Mainz-Bingen
EinwohnerStatistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002Gemeindestatistik aus dem landeseinheitlichen System EWOISneu der Gesellschaft für Kommunikation und Wissenstransfer mbH (KommWiss) Stichtag 149.800 27. Mai 1970 157.800 30. Juni 1980 171.800 30. September 1990 194.200 31. Dezember 2000 200.598 31. Dezember 2005 201.371 31. Dezember 2006 201.970 31. Dezember 2007 201.915 31. Dezember 2008 202.260 31. Dezember 2009 203.026 31. Dezember 2010 203.588 31. Dezember 2011 202.222 31. Dezember 2012 205.657 31. Dezember 2013 206.918 31. Dezember 2014 211.307 31. Dezember 2015211.874 31. Dezember 2016209.785 31. Dezember 2017210.889 31. Dezember 2018210.953 30. Juni 2019212.420 31. Dezember 2021217.986 31. Dezember 2022ewois.de
Konfessionsstatistik Laut der Zensus 2022 waren mit Stand Mai 2022 31,8 % der Einwohner römisch-katholisch, 25,6 % evangelisch und 42,6 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2022 Religion Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken, der Anteil am Gesamtbevölkerung der Einwohner mit sonstiger oder ohne Konfession nimmt jährlich um fast 2 Prozentpunkten zu. Mit Stand Februar 2026 waren 28,0 % der Einwohner katholisch, 22,3 % evangelisch und 49,7 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren Konfessionslos.Gemeindestatistik Landkreis Mainz-Bingen, abgerufen am 12. März 2026
Politik Landräte Thomas Barth (CDU) wurde am 1. Oktober 2025 Landrat des Landkreises Mainz-Bingen. Bei der Stichwahl am 16. März 2025 hatte er sich mit 54,4 % gegen Steffen Wolf (SPD) durchgesetzt, nachdem bei der Direktwahl am 23. Februar keiner der ursprünglich sechs Bewerber eine ausreichende Mehrheit erzielt hatte.
Barths Vorgängerin Dorothea Schäfer (CDU) hatte das Amt 2017 übernommen, nachdem sie sich – ebenfalls in einer Stichwahl – mit 65,1 % gegen Salvatore Barbaro (SPD) durchgesetzt hatte.Helena Sender-Petry: In: Allgemeine Zeitung Mainz, VRM Mainz, 25. Juni 2017. Bei der Wahl 2025 trat sie nicht erneut an.
Die bisherigen Landräte seit 1969: 1969–1976: Heribert Bickel (CDU) 1977–1985: Johann Wilhelm Römer (CDU) 1985–1991: Gerulf Herzog (CDU) 1992–2017: Claus Schick (SPD) 2017–2025: Dorothea Schäfer (CDU) seit 2025:Thomas Barth (CDU)
Kreistag Die Wahlen zum Kreistag am 9. Juni 2024 hatten folgendes Ergebnis:Wahlband Kommunalwahlen 2019 - Kreise und Bezirkstag (wahlen.rlp.de) Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands30,21530,31537,051836,518SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands21,41022,81135,841831,216GRÜNEBündnis 90/Die Grünen14,6719,11012,71611,26FWGFreie Wählergruppe im Landkreis Mainz-Bingen11,568,549,1758,74AfDAlternative für Deutschland11,157,74––––FDPFreie Demokratische Partei5,136,134,1829,45VoltVolt Deutschland3,22––––––ÖDPÖkologisch-Demokratische Partei1,711,61––0,80DIE LINKE.DIE LINKE.1,313,12––––Die PARTEIPartei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative––0,90––––PIRATENPiratenpartei Deutschland––––1,061––gesamt100,050100,050100,050100,050Wahlbeteiligung in %67,067,260,960,1 CDU, SPD und FWG bildeten 2019 eine Koalition im Kreistag, welche die vorangegangene aus SPD, Grünen und FWG abgelöst hat.
Wappen und Flagge
Der Landkreis Mainz-Bingen führt ein Wappen sowie eine Hiss- und Bannerflagge.
Wirtschaft Der Landkreis Mainz-Bingen ist ein wirtschaftlich sehr starker Landkreis. Dies belegen Studien wie etwa das Landkreisranking des Wirtschaftsmagazins Focus Money, das den Landkreis Mainz-Bingen regelmäßig in der Spitzengruppe sieht. Im Jahr 2014 lag der Landkreis in diesem Ranking unter mehr als 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland auf dem ersten Platz. In Rheinland-Pfalz ist der Kreis seit Beginn des Landkreisrankings im Jahr 2003 in jedem Jahr auf Platz eins gelistet. Auch andere Studien wie die des Berlin-Institutes für Weltbevölkerung und globale Entwicklung,Die demografische Lage der Nation der Prognos AG und der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ attestieren dem Landkreis Mainz-Bingen ein besonders großes Engagement der Bürger im ehrenamtlichen Bereich, überdurchschnittliche Kaufkraft der Einwohner, Zukunftsfähigkeit und große Wirtschaftsstärke. Außerdem wurde der Landkreis 2008 für seine kommunalpolitische Gesamtstrategie mit dem bundesweit vergebenen „Kommunalfuchs“ ausgezeichnet. Im Zukunftsatlas 2022 belegte der Landkreis Mainz-Bingen Platz 32 von 400 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „sehr hohen Chancen“ für die Zukunft. Im Zukunftsatlas 2025 belegte der Landkreis Platz 36 von 400 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland.
Die gute wirtschaftliche Situation im Kreis Mainz-Bingen zeigt sich auch in der permanent niedrigen Arbeitslosenquote, die deutlich unter dem Landesdurchschnitt von Rheinland-Pfalz liegt. Im Dezember 2016 betrug die Quote 3,7 %.Bundesagentur für Arbeit – Auch das verfügbare Haushaltseinkommen im Kreis ist das höchste in Rheinland-Pfalz.Statistisches Bundesamt (2010): Regionaldatenbank. Wiesbaden.
Wirtschaftsstruktur mini|Im Vordergrund Weinreben, im Hintergrund das Firmengelände von Boehringer Ingelheim Zur Wirtschaftskraft des Landkreises Mainz-Bingen tragen neben vielen klein- und mittelständischen Betrieben auch Großunternehmen wie das zweitgrößte deutsche forschende Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, die Eckes AG (Granini-Fruchtsäfte, Hohes C) oder die zur Dr. August Oetker KG gehörende Chemische Fabrik Budenheim bei. Daneben ist auch der Obstanbau eine wichtige Einnahmequelle: Die genossenschaftlich organisierten Vereinigten Obst- und Gemüsemärkte Rheinhessen eG (VOG) in Ingelheim sind der größte deutsche Anbieter für Sauerkirschen und Mirabellen. Einen großen Stellenwert nimmt aber vor allem der Weinbau im Landkreis ein. Von den rund 34.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche im Landkreis Mainz-Bingen sind etwa 35 Prozent Weinanbaufläche. Mit Mittelrhein, Nahe und Rheinhessen als Deutschlands größtem Weinanbaugebiet hat der Landkreis Mainz-Bingen Anteil an drei Weinbauregionen. Durch das Weinanbaugebiet Rheinhessen ist der Landkreis Mitglied im Great Wine Capitals Global Network.
Ehrenamtliches Engagement Dem „Engagementatlas 2009“ nach sind die Bürger des Landkreises Mainz-Bingen ehrenamtlich sehr aktiv. Dieser Untersuchung zufolge sind mehr als 50 Prozent der Landkreisbürger bürgerschaftlich engagiert, womit der Kreis in der höchsten Kategorie liegt und eine „weit überdurchschnittliche Engagementquote“ aufweist. Von 2007 bis 2013 hat der Landkreis über sein Ehrenamtsförderprogramm insgesamt 763 Projekte ehrenamtlicher Initiativen und Vereine mit einer Gesamtsumme von 13,6 Millionen Euro gefördert. Für das Jahr 2016 stehen insgesamt drei Millionen Euro für die Ehrenamtsförderung zur Verfügung.
Bildung mini|Der Orientierungsstufenbau des Gymnasiums Nieder-Olm Der Landkreis Mainz-Bingen hat seit 1990 rund 234 Millionen Euro in die kreiseigenen Schulen investiert. Auch über die Kreisvolkshochschule ist der Kreis im Bildungsbereich engagiert. Der Landkreis Mainz-Bingen ist Träger folgender weiterführender Schulen:
Gymnasien Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim Gymnasium Nieder-Olm Sebastian-Münster-Gymnasium Ingelheim Stefan-George-Gymnasium Bingen am Rhein Gymnasium Nackenheim
Integrierte Gesamtschulen Integrierte Gesamtschule Kurt Schumacher Ingelheim am Rhein Integrierte Gesamtschule Nieder-Olm Integrierte Gesamtschule Oppenheim Integrierte Gesamtschule Gerhard Ertl Sprendlingen
Realschulen plus Rochus-Realschule plus Bingen am Rhein mit Fachoberschule Kaiserpfalz-Realschule plus Ingelheim Carl-Zuckmayer-Realschule plus Nierstein mit Fachoberschule Christian-Erbach-Realschule plus Gau-Algesheim Lenneberg Grund- und Realschule plus Budenheim und Mainz-Mombach
Berufsbildende Schulen