Der Sikorsky UH-60 Black Hawk ist ein mittelschwerer Transporthubschrauber. Er wird seit 1978 in verschiedenen, hauptsächlich militärischen Versionen von dem US-amerikanischen Hersteller Sikorsky Aircraft Corporation produziert. Die Typnummer UH-60 des US-Militärs wird auch für Exportexemplare verwendet, die im Rahmen des Foreign Military Sales Programme über die US-Regierung verkauft werden, während direkt bei Sikorsky bestellte Exemplare die Sikorsky-Baureihennummer S-70 erhalten.
Entwicklungsgeschichte Anfang 1970 benötigte die US Army einen Ersatz für den leichten Mehrzweckhubschrauber Bell UH-1 Iroquois, der sich im Vietnamkrieg zwar bewährt hatte, aber doch mehrere entscheidende Mängel wie die mangelhafte Selbstschutzmöglichkeit und die für manche Missionen zu geringe Nutzlast und Reichweite aufwies.
Die Army initiierte deshalb 1972 einen Wettbewerb zur Konstruktion eines mittelschweren taktischen Transporthubschraubers. Aus dieser Ausschreibung ging am 23. Dezember 1976 die Firma Sikorsky mit ihrem Modell YUH-60 gegen die Boeing-Vertol YUH-61 als Sieger hervor. Der Erstflug des ersten von drei YUH-60 fand am 17. Oktober 1974 mit den Testpiloten James Wright und John Dixson an Bord statt. Der Hubschrauber konnte mit nur unwesentlichen Änderungen als UH-60A Black Hawk in die Serienproduktion gehen. Beim Prototyp hatte die zwecks Luftverlastbarkeit tiefe Anbringung des Hauptrotors zu Vibrationsproblemen geführt. In der Serie wurde der Hauptrotor daher höher über dem Rumpf angebracht, war aber durch eine demontierbare Wellenverlängerung absenkbar. Durch seine feststehende Höhenflosse zeigte der Prototyp bei Landungen eine starke Tendenz, die Nase hochzunehmen, wobei der Pilot die Sicht zum Boden verlor. In der Serie wurde deshalb eine automatische Verstellung der Höhenflosse realisiert. Die SH-60B wurde Anfang 1978 von der Marine als neuer Hubschrauber gewählt. Die erste Serienversion der UH-60A startete am 17. Oktober 1978 zu ihrem Erstflug und wurde im Juni 1979 an die 101st Airborne Division ausgeliefert. Von diesem Typ wurden von 1978 bis 1989 980 Hubschrauber an die Army ausgeliefert, bis die verbesserte UH-60L diesen ablöste.
Technischer Aufbau mini|Rotorkopf des UH-60
Die Modelle der Black-Hawk-Reihe sind in konventioneller Heckrotor-Konfiguration aufgebaut und haben zwei Wellentriebwerke. Das feststehende Fahrwerk ist in Spornradanordnung ausgeführt. Der Hauptrotor dreht in der Draufsicht nach links und hat vier Rotorblätter, diese sind als Sandwichplatte mit Wabenkern und einer GFK-Außenhaut ausgeführt; der eingebettete Holm besteht aus Titan. Die Rotornabe ist in einem Stück aus Titan geschmiedet. Ein wesentlicher Gesichtspunkt bei der Entwicklung des Black Hawk war die Widerstandsfähigkeit im Gefecht. Praktisch der gesamte Hubschrauber inklusive der Rotoren ist so ausgelegt, dass er trotz mäßigen Beschusses aus 23-mm-Kanonen seinen Auftrag noch weiter erfüllen kann. Dadurch kann der Black Hawk beispielsweise auch bei Verlust des Hauptgetriebeöldrucks noch bis zu einer Stunde weiterfliegen.
Auffallend ist eine konstruktive Besonderheit bei der Anordnung des Heckrotors, dessen Achse gegenüber der Waagrechten um 20° geneigt ist. Somit erzeugt der Heckrotor nicht wie bei herkömmlichen Systemen ausschließlich Gegendrehmoment, sondern auch eine zusätzliche Auftriebs-Komponente. Damit wird erreicht, dass der Heckrotor ca. 2,5 % des Gesamtauftriebs (250 lbs bei Höchstabfluggewicht) erzeugt. Bei einer Beschädigung der Heckrotor-Ansteuerung wird durch einen Federmechanismus der Einstellwinkel des Heckrotors automatisch justiert, um das bei Nennleistung erzeugte Hauptrotor-Drehmoment auszugleichen. Damit ist bei einem Steuerbarkeitsausfall des Heckrotors eine sichere Landung möglich.
Black-Hawk-Varianten AH-60L Direct Action Penetrator (DAP) mini|AH-60L Direct Action Penetrator (DAP)
Entwickelt 1990 aus der MH-60L als Kampfhubschrauber für die Spezialkräfte des 160th SOAR. Als Urheber des Konzepts wird Cliff Wolcott angegeben, der bis zu seinem Tod dem Systems Integration and Management Office (SIMO) angehörte, das sich mit Modernisierungsmöglichkeiten der Hubschrauber beschäftigte.Michael J. Durant, Steven Hartov: In the Company of Heroes. G.P. Putnam’s Sons, New York 2003, S. 162. Die AH-60L kann an ihren Waffenstationen je nach Auftrag mit einer 30-mm-Maschinenkanone M230, verschiedenen ungelenkten Raketen des Typs FFAR, Luft-Boden-Raketen vom Typ AGM-114 Hellfire, Flugabwehr-Raketen vom Typ FIM-92 Stinger, M134-Gatling und Maschinengewehren vom Kaliber 7,62 mm ausgerüstet werden. Eingesetzt wird sie ausschließlich zur Feuerunterstützung. Der Ersteinsatz erfolgte während des Zweiten Golfkrieges.
EH-60A Quick Fix Der Quick Fix wurde von der US Army für die elektronische Kampfführung mit verschiedenen Störsendern ausgerüstet, um feindlichen Funk und Radar unwirksam zu machen. In: avia.russian.ee. Der Prototyp YEH-60A flog am 24. September 1981 erstmals. Die Lieferung der EH-60A begann ab Juli 1987, es wurden 66 Stück gebaut.
HH-60 MedEvac Die HH-60 MedEvac (auch als HH-60M bezeichnet) ist eine modifizierte Variante der UH-60 zum medizinischen Transport (MedEvac). Ausgerüstet mit sechs Tragen, medizinischer Ausstattung und einer Rettungsseilwinde. In der Version Q wurde ein FLIR-Sichtsystem und eine TACAN-Navigationsanlage eingebaut. Der Erstflug war am 31. Januar 1993.
HH-60G Pave Hawk (ehemalig MH-60G) mini|HH-60G Pave Hawk der US Air Force im Irak mini|MH-60K Black Hawk
Eingesetzt bei der US-Nationalgarde und der Air-Force-Reserve dient die Pave Hawk als Rettungshubschrauber für SAR-Einsätze. Bei der US Air Force wird sie zusätzlich für CSAR-Missionen und für den Transport von Spezialtruppen (Pararescue Jumper, Navy SEALs) verwendet. Für diese Aufgaben ist die HH-60G leistungs- und reichweitengesteigert und mit einer abhörsicheren Satellitenkommunikationsanlage ausgerüstet. Durch ihr Doppler-/INS-Navigationssystem, das Honeywell-AN/APN-239-Wetter-/Geländefolgeradar und ein Raytheon AN/AAQ-16-FLIR-Sichtsystem ist sie voll nachteinsatz- und allwettertauglich. Je nach Auftrag kann sie an den Bordschützenplätzen mit einer M134/GAU-2BBezeichnungen: US Army/US Air Force.-Gatling (7,62 mm) oder einem M60D-Maschinengewehr (7,62 mm) und zusätzlich an den Türen mit einem GAU-16A/GAU-18A-Maschinengewehr (12,7 mm) – montiert auf einer M144-Schwenkvorrichtung – zur Selbstverteidigung bewaffnet werden. Im vorderen Bereich ist sie an der für Luftbetankungen erforderlichen Betankungssonde und an der Unterseite am angebrachten Bergungshaken erkennbar. Die Ausbaustufe Block 162 hat einen modifizierten Chaff/Flare Dispenser (Täuschkörperanlage) und ein überarbeitetes Navigations- und Kommunikationssystem. Das Radar wurde wie bei der MH-60K Black Hawk von links unten in die Mitte verlegt. Im Jahr 1992 wurden alle MH-60G in HH-60G umbenannt.
MH-60 Black Hawk Eingesetzt in zwei Varianten vom 160th SOAR zum Transport von Spezialeinheiten. Die Variante K (Erstflug 10. August 1990) ist mit einer Luftbetankungssonde, Aufnahmepunkten für externe Treibstofftanks, Multifunktionsbildschirmen, AN/ARN-148-Omega/VLF-Navigationsanlage, AN/APQ-174B-Terrainfolgeradar, FLIR-Sichtgerät, IR-Störgerät, M-130-Chaff/Flare-Dispenser, Laserzielgerät und Drahtabweiser ausgestattet. Die Variante L ist eine kostengünstigere Version ohne Luftbetankungssonde und mit Wetterradar. Für die Bordschützen stehen je Seite ein M240D-Maschinengewehr oder M134-Gatling zur Verfügung.
S-70 Black Hawk mini|S-70 des Österreichischen Bundesheers
Die US-Militärvarianten der H-60 wurden um die Serie der S-70-Derivate erweitert, die speziell für den internationalen Markt vorgesehen sind. Nutzer dieser Version sind beispielsweise das Österreichische Bundesheer (Österreich), die Australian Defence Force (Australien) und Saudi-Arabien. Exporte über die US-Regierung im Rahmen der Foreign Military Sales tragen die Bezeichnung H-60.
Am 4. April 2020 wurden 2 der Fluggeräte jeweils mit einem 3000 Liter fassenden Wasserbehälter zum Löschen eines mehrere Quadratkilometer großen Brands des Schilfgürtels des Neusiedlersees eingesetzt.
S-70 Yanshuf Unter der Bezeichnung S-70 Yanshuf (Nachteule) wurde ab Juni 2007 eine S-70 bei der israelischen Firma Elbit zu einer bewaffneten Version Armed Battlefield Helicopter (ABH) umgerüstet. Dazu wurden seitliche Außenlastträger zur Aufnahme von Raketen und am Bug zusätzliche Sensoren sowie eine schwenkbare Kanone verbaut. Der Erstflug fand am 10. September 2008 statt.
S-70i Black Hawk Eine weitere Version der Black Hawk ist die in Polen bei PZL Mielec – einem Tochterunternehmen von Sikorsky – hergestellte S-70i; sie hatte am 1. Juli 2010 ihren Erstflug. Die ersten drei Hubschrauber wurden Mitte 2011 an das Innenministerium von Saudi-Arabien ausgeliefert.
S-70M Black Hawk Die neueste zivile zertifizierte Version der Black Hawk ist die ebenfalls in Polen bei PZL Mielec hergestellte S-70M. (Stand: April 2024) Die auf Basis der S-70i weiterentwickelte Variante mit einem digitalen Cockpit und GE-701D-Triebwerken entspricht im Wesentlichen den US-produzierten militärischen UH-60M. Sie flog erstmals im Jahr 2020. Das erste Exemplar auf Basis der S-70M erhielt 2021 der Versorger San Diego Gas & Electric (SDG&E).
T-70 Black Hawk 2011 kaufte die Türkei für 2,9 Mrd. Euro 109 als T-70 bezeichnete speziell für die Türkei angepasste S-70i für alle Streitkräfte, die Polizei und Feuerlöscheinheiten. Die Unterzeichnung des Kaufvertrages erfolgte allerdings erst 2016. Die T-70 soll von der Turkish Aerospace Industry (TAI) hergestellt und ausgestattet werden, einheimische Lieferanten sind unter anderem Turkish Engine Industries (TEI), Aselsan und Alp Aviation. Die T-70 wird ausschließlich aus türkischen Ressourcen ausgestattet und verbessert. Danach wird TAI das Muster auch für den Export anbieten.
UH-60A Black Hawk Die erste Serienproduktion; von diesem Typ wurden 980 Hubschrauber von 1978 bis 1989 an die US Army ausgeliefert. Die UH-60 kann elf voll ausgerüstete Soldaten aufnehmen. Die Typbezeichnung UH leitet sich ab von der Klassifizierung Utility Helicopter (siehe dazu: Bezeichnungssystem für Luftfahrzeuge der US-Streitkräfte).
UH-60L Black Hawk mini|Kolumbianische UH-60L stößt Täuschkörper aus
Die UH-60L entstanden durch Umrüstung von UH-60A. Diese Version erhielt neben neuen um je 220 kW (300 PS) leistungsgesteigerten Triebwerken ein vereinfachtes Zielsystem für Panzerabwehr-Lenkraketen vom Typ AGM-114 Hellfire (nicht serienmäßig). Zusätzlich zu den Raketen kann der Hubschrauber auch Außentanks oder Werfer für ungelenkte Raketen an seinen Pylonen tragen. Der Erstflug fand am 22. März 1988 statt. Die Nationalgarde der Vereinigten Staaten bezeichnete diese Version als OH-60L. Die UH-60P ist eine ähnliche Version für Südkorea, von der 141 Stück gebaut wurden, davon 138 bei Korean Air Lines.
UH-60M Black Hawk Die UH-60M ist eine Weiterentwicklung der UH-60L mit neuen Rotorblättern, T-700-GE-701D-Triebwerken, haltbarerem Getriebe, moderner Avionik mit Glascockpit und einem Leitwerk aus Verbundwerkstoffen. Sie ersetzt die UH-60A und den UH-60L der US Army und als Combat Rescue Helicopter die HH-60G der USAF. Der UH-60M hob am 17. September 2003 zu seinem Erstflug ab, die Lieferung der ersten Serienhubschrauber begann Ende Juli 2006. Die Version UH-60M Upgrade enthält eine Modernisierung des Fly-by-Wire-Systems und ein FADEC für das Triebwerk sowie ein Heck aus Verbundwerkstoffen. Der Erstflug dieser Version war am 29. August 2008.
UH-60V Black Hawk Die UH-60V ist eine umgerüstete US-Army-UH-60L, deren analoges Cockpit durch ein digitales ersetzt wurde. Sie entspricht damit im Wesentlichen der Baureihe UH-60M. Der wichtigste Unterschied sind die nicht ersetzten dünneren Rotorblätter des ursprünglichen Bauzustands. Die Auslieferungen begannen im Oktober 2020; 760 Einheiten geplant.
HH-60W Jolly Green II