Sinsheim (, kurpfälzisch: Sinse) ist eine Mittelstadt im Nordwesten Baden-Württembergs an der Elsenz. Der 770 erstmals erwähnte Ort war einst Reichsstadt und gehörte anschließend jahrhundertelang zur Kurpfalz. Es ist nach Weinheim die zweitgrößte Stadt des Rhein-Neckar-Kreises und ein Mittelzentrum in der Metropolregion Rhein-Neckar. Seit 1. Januar 1973 ist Sinsheim Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Angelbachtal und Zuzenhausen hat die Stadt Sinsheim eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart. Bis zur Kreisreform 1973 war Sinsheim Sitz des gleichnamigen Landkreises mit dem Kfz-Kennzeichen SNH.

Sinsheim ist bekannt durch das Technik-Museum und die Badewelt Sinsheim sowie die sportlichen Erfolge der TSG 1899 Hoffenheim und deren PreZero Arena.

Geographie Lage Sinsheim liegt im Herzen des Kraichgaus zwischen Heidelberg und Heilbronn und grenzt an die südlichen Ausläufer des vorderen Odenwalds. Durch die Stadt fließt die Elsenz, ein kleiner linker Nebenfluss des Neckars, der bei Neckargemünd mündet. Bei Neckargemünd ist die Elsenz auf einer Strecke von rund 250 m für kleine Wasserfahrzeuge befahrbar.

Nachbargemeinden Folgende Kommunen sind Anrainer (diese werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt):

Bad Rappenau, Kirchardt, Ittlingen und Eppingen (alle Landkreis Heilbronn), Östringen (Landkreis Karlsruhe) sowie Angelbachtal, Mühlhausen (Kraichgau), Dielheim, Zuzenhausen, Waibstadt und Neckarbischofsheim (alle Rhein-Neckar-Kreis).

Stadtgliederung hochkant=2.2|zentriert|Stadtgliederung von Sinsheim:Kernstadt (rot umrandet) und Stadtteile (Gemarkungen)

Das Stadtgebiet gliedert sich in die Kernstadt2 und die zwölf im Rahmen der Gebietsreform in Baden-Württemberg zwischen 1971 und 1973 eingemeindeten Stadtteile Adersbach2, Dühren2, Ehrstädt4, Eschelbach3, Hasselbach5, Hilsbach1, Hoffenheim2, Reihen2, Rohrbach2, Steinsfurt2, Waldangelloch3 und Weiler2 (Die hochgestellten Zahlen verweisen auf die Telefonvorwahlnummern, vgl. Infobox weiter oben).

Zum Stadtteil Adersbach gehört das Gehöft Rauhof. Zum Stadtteil Dühren gehört das Haus Dührener Mühle. Zum Stadtteil Ehrstädt gehören das Gehöft Eulenhof, Schloss und Haus Neuhaus und die Häuser Mühle und Jägerhaus. Zum Stadtteil Hilsbach gehören das Gehöft Junghof und die Häuser Eichmühle und Mettelmühle. Zum Stadtteil Hoffenheim gehören der Weiler Neufeldsiedlung (früher Siedlung am Balzfelderwald) und die Häuser Am Krähenberg und Mühle Kolb. Zur Kernstadt Sinsheim gehören der Weiler Immelhäuser Hof, das Gehöft Frankenhof und die Häuser Walkmühle. Zum Stadtteil Weiler gehören der Ort Hammerau und die Höfe Birkenauerhof und Buchenauerhof (Ziegelhof). Im Stadtteil Dühren liegen die Wüstungen Windhusen und das 827 genannte, abgegangene Mustrichesheim, das nicht genau lokalisiert ist und möglicherweise in der Gemarkung Sinsheim liegt. Im Stadtteil Eschelbach liegt die Wüstung Schlupferstadt und im Stadtteil Waldangelloch das abgegangene, nicht lokalisierte Studernheim.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 405–413

Raumplanung Sinsheim bildet ein Mittelzentrum im Bereich des Oberzentrums Heidelberg. Zum Mittelbereich Sinsheim gehören neben der Stadt Sinsheim noch die Städte und Gemeinden Angelbachtal, Epfenbach, Eschelbronn, Helmstadt-Bargen, Lobbach, Mauer, Meckesheim, Neckarbischofsheim, Neidenstein, Reichartshausen, Spechbach, Waibstadt und Zuzenhausen des Rhein-Neckar-Kreises.

Geschichte Frühgeschichte Der spektakulärste und älteste Fund aus der Umgebung datiert etwa 600.000 Jahre vor unserer Zeit. In einer Sandgrube bei Mauer zwischen Sinsheim und Heidelberg wurde 1907 der Unterkiefer von Mauer gefunden, das bis heute älteste Fossil eines Vertreters der Gattung Homo in Deutschland. In der Entwicklungsgeschichte der Erde bildete sich der Kraichgau über die Jahrtausende zu einer Hügellandschaft aus, die gleichermaßen fruchtbare Flussauen als auch schwer zugängliche Rückzugsgebiete bot, wodurch die Region für die Ansiedelung früher Kulturen wie geschaffen war.

Erste Besiedlungsspuren auf dem Gebiet der heutigen Gemarkung Sinsheim stammen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Insgesamt konnten bis heute 26 Hügelgräber aus dem zweiten und dritten vorchristlichen Jahrhundert in und um Sinsheim gefunden werden, daneben steinzeitliche Urnenfelder sowie Steinbeile, Lanzenspitzen und zahlreiche weitere Funde.

Im Ortsteil Dühren bestand um 400 v. Chr. ein keltischer Ringwall, daneben sind noch weitere keltische Funde in Sinsheim bekannt, darunter das „Fürstinnengrab“ mit reichen Grabbeigaben.

Römerzeit mini|Jupitergigantensäule, die in Sinsheim-Steinsfurt gefunden wurde. Mit der Niederschlagung des Bataveraufstandes im Jahre 70 begannen die Römer ihren Machtbereich um einige Kilometer östlich des Rheins auszuweiten. Wahrscheinlich kam die Gegend um Sinsheim zu diesem Zeitpunkt unter römische Kontrolle. Spätestens im Jahre 98, mit der Vorverlegung der Reichsgrenze an Odenwald und Neckar (siehe Neckar-Odenwald-Limes) unter Kaiser Trajan, wurde der Raum Teil des Römischen Reichs. Das heutige Sinsheim liegt inmitten des damals neu besetzten Gebietes, des so genannten Dekumatlandes (agri decumates). Ein römischer Viergötterstein, der in Sinsheim gefunden wurde, benennt eine Siedlung Saliobriga.Zu diesem Viergötterstein () siehe Francisca Feraudi-Gruénais, Renate Ludwig: Die Heidelberger Römersteine. Bildwerke, Architekturteile und Inschriften im Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-8253-6693-3, S. 42 f. Von den Römern zeugen auch die Fundamente römischer Gutshäuser auf der Gemarkung Sinsheim sowie die größte jemals in Süddeutschland gefundene Jupitergigantensäule, die im heutigen Ortsteil Steinsfurt geborgen werden konnte.

Mit dem Zerfall des Neckarlimes und dem Abzug der Römer 259/260 („Limesfall“) drangen Germanen (Alamannen) auf das Gebiet des heutigen Sinsheim vor. Bereits aus dem dritten Jahrhundert n. Chr. sind alamannische Siedlungsspuren bekannt. Um das Jahr 500 kam das Gebiet von Sinsheim zum Frankenreich und bereits um das Jahr 550 datieren die ältesten fränkischen Siedlungsspuren im Bereich der heutigen Kernstadt.

Die Besiedlung von Sinsheim war durch den Lauf der Elsenz und die alte Fernverkehrsstraße von Magdeburg über Leipzig nach Würzburg und Basel begründet, die in dieser Gegend von Heilbronn kommend über Steinsfurt nach Sinsheim führt.

Erste schriftliche Erwähnung 770 mini|Erste Erwähnung des historischen Sinsheims im Lorscher Kodex Im Lorscher Codex wird Sinsheim 770 erstmals urkundlich erwähnt. Damals hat ein Mann (seines Namens Hagino) dem Kloster Lorsch eine Hufe in „Sunnisheim“ übereignet. Ein großer Friedhof aus der Frankenzeit gibt Aufschluss über diese Zeit. Der Ort hatte als Mittelpunkt des Elsenzgaues bereits früh Bedeutung, ein Gaugrafengeschlecht hatte hier vermutlich seinen Sitz. Um 908 soll Konrad von Hessen in Sinsheim eine Burg erbaut und den Ort mit einer Mauer befestigt haben.

Klostergründung um das Jahr 1000 Gaugraf Otto von Kärnten (ca. 948–1004) ließ auf dem Michaelsberg das Stift Sinsheim und eine Kirche erbauen, die zunächst dem Bistum Worms unterstanden. Nach dem Tode Ottos überließen 1024 die in Rheinfranken herrschenden Salier den Kraichgau und die umliegenden Ländereien dem Grafen Wolfram aus der Familie der Zeisolf-Wolframe als Lehen. Gaugraf Zeisolf erhielt 1064 von Heinrich IV. das Marktrecht in Sinsheim, 1067 auch das Münzrecht. Zeisolfs Bruder Johannes, der Speyrer Bischof wurde, ertauschte von Worms das Sinsheimer Augustinerkloster und weihte es 1100 im Beisein von Heinrich IV. zu einem Benediktinerkloster um. Aus diesem Anlass wurden dem Kloster auch größere Ländereien, darunter der heutige Stadtteil Steinsfurt, zugeschlagen. Das Kloster blieb lange bedeutender als der Marktort, auch noch nachdem die Abtei 1108 verschiedene Rechte am Ort an König Heinrich V. abgetreten hatte.

Stadtrecht und Reichsstadt 1192 verlieh Kaiser Heinrich VI. dem Ort städtische Rechte. Aus einer 1234 von Kaiser Friedrich II. in Apricena ausgestellten Urkunde lässt sich ableiten, dass Sunnesheim vor 1220 an Markgraf Hermann V. von Baden als Pfandgut übergeben wurde und zu diesem Zeitpunkt bereits zur Stadt (civitas) erhoben war.RI V,1,1 n. 2060, in: Regesta Imperii Online. Abgerufen am 16. Januar 2017. Aus dem Jahr 1300 ist das älteste Stadtsiegel überliefert. Der Stadtname lautete inzwischen „Sunnensheim“.

Im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts wurden die Herren von Laufen Grafen in Kraichgau und Elsenzgau, anschließend wurde Sinsheim mehrfach verpfändet und hatte häufig wechselnde Herren. Zudem bestanden mit benachbarten Dörfern territoriale Verbünde. Es regierten die Markgrafen von Baden, die Herren von Gemmingen und die Herren von Hirschhorn.

In der Südwestecke der Altstadt von Sinsheim, innerhalb der ehemaligen Stadtmauer, befand sich die Burg Sinsheim.

Zugehörigkeit zur Kurpfalz ab 1329 Bevor Sinsheim 1329 an die Kurpfalz fiel, gehörte der Ort zu den Reichsstädten. Ab 1362 wurde Sinsheim dem kurpfälzischen Oberamt Mosbach unterstellt. 1410 fiel die Stadt an Pfalzgraf Otto I. von Pfalz-Mosbach, der ab 1440 auch Ansprüche auf das Nachbardorf Reihen erhob und dieses 1472 erwarb. Nach dem Tod des letzten Mosbachers 1499 ging Sinsheim an die Hauptlinie der Pfalzgrafen zurück. Umliegende Dörfer unterstanden zumeist den im Ritterkanton Kraichgau zusammengeschlossenen Adeligen. Pfalzgraf Philipp der Aufrichtige versetzte Sinsheim 1506 auf Wiederkauf an Orendel von Gemmingen. Der Wiederkauf erfolgte bis spätestens 1524.Adolf von Oechelhäuser, Adolf (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 8,1): Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Sinsheim, Eppingen und Wiesloch (Kreis Heidelberg), Tübingen 1909, S. 94.

1496 wurde das Sinsheimer Benediktinerkloster unter Abt Michael von Angelloch zu einem weltlichen Ritterstift umgewandelt. Im Bauernkrieg wurde Sinsheim 1525 von rund 1200 bewaffneten Bauern bedrängt, die nach der Öffnung der Stadttore unter Anführung des früheren Eppinger Pfarrers Anton Eisenhut das Ritterstift erstürmten und zahlreiche Zerstörungen hinterließen. Der Zorn der Bauern richtete sich gegen die im Stift lebenden Söhne der Grundherren des Elsenz- und Kraichgaus. Viele Adlige aus dem Kraichgau schlossen sich in den Folgejahren den Thesen Luthers an. Das Ritterstift in Sinsheim wurde von 1528 bis 1533 wieder instand gesetzt. 1557 bekannte sich Kurfürst Ottheinrich zur Augsburger Konfession, sein Nachfolger Friedrich III. vollzog dann die Reformation in der gesamten Kurpfalz. 1565 ließ Friedrich III. den Chor des Ritterstifts öffnen und katholisches Inventar verbrennen. Da das Stiftskapitel weiterhin die Annahme der Reformation verweigerte, hob Friedrich das Stift am 5. Juli 1565 auf.

Während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges wurde Sinsheim mehrmals von marodierenden Truppen heimgesucht und unter der Bevölkerung herrschte Armut und Elend. Einige verlustreiche Schlachten fanden im Umland statt, zum Beispiel die Schlacht bei Mingolsheim und die Schlacht bei Wimpfen 1622, und der kaiserliche Feldherr Tilly verwüstete auch Sinsheim. Nach Tilly zogen die Schweden ein, anschließend kroatische Reiter, danach Franzosen. Im heutigen Ortsteil Reihen reduzierte sich die Bevölkerung von 300 zu Beginn auf 14 Personen zum Ende des Krieges. Ähnlich verlustreich ging es auch in Sinsheim selbst zu. In den Wirren des Krieges scheiterte auch ein letzter Versuch, das Sinsheimer Kloster neu zu gründen.

mini|Ansicht auf Sinsheim, Kupferstich von 1645