mini|Terminal des Flugplatzes

Der Leipzig-Altenburg Airport ist ein regionaler Verkehrslandeplatz 42 Kilometer südlich von Leipzig und 5 Kilometer ostsüdöstlich von Altenburg auf dem Gelände der Gemeinde Nobitz in Thüringen. Im Umkreis von 40 Kilometern befinden sich zudem die größeren Städte Gera, Zwickau und Chemnitz. Leipzig-Altenburg gilt als einer der ältesten Flugplätze Deutschlands.

Geschichte mini|Programmheft Flugtage 1913 Die ersten Jahre Bereits zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Flugplatz an der Leina auf dem Gebiet des Herzogtums Sachsen-Altenburg von Leipziger Flugzeugfabriken zur Stationierung von Flugzeugen genutzt. Auf dem Exerzierplatz fanden Flugtage statt.

Nach der offiziellen Eröffnung 1913 als „Flugstützpunkt“ oder „Fliegerstation Nobitz“ begann 1916, während des Ersten Weltkriegs, unter Wilhelm Hintersatz die Herrichtung des Flugplatzes, als die Fliegerersatzabteilung 1Flieger Ersatzabteilung 1 von Adlershof nach Altenburg verlegt wurde. Ein Gelände von 110 Hektar wurde abgeholzt und planiert, Baracken und Flughallen errichtet, eine Kläranlage geschaffen und eine Straße nach Klausa gebaut. Als Startbahn diente eine etwa 800 × 600 Meter große Grasfläche. Eine Fliegerschule wurde eingerichtet. In einem neu errichteten Werftgebäude wurden Flugzeuge vom Typ Albatros, DFW, Rumpler und Fokker zusammengebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Fluggeräte, Hallen und Ausrüstung des Flughafens auf Beschluss der Alliierten demontiert oder zerstört. In den folgenden Jahren fanden nur Luftsportveranstaltungen, Rundflüge und Ballonfahrten statt.

Wiederaufbau Nach der NS-Machtübernahme 1933 erfolgte im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht auch der Aufbau einer (zunächst geheimen) Luftwaffe. Ein Bebauungsplan für den unter den Decknamen Alpendohle entworfenen Neubau des Fliegerhorsts Leinawald lag bereits vor. Auf Befehl Görings wurde 1936 die Fliegerhorstkommandantur neu aufgestellt und der Ausbau des Militärflugplatzes begann. Es entstanden Start- und Landebahnen, sieben Flugzeughallen, Werftanlagen, Prüfstände, Tankanlagen, Kontroll- und Ausbildungsgebäude, Funk-, Mess- und Wetterstation, Unterkünfte für Mannschaften und Offiziere, Casino und Sozialgebäude. Der Flugplatz war immer nur kurz mit aktiven fliegenden Verbänden belegt. Im Mai 1939 lag die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 3 mit zweimotorigen Bombern vom Typ Dornier Do 17 hier. Im Oktober/November 1943 war das Jagdgeschwader 301 mit seiner I. Gruppe, ausgestattet mit Messerschmitt Bf 109, hier stationiert, bevor im Juni/Juli 1944 wieder Teile des Kampfgeschwaders 3 hier aufgelöst wurden. Abschließend starteten von Februar bis April 1945 noch Junkers Ju 88 Nachtjäger des Nachtjagdgeschwaders 5 von hier.Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 12–13, abgerufen am 12. Januar 2019. Von 1942 bis 1945 wurden auf dem Flugplatz Lehrlinge im Flugzeugbau ausgebildet, dabei war eine Segelflug­schulung inbegriffen. Am 14. April 1945 besetzte die 6. US-Panzerdivision unter General Robert W. Grow die Stadt Altenburg. Das 69. Panzer-Bataillon (69th Tank Battalion) unter Commander Lagrew erreichte den Flugplatz. Der Flugplatz wurde durch das 825th EAB (Engineer Aviation Battalion; Flugplatzbaubataillon) wieder nutzbar gemacht und ab dem 16. April mit dem alliierten Flugplatz-Code Advanced Landing Ground ALG R-23 von den United States Army Air Forces verwendet.

In der Zeit der Roten Armee/Sowjetarmee miniatur|Eine Mi-8 auf dem Flugplatz miniatur|Ehem. Flugzeugunterstand vom Typ Bogendeckung AU-11 mit äußeren Merkmalen einfachster DDR-Bauweise miniatur|Kontrollturm des Zivilflughafens vor drei alten Flugzeugbunkern AU-11 miniatur|An-22 zum Tag der offenen Tür auf dem Zivilflugplatz

Am 1. Juli 1945 besetzte die Rote Armee den Flugplatz. Er war dann bis 1992 von den sowjetischen Streitkräften belegt.Stefan Büttner: Rote Plätze – Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994, AeroLit, Berlin, 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 183. Während dieser Zeit bekam der Flugplatz ein völlig neues Bild. Das verbliebene Rüstungsgut der Luftwaffe wurde vernichtet. Fünf der sieben Flugzeughallen wurden demontiert und in die Sowjetunion verbracht. Eine erste Belegung erfolgte durch Jak-9-Jäger von 1946 bis 1949. Anschließend nutzte das mit Li-2 ausgerüstete 197. Garde-Transportfliegerregiment den Platz. 1952 begann eine erste Ausbauphase in nördlicher Richtung als Stützpunkt für strahlgetriebene Jagdfliegerkräfte, wobei die ehemaligen deutschen Gebäude in die Infrastruktur integriert wurden. Die Start- und Landebahn wurde in nordöstlicher Richtung auf 1800 Meter verlängert, große Waldstücke abgeholzt, Bunker, Baracken, Hangars, Flakstellungen und leichte Splitterschutzdeckungen neu gebaut. In Richtung zur Gemeinde Nobitz wurden hölzerne Sichtblenden aufgestellt. Im angrenzenden Leinawald entstand eine weitläufige Kasernenanlage sowie ausgedehnte Fahrzeughallen. Anschließend wurden bis 1954 MiG-15 stationiert. Sie wurden durch MiG-17, später durch MiG-21 und MiG-27 abgelöst. In den 1960er Jahren erfolgte eine zweite Ausbauphase. Die Startbahn wurde 1960 auf 2300 Meter, 1969 schließlich auf 2500 Meter verlängert. Eine befestigte Vorstartlinie wurde angelegt, eine neue Leitzentrale errichtet, drei Fanganlagen aufgestellt, Fla-Raketen vom Typ 2K11 Krug stationiert – später durch Buk M1 ersetzt – und eine Schule für Offizierskinder gebaut. Zum Schutz der Fluggeräte wurden im Zeitraum von 1968 bis 1969 insgesamt 40 geschlossene Bogendeckungen vom Typ AU-11 errichtet, wobei diese numerische Bezeichnung die ungefähre innere Breite des Flugzeugunterstandes bezeichnet. Manchmal wurde der Flugplatz auch von militärischen Einheiten verbündeter Staaten genutzt, so u. a. aus Polen und der Tschechoslowakei. Auch Jagdgeschwader der NVA lagen zwischen 1967 und 1973 zeitweise in Altenburg. Zuletzt waren im Jahr 1986 Kampfflugzeuge vom Typ MiG-23BN des Jagdbombenfliegergeschwader 37 stationiert.

In den 1970er Jahren wurde der Platz nochmals ausgebaut. So entstanden Stellplätze für Hubschrauber, die von 1982 bis 1988 in Form der 312. OWE OP (Selbstständige Hubschrauberstaffel der Feuerunterstützung) in Altenburg ihren Standort hatten. 1981/82 erfolgte eine allgemeine Sanierung der Flugbetriebsflächen, die Vorstartlinie wurde erneuert und mit einer Unterflur-Tankanlage ausgerüstet und neue Wohngebäude errichtet. Ab 1989 bezog das mit MiG-29 ausgerüstete 968. IAP (Jagdfliegerregiment) den Platz.

Bis Mai 1992 wurde der Flugplatz Altenburg-Nobitz durch die Westgruppe der Truppen genutzt. Der letzte Flug einer MiG-29 fand am 8. April statt. Im gleichen Monat erfolgten die letzten von Il-76 durchgeführten Materialverbringungsflüge nach Russland und am 15. Juni erfolgte die Übergabe an die deutschen Behörden.

Wandlung zum Zivilflugplatz miniatur|EMB-120 der Air Omega

Am 24. Januar 1992 wurde die Flugplatz Altenburg-Nobitz GmbH gegründet. Eine Umnutzung als Regionalflugplatz erfolgte. Seither erfolgte ein stetiger Ausbau der flugtechnischen Anlagen. Ein neuer Tower und ein neues Abfertigungsgebäude entstanden. Im Sommer 1996 startete zum ersten Mal ein Charterflug der Gesellschaft Air Malta.

miniatur|Vorfeld miniatur|ATR-42 der Contact Air miniatur|Der Fuhrpark der Flughafenfeuerwehr wurde 2007 durch den Ziegler Z8 erweitert. Im Jahr 2002 gründete sich die Frachtfluggesellschaft Air Omega mit Sitz in Nobitz. Die Fluggesellschaft stationierte zwei Flugzeuge vom Typ Embraer EMB 120 auf dem Verkehrslandeplatz. Die Firma ging bereits 2003 wieder in Konkurs.

Während jedes Jahr vom Flugplatz Altenburg-Nobitz Chartermaschinen starteten, scheiterten die Bemühungen des Flugplatzes, Ende der 1990er Jahre einen Linienflugverkehr einzurichten. Erst 2003 fand der erste Linienflug mit der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair vom Flugplatz statt.

Am 17. Dezember 2004 wurde der Flugplatz auf Veranlassung des Thüringer Verkehrsministerium für Maschinen über 14 Tonnen gesperrt. Der Grund waren zu hohe Bäume in der Anflugschneise. Diese Bäume standen laut Thüringer Verkehrsministeriums auf sächsischer Seite in einem Naturschutzgebiet und durften daher nicht gefällt werden. Daraufhin mussten die Flüge der Ryanair zum Flughafen Erfurt umgeleitet werden. Diese Sperrung veranlasste die Mitarbeiter des Flugplatzes zu einer Demonstration und Unterschriften-Aktion, die den weiteren Flugverkehr in Altenburg sicherstellen sollte. Die Demonstranten vertraten die Meinung, dass es sich bei der Sperrung in erster Linie um ein Kalkül Erfurter Politiker handelte und nicht um die Sicherheit der Passagiere, da die Fluggesellschaft Ryanair kurz vor der Sperrung angekündigt hatte, sich vom Flughafen der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt zurückzuziehen. Nach einer erneuten Vermessung im Januar 2005 wurde festgestellt, dass die Bäume auf Thüringer Seite standen, sie wurden kurz darauf gefällt. Am 11. Januar wurde der Flugplatz wieder für Großflugzeuge freigegeben. Der Bund der Steuerzahler listete diese Sperrung in seinem Schwarzbuch 2005 auf, weil durch die vermeidbare Sperrung unnötige Kosten, wie zum Beispiel der Bustransfer der Fluggäste nach Erfurt, entstanden waren. Im März 2005 wurde das Flughafenmuseum eröffnet.

Vom 1. März 2007 bis Oktober 2010 flog Ryanair zum spanischen Flughafen Girona, der rund 75 Kilometer von der katalanischen Hauptstadt Barcelona entfernt liegt.

Am 15. Februar 2008 wurde der Flugplatz in Leipzig-Altenburg Airport umbenannt. Zur besseren Vermarktung seiner Flüge bezeichnete Ryanair den Flugplatz schon seit dem Start der London-Linie im Jahr 2003 als Altenburg (Leipzig). Der Flughafen Leipzig/Halle sah dadurch seine Rechte verletzt und erwirkte vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung, nach der die Verwendung dieses neuen Namens vorläufig untersagt wurde. Das Gericht hob diese Verfügung jedoch am 2. Mai 2008 wieder auf. Der Flughafen Leipzig/Halle ging daraufhin in Berufung, zog diese aber Anfang November 2008 zurück. Eine weitere Verbindung in das schottische Edinburgh wurde von Ryanair am 31. März 2009 eingerichtet, zum Ende des Sommerflugplans jedoch wieder eingestellt.

Am 29. Juni 2009 wurde die Start- und Landebahn von 2235 auf 2435 Meter verlängert, vorausgegangen war die Sanierung eines stillgelegten Stücks der Startbahn. Im Herbst begannen die Arbeiten für einen 640 m² großen Terminalanbau, der nach seiner Fertigstellung am 14. April 2010 in Betrieb ging.

Am 26. März 2011 startete Ryanair ihren letzten Flug und verlegte ihren Flugbetrieb für Passagiere aus dem mitteldeutschen Raum auf den Flughafen Magdeburg-Cochstedt.Reportage der Leipziger Volkszeitung über den Flughafen Altenburg vom 25. März 2011. Ryanair war unzufrieden mit den Buchungszahlen und einer nicht durchgesetzten Erhöhung der Marketingzuwendungen.Leipzig: Ryanair zieht sich komplett zurück vom 7. Januar 2011. Damit gab es vom Flugplatz keine Linienflüge mehr.

2012 errichtete Classicflug auf dem Gelände einen neuen rund 600 m² großen Hangar. In diesem befinden sich seitdem historische Flugzeuge im flugfähigen Zustand, unter anderem eine Focke-Wulf Fw 44.

Seit 2015 ist der Leipzig-Altenburg Airport nicht mehr als regionaler Verkehrsflughafen klassifiziert.

Der Flugplatz besitzt gegenwärtig ein ILS in Hauptanflugrichtung mit der Allwetterflugbetriebsstufe CAT I.

Gelände miniatur|Der Apollo auf dem Airport miniatur|Die restaurierte MiG-21 SMT vor dem Hangar miniatur|Das Werk des Flugzeugmotorenherstellers Technify Das ehemalige Gelände des Militärflugplatzes hatte eine Größe von mehreren hundert Hektar, davon nimmt der heutige Verkehrslandeplatz nur einen kleinen Teil ein. Dieser befindet sich mit dem Vorfeld und der Startbahn auf dem westlichen Teil des Geländes.