Der Fiat 124 ist ein Modell der unteren Mittelklasse der italienischen Automarke Fiat, das in verschiedenen Varianten (Fahrzeugkategorien) zwischen Frühjahr 1966 und Sommer 1985 gebaut wurde. Als Limousine wurde er von Fachjournalisten der europäischen Motorpresse zum Auto des Jahres 1967 gewählt. Fiat vergab Lizenzen zum Bau des 124 in mehrere Länder. Zusammen mit den Lizenznachbauten, darunter rund 17,3 Millionen Exemplare des bis 2014 gebauten Schiguli (Lada), ist der Fiat 124 mit einer Stückzahl von knapp 23 MillionenTradition: 50 Jahre Fiat 124. In: PS-Welt › Auto-News. 28. November 2016. Auf Welt.de, abgerufen am 30. November 2022. eine der meistproduzierten Automobilkonstruktionen.

Zwischen 2016 und 2020 bot Fiat einen Roadster auf der Basis des Mazda MX-5 von 2016 unter der Modellbezeichnung Fiat 124 Spider an.Fiat bringt den 124 zurück, Autobild, 18. November 2015

Modellgeschichte Allgemeines mini|links|Heckansicht Kurz nach der Präsentation der Baureihe Fiat 1300 und Fiat 1500 nahm Fiat die Arbeiten zur Entwicklung eines Nachfolgers des Modells 1100/1200 auf. Da im Automobilbau der frühen 1960er-Jahre stilistisch die „Neue Sachlichkeit“ Einzug gehalten hatte, sollte sich auch die Gestaltung des neuen Fiat 124 an diesem Trend orientieren.

Der damalige Leiter der Entwicklung bei Fiat, Dante Giacosa, hat die Entwicklung in seinem Buch "40 Jahre Design bei Fiat" (PDF; 23 MB), auf fcagroup.com umfassend beschrieben. Fiat baute zu jener Zeit ausschließlich Fahrzeuge mit Hinterradantrieb. Der Vorderradantrieb galt jedoch spätestens seit der Präsentation des BMC Mini auf dem Automarkt als zukunftsweisend für den Massenmarkt. Problematisch erschien damals jedoch die Verwendung unterschiedlich langer Antriebswellen. Innerhalb des Fiat-Konzerns erprobte die Konzerntochter Autobianchi mit dem Modell Primula das Konzept und erzielte respektable Verkaufserfolge.

Um das bei Autobianchi gewonnene Wissen auf die Konzernmutter Fiat zu übertragen, entstand in Turin unter der Bezeichnung 123 ein gemeinsames Projekt. Auf Basis des Primula begann die Entwicklung einer viertürigen Stufenhecklimousine mit Quermotor und Frontantrieb. Im Laufe der Arbeiten entschied sich Fiat jedoch, den künftigen Fiat 124 weiterhin mit Hinterradantrieb zu fertigen. Die Entwicklungen wurden an das Tochterunternehmen Autobianchi übergeben.Guide d'achat: Fiat 124 – La voiture universelle 1966–1974, in: Gazonline, Heft 12/Dezember 2006, 12. Jahrgang, Pixel Press Studio, Bailly, S. 80. Autobianchi brachte das Projekt zur Serienreife und verkaufte das Fahrzeug als Autobianchi A111.Roger Gloor: Personenwagen der 60er Jahre, 3. Aufl., Hallwag Verlag, Bern und Stuttgart 1990, ISBN 3-444-10307-7, S. 71 ff.

Schon damals erzielte der Fiat-Konzern einen bedeutenden Anteil seines Umsatzes außerhalb Italiens. Wesentlichen Anteil hieran hatten Lizenzproduktionen von Tochterfirmen, die die Fahrzeuge unter ihrem Markennamen vertrieben, sofern sie gut zu den jeweiligen nationalen Bedürfnissen passten.Matthias Braun, Alexander Franc Storz: Typenkompass Seat – Alle Modelle seit 1953, 1. Aufl., Motorbuch Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-613-02534-5, S. 7. Im Lastenheft für die Gestaltung des Fiat 124 stand daher, möglichst global zu gefallen und sich auch unter schwierigen Bedingungen behaupten zu können. Fiats Lösung für diese Aufgabe lag in einer schlichten, glattflächigen Form, gepaart mit einer robusten und erprobten Technik ohne innovative Experimente. Die sehr kräftig ausgebildete HeizungsanlageTest Fiat 124. In: Kraftfahrzeugtechnik. 10/1968, S. 309–311. kam den Anforderungen der Lizenzproduktion in der Sowjetunion entgegen, die beim Erscheinen des Fiat 124 im Jahr 1966 bereits festgelegt war.Neue Modelle aus Turin. In: Kraftfahrzeugtechnik. 6/1966, S. 224–226.

Technik Der Wagen hatte vorn einen längs eingebauten Vierzylindermotor mit 1197 cm³ Hubraum mit einem Zylinderkopf aus Aluminium. Die Verdichtung des Motors von 8,8 : 1 erlaubte auch die Nutzung von Kraftstoffen mit niedriger Oktanzahl. Das maximale Drehmoment lag mit 94 Nm bei 3200/min an. Die Leistung betrug 65 PS nach SAE, das sind 60 DIN-PS und entspricht 44 kW. Die seitliche, kettengetriebene Nockenwelle betätigte die hängenden Ventile über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel. Neu in einem Fiat war damals die fünffach gelagerte Kurbelwelle. Die Antriebskraft wurde über ein Vierganggetriebe an die Hinterachse übertragen.

Die Bremsanlage umfasste zwar Scheibenbremsen an allen vier Rädern, eine Bremsunterstützung war aber nicht serienmäßig.Joachim Kuch, Wolfgang Schmarbeck: Typenkompaß Fiat – Personenwagen seit 1945, 1. Aufl., Motorbuch Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01906-X, S. 56.

Die Vorderräder waren einzeln an Doppelquerlenkern aufgehängt. Die Vorderachse wurde im Wesentlichen vom Fiat 1100 übernommen. Die neu konstruierte hintere starre Deichselachse war schraubengefedert und an zwei Längslenkern und einem Panhardstab geführt. Damit waren Schwächen wie das Trampeln (Drehschwingungen um die Querachse) einer an Blattfedern aufgehängten Starrachse vermieden. Verglichen mit Einzelradaufhängung waren die ungefederten Massen zwar etwas höher, aber Spur und Sturz blieben stets konstant. Das Fahrwerk des Fiat 124 war wartungsfrei (keine Schmierstellen). Anders als der überarbeitete Fiat 1100 hatte der 124 allerdings keine geteilte Lenksäule.Neue Modelle aus Turin. In: Kraftfahrzeugtechnik. 6/1966, S. 224–226. 1968 gab es eine neue Hinterachse ohne Deichsel mit vier Längslenkern und einem Panhardstab.

Rezeption und Modellpflege Der Fiat 124 wurde im Frühjahr 1966 der Öffentlichkeit präsentiert. Einzige Karosserievariante war zunächst die viertürige Limousine. Trotz der geringen Abmessungen von 4030 mm × 1625 mm × 1420 mm lobten zeitgenössische Tester das Platzangebot im Innenraum,Fiat 124 au banc d'essai, in: L'auto journal, Heft 9/6. Mai 1971, 21. Jahrgang, Mondadori France, Paris, S. 25 f. wobei es jedoch zu beengter Beinfreiheit im Fond kam, wenn die Vordersitze weit zurückgeschoben waren. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurden die Fensterflächen erheblich vergrößert, was die Übersichtlichkeit für den Fahrer verbesserte. Sowohl das Lenkrad mit Hupenring als auch die Tachometereinheit waren der letzten Entwicklungsstufe der Modellreihe 1300/1500 entlehnt. Kritisiert wurde das schlecht ablesbare Bandtachometer mit zu stark gedämpfter (verzögert reagierender) Geschwindigkeitsanzeige und das etwas zu hoch liegende Lenkrad. Insgesamt waren Armaturenbrett und Innenraum aber neu gestaltet worden. Der serienmäßige Lieferumfang umfasste eine Benzinuhr mit Reserveleuchte. Im 385 Liter fassenden Kofferraum war links das Reserverad und rechts der Kraftstofftank untergebracht.

Die Kunden nahmen den Fiat 124 von Anfang an positiv auf. Schon beim Produktionsstart konnten 200 Einheiten pro Tag gefertigt werden; eine Zahl, die bis zum Herbst 1966 auf 600 stieg. Fiat entwickelte die Modellfamilie weiter und präsentierte im Frühjahr 1967 einen Kombi mit dem Namen Familiare.Joachim Kuch, Wolfgang Schmarbeck: Typenkompaß Fiat – Personenwagen seit 1945. 1. Aufl., Motorbuch Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-613-01906-X, S. 57. Er übernahm nahezu alle Merkmale der Limousine, hatte jedoch Reifen der Größe 6,15S–13 statt 5,50S–13. Das Tankvolumen vergrößerte sich von 39 auf 47 Liter.Guide d'achat: Fiat 124 – La voiture universelle 1966–1974, in: Gazonline, Heft 12/Dezember 2006, 12. Jahrgang, Pixel Press Studio, Bailly, S. 81.

Obwohl sich der Fiat 124 gut verkaufte, wurde die Leistung als zu gering kritisiert. Anders fiel die Bewertung durch die Fachpresse im Osten aus, hier wurde der Motor des Fiat 124 als äußerst leistungsstarkes Triebwerk (50 PS/l) eingeschätzt und für den günstigen Drehmomentverlauf (maximales Drehmoment bereits bei 2600/min) gelobt. Kritik dagegen galt dem zu hohen Kraftstoffverbrauch von etwa 10 l/100 km, der sich nur bei ausgesprochen vorsichtiger Fahrweise auf 7,5–8,5 l/100 km verringern ließ. Kritisiert wurde auch die ungünstige, vom Fiat 1500 übernommene Getriebeabstufung. Das Fahrwerk wurde gelobt, mit Ausnahme der nicht befriedigenden Eigenschaften auf unebener oder glatter Fahrbahn.

Im November 1968 wurde der 124 Special vorgestellt. Der Hubraum des Motors wurde auf 1438 cm³ vergrößert und die Kompression auf 9,1 : 1 erhöht. Damit erreichte er ein maximales Drehmoment von 110 Nm bei 3300/min und eine Leistung von 70 DIN-PS (51 kW). Diese Leistungssteigerung kam im Wesentlichen der Beschleunigung zugute, die Höchstgeschwindigkeit stieg nur um 5 km/h.Roger Gloor: Personenwagen der 60er Jahre. 3. Aufl., Hallwag Verlag, Bern und Stuttgart 1990, ISBN 3-444-10307-7, S. 151 f. Der Special war äußerlich an einem geänderten Kühlergrill mit Doppelscheinwerfern, größeren Stoßstangenhörnern und an geänderten Heckleuchten mit integrierten Rückstrahlern zu erkennen. Der Innenraum war leicht überarbeitet. Die Instrumenteneinheit bestand beim Special aus zwei runden Anzeigen. Links befand sich der Tachometer ohne Tageskilometerzähler. Im rechten Instrument waren alle Anzeigen und Warnleuchten zusammengefasst. Zur Senkung des Fahrgeräuschpegels wurden in dieses Modell zusätzlich 25 kg Dämmmaterial eingebaut.Guide d'achat: Fiat 124 – La voiture universelle 1966–1974, in: Gazonline, Heft 12/Dezember 2006, 12. Jahrgang, Pixel Press Studio, Bailly, S. 82 f.

Im November 1970 kamen die Fahrzeuge der ersten Modellpflege in den Handel. Das Basismodell des Fiat 124 erhielt einen neu gestalteten Kühlergrill mit vier horizontal angeordneten und verchromten Leisten. Die Stoßstangenhörner wurden vom 124 Special übernommen. Das überarbeitete Heck hatte nun größere Rückleuchten mit Rückfahrscheinwerfern. Um die Luftzirkulation im Innenraum aller Fahrzeuge zu verbessern, kamen Entlüftungsschlitze an die C-Säule. Eine Zweikreisbremsanlage mit Servounterstützung erhöhte die Sicherheit. Auch dem 124 Special kamen diese Änderungen zugute. Allerdings entfielen die Stoßstangenhörner zugunsten einer umlaufenden Gummileiste. Im Innenraum gab es Elemente mit Holzimitat.Guide d'achat: Fiat 124 – La voiture universelle 1966–1974, in: Gazonline, Heft 12/Dezember 2006, 12. Jahrgang, Pixel Press Studio, Bailly, S. 82 ff.

Zur gleichen Zeit wurde der 124 Special T in das Programm aufgenommen. Er hatte den Motor mit zwei obenliegenden, zahnriemengetriebenen Nockenwellen aus den Modellen 124 Coupé und Spider. Damit zielte der 124 Special T auf den erfolgreichen Alfa Romeo Giulia Super. Der Motor basierte auf dem Motorblock der einfacheren Modelle mit seitlicher Nockenwelle, jedoch mit einem neuen Zylinderkopf. Aurelio Lampredi hatte beide Varianten entworfen. Die Konstruktion des Fiat-Twin-Cam-Motors wurde noch lange in verschiedenen Modellen von Fiat, Lancia und Alfa Romeo verwendet.

Der Motor hatte auch 1438 cm³ und gegenüber den Sport-Modellen eine reduzierte Leistung von 80 DIN-PS und ein maximales Drehmoment von 110 Nm bei 4000/min. Die Verdichtung lag bei 8,9 : 1. Gegen Aufpreis war ein elektrischer Drehzahlmesser erhältlich.L'Auto-Journal, 50 ans d'histoire Automobile, Tome 2, 1977–2000, Éditions Michel Lafon, 1. Aufl., Paris 2003, S. 157.

Die letzte Überarbeitung erfuhren die Modelle im August 1972. Äußerlich erhielten alle Varianten einen neugestalteten Kühlergrill, der nun wie die Radkappen das umgestaltete Fiat-Markenzeichen trug. Im Innenraum zeigten sich Armaturen mit schwarzer Grundfarbe und gelber Schrift. Die Basisversionen und der Special erhielten einen stärkeren Motor. Durch Änderungen an der Nockenwelle und den Brennräumen konnten bei beiden Modellen 5 DIN-PS zusätzlich gewonnen werden. Der Special T wurde dagegen mit dem Motor des im gleichen Jahr eingeführten 132 1600 N bestückt. Er hatte 1592 cm³ Hubraum, 95 DIN-PS, ein maximales Drehmoment von 125 Nm bei 4000/min und eine Verdichtung von 8,9 : 1.Guide d'achat: Fiat 124 – La voiture universelle 1966–1974, in: Gazonline, Heft 12/Dezember 2006, 12. Jahrgang, Pixel Press Studio, Bailly, S. 84 f.