mini|Oberschwäbische Landschaft bei Biberach mini|Federseesteg mini|Der Bussen (767 m ü. NHN) bei Dürmentingen Der Landkreis Biberach ist ein Landkreis in Baden-Württemberg. Er bildet zusammen mit dem Alb-Donau-Kreis und der kreisfreien Stadt Ulm den baden-württembergischen Teil der Region Donau-Iller im Regierungsbezirk Tübingen. Im Jahr 2019 stand der Landkreis Biberach auf Rang 2 der wirtschaftlichen Stärke aller Landkreise Deutschlands. Der schuldenfreie Landkreis hat die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland und mehr Arbeitsplätze als Erwerbstätige. Er liegt beim Bevölkerungswachstum, der Geburtenrate, der Hauseigentumsquote, der durchschnittlichen Wohnfläche, dem Anteil der Land- und Forstwirtschaft und des produzierenden Gewerbes am BIP deutlich über dem Durchschnitt, bei den Grundstückspreisen, der Grundsteuer und der Gewerbesteuer deutlich darunter.

Geographie

Lage Der Landkreis Biberach liegt in Oberschwaben. Die Westspitze reicht noch bis auf die Schwäbischen Alb. Die Iller bildet die natürliche Grenze zu Bayern. Die höchsten Erhebungen im Landkreis sind der Rotreiß (801 Meter) in der Gemeinde Langenenslingen und der Bussen (767 Meter) in der Gemeinde Uttenweiler, der tiefste Punkt befindet sich mit an der Westernach bei Achstetten.

Nachbarkreise Der Landkreis Biberach grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Reutlingen und Alb-Donau-Kreis (beide in Baden-Württemberg), an die Landkreise Neu-Ulm und Unterallgäu und an die kreisfreie Stadt Memmingen (alle in Bayern) sowie an die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen (beide wiederum in Baden-Württemberg).

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2015

Naturschutz

Der Landkreis Biberach besitzt folgende 31 Naturschutzgebiete: Allgaier Riedle: 3,0 ha, Stadt Bad Schussenried Blinder See Kanzach: 10,0 ha; Stadt Riedlingen und Gemeinde Kanzach Ehebach: 11,2 ha; Stadt Riedlingen Federsee: 1.402,0 ha; Stadt Bad Buchau und Gemeinden Alleshausen, Moosburg, Oggelshausen Flusslandschaft Donauwiesen: 556,8 ha; Stadt Riedlingen und Gemeinde Unlingen Flusslandschaft Donauwiesen zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen: 582,0 ha; Stadt Munderkingen und Gemeinden Emeringen, Lauterach (Alb-Donau-Kreis), Obermarchtal, Rechtenstein, Untermarchtal Gedüngtes Ried: 17,4 ha; Stadt Ehingen (Donau), Gemeinde Schemmerhofen Gutershofer Weiher: 7,6 ha; Gemeinde Attenweiler Hagnaufurter Ried: 31,5 ha; Stadt Aulendorf, Gemeinde Ingoldingen Heusteige: 16,0 ha; Gemeinde Langenenslingen Kirchhalde: 8,0 ha; Gemeinde Langenenslingen Lange Grube: 6,7 ha; Gemeinde Unlingen Mauchenmühle: 11,6 ha; Stadt Bad Wurzach, Gemeinde Eberhardzell Mohn’scher Park: 7,0 ha; Stadt Laupheim Müsse: 12,8 ha; Stadt Laupheim Nördliches Federseeried: 170,0 ha; Gemeinden Alleshausen, Seekirch, Uttenweiler Ofenwisch: 40,6 ha; Stadt Riedlingen Osterried: 119,5 ha; Stadt Riedlingen Riedschachen: 11,1 ha; Stadt Bad Schussenried Sauloch: 2,7 ha; Gemeinde Langenenslingen Schand: 16,7 ha; Stadt Laupheim Schwaigfurter Weiher: 48,1 ha; Stadt Bad Schussenried Storchenwiesen: 7,1 ha; Gemeinde Altheim Südliches Federseeried: 517,9 ha; Stadt Bad Buchau und Gemeinde Oggelshausen Tannenhalde: 33,2 ha; Gemeinden Zwiefalten und Langenenslingen Ummendorfer Ried: 121,5 ha; Stadt Biberach an der Riß und Gemeinden Hochdorf, Ummendorf Vogelfreistätte Lindenweiher: 47,0 ha; Gemeinde Hochdorf Warmtal: 30,0 ha; Gemeinde Langenenslingen Westliches Federseeried/Seelenhofer Ried: 241,0 ha; Stadt Bad Buchau und Gemeinden Alleshausen, Betzenweiler, Kanzach Wettenberger Ried: 66,6 ha; Gemeinden Hochdorf und Eberhardzell Wildes Ried: 22,6 ha; Stadt Bad Schussenried

Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW, Stand: 19. Dezember 2024 stehen 3.588,96 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 2,55 Prozent.

Geschichte Der Landkreis Biberach geht zurück auf das gleichnamige württembergische Oberamt, das nach dem Übergang der ehemals freien Reichsstadt Biberach und deren Umland an Württemberg 1806 errichtet wurde. Ferner hatten die Oberämter Ehingen, Riedlingen, Saulgau, Waldsee, Leutkirch und Zwiefalten Anteil am heutigen Kreisgebiet.

Ab 1810 gehörten die Oberämter zu den Landvogteien an der Donau bzw. am Bodensee und ab 1818 zum Donaukreis. Die meisten Oberämter wurden im Laufe der Geschichte aufgelöst und mit benachbarten zusammengelegt. Übrig blieben im 20. Jahrhundert lediglich die Oberämter Biberach, Leutkirch und Laupheim (bis 1845 war dessen Sitz in Wiblingen). 1924 wurde der Donaukreis aufgelöst, und 1934 wurden die Oberämter in Landkreise umbenannt.

Bei der Gebietsreform von 1938 wurden die Landkreise Leutkirch und Laupheim aufgelöst. Dabei kamen einige Gemeinden des Landkreises Leutkirch sowie der Großteil des Landkreises Laupheim zum Landkreis Biberach.

Der Landkreis kam 1945 mit dem südlichen Teil des alten Landes Württemberg zur Französischen Besatzungszone und in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. Nach der Länderneugliederung 1952 im Südwesten gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern im Land Baden-Württemberg.

Bei der Kreisreform erhielt der Landkreis Biberach am 1. Januar 1973 einige Gemeinden der Landkreise Saulgau und Ehingen sowie die Gemeinden Billafingen und Langenenslingen des Landkreises Sigmaringen und gab im Gegenzug die Gemeinde Dietmanns an den Landkreis Ravensburg sowie die Gemeinden Oberbalzheim und Unterbalzheim an den Alb-Donau-Kreis ab.

Bereits am 1. Oktober 1972 wurde der Ort Ellighofen von Moosbeuren nach Attenweiler umgegliedert und kam somit vom Landkreis Ehingen zum Landkreis Biberach.

Am 1. Januar 1976 wurden die Orte Gensenweiler, Hagnaufurt, Hervetsweiler und Wattenweiler aus der zum Landkreis Ravensburg gehörenden Stadt Bad Waldsee aus- und in die Gemeinde Ingoldingen eingegliedert.

Seit dem Abschluss der Gemeindereform 1975 umfasst der Landkreis Biberach 45 Gemeinden, darunter sechs Städte und hiervon wiederum mit Biberach und Laupheim zwei Große Kreisstädte. Größte Stadt des Kreises ist Biberach an der Riß, flächengrößte Gemeinde ist Langenenslingen, kleinste Gemeinde ist Moosburg.

Einwohnerentwicklung 400x400px|mini|Bevölkerungspyramide für den Kreis Biberach (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Biberach, Alter und Geschlecht.)

Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).

Datum Einwohner 31. Dezember 1973 150.199 31. Dezember 1975 149.190 31. Dezember 1980 151.661 31. Dezember 1985 152.447 25. Mai 1987 ¹ 153.900 31. Dezember 1990 162.746 Datum Einwohner 31. Dezember 1995 175.622 31. Dezember 2000 182.979 31. Dezember 2005 188.532 31. Dezember 2010 189.312 31. Dezember 2015 194.019 31. Dezember 2020 202.250 Der Landkreis Biberach verzeichnete zwischen 2011 und 2021 einen Einwohnerzuwachs von 187.508 auf 203.244, somit um 15.736 Einwohner bzw. um 8,39 % – der höchste Wert in Baden-Württemberg im genannten Zeitraum. Quelle: Statistisches Landesamt. Basis: Zensus 2011.

Politik

Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet.

Kreistag Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zum in den Diagrammen dargestellten Ergebnis.

Ergebnisse früherer Kreistagswahlen Parteien und Wählergemeinschaften%2024Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Stimmenverteilung der Kreistagswahlen 1989-2009 Sitze2004 Sitzverteilung der Kreistagswahlen 1989-2009 %1999 Sitze1999 %1994 Sitze1994 %1989 Sitze1989 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands38,82533,51942,62537,42639,92743,62542,42447,426 FWV Freie Wählervereinigung im Landkreis Biberach19,31223,51423,31425,017-------- GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen10,7715,298,658,44------8,74AfDAlternative für Deutschland8,35 - - - - - - - - - - - - - - FRAUEN Frauen in den Kreistag 8,0 67,846,846,13 - - - - - - - - SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 7,2 47,1410,2612,0512,6711,4614,1714,17 ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei5,036,243,323,01 - - - - - - - - FDP Freie Demokratische Partei2,823,823,426,134,22 - - - - - - ajp Aktiv, Jung, Politisch - -2,01 - - - - - - - - - - - - PWL Pro Westlicher Landkreis - -0,9 -1,21 - - - - - - - - - - DIE LINKE. DIE LINKE.- - - -0,501,91 - - - - - - - - WG Wählervereinigungen- - - - - - - -40,32341,32339,32125,814 Sonst. Sonstige- - - - - - - - - - - -0,5 - - - Gesamt100,064100,057100,059100,060100,060100,056100,054100,053 Wahlbeteiligung63,17 %59,6 %52,5 %55,13 %57,5 %58,9 %71,1 %67,5 % WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1989 bis 2004 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lassen.

Am 23. Juli 2008 hat der Kreistag einer Patenschaft zwischen dem Landkreis und dem Mittleren Transporthubschrauberregiment 25 „Oberschwaben“ in Laupheim zugestimmt.

Landrat mini|hochkant|Landkreisfahne auf der ehemaligen Waldburgschen Vorburg auf dem Bussen, seit 1997 Eigentum des Landkreises (2012) Der Landrat wird vom Kreistag für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Er ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, hat aber in den Gremien kein Stimmrecht. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises.

Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leite diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.

Die Landräte des Landkreises Biberach seit 1937: 1937–1945: Maximilian Wizigmann 1945–1946: Fritz Erler, SPD 1946–1947: Carl Eugen Sprenger 1947–1973: Paul Heckmann (1947 zunächst Amtsverweser und 1973 erneut Amtsverweser des neuen Landkreises Biberach) 1973–1992: Wilfried Steuer, CDU 1992–2006: Peter Schneider, CDU 2006–2022: Heiko Schmid, Freie Wähler seit 2022: Mario Glaser, parteilos

Die Oberamtmänner des ehemaligen Oberamts sind unter Oberamt Biberach dargestellt.

Wappen mini|Landkreis Biberach Das Wappen des Landkreises Biberach zeigt in gespaltenem Schild vorne in Gold einen halben, rot bewehrten schwarzen Adler am Spalt, hinten in Rot einen mit der Krümme nach links gerichteten goldenen Abtsstab mit silbernem Velum. Das Wappen wurde am 4. März 1970 und nach der Kreisreform am 3. September 1973 neu verliehen.

Der Reichsadler steht für die zahlreichen reichsunmittelbaren Herrschaften im heutigen Kreisgebiet, vor allem die ehemals freien Reichsstädte Biberach und Buchau. Der Abtsstab mit Pannisellus steht für die ebenfalls zahlreichen teilweise reichsunmittelbaren Klöster im Kreisgebiet, die 1803 säkularisiert wurden (Ochsenhausen, Rot an der Rot, Schussenried, Buchau, Heggbach, Heiligkreuztal, Gutenzell).

Wirtschaft und Infrastruktur Der Landkreis hält einen Anteil von gut elf Prozent an den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken und nimmt über diese Beteiligung auch Einfluss auf die Geschäftspolitik der Energieversorger EnBW und EGVS. Die größten Arbeitgeber des Kreises sind unter anderem Boehringer Ingelheim, Liebherr, Handtmann, Diehl Aviation Laupheim, die Kliniken des Landkreises, KaVo Dental, Kässbohrer Geländefahrzeug, Südpack, Uhlmann, Rentschler, Feinguss Blank, Silit und Weishaupt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war noch der überwiegende Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, der Strukturwandel wurde im Landkreis Biberach im Vergleich zu anderen Landkreisen schnell vollzogen.