mini|Wilhelm Hauff (ca. 1820) Wilhelm Hauff (* 29. November 1802 in Stuttgart, Herzogtum Württemberg; † 18. November 1827 in Stuttgart, Königreich Württemberg) war ein deutscher Schriftsteller der Romantik. Er gehörte zum Kreise der Schwäbischen Dichterschule. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Märchen Das kalte Herz und Die Geschichte von dem kleinen Muck sowie der Historienroman Lichtenstein.
Herkunft und Ausbildung Wilhelm Hauff wurde als Sohn des damaligen Regierungs-Registrators August Friedrich Hauff (1772–1809) und dessen Frau Wilhelmine Friederike Hedwig, geb. Elsässer (1773–1845), in Stuttgart geboren. Sein Vater wurde dort 1805 zum Oberhofgerichts-Sekretär und 1807 zum Geheimsekretär beim Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ernannt. Hauffs Vorfahren väterlicherseits waren Landmänner in Steinheim an der Murr und besaßen mehrere Lehen des dortigen Klosters. Hauffs Mutter war die Tochter des Rechtsprofessors und Regierungsrats Karl Friedrich Elsässer (1746–1815). Hauff hatte einen älteren Bruder, den Schriftsteller Hermann Hauff (1800–1865), und die beiden jüngeren Schwestern Marie (* 1806) und Sophie (* 1807). Nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit den Kindern zu ihrem Vater nach Tübingen in die Haaggasse.Ahnentafel des Dichters Wilhelm Hauff. Bearbeitet von Hans Müller, Max Cramer und Hemann Klaiber. In: Ahnentafeln berühmter Deutscher, Bd. 1. Herausgegeben von der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte in Leipzig, Leipzig 1929, S. 78–81.
Hauff besuchte von 1809 bis 1816 die Schola Anatolica, die damalige Tübinger Lateinschule, und nach bestandenem Landexamen ab 1817 die Klosterschule in Blaubeuren. Er studierte von 1820 bis 1824 als Stipendiat des Evangelischen Stifts Tübingen an der Universität Tübingen Theologie. Im Oktober 1825 wurde er an der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen mit zwei Abhandlungen, die nicht erhalten und deren Titel und Themen nicht bekannt sind, zum Dr. phil. promoviert.Hinz, Hauff, S. 140, 146. Er war Mitglied der Burschenschaft Germania Tübingen.Burschenschaft GermaniaHelge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 291–293. Aus dieser Zeit stammen einige im Kommersbuch abgedruckte Texte von Studentenliedern.
Wirken als Hauslehrer und Redakteur mini|Wilhelm Hauff nach einem Gemälde von J. Behringer, Pastellkreide 1826 Hauff arbeitete von 1824 bis 1826 in Stuttgart bei Ernst Eugen Freiherr von Hügel als Hauslehrer und reiste danach durch Frankreich und Norddeutschland. 1825 trat er mit der Satire Der Mann im Mond hervor, in der er Stil und Manier des Trivialautors Heinrich Clauren und dessen Erzählung Mimili virtuos nachahmt und der Lächerlichkeit preisgibt. Zwei Jahre später legte er mit der Controvers-Predigt über H. Clauren und den Mann im Mond den literarischen Bluff offen.
Im Januar 1827 wurde er Redakteur des Cotta’schen Morgenblattes für gebildete Stände. Im Februar heiratete er seine Cousine Luise Hauff (* 6. Januar 1806; † 30. Juli 1867), die er 1823 in Nördlingen kennengelernt und mit der er sich 1824 verlobt hatte. Im August unternahm er eine Studienreise durch Tirol, bei der er Material für ein geplantes Werk über Andreas Hofer sammeln wollte. Während der Reise infizierte er sich mit Typhus und kehrte krank zurück.
Am 10. November 1827Als Geburtstag der Tochter Wilhelmine wird meist der 10. November angegeben, z. B. in Daten der deutschen Literatur, obwohl auf der Bronzeplatte am Familiengrab das Datum 11. November steht. wurde die Tochter Wilhelmine geboren († 2. Januar 1845). Hauff starb acht Tage später an der Typhuserkrankung, kurz vor seinem 25. Geburtstag. Das Grab der Familie befindet sich auf dem Hoppenlaufriedhof in Stuttgart.
Wohnungen + Übersicht 1802 Stuttgart, Eberhardstraße 23 1806 Tübingen, Haaggasse 15 (Schottei) 1808 Stuttgart, Eberhardstraße 23 1809 Tübingen, Haaggasse 15 (Schottei) 1817 Seminar Blaubeuren 1821 Tübingen, Haaggasse 15 (Schottei) 1824 Stuttgart, Charlottenplatz (Kriegsministerium) 1827 Stuttgart, Fritz-Elsas-Straße 49 (Hartmannsches Haus)
Hauff wurde 1802 als Sohn des Regierungsratssekretärs August Friedrich Hauff in einer Mietwohnung im 2. Stock des Hauses Nummer 1358 im Kleinen Graben geboren. Das große, dreistöckige Haus mit Geschäften im Erdgeschoss erstreckte sich in den Obergeschossen über neun Fensterachsen. Nach der Umbenennung des Kleinen Grabens 1811 erhielt das an der Ecke zur Kreuzstraße liegende Haus die Adresse Eberhardstraße 23. Das Gebäude stand an der Stelle des heutigen Hauses Eberhardstraße 33, Ecke Dornstraße, in dem das Baurechtsamt seinen Sitz hat ().#Hofmann 1902, S. 3–5. Am Hauseingang befindet sich eine Gedenktafel mit dem Hinweis „Hier stand bis 1944 Hauffs Geburtshaus“.
Nach vier Jahren wurde Hauffs Vater im Frühjahr 1806 als Hofgerichtssekretär an den höchsten Gerichtshof Württembergs, das Oberappellationstribunal in Tübingen versetzt. Die Familie wohnte zwei Jahre in einer Mietwohnung in dem Haus Haaggasse 15 in Tübingen, in dessen Erdgeschoss sich die „Restauration Schottei“ befand, nach der das Haus Schottei genannt wurde. 1808 wurde Hauffs Vater als Geheimer Sekretär in das Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten berufen, und die Familie zog wieder nach Stuttgart in das Haus Eberhardstraße 23. Als der Vater am 2. Februar 1809 im Alter von nur 37 Jahren starb, zog die Mutter Wilhelmine Hauff mit der Familie wieder in die Schottei, in der seit 1807 auch der Oberappellationsrat Karl Friedrich Elsäßer, Hauffs Großvater mütterlicherseits, wohnte.
Ab September 1817 besuchte Hauff drei Jahre lang das Seminar Blaubeuren. Von 1820 bis 1824 besuchte er als Stipendiat das Evangelische Stift Tübingen. Anfangs dort noch logierend (WS 1820/21), wobei er unter anderem mit Christian Gottlob Barth, einem Protagonisten der Erweckungsbewegung, das Zimmer teilte,Werner Raupp: Christian Gottlob Barth. Studien zu Leben und Werk, Stuttgart: Calwer Verlag 1998 (ISBN 3-7668-3579-3) (zugl. Diss. Tübingen 1996), S. 91 f. wohnte er ab Sommer 1821SS 1821 ff. wieder in der Schottei, in der er ein Zimmer im ersten Dachgeschoss belegte.#Hornbogen 1999.
Von Oktober 1824 bis April 1826 war Hauff in Stuttgart bei dem Kriegsratspräsidenten Ernst von Hügel als Hofmeister angestellt. Er wohnte im 2. Stock des alten Kriegsministeriums am Charlottenplatz. Inspiriert von der Aussicht auf die Kanalstraße mit der Restauration zur Kiste und dem heutigen Stuttgarter Schriftstellerhaus, schrieb er 1826 die Novelle Freie Stunden am Fenster, in der der Erzähler sein Nachbarhaus beobachtet.
Am 13. Februar 1827 heiratete Hauff in Enzweihingen seine Cousine Luise Hauff. Er bezog mit ihr fünf Zimmer in einer Mietwohnung in dem Hartmannschen Haus in der Gartenstraße 264 in Stuttgart, heute Fritz-Elsas-Straße 49.#Hofmann 1902, S. 106, #Hinz 1989, S. 84, 87. Geburtshaus des Dichters Wilhelm Hauff Link zum Bild (Bitte Urheberrechte beachten)
Werke Wilhelm Hauffs kurze literarische Schaffensperiode begann 1825 mit der Veröffentlichung einiger Novellen (Memoiren des Satan, Othello) sowie seines ersten Märchenalmanachs.
Die Germanisten Gabriele von Glasenapp und Wolf-Daniel Hartwichs. Wolf-Daniel Hartwich: Romantischer Antisemitismus. Von Klopstock bis Richard Wagner. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 978-3-525-20840-3 wiesen darauf hin, dass Hauff in einigen Werken wie Jud Süß, Mittheilungen aus den Memoiren des Satan und Abner, der Jude, der nichts gesehen hat durch Zeichnungen des Charakters wie der Physiognomie seiner Figuren auch antijüdische Stereotype und Klischees seiner Zeit reproduziere.
Märchen und Sagen
Hauffs Märchen fallen in die spätromantische Literaturphase nach den scharfen Zensurbestimmungen der Karlsbader Beschlüsse im Jahre 1819. Der erste Band um die Rahmenerzählung Die Karawane enthält orientalische Märchen. Der zweite Band verlässt den rein orientalischen Handlungsraum, so steht etwa Schneeweißchen und Rosenroth, von Wilhelm Grimm übernommen, in der europäischen Märchentradition. Der dritte Band mit der Rahmenerzählung Das Wirtshaus im Spessart behandelt eher Sagenstoffe als Märchen; die Schwarzwaldsage Das kalte Herz ist die bekannteste dieser Sagen.
mini|hochkant|Illustration aus dem Gespensterschiff mini|Erstausgabe des Märchenalmanachs von 1828
Märchen-Almanach auf das Jahr 1826 für Söhne und Töchter gebildeter Stände (1825) Märchen als Almanach (Einleitung) Die Karawane (Rahmenerzählung) Die Geschichte von Kalif Storch Die Geschichte von dem Gespensterschiff Die Geschichte von der abgehauenen Hand Die Errettung Fatmes Die Geschichte von dem kleinen Muck Das Märchen vom falschen Prinzen
Märchen-Almanach auf das Jahr 1827 für Söhne und Töchter gebildeter Stände (1826). Der Scheich von Alessandria und seine Sklaven (Rahmenerzählung) Der Zwerg Nase Abner, der Jude, der nichts gesehen hat Der arme Stephan (von Gustav Adolf Schöll) Der gebackene Kopf (von James Justinian Morier) Der Affe als Mensch (Filmtitel: Der junge Engländer) Das Fest der Unterirdischen (von Wilhelm Grimm) Schneeweißchen und Rosenrot (von Wilhelm Grimm) Die Geschichte Almansors
Märchenalmanach auf das Jahr 1828 für Söhne und Töchter gebildeter Stände (1827). Das Wirtshaus im Spessart (Rahmenerzählung) Die Sage vom Hirschgulden Das kalte Herz (in zwei Teilen in die Rahmenerzählung eingefügt) Saids Schicksale Die Höhle von Steenfoll – Eine schottländische Sage
Nicht in den Almanachen enthalten ist die kurz gefasste Sage Der Reußenstein, in der Hauff schildert, wie sich ein Riese die Burg Reußenstein erbauen ließ (die heutige Ruine Reußenstein).Wilhelm Hauff: Der Reußenstein. In: Projekt Gutenberg
Im Vergleich zu E. T. A. Hoffmann, der ein guter Freund Hauffs war, sind seine Märchen „erdhafter, kompakter (…) Glück ist Verwurzelung in der Heimat, in Ehe und Familie“.Paul-Wolfgang Wührl: Das deutsche Kunstmärchen Geschichte, Botschaft und Erzählstrukturen. Schneider Verlag, Hohengehren 2012, S. 196.
Roman Lichtenstein (3 Bände, 1826)
Der historische Roman Lichtenstein war bis ins 20. Jahrhundert neben Hauffs Märchen sein bekanntestes Werk. Herzog Wilhelm von Urach, Angehöriger einer Nebenlinie des regierenden Hauses Württemberg, ließ sich durch den Roman anregen, das alte Forsthaus in der Nähe des Standortes der ehemaligen Burg Alt-Lichtenstein zu erwerben und Anfang der 1840er Jahre auf dessen Gelände über dem Echaztal bei Lichtenstein-Honau eine der vormaligen Ritterburg nachempfundene neue Burg, das bis heute bestehende Schloss Lichtenstein, errichten zu lassen. Die Ruinenreste der Ende des 14. Jahrhunderts zerstörten Burg befinden sich wenige hundert Meter davon entfernt.
Auch eine Oper, Theaterstücke und Dramatisierungen für das Scherenschnitttheater trugen zur Popularisierung des Romans bei.
Satiren Der Mann im Mond oder Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme (erschienen 1825 unter dem Namen des populären H. Clauren) Mittheilungen aus den Memoiren des Satan (1825/1826, 2 Bände) Controvers-Predigt über H. Clauren und den Mann im Mond, gehalten vor dem deutschen Publikum in der Herbstmesse 1827
Erzählungen Othello (1826). Die Sängerin (1826). Die Bettlerin vom Pont des Arts (1827). Jud Süß (1827) Die letzten Ritter von Marienburg (1827) Das Bild des Kaisers (1827) Phantasien im Bremer Ratskeller, ein Herbstgeschenk für Freunde des Weines (1827) Die Bücher und die Lesewelt Freie Stunden am Fenster (1826) Der ästhetische Klub Ein Paar Reisestunden
Studentenlieder und andere Lieder Zum letzten Mal willkommen (1823). Wenn die Becher fröhlich kreisen (1823)Allgemeines Deutsches Kommersbuch, Nr. 311 bei Wikisource Brüder auf, erhebt die Klingen (1824)Schlägerlied, gesungen für Tübingens Burschen. bei Projekt Gutenberg Treue Liebe (1824)Treue Liebe. bei Projekt Gutenberg Wo eine Glut die Herzen bindet (1824)Allgemeines Deutsches Kommersbuch, Nr. 221 bei Wikisource