mini|Verwaltungsgebäude der IG Metall in Frankfurt am Main mini|Verwaltung von der Mainseite aus mini|IG Metall Jugend bei der 1.-Mai-Demonstration gegen den NPD-Aufmarsch in Hamburg 2008 Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall, IGM) ist mit 2,02 Millionen MitgliedernBild-Zeitung vom 26. Januar 2026 vor der Verdi die größte Einzelgewerkschaft in der Bundesrepublik Deutschland und ebenfalls die weltweit größte organisierte Arbeitnehmervertretung. Nachdem in den 1990er und 2000er Jahren die Mitgliederzahlen rückläufig waren (1990 gehörten der IG Metall noch 2,679 Millionen Mitglieder an), steigen sie seit 2011 wieder leicht an. Rund 500.000 Mitglieder sind Senioren. In: igmetall.de. IG Metall, abgerufen am 18. Januar 2017.

Die IG Metall hat ihren Sitz im Main Forum in Frankfurt am Main und vertritt die in ihr organisierten Arbeitnehmer der Branchen Metall/Elektro, Stahl, Textil/Bekleidung, Holz/Kunststoff und Informations- und Kommunikationstechnologiebranche. Die Bereiche Textil/Bekleidung und Holz/Kunststoff vertritt sie erst seit 1998 beziehungsweise 2000, als die Gewerkschaft Textil-Bekleidung (GTB) und die Gewerkschaft Holz und Kunststoff (GHK) der IG Metall beitraten.

Größte Geschäftsstelle der IG Metall ist Wolfsburg. Am Konzernsitz der Volkswagen AG überschritt die Zahl der Mitglieder entgegen dem Bundestrend Ende 2009 erstmals die Marke von 72.000, 2012 80.000 Mitglieder, 2016 90.000.

Die IG Metall ist Mitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), in der globalen Gewerkschaftsföderation IndustriALL und deren europäischen Dachverband IndustriALL Europe, der Bau- und Holzarbeiter Internationale (BHI) und in der Europäischen Föderation der Bau- und Holzarbeiter.

Die IG Metall repräsentiert vornehmlich die Arbeitnehmer im Leitsektor der deutschen Volkswirtschaft, der Metall- und Elektroindustrie, die mit 3,64 Millionen Arbeitnehmern den bedeutendsten Industriesektor darstellt, aus der ca. 60 % aller Exporte der deutschen Wirtschaft stammen (2011).

Ihre sozial- und tarifpolitischen Initiativen prägten die deutsche Sozialverfassung, so die Durchsetzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch einen dreimonatigen Arbeitskampf in Schleswig-Holstein, die Arbeitskämpfe zur Durchsetzung der 40-Stunden-Woche unter dem Motto „Samstags gehört Vati mir“ in den 1960er Jahren, des sechswöchigen Jahresurlaubes (Streik in der Stahlindustrie 1978/79) und der 35-Stunden-Woche in den 1980er Jahren.

Zahlreiche IG-Metall-Führungspersonen sind neben ihrer Tätigkeit in der Gewerkschaft auch in Aufsichtsräten großer Konzerne tätig. Ihre Aufsichtsratsbezüge führen sie größtenteils an die Hans-Böckler-Stiftung ab.

Die IG Metall ist in sieben Bezirke untergliedert: Küste, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-Brandenburg-Sachsen, Mitte (ehemals Bezirk Frankfurt; umfasst die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen), Niedersachsen-Sachsen-Anhalt sowie Nordrhein-Westfalen. In den sieben Bezirken existieren 148 regionale Geschäftsstellen.

Die IG Metall unterhält mehrere zentrale Bildungsstätten, darunter das IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel, das Bildungszentrum Beverungen, das Bildungszentrum Lohr-Bad Orb, das IG Metall-Bildungszentrum Berlin (Pichelssee), die Kritische AkademieGeschichte der Kritischen Akademie, abgerufen am 24. Oktober 2020 in Inzell, sowie das Jugendbildungszentrum der IG Metall.

Geschichte Schon vor 1878 wurden in Deutschland die ersten Arbeitervereine gegründet, was Otto von Bismarck bis in die 1890er Jahre mittels der Sozialistengesetze zu unterbinden versuchte. Nach ihrer Aufhebung 1890 wurde die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands gegründet und ein Jahr später der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV), die wichtigste Vorläuferorganisation der IG Metall.Zur Gründungsgeschichte vgl. Fünfundsiebzig Jahre Industriegewerkschaft. 1891 bis 1966. Vom Deutschen Metallarbeiter-Verband zur Industriegewerkschaft Metall. Ein Bericht in Wort und Bild. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1966, S. 91–118 Der DMV entwickelte sich schnell zur größten deutschen Einzelgewerkschaft im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Schon 1892 fand der erste Kongress der Gewerkschaften Deutschlands statt. Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 kam es immer wieder zu großen Berg-, Metall- und Werftarbeiterstreiks.Vgl. Fünfundsiebzig Jahre Industriegewerkschaft. 1891 bis 1966. Vom Deutschen Metallarbeiter-Verband zur Industriegewerkschaft Metall. Ein Bericht in Wort und Bild. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1966, S. 124–195 Nach Kriegsende wurde 1919 der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund gegründet und die Koalitionsfreiheit in der Weimarer Verfassung verankert. Im selben Jahr wurden Tarifverträge erstmals rechtsverbindlich. In den folgenden Jahren stärkten verschiedene Gesetze wie das Betriebsrätegesetz von 1920 oder das Gesetz über die Arbeitslosenversicherung von 1927 die Rolle der Gewerkschaften und damit auch des DMV.

1928 ließ der DMV ein Stammhaus an der Kreuzberger Lindenstraße in Berlin durch den bekannten Architekten Erich Mendelsohn errichten. Die Gewerkschaft wurde 1933 von den Nationalsozialisten zerschlagen, die alle freien Gewerkschaften verboten. In den Folgejahren bis 1945 litten viele ehemalige Gewerkschaftsmitglieder unter Repressionen bis zur Hinrichtung.

In den Nachkriegsjahren wurden in Westdeutschland viele Gewerkschaften nach dem Prinzip der Einheitsgewerkschaft neugegründet, die IG Metall 1949. Im gleichen Jahr fand auch der Gründungskongress des DGB statt und das Tarifvertragsgesetz wurde verabschiedet. Wie zuvor in der Verfassung der Weimarer Republik wurde die Koalitionsfreiheit auch im neu geschaffenen Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verankert.

1951 wurde das Mitbestimmungsgesetz, 1952 das Betriebsverfassungsgesetz erlassen. Erstmals gab es 1954 eine tarifliche Sonderzahlung (Weihnachtsgeld). Im Jahr 1956/57 wurde von der IG Metall in Schleswig-Holstein ein Streik um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geführt, der bisher längste Streik in der Geschichte der Bundesrepublik. Am Verhandlungsergebnis orientierte sich der BundesgesetzgeberChrista Geckeler: Kieler Erinnerungstage: 24. Oktober 1956 | Der längste Streik in der Bundesrepublik begann am 24. Oktober mit dem Streik der Metallarbeiter in Schleswig-Holstein In: kiel.de, 24. Oktober 2006, abgerufen am 18. November 2022 wenige Monate später.Gesetz zur Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherung der Arbeiter im Krankheitsfalle. In: Bundesgesetzblatt 1957 I S. 649 1962 konnte zum ersten Mal tarifliches Urlaubsgeld vereinbart werden. In Baden-Württemberg wurden 1963 mit dem größten Streik von 350.000 Gewerkschaftern 5 % mehr Lohn und die Herabsetzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 41 ¼ Stunden erreicht. In der Metallindustrie wurde 1967 (zwei Jahre nach der Druckindustrie) die 40-Stunden-Woche eingeführt. 1970 wurde das Gesetz für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall erlassen.

Das Vermögen der IG Metall betrug 1972 nach Angaben des ehemaligen DGB-Bundesvorstandsmitglieds Kurt Hirche rund 631 Millionen DM.

Das Betriebsverfassungsgesetz wurde 1972 novelliert. Die Steinkühlerpause von fünf Minuten pro Stunde wurde 1973 für Fließbandarbeiter im Tarifgebiet Baden-Württemberg eingeführt und zum Teil in anderen Gebieten übernommen. Ab 1975 rückte der Rationalisierungs- und der Einkommensschutz in den Mittelpunkt. In der Stahlindustrie gab es 1978 Streik um die 35-Stunden-Woche. In der Metallindustrie wurde 1984 gestreikt. Die 35-Stunden-Woche wurde aber (noch) nicht durchgesetzt. In Stufen wurde 1990 westdeutsche tarifliche Strukturen auf Ostdeutschland übertragen.

Die ost- und westdeutschen Gewerkschaften wurden 1991 vereint. In den Jahren 1998 und 1999 erweiterte die IGM ihren Organisationsbereich in die Holz- und Textilbranche, als die dort aktiven und infolge des Strukturwandels stark geschrumpften Industriegewerkschaften beider Bereiche der IGM beitraten.Ralf Hoffrogge, Sozialpartnerschaft mit kurzer Tradition - Korporatismus, Voluntarismus und die „Varianten des Kapitalismus“ am Beispiel der Industriegewerkschaft Metall (IGM) und der Amalgamated Engineering Union (AEU), in: Sozial.Geschichte Online, 34, S. 1–36, hier S. 33; online hier Die 35-Stunden-Woche wurde in der Metallindustrie 1995 durchgesetzt. In der Wirtschaftskrise nach der Wiedervereinigung gab es den ersten Versuch eines Bündnisses für Arbeit. Es war einer von vielen Anläufen seit der Konzertierten Aktion von 1967–77 auch auf Bundesebene eine sozialpartnerschaftliche Industriepolitik unter Beteiligung von Gewerkschaften, Unternehmen und Staat durchzuführen (Tripartismus). Andere Beispiele sind etwa die Bewältigung der Finanzkrise ab 2008 durch die von der IGM vorgeschlagene Abwrackprämie oder die Rückkehr keynesianischer Wirtschaftsförderung in der Corona-Krise ab 2020, diesmal mit Kaufprämien für Elektroautos. Die Anläufe für eine solche Politik blieben jedoch auf Krisenzeiten begrenzt. Eine dauerhafte Institutionalisierung von Sozialpartnerschaft, auch Korporatismus genannt, ist in Deutschland eher auf Unternehmensebene anzutreffen - in Betriebsräten oder der Mitbestimmung der Arbeitenden in den Aufsichtsräten.Ralf Hoffrogge, Sozialpartnerschaft mit kurzer Tradition - Korporatismus, Voluntarismus und die „Varianten des Kapitalismus“ am Beispiel der Industriegewerkschaft Metall (IGM) und der Amalgamated Engineering Union (AEU), in: Sozial.Geschichte Online, 34, S. 1–36, online hier Die volle Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall wird gesichert. Das Betriebsverfassungsgesetz wurde 2001 reformiert. Mit Abschluss der Tarifverhandlungen wurden 2002 auch das Entgelt-Rahmenabkommen (ERA) abgeschlossen. In Ostdeutschland scheiterten Streiks zur Einführung der 35-Stunden-Woche größtenteils, es kam zu einer Führungskrise in der IG Metall. Nach langen Auseinandersetzungen wurden für die beiden Siemens-Werke Kamp-Lintfort und Bocholt zum ersten Mal eine Rückkehr von der 35- zur 40-Stunden-Woche beschlossen. 2011 unterstützte die IG-Metall die Energiewende.

In den nächsten Jahren bis 2020 strebt die IG Metall nicht mehr Vereinbarungen über eine kollektive Verringerung der Arbeitszeit wie in den 1980er Jahren an; stattdessen sollen individuell zugeschnittene Arbeitszeitmodelle mit Optionen für eine Absenkung der Arbeitszeit für Pflege und Betreuungsaufgaben, Qualifikation und flexible Altersübergänge ausgehandelt werden.

Die Beitragseinnahmen der IG Metall 2025 betrugen 648 Millionen Euro.Bild-Zeitung vom 26. Januar 2026 Im Jahr 2016 stieg die Mitgliederzahl zum sechsten Mal hintereinander, wenn auch nur um 230.Frank Specht: Die schwindende Macht der Gewerkschaften. In: Handelsblatt, 31. Januar 2017.

Ziele Als Ziele der IG Metall bestimmt ihre Satzung insbesondere:Satzung der IG Metall § 2 Absatz 3 1. Zusammenschluss aller im Organisationsbereich der IG Metall Beschäftigten zum gemeinsamen Handeln; sie bezieht alle Mitglieder zur Unterstützung mit ein; 2. Erzielung günstiger Lohn-, Gehalts- und Arbeitsbedingungen durch den Abschluss von Tarifverträgen; 3. Demokratisierung der Wirtschaft unter Fernhaltung von neofaschistischen, militaristischen und reaktionären Elementen; 4. Erringung und Sicherung des Mitbestimmungsrechtes der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen im Betrieb und Unternehmen und im gesamtwirtschaftlichen Bereich durch Errichtung von Wirtschafts- und Sozialräten; Überführung von Schlüsselindustrien und anderen markt- und wirtschaftsbeherrschenden Unternehmungen in Gemeineigentum; 5. Mitbestimmung in der gesamten Berufsbildung einschließlich des Schul- und Hochschulwesens; 6. Verbesserung und einheitliche Gestaltung eines demokratischen Arbeits- und Sozialrechtes; 7. Sicherung der rechtlichen Voraussetzungen für die gewerkschaftliche Handlungsfreiheit, insbesondere durch Verbot der Aussperrung; 8. Verbesserung der Gesundheitsvorsorge und der Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen;