mini|Autogramm (undatiert) Elisabeth „Ellis“ Kaut (* 17. November 1920 in Stuttgart; † 24. September 2015 bei Fürstenfeldbruck) war eine deutsche Kinderbuchautorin, die durch die Erfindung des Pumuckl international erfolgreich wurde. Darüber hinaus verfasste sie Novellen für Erwachsene und einige Bildbände.

Leben und Wirken Ellis Kaut wurde 1920 in Stuttgart als Tochter eines Münchener Bankprokuristen und einer schwäbischen Bauerntochter geboren. Als sie zwei Jahre alt war, zog die Familie nach München. Im Alter von 17 Jahren wurde sie 1938 zum ersten offiziellen Münchner Kindl gekürt. Nach der Schule absolvierte sie ein zweijähriges Schauspielstudium und bekam ein Engagement am Residenztheater in Wiesbaden.

Im November 1939 heiratete sie im Alter von 19 Jahren den Schriftsteller und Journalisten Kurt Preis.Gabriele Meinhard: In: meinhard.privat.t-online.de, 10. Juni 2007, abgerufen am 24. September 2015. Im März 1945 wurde eine gemeinsame Tochter geboren; diese war später, bis zu dessen Tod 2020, mit dem Maler Brian Bagnall verheiratet.

Nach ihrer Schauspielausbildung studierte Kaut bis 1944 Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München. Ab 1948 war sie freie Schriftstellerin und übernahm in den 1950er und 1960er Jahren Sprechrollen bei Hörspielen. Beim Bayerischen Rundfunk betreute sie Kindersendungen und schrieb dafür auch Manuskripte, unter anderem ab 1954 bis 1961 im zweiwöchentlichen Rhythmus die Geschichten vom Kater Musch.Ellis Kaut: Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller, 2009. S. 181–183

1962 erfand sie die Figur Pumuckl – als Hörspiel im Bayerischen Rundfunk gesendet –, für die sie hauptsächlich bekannt wurde. Daneben widmete sie sich auch der Malerei und der Fotografie. Im Gegensatz zu diesen Tätigkeiten sei das Schreiben für sie stets harte Arbeit gewesen, sagte sie 2010 in einem Interview.Dominik Baur: „Ja, mei!“ – Pumuckl-Schöpferin Ellis Kaut im Interview. Beitrag aus MAGDA – Das Magazin der Autoren auf der Website des Journalisten und Autors Dominik Baur. Artikel vom 29. April 2010, aufgerufen am 15. Juni 2022 (Version im Internet Archive, archiviert am 8. Juni 2010) Zu ihren literarischen Werken habe sie immer eine große Distanz gehabt. Mit ihrer Stiftung zur Förderung des Lesens und der Jugendliteratur regte sie zur Beschäftigung mit Büchern ihres Genres an.

Kaut war ab 1991 verwitwet und lebte im Alter im Münchner Stadtteil Obermenzing.Katrin Woitsch: Pumuckl-Erfinderin wird heute 90. In: merkur.de, Münchner Merkur, 17. November 2010. Sie starb nach langer Krankheit im September 2015 im Alter von 94 Jahren in einem Pflegeheim nahe Fürstenfeldbruck. Kauts Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof des Münchener Stadtteils Obermenzing.knerger.de: Das Grab von Ellis Kautmini|hochkant|Das Grab von Ellis Kaut und Ehemann Kurt Preis, Friedhof Obermenzing, München.

Am 6. Juli 2017 wurde im Münchener Neubaugebiet Freiham die Ellis-Kaut-Straße nach ihr benannt.Münchner Straßenverzeichnis: Ellis-Kaut-Straße auf stadtgeschichte-muenchen.de (aufgerufen am 12. Februar 2025) Das Museum Fürstenfeldbruck zeigte vom 18. November 2022 bis zum 27. August 2023 in der Ausstellung Pumuckl und mehr – Ellis Kaut zum 102. alles rund um den Pumuckl, Kaut und weitere Künstler.

Pumuckl, der Kobold

Kaut ist die Autorin der Geschichten über den Kobold Pumuckl,Hannes Hintermeier: Ellis Kaut wird neunzig: Der Klabautermann aus dem Lehel. In: faz.net, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. November 2010, Seite 31, abgerufen am 1. Januar 2011. der bei Schreinermeister Eder allerlei Spuk in dessen Werkstatt treibt. Zunächst 1962 als Hörspiel vom Bayerischen Rundfunk gesendet, fanden die Pumuckl-Geschichten bei Kindern auch als Buch, Schallplatte/Kassette, CD oder DVD und als Fernsehserie Anklang. Insgesamt entstanden rund 100 Geschichten, in denen Pumuckl für Aufregung und Verwicklungen zuständig ist. Die 52-teilige Fernsehserie sowie die Hörspielreihe mit Alfred Pongratz und später Gustl Bayrhammer als Meister Eder und Hans Clarin, der Pumuckl seine Stimme lieh und 2002 selbst den Erben und Cousin des Meister Eder spielte, sorgten für bundesweite Bekanntheit der Figur. Wie Kaut in der Sendung Montagsmaler im November 1983 selbst erklärte, war „Pumuckl“ der ihr von ihrem Mann gegebene Spitzname.

Im oberbayerischen Ohlstadt entstand ein Pumuckl-MuseumArmin Krattenmacher: Pumuckl Museum in Ohlstadt. In: pumuckl-museum.de. Abgerufen am 24. September 2015, ebenso in der niedersächsischen Gemeinde Hagen im Bremischen (Pumuckl-Museum in Uthlede).Sven Coorßen hat für seine umfangreiche Sammlung ein privates Museum in seinem Gartenhaus eingerichtet. Pumuckls größter Fan wohnt in Uthlede, Weserkurier am 8. Februar 2015, aufgerufen am 28. Juni 2022

Weitere Werke Neben dem Pumuckl sind auch die Geschichten vom Kater Musch sowie die Fehlerteufelgeschichten einem breiteren Publikum bekannt. 1973 entstand das Hörspiel Racket Billy und der rote Sand. Zudem stammt von ihr das Kinderbuch Schlupp vom grünen Stern, das 1974 im Südwest-Verlag erschien und 1986 vom Marionettentheater Augsburger Puppenkiste verfilmt wurde. Außerdem veröffentlichte sie Bildbände mit eigenen Fotografien, beispielsweise München zu jeder Jahreszeit (1990) und Gleich hinter München – das Land Ludwig Thomas (1993). 2009 veröffentlichte sie ihre Autobiografie Nur ich sag ich zu mir. Im hohen Alter war Kaut hauptsächlich als Bildhauerin, Malerin und Fotografin aktiv.

Erstveröffentlichungen Kinder Geschichten vom Kater Musch Etwa 150 Radio-Hörspielfolgen im Bayerischen Rundfunk von 1954 bis 1961 Zwei Bände: Musch macht Geschichten, München: Manz 1957 und Neue Geschichten vom Kater Musch. Stuttgart: Herold Verlag 1968Hörspiele: Angaben nach Nur ich sag ich zu mir. Langen Müller 2009, S. 182, Bücher: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

Meister Eder und sein Pumuckl 90 Radio-Hörspielfolgen im Bayerischen Rundfunk von 21. Februar 1962 bis 30. Dezember 1973 11 Bände mit 66 Geschichten. Nr. 1–10 von 1965 bis 1978 im Herold Verlag (Stuttgart), Nr. 11 1991 im Lentz Verlag (München)Die Pumuckl Geschichten auf pumucklhomepage.de, aufgerufen am 16. Juni 2022.

Weiteres Der kluge Esel Theobald. Stuttgart: Herold-Verlag Brück, 1972. ISBN 978-3880101357. Schlupp vom grünen Stern. München: Südwest-Verlag, 1974. ISBN 978-3880101302. Flibutz. München: Lentz 1984. ISBN 978-3880101296. Flaps der Fehlerflips. München: Lentz 1986. ISBN 978-3880101463.Angaben nach Nur ich sag ich zu mir, Langen Müller 2009, S. 220 bis 221 und dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (Jahreszahlen)

Erwachsene Zum Sterben begnadigt – Ein bayerisches Hörspiel. Text: Ellis Kaut mit Kurt Preiss. Komposition: Winfried Zillig, Regie: Alois Johannes Lippl. Erstsendung am 25. November 1956ARD-Hörspieldatenbank: Zum Sterben begnadigt – Ein bayerisches Hörspiel, aufgerufen am 23. Juni 2022 Die Ohren des Herrn Morose. Komödie in drei Akten nach Ben Jonsons Epicoene, Regie: Dieter Reible. Uraufführung des Thalia Theater Hamburg am 22. Mai 1963 im Rokokotheater SchwetzingenNur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller 2009, S. 175 bis 181 Der Nymphenburger Park, nymphenburger 1987 (Bildband) München zu jeder Jahreszeit, nymphenburger 1990 (Bildband) Gleich hinter München. Das Land Ludwig Thomas, nymphenburger 1992 (Bildband) Island. Eine Reise, nymphenburger 1998 (Bildband)Angaben zu den Bildbänden nach Nur ich sag ich zu mir, Langen Müller 2009, S. 222 Nur ich sag ich zu mir. Mein Leben mit und ohne Pumuckl. Langen Müller 2009, ISBN 978-3-7844-3194-9 (Autobiografie)

Rezeption und Auszeichnungen alternativtext=Großaufnahme des blauen Straßenschildes mit weißer Schrift Ellis-Kaut-Straße. Unter dem eigentlichen Straßenschild ist ein kleines graues Schild mit der Erklärung (wieder in weißer Schrift): Ellis Kaut (1920–2015), Schriftstellerin, Hörspielsprecherin, Erfinderin und Autorin der Kinderserie „Pumuckl“|mini|Straßenschild der Ellis-Kaut-Straße in München-Freiham

1955: Bayerischer Hörspielpreis 1971: Schwabinger Kunstpreis 1980: Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1980: Medaille „München leuchtet“ 1984: Ernst-Hoferichter-Preis 1985: Bayerischer Verdienstorden 1992: Bayerischer Poetentaler 1999: Oberbayerischer Kulturpreis 2001: Pro meritis scientiae et litterarum 2002: Bayerische Verfassungsmedaille in Silber

In München wurde 2017 die Ellis-Kaut-Straße nach ihr benannt. Die Ellis-Kaut-Schule folgte 2018; sie wurde 2025 geschlossen.

Weblinks

Website von Ellis Kaut

Petra Hallmayer: Das Kleben am Glück, ½Frankfurter Rundschau, 16. November 2010 Andrea Klasen: 24.09.2015 - Todestag der Pumuckl-Erfinderin Ellis Kaut WDR ZeitZeichen vom 24. September 2020. (Podcast)

Einzelnachweise

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