mini|Schlumpfskulptur in Brüssel (bei Galerie Horta) Die Schlümpfe (im französischsprachigen Original: Les Schtroumpfs) sind Comicfiguren, die 1958 vom belgischen Zeichner und Autor Peyo (Pierre Culliford, 1928–1992) zunächst als koboldartige Nebenfiguren für seine Comicserie Johan et Pirlouit (dt. meist Johann und Pfiffikus) entworfen wurden."Quant aux Schtroumpfs, en les créant je pensais davantage aux trolls, aux lutins, gnomes et autres farfadets dont nos légendes sont peuplés." ("Was die Schlümpfe betrifft, als ich sie schuf, dachte ich vor allem an die Trolle, die Zwerge, Gnome und andere Kobolde, die unsere Märchen bevölkern." [Peyo, in: Les cahiers de la bande dessinée, no. 54, 1983]) Diese erschien damals im Magazin Spirou. Ab 1959 veröffentlichte Peyo dort dann auch eigenständige Comics mit den Schlümpfen.
Ausgehend von den Comics wurden die Schlümpfe rasch populär: zunächst im französischen und niederländischen, ab Ende der 1960er Jahre auch im deutschen Sprachraum und in weiteren europäischen Ländern. Den endgültigen Durchbruch zum internationalen Erfolg erreichten sie mit der TV-Zeichentrickserie, die ab 1981 in den USA produziert und global vermarktet wurde. Parallel dazu sorgten auch PVC-Figuren, Kinofilme, Musikaufnahmen, Hörspiele und Videospiele mit den Schlümpfen für deren wachsende Verbreitung und entsprechende Umsätze. Diese wurden für 2013 weltweit mit 25 Millionen verkauften Comic-Alben, 300 Millionen Figuren, 40 Millionen Schallplatten und CDs sowie 8 Millionen DVDs beziffert. Hinzu kommen zahllose Lizenzen für Produkte mit Schlumpfmotiven.
Die Schlümpfe in der Originalfassung Die Schlümpfe Die Schlümpfe sind sehr klein (sie passen mühelos in die Hand eines erwachsenen Menschen) und haben eine kräftig blaue Hautfarbe. Peyo äußerte einmal, dass ein Schlumpf in etwa die Größe von drei Äpfeln übereinander habe, was man allerdings nicht wörtlich verstehen sollte, da das originale „haut comme trois pommes“ der deutschen Redewendung „Dreikäsehoch“ entspricht. Sie sind meist einheitlich gekleidet mit weißen Hosen (die in der Art einer Strumpfhose auch die Füße umschließen) und einer weißen phrygischen Mütze. Der Große Schlumpf (Papa Schlumpf) hebt sich von den anderen Schlümpfen durch seinen weißen Vollbart und seine rote Kleidung ab. Alle anderen Schlümpfe sind bartlos. Zu Ausnahmen von der weißen Einheitskleidung, wie beim Gärtnerschlumpf (Strohhut), dem Kochschlumpf (Kochmütze) oder dem Bastelschlumpf (Latzhose), kommt es erst in späteren Alben. Weitere Eigenheiten der Schlümpfe sind ein kleines, blaues Stummelschwänzchen und ihre Sprache, die sich dadurch auszeichnet, dass gewisse Satzbestandteile eher willkürlich durch den Begriff „Schlumpf“ und Ableitungen wie z. B. „schlumpfen“ ersetzt werden. Lieblingsspeise der Schlümpfe ist Sarsaparille, und zwar vorwiegend deren Blätter. Ihre Früchte werden im Deutschen bisweilen mit „Schlumpfbeeren“ übersetzt, vor allem in den Zeichentrickepisoden und Videospielen. Der Große Schlumpf verwendet diverse Teile der Sarsaparille-Pflanze auch zur Herstellung von Salben, Tränken und Arznei.
Der originale Name Schtroumpfs ist nur indirekt eine Wortschöpfung Peyos: Als er einmal beim Essen um den Salzstreuer bitten wollte und ihm der Begriff nicht einfiel, sagte er: „Passe-moi le … le Schtroumpf“ anstelle von: „Passe-moi le sel.“„Würdest du mir bitte mal das… na, die… ach den Schtroumpf neben dir geben?“ anstelle von „Gib mir das Salz!“; siehe Die Schlümpfe Kompaktausgabe Bd. 1, S. 9. Wenige Monate später suchte er dann anlässlich ihres ersten Auftritts eine Bezeichnung für seine kleinen blauen Kobolde, und er erinnerte sich an das „Schtroumpf“-Wortspiel. Dass es im Deutschen einen gleichlautenden Begriff namens „Strumpf“ gibt, war ihm dabei nach eigener Aussage nicht bewusst. Der deutsche Name Schlümpfe tauchte erstmals bei der Ausstrahlung der Schwarzweiß-Kurzfilme im Rahmen der Sendung Sport-Spiel-Spannung des Bayerischen Rundfunks Mitte der 1960er Jahre auf. Ihr deutschsprachiges Comic-Debüt gaben die Schlümpfe erst einige Jahre später in Fix und Foxi Nr. 20/1969 innerhalb der Geschichte Prinz Edelhart und die Schlümpfe.
Die Schlümpfe in Johan et Pirlouit Peyo, der vom Mittelalter begeistert war, zeichnete einen wesentlichen Teil seiner Comic-Abenteuer vor dem Hintergrund dieser Epoche. So entwarf er ab 1946 Geschichten um den Pagen Johan. Johan, zunächst blond gezeichnet, wurde ab 1952 für eine Veröffentlichung im Magazin Spirou mit schwarzen Haaren dargestellt. In einer anderen, 1953/54 gezeichneten Geschichte um diesen Pagen (Le lutin du bois aux roches, Album 1956) tritt erstmals der kleine quirlige Pirlouit auf, welcher Johan seither treu zur Seite steht. Der blonde Pirlouit war Peyos Lieblingsfigur (Peyo 1990: „Pirlouit était mon personnage préféré. J’aime bien les Schtroumpfs aussi mais mon préféré c’est quand même Pirlouit“ („Pirlouit war meine Lieblingsfigur. Ich mag auch die Schlümpfe, aber ich bevorzuge Pirlouit.“)). In: rtbf.be (französisch) Seither heißt die Serie Johan et Pirlouit (Johann und Pfiffikus).
Eine weitere immer wiederkehrende Figur ist der Zauberer Homnibus (ab 1955), der zudem später wie ein Bindeglied zur Welt der Schlümpfe fungiert und so auch in deren Abenteuern ab und zu auftaucht. Ähnlich gestaltet, mit charakteristischem blauem Talar und langem weißem Bart, ist im Übrigen der Zauberer Merlin im Disney-Film Die Hexe und der Zauberer (1963). Am 23. Oktober 1958 traten dann im Rahmen des laufenden Abenteuers La flûte à six schtroumpfs (bei Spirou noch La flûte à six trous) in einer wichtigen Nebenrolle erstmals Les Schtroumpfs (Die Schlümpfe) auf. Mit dramaturgisch ähnlicher Bedeutung sind die Schlümpfe auch in drei weiteren von Peyo gezeichneten Abenteuern mit Johann und Pfiffikus zu sehen. 1970 veröffentlichte Peyo sein letztes Album mit Johan et Pirlouit (Le sortilège de Maltrochu). Nach Peyos Tod produzierte sein Studio vier neue Bände der Serie (von 1994 bis 2001). In zwei davon treten auch die Schlümpfe wieder in Erscheinung.
Die Schlümpfe im Comic mini|Die Schlümpfe im Rahmen der Comic-Strip-Route in Brüssel, an der Decke einer Passage
1959 schlug Spirou-Chefredakteur Yvan Delporte dem Autor Peyo vor, eine Kurzgeschichte ausschließlich mit Schlümpfen zu zeichnen. Dafür erfanden sie das Format der Mini-récits, kleine Hefte, die man aus einer Doppelseite einer Spirou-Ausgabe selber basteln konnte. Peyo schätzte das Interesse an Schlumpf-Geschichten nur als eine vorübergehende Mode ein. Schließlich widmete sich Peyo, wohl auch wegen der Resonanz vonseiten der Leserschaft, wesentlich stärker den Schlümpfen und gestaltete vorwiegend deren Abenteuer. Diese sechs ersten Geschichten im Miniformat wurden später für die Alben neu gezeichnet. Peyo gilt grundsätzlich als der Schöpfer der Schlümpfe; an den Geschichten arbeiteten in Zeichnung und Text auch Yvan Delporte, Gos und andere mit. Das letzte Schlumpf-Album, an dem Peyo offiziell noch mitwirkte („Der Finanzschlumpf“), erschien 1992 kurz vor seinem Tod.
Seither hat das Studio Peyo mit seinem Sohn Thierry Culliford als kreativem Leiter nahezu jährlich neue Schlumpf-Alben produziert, dazu viele Kurzgeschichten (mit acht oder vier Seiten) sowie 220 Einseiter (Schtroumpferies) und kurze streifenlange Witze. Fünf Alben mit diesen Comic-Strips sind 2007–2012 auf Französisch erschienen, die 2013 noch einmal zu zwei Sammelbänden zusammengefasst wurden (300 gags schtroumpfs 1 & 2). Auf Deutsch sind sie lediglich in Auswahl in der Reihe Schlumpfereien des Toonfish-Verlags enthalten, zusammen mit einigen der neuen Schtroumpferies.
Hinzu kamen außerdem neben den bereits erwähnten vier neuen Johan et Pirlouit-Alben auch noch sieben Bände einer weiteren Serie von Peyo, Benoît Brisefer (dt. Der kleine Winni bzw. Benni Bärenstark). 2017 startete dann eine neue Albenreihe, „Die Schlümpfe und das verlorene Dorf“, in Anlehnung an den gleichnamigen Kinotrickfilm aus demselben Jahr. 2020 begann überdies die kleinformatige Serie „Grandir avec les Schtroumpfs“ (dt. „Groß werden mit den Schlümpfen“), die nach Szenarios von Falzar in einer modernisierten Grafik von Antonello Dalena und mit einer farbenfrohen Kolorierung von Paolo Maddaleni konkrete Sorgen und Ängste von Kindern anspricht, ergänzt um einen pädagogischen Anhang von der Psychologin Diane Drory.
Die Schlümpfe in Film und Fernsehen Der Kinofilm von 1975: Die Schlümpfe und die Zauberflöte
Nach einem Versuch in Schwarzweiß, Anfang der 1960er Jahre durch das Trickstudio Dupuis TVA,Peyos BiografieBD et Animation: Une Tradition Belge (französisch) und nachdem mit Tim und Struppi, Asterix und Lucky Luke bereits einige frankobelgische Comic-Serien verfilmt worden waren, kamen die Schlümpfe am 24. Dezember 1975 mit der Verfilmung ihrer Debüt-Geschichte La flûte à six schtroumpfs in Belgien ins Kino. Die deutschsprachige Fassung startete im Oktober 1976 in den bundesdeutschen Kinos. Die ursprünglich karge Darstellung des verwunschenen Landes der Schlümpfe erfolgt im Film viel bunter und auch umfangreicher. Im Gegensatz zum Comic bleiben im Film vier Schlümpfe während der Seereise und dem Endkampf gegen Mathieu Torchesac alias Bruno Böse bei Johan. Im Comic verabschieden sich am Ende die Schlümpfe auf einem Feld, im Film findet diese Szene im Schloss statt. Die Filmmusik, mit Einsatz der Flöte, stammt vom dreifachen Oscar-Preisträger Michel Legrand. Einige andere Comic-Geschichten von Johan sind in der ab 1981 produzierten Zeichentrickserie enthalten, den Schlümpfen kommt dabei im Vergleich zu den entsprechenden Comic-Geschichten (falls sie dort überhaupt vorhanden sind) meist eine größere Rolle zu. Von einem deutschen Anbieter kam die DVD des Films im Februar 2007 heraus (ohne frz. Tonspur).
Die Schlümpfe (Zeichentrickserie)
Von 1981 bis 1989 wurden bei Hanna-Barbera die Schlümpfe für das Fernsehen aufbereitet. Zu den insgesamt 272 Episoden zählen auch 18 Folgen mit Johann und Pfiffikus, z. B. Johann und Peewit in Schlumpfhausen. Bei der deutschen Bearbeitung der US-Zeichentrickserie entstanden dann, bedingt durch kürzere Namen in der US-Version und die erwünschte Synchronisation, kurze Namen für die kleinen Schlümpfe, zum Teil entsprechend den englischen Vorlagen.
Die Darstellung in der Zeichentrickserie unterscheidet sich in manchen Details von der Comic-Welt der Schlümpfe (seit 1958, derzeit 38 Alben, 5 Alben Schtroumpferies und viele weitere Kurzgeschichten). Nebenfiguren treten auf wie etwa Rotznase (Bolvamel) oder die Hexe Hogatha sowie Opa Schlumpf und Oma Schlumpf, welche nicht in den regulären Alben (Les Schtroumpfs, Schtroumpferies), wohl aber in einigen Kurzgeschichten zu sehen sind (Oma und Opa 1998 in Besuch von Opaschlumpf, Hogatha 1991 in Hogathas Talisman, Rotznase 2000 in Die Schlümpfe und die Riesenmöhren). Im Comic möchte Gargamel bei seinem ersten Auftreten (in Le voleur de Schtroumpfs, dt.: Der gefangene Schlumpf) Gold machen mithilfe eines Zaubers, für den er einen Schlumpf aufkochen muss.
Im Comic bleiben im französischen Original und in der Carlsen-Übersetzung die Benennungen der Schlümpfe von der Fernsehserie unbeeinflusst. Grand Schtroumpf ist der Große Schlumpf, politische Auslegungen der in der deutschen Synchronfassung der Fernsehserie üblichen Bezeichnung Papa Schlumpf sind für den Comic und gegenüber den Autoren daher irrelevant.
Die Schlümpfe (2011)
Der zweite Kinofilm um die Schlümpfe ist ein US-amerikanischer 3D-Film aus dem Jahr 2011 von Regisseur Raja Gosnell mit einer Mischung aus Real- und Computeranimationsfilm.
Als der böse Zauberer Gargamel die Schlümpfe aus ihrem Dorf verjagt, flieht eine Gruppe versehentlich in die reale Welt. Allein auf sich selbst gestellt, versuchen die Schlümpfe sich im Großstadtdschungel von New York zurechtzufinden. Auf dem Weg lernen sie zwei Menschen kennen, gespielt von Neil Patrick Harris und Jayma Mays, die ihnen helfen.