Der Landkreis Tübingen ist ein Landkreis in Baden-Württemberg. Er bildet zusammen mit dem Landkreis Reutlingen und dem Zollernalbkreis den Regionalverband Neckar-Alb im Regierungsbezirk Tübingen.
Geographie
Lage Der Landkreis Tübingen hat Anteil am Oberen Gäu und am Schönbuch. Im Südosten reicht er über das Albvorland bis an die Schwäbische Alb (Albtrauf). Der Neckar durchfließt das Kreisgebiet von Südwesten nach Nordosten. Die Höhenlage erstreckt sich von 299 m ü. NHN am Kirchentellinsfurter Baggersee bis 854 m ü. NHN auf dem Dreifürstenstein bei Mössingen.
Nachbarkreise Der Landkreis Tübingen grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Böblingen, Reutlingen, Zollernalbkreis, Freudenstadt und Calw.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2015.Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung 2015.
Natur
Der Landkreis Tübingen besitzt folgende 22 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW, Stand: 19. Dezember 2024 stehen 1.192,15 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 2,30 Prozent.
Altwiesen: 23,2 ha; Gemarkung Bodelshausen Bei der Olgahöhe: 25,0 ha; Gemarkung Mössingen Bergrutsch am Hirschkopf: 45,0 ha; Gemarkung Mössingen Blaulach: 12,0 ha; Gemarkungen Kusterdingen und Tübingen Bühler Tal und Unterer Bürg: 78,5 ha; Gemarkungen Tübingen und Rottenburg am Neckar Burglehen: 16,3 ha; Gemarkung Rottenburg am Neckar Eisenbachhain: 8,3 ha; Gemarkung Dettenhausen Espenloch-Hintere Halde: 22,3 ha (davon 12,2 ha im Landkreis Tübingen); Gemarkung Hirrlingen Filsenberg: 35,8 ha; Gemarkung Mössingen Hirschauer Berg: 22,2 ha; Gemarkung Tübingen Kapfhalde: 11,8 ha; Gemarkungen Hirrlingen, Rottenburg am Neckar Katzenbach-Dünnbachtal: 121,3 ha; Gemarkungen Rottenburg am Neckar und Ofterdingen Kochhartgraben und Ammertalhänge: 106,8 ha; Gemarkungen Rottenburg am Neckar und Ammerbuch Oberes Steinach 7,5 ha; Gemarkungen Tübingen und Rottenburg am Neckar Öschenbachtal: 59,0 ha; Gemarkung Mössingen Rappenberg: 15,8 ha; Gemarkung Rottenburg am Neckar Schaichtal: 467,8 ha; Gemarkung Dettenhausen, Walddorfhäslach (Landkreis Reutlingen), Aichtal (Landkreis Esslingen), Waldenbuch (Landkreis Böblingen) Schönbuch-Westhang/Ammerbuch: 459,0 ha; Gemarkung Ammerbuch Spitzberg-Ödenburg 9,9 ha; Gemarkung Tübingen Trichter-Ehehalde: 2,7 ha; Gemarkung Rottenburg am Neckar Vollmershalde: 52,0 ha; Gemarkung Rottenburg am Neckar Winterhalde: 54,4 ha (davon 9,1 ha im Landkreis Tübingen); Gemarkung Bodelshausen
Geschichte Vor 1800 gehörte der größte Teil des heutigen Kreisgebiets entweder zum Herzogtum Württemberg (Oberamt Tübingen) oder zu Vorderösterreich. 1803/06 kamen die vorderösterreichischen und übrigen nicht-württembergischen Gebiete des heutigen Landkreises ebenfalls zum Königreich Württemberg. 1811 wurde das Oberamt Rottenburg am Neckar errichtet und 1934 wurden beide Oberämter in Landkreise überführt. 1938 wurde der Landkreis Tübingen erheblich vergrößert. Zum Kreisgebiet kamen nahezu alle Gemeinden des Landkreises Rottenburg sowie einige Gemeinden des Kreises Herrenberg und die Gemeinde Stockach vom Kreis Reutlingen.
Der Landkreis Tübingen kam 1945 mit dem südlichen Teil des alten Landes Württemberg zur Französischen Besatzungszone und in der Folge zunächst zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. Nach der Länderneugliederung 1952 im Südwesten gehörte der Landkreis zum Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern im Land Baden-Württemberg.
Bei der Kreisreform wurde der Landkreis Tübingen am 1. Januar 1973 auf seinen heutigen Umfang vergrößert, indem er drei Gemeinden vom aufgelösten Landkreis Horb hinzugewann. Im Gegenzug musste er drei Gemeinden an den Landkreis Reutlingen abgeben, bekam von diesem jedoch auch die Gemeinde Gomaringen.
Bereits am 1. April 1972 (Bieringen) und am 1. Dezember 1972 (Baisingen und Ergenzingen) wurden Gemeinden aus dem Landkreis Horb eingegliedert. Sie wurden in die Stadt Rottenburg am Neckar eingemeindet.
Nach Abschluss der Gemeindereform umfasst der Landkreis Tübingen noch 15 Gemeinden, darunter 3 Städte, welche zugleich Große Kreisstädte sind (Rottenburg am Neckar, Tübingen und Mössingen, letztgenannte aber erst ab 1. Januar 2009). Der Landkreis Tübingen ist damit der Landkreis mit den wenigsten Gemeinden mit Stadtrecht in Baden-Württemberg. Größte Stadt des Kreises ist Tübingen, kleinste Gemeinde ist Hirrlingen.
Einwohnerstatistik rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Tübingen (Datenquelle: Zensus 2011https://ergebnisse2011.zensus2022.de/datenbank/online/ Datenbank Zensus 2011, Kreis Tübingen, Alter und Geschlecht.)
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Datum Einwohner 31. Dezember 1973 164.617 31. Dezember 1975 165.487 31. Dezember 1980 172.803 31. Dezember 1985 179.937 25. Mai 1987¹ 175.855 31. Dezember 1990 193.334 Datum Einwohner 31. Dezember 1995 203.968 31. Dezember 2000 208.535 31. Dezember 2005 216.477 31. Dezember 2010 221.304 31. Dezember 2015 221.837 31. Dezember 2020 228.471 Konfessionsstatistik Der Anteil der evangelische und katholische Kirchenmitglieder im Kreis sinkt jährlich um einen Prozentpunkt. Gemäß dem Zensus 2022 waren am 25. Mai 2022 31,8 % (73.100) der Einwohner evangelisch, 24,4 % katholisch, und 43,8 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 15. August 2024
Laut kirchlicher Statistik gab es Ende 2024 5.700 evangelische Kirchenmitglieder weniger als Ende 2021 (oder fast 3 Prozentpunkten der Bevölkerung).Gemeindegliederzahlen der Kirchenbezirke der Ev. Landeskirche Württemberg (Stand per 31. Dezember 2014 - 2024), abgerufen am 10. Juli 2026
Politik Der Landkreis wird vom Kreistag und vom Landrat verwaltet.
Kreistag Der Kreistag wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt.
Parteien und Wählergemeinschaften%2024Sitze2024 %2019https://www.statistik-bw.de/Wahlen/Kommunal/02043000.tab?R=KR416 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 Sitze1999 %1994 Sitze1994 %1989 Sitze1989 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen26,315 29,8 18 21,8 14 24,2 12 20,1 10 13,6 7 16,9 9 16,3 8 FWV Freie Wählervereinigung Stadt und Land20,616 19,2 16 27,1 17 21,3 17 — — — — — — — — CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands18,713 17,7 12 25,4 16 23,9 14 23,2 14 25,9 16 23,6 14 26,1 14 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands12,38 12,8 8 15,0 9 16,4 9 16,9 10 18,0 11 19,8 12 21,4 12 TÜL/DIE LINKE Wählervereinigung Tübinger Linke e. V./DIE LINKE6,94 9,2 5 6,8 4 6,2 3 5,2 2 3,9 1 — — — — FDP Freie Demokratische Partei4,53 5,7 4 3,9 2 8,0 4 6,1 3 4,0 2 4,9 2 5,5 2 Die PARTEI Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative3,62 3,9 2 — — — — — — — — — — — — AfD Alternative für Deutschland3,34 1,5 2 — — — — — — — — — — — —KlimaKlimaliste Deutschland3,01——————————————BunteBUNTE Liste0,81—————————————— UB Unabhängige Bürger—— 0,2 0 — — — — — — — — — — — — WG Wählervereinigungen—— — — — — — — 24,5 18 32,0 2232,1 20 27,8 18 REP Die Republikaner—— — — — — — — 2,4 1 2,6 1 2,4 1 — — Sonst. Sonstige—— — — — — — — 1,7 0 — — 0,3 0 3,0 1 gesamt10067 100 67 100 62 100 59 100 58 100 60 100 58 100 55 Wahlbeteiligung66,8 % 64,6 % 54,0 % 54,4 % 54,0 % 54,2 % 69,4 % 62,8 % WG: Wählervereinigungen, da sich die Ergebnisse von 1989 bis 2004 nicht auf einzelne Wählergruppen aufschlüsseln lassen. mini|Landratsamt mit Sitz des Kreistags
Landrat Der Landrat wird vom Kreistag für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt. Er ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse, hat aber in den Gremien kein Stimmrecht. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.
Die Oberamtmänner des Oberamts Tübingen von 1809 bis 1928 sind im Artikel Oberamt Tübingen dargestellt.
1928–1934: Julius Gös 1934–1945: Friedrich Geißler 1945–1946: Viktor Renner 1947–1962: Hermann Zahr 1963–1973: Oskar Klumpp 1973–1989: Wilhelm Gfrörer 1989–2003: Albrecht Kroymann 2003–2025: Joachim Walter seit 2025: Hendrik Bednarz
Wappen Das Wappen des Landkreises Tübingen zeigt in Silber an schräg aus dem Untergrund hervorkommendem schwarzem Speer eine dreilatzige rote Fahne, ähnlich einem Rennfähnlein. Das Wappen wurde 1955 und nach der Kreisreform am 3. September 1973 neu verliehen.
Die Fahne war das Symbol der Pfalzgrafschaft Tübingen, deren Herrschaftsgebiet im Kreisgebiet lag. Die Farben spiegeln die Grafen von Hohenberg wider.
Wirtschaft und Infrastruktur Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Tübingen Platz 43 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „sehr hohen Zukunftschancen“. 2019 belegte er Platz 38 von 401.
Verkehr Eisenbahnverkehr Dem Neckar folgt die 1861 von den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen eröffnete Strecke Plochingen–Tübingen, die in Plochingen von der Strecke aus Stuttgart abzweigt. Die Verbindung ist auf diesem Abschnitt heute auch als Neckar-Alb-Bahn bekannt. Die Strecke wurde 1861 bis Rottenburg und 1864 bis Eyach fortgeführt. Im Jahre 1866 erreichte sie Horb, von wo sie 1867/68 bis Rottweil und später nach Immendingen verlängert wurde. An der Bahnstrecke Stuttgart–Horb wiederum liegt seit 1879 die Station Ergenzingen. Seit 1869 ist Tübingen außerdem Ausgangspunkt der Zollern-Alb-Bahn nach Hechingen.
Als Querverbindung von der Gäubahn bei Herrenberg nach Tübingen wurde in den Jahren 1909/10 die Ammertalbahn in Betrieb genommen. Der Bahnhof Eyach im Neckartal ist seit 1901 nördlicher Endpunkt der Hohenzollerischen Landesbahn in Richtung Haigerloch–Hechingen.
1902 erbauten die Badischen Lokal-Eisenbahnen die Nebenbahn Reutlingen–Gönningen, von der nur zwei Stationen im Kreis Tübingen lagen. Auf der 1911 durch die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen eröffneten Schönbuchbahn liegt nur der Endbahnhof Dettenhausen im Kreis; sie wird seit 1996 von der Württembergischen Eisenbahngesellschaft betrieben.
Das nunmehr 86 Kilometer umfassende Bahnnetz ist bis auf 8 Kilometer immer noch (oder wieder) in Betrieb; weitere 8 Kilometer waren etwa 30 Jahre lang stillgelegt:
1972 stillgelegt: Eyach–Haigerloch–Stetten–Hechingen Lbf. (2 km) 1976 stillgelegt: Reutlingen–Mähringen–Gomaringen–Gönningen (6 km) 1966–1999 stillgelegt: Entringen–Altingen–Herrenberg (6 km) 1966–1996 stillgelegt: Böblingen–Holzgerlingen–Dettenhausen (2 km)
Regional-Stadtbahn Seit einigen Jahren verfolgen die Kreise Tübingen, Reutlingen und Zollernalb die Einrichtung einer Regional-Stadtbahn Neckar-Alb nach dem Karlsruher Modell. Hierzu soll insbesondere eine Stadtbahnstrecke vom Hauptbahnhof über Universität und Universitätskliniken zum Wohngebiet Waldhäuser Ost entstehen, die mit dem regionalen Zugverkehr durchgebunden wird. Eine Machbarkeitsstudie ergab eine äußerst positive volkswirtschaftliche Nutzen-Kosten-Relation von 2,0.
Straßenverkehr Das Kreisgebiet wird im äußersten Westen von der Bundesautobahn 81 Stuttgart–Singen (Hohentwiel) berührt. Ferner wird er durch Bundes-, Landes- und Kreisstraßen erschlossen. Die wichtigsten sind die B 27 Stuttgart–Rottweil und die B 28 Freudenstadt–Reutlingen.
Radverkehr Durch den Landkreis verlaufen einige Alltagsrouten aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de: